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Märkte: Mais gibt den Ton an – die Fakten

In den vergangenen Wochen war es hauptsächlich der Mais, der an den Börsen hohe Gewinne für sich verbuchte. Angeheizt durch diese sehr freundliche Stimmung kletterten auch die Weizenpreise weiter nach oben. Dennoch steht die Frage im Raum, ob dieser Aufschwung berechtigt ist und ob sich die Erfolgsstory im kommenden Wirtschaftsjahr fortsetzen wird. Gerade in den vergangenen Tagen wendete sich das Blatt. Im Folgenden werden die Fakten und Prognosen aufgeführt:

Brasilien

Einer der Hauptakteure am globalen Maismarkt ist Brasilien. Eine Besonderheit in diesem Land ist der Anbau von zwei Maisernten. Während die erste sich mittlerweile mengenmäßig auf nur noch ca. 25 % beläuft, nimmt die zweite Ernte, die sogenannten Safrinha-Ernte bereits ca. 75 % ein. Hierfür wird der Mais nach der Sojabohnenernte ausgesät. In diesem Jahr verzögerten starke Niederschläge die Bohnenernte und damit folgte die Aussaat nicht im für die Pflanzenentwicklung idealen Zeitfenster. Analysten befürchteten bereits eine Abwärtskorrektur von bis zu 10 Mio. t. Das schürt die Sorgen vor Ertragseinbußen, was den Kursen bereits zum Jahreswechsel Auftrieb bot. Die Analysten des US-Agrarministeriums haben diese Befürchtungen jedoch noch nicht bestätigt. Im Mai-Bericht wurden folgende Zahlen veröffentlicht:

Aktuelle Prognosen 20/21: Produktion 102 Mio. t, Exporte 35 Mio. t, Endbestände 5,23 Mio. t

Aktuelle Prognosen 21/22: Produktion 118 Mio. t, Exporte 43 Mio. t, Endbestände 8,93 Mio. t

Demnach wird bisher noch mit einer höheren Produktion gerechnet, die eine größere Exportmenge und einen Anstieg der Endbestände mit sich bringen würde. Das Wetter in den kommenden Wochen wird entscheidend sein.

USA

Die USA nehmen neben Südamerika eine wichtige Rolle als einer der Hauptlieferanten am Maismarkt ein. Für Überraschung sorgte zuletzt die Anbauflächenplanung des USDA. Denn im Vorfeld wurde eine Ausweitung der Anbaufläche auf 93 Mio. acres erwartet. Nach offiziellen Erhebungen beträgt sie jedoch nur 91,1 Mio. acres. Das gab den Kursen Aufschwung. Zudem war das Wetter für die Pflanzenaussaat und -entwicklung nicht ideal. Das La Nina Phänomen, das auch in Südamerika für schwierige Witterungsbedingungen sorgt, führt in den US-Anbaugebieten zu Trockenheit und Kälte. Dies belastete Anfang Mai bereits den Weizenanbau, was sich preislich ebenfalls positiv auf die Maispreise auswirkte. Diese erreichten zwischenzeitlich den höchsten Stand seit acht Jahren. Preistreibend sind aber besonders die Exporte Richtung China. Der Fokus der chinesischen Einkäufer rückt nun auch auf die neue Ernte, sodass auch diese Preise entsprechend anzogen. Die US-Exporte im Wirtschaftsjahr 20/21 summieren sich bisher auf 47,3 Mio. t (+ ca.20 Mio. t zum Vorjahreszeitpunkt).

Aktuelle Prognose 20/21: Produktion 360,25 Mio. t, Exporte 70,49 Mio. t, Endbestände 31,93 Mio. t

Aktuelle Prognose 21/22: Produktion 380,76 Mio. t, Exporte 62,23 Mio. t, Endbestände 38,28 Mio. t

Sollte sich die optimistische Produktionsprognose bewahrheiten wäre ein Aufbau der Endbestände in der kommenden Saison möglich. Dennoch würde sich zur Saison 19/20 immer noch ein Defizit von ca. 10 Mio. t ergeben.

China

Auf Seiten der Nachfrage hat in den vergangenen Monaten China eine besondere Rolle eingenommen. Der schnelle Aufbau der Schweinebestände nach dem ASP-Befall und der Wandel vieler kleinbäuerlichen Haltungen zu riesigen Schweineanlagen erfordern hohe Importe von Futtergetreide. Neben Mais werden auch Sojabohnen, Weizen und Gerste in großen Mengen benötigt. Wie das US-Agrarministerium mitteilte, sind die Läger in China leer und der hohe Bedarf wird auch im kommenden Jahr Importe erforderlich machen. Leider ist die Datengrundlage aus China nicht sehr belastbar. Das birgt für die gesamte Marktentwicklung einige Unsicherheiten. In den vergangenen Tagen orderte China jedoch weitere große Mengen von zum Teil 1 Mio. t pro Tag für die kommende Saison. Bisher summieren sich die Importe für 21/22 schon auf 9,5 Mio. t. Nach Einschätzung des US-Agrarministeriums wird die Gesamtimportmenge für 21/22 erneut 26 Mio. t betragen. Das ist ein Indiz für geringe heimische Vorräte und daher ist kaum mit einer Entspannung der Versorgungslage zu rechnen – wenn die Prognosen Bestand haben.

Aktuelle Prognose 20/21: Produktion 260,67 Mio. t, Importe 26 Mio. t, Endbestände 198,18 Mio. t

Aktuelle Prognose 21/22: Produktion 268 Mio. t, Importe 26 Mio. t, Endbestände 198,16 Mio. t

Europa

Für die europäischen Anbauer hatte die rasante Preisentwicklung kaum Auswirkungen auf die Anbauplanung. Laut EU-Kommission wird sich die Anbaufläche auf 8,94 Mio. ha (-20.000 ha zum Vorjahr) belaufen. Höhere Erträge könnten jedoch eine größere Erntemenge als im Vorjahr hervorbringen. Hier schätzt die Kommission eine Menge von 71,26 Mio. t (+7,1% zum Durchschnitt) und liegt damit noch über den Erwartungen des USDA (s.u.). Der Anbau wurde in einigen EU-Ländern durch die Kältewelle leicht verzögert. Als Folge der sehr guten Preise wird vermutet, dass sich einige Landwirte dazu entscheiden, Körnermais statt Silomais zu produzieren.

Aktuelle Prognose 20/21: Produktion 63,98 Mio. t, Importe 12 Mio. t, Endbestände 6,95 Mio. t

Aktuelle Prognose 21/22: Produktion 66,70 Mio. t, Importe 16 Mio. t, Endbestände 7,45 Mio. t

Wie geht es weiter?

Die Kombination von einer sehr starken Nachfrage mit möglichen Ernteeinbußen in den Hauptanbauländern Brasilien und USA ließ die Kurse an den Börsen kräftig steigen. Grundlage waren hierfür bisher nur Gedankenspiele und Spekulationen, denn bis zur Ernte kann noch viel passieren. Auf der anderen Seite könnten die hohen Maispreise auch die Nutzung alternativer Futtermittel verstärken und die Nachfrage nach Mais entsprechend einschränken. Darüber hinaus kommt in den USA die Aussaat gut voran. Der Fortschritt liegt bereits bei 90 % und überschreitet damit sogar den langjährigen Durchschnittwert von 80 %.

Zudem bleibt die Nachfrage Chinas ein besonderer Unsicherheitsfaktor. Eine Datenerhebung für dieses Land ist schwierig und kann auch mal für Überraschungen sorgen. So gut wie sicher ist eine weiterhin freundliche Preisentwicklung, solange der Bedarf Chinas bestehen bleibt. Sobald hier die Importzahlen einbrechen, könnte dem Weltmarkt auf einmal ausreichend Ware zur Verfügung stehen. Ein sinkendes Preisniveau, nicht nur für den Mais, wäre die Folge.

Märkte beobachten und betriebliche Kennzahlen im Auge behalten

In die Zukunft schauen kann niemand, auch wenn manche Analysten den Eindruck erwecken. Daher bleibt nur der Rat, die Märkte stets zu beobachten, die betrieblichen Kennzahlen im Auge zu behalten und gute Angebote wahrzuzunehmen. Beachten Sie dabei die Vorteile einer Risikostreuung und lassen Sie sich nicht von der Gier verleiten, auf den Höchstpreis zu warten. Niemand weiß, wann dieser erreicht sein wird und wie heißt es im Börsen-Jargon: „Geklingelt wird nicht.“!

Daten-Quelle: USDA (WASDE Mai 2021), EU-Kommission


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Stand: 31.05.2021