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Mineraldünger: Markt im Ausnahmezustand

Bereits in den vergangenen Wochen tendierten die Düngemittelpreise stetig aufwärts. Steigende Energie- und Frachtkosten sowie der Aufschwung am Getreidemarkt wurden von den Händlern als Hauptursache genannt. Seit der letzten Woche befindet sich der Markt jedoch nahezu im Ausnahmezustand. Die Gaspreise sind rasant gestiegen und die ersten Düngemittelmittelhersteller reagierten mit Produktionseinschränkungen.

Gaspreise rasant gestiegen

Verantwortlich für die deutlich gestiegenen Gaspreise sind die niedrigen Speichervorräte in Europa nach dem langen und kalten Winter, die bisher nicht wieder ganz aufgefüllt werden konnten. Die Lieferungen aus Russland reichten nicht aus und in Europa kam es in der Gasproduktion zu technischen Ausfällen. Gleichzeitig zog mit dem Hochfahren der Wirtschaft die Energienachfrage stark an. Als weiteren Grund nennen Marktbeobachter, dass das Wetter in Europa nur eine unterdurchschnittliche Versorgung mit Wind- und Solarstrom zuließ. Der höhere Bedarf an fossilen Energieträgern brachte eine Erhöhung der CO2-Zertifikate mit sich.

Angst vor Versorgungsengpässen

Die Angst vor Versorgungsengpässen nimmt zu. In den Medien kursieren Vermutungen, dass Russland und der Gaskonzern Gazprom Europa absichtlich nur knapp mit Erdgas versorgt. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat Russland aufgefordert, die Lieferungen Richtung Europa zu erhöhen, um die Knappheit einzudämmen. Für Oktober soll jedoch nur ein Drittel des Pipeline-Volumens für die Lieferung durch die Ukraine von der Gazprom gebucht worden sein. Skeptiker vermuten, dass mit diesem Vorgehen die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 erzwungen werden soll.

Herstellung von Düngemitteln wird gedrosselt

Insbesondere die Herstellung von Stickstoffdüngern wird durch die schwierige Marktlage in Mitleidenschaft gezogen, denn für die Stickstoffproduktion wird Erdgas benötigt. Die ersten Düngemittelhersteller haben ihre Produktion zumindest zum Teil eingestellt. Als Folge explodieren die Preise und Händler sowie Landwirte geraten nahezu in Panik. Preise werden ausgesetzt. Viele Landwirte fragen sich, wie sie die Düngemaßnahmen durchführen sollen, denn Ware ist kaum zu bekommen und selbst bestehende Vorkontrakte können nicht immer erfüllt werden. Nun wird der Blick zunehmend auf die Wirtschaftsdünger gerichtet. Doch dafür bedarf es unter Beachtung der Auflagen einer neuen Strategie. Darüber hinaus bleiben einige Ställe angesichts der prekären Situation am Schweinemarkt leer und damit sinkt auch die zur Verfügung stehende Güllemenge.

Lichtblick in Sicht?

Experten empfehlen nun Ruhe zu bewahren. Die Situation könnte sich bis zum Frühjahr wieder entspannen, auch wenn es keine Garantie dafür gibt. Die großen Produktionsfirmen planen, die Herstellung in andere Teile der Welt zu verlegen und Medienberichten zufolge will das US-Unternehmen CF Industries die Produktion von Ammoniak in Großbritannien wieder aufnehmen. Das könnte zu einer leichten Entspannung der Marktlage führen. Eine weitere Chance wäre, wenn Russland sich doch noch dazu entschließt, die Lieferungen von Erdgas nach Europa zu erhöhen. Hier ist auf das Verhandlungsgeschick der Politiker zu hoffen.


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Stand: 01.10.2021