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Stickstoffpreise tendieren fest

Die von 2012 bis 2017 anhaltende Phase tendenziell sinkender Mineraldüngerpreise scheint vorbei zu sein. Seit 6 Monaten steigen diese nahezu kontinuierlich an. Bei N-Düngern muss der Preisaufschwung sogar als kräftig bezeichnet werden. Das hat sicher etwas damit zu tun, dass auch der mehrjährige rückläufige Trend bei den Getreidepreisen gebrochen ist.

Mit den deutlich gestiegenen Weizennotierungen haben sich prompt auch die Forderungen der Düngerproduzenten erhöht. Das ist zunächst einmal nicht überraschend, im Unterschied zu früheren Jahren hat die Industrie jetzt bei N-Düngern allerdings relativ gute Chancen, ihre Preisvorstellungen auch weitgehend durchzusetzen. Der maßgebliche Grund dafür ist, dass die Ammoniakkapazitäten nach einer längeren Wachstumsphase erstmals insgesamt wieder erheblich abgenommen haben, seit China damit begonnen hat, in größerem Umfang seine veralteten, kohlebefeuerten Produktionsanlagen stillzulegen.

Während China vor vier Jahren noch fast 15 Mio. t Harnstoff exportierte, hat es jetzt zeitweilig sogar Importbedarf. Außerdem fallen seit den massiven Sanktionsandrohungen der USA die Harnstofflieferungen aus dem Iran weitgehend aus. Damit ist der Stickstoffmarkt schon beinahe von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt geworden. Anzeichen dafür, dass dies sich schnell wieder ändern könnte sind derzeit nicht erkennbar. Neue Produktionsstätten sind aktuell nicht in Sicht, eher wird damit zu rechnen sein, dass weitere Altanlagen geschlossen werden, insbesondere wenn die Preise doch wieder nachgeben sollten. Das Potential für nachhaltig sinkende N-Preise dürfte damit bis auf weiteres eher gering sein.

Wenn ein N-Dünger demnächst kurzfristig noch einmal etwas nachgibt, dann könnte es am ehesten vielleicht Harnstoff sein. Dieser hat sich in den vergangenen Monaten nämlich überproportional verteuert und damit an Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen N-Düngern wie Kalkammonsalpeter spürbar eingebüßt. Dass KAS während der Wintermonate billiger wird, ist dafür noch unwahrscheinlicher als es zu dieser Jahreszeit ohnehin ist. Helfen würde aus Sicht der Landwirtschaft vorerst nur, wenn die Energiekosten schnell sinken, speziell Erdgas erheblich billiger würde. Das würde dann die Produktionskosten von Kalkammonsalpeter mehr senken als die von Harnstoff, weil KAS noch zu nennenswerten Anteilen in Europa hergestellt wird, das vom Erdgaspreis stärker abhängig ist als die größtenteils in Nordafrika und im mittleren Osten angesiedelte Harnstoffproduktion. Doch nach einer raschen allgemeinen Energiepreissenkung sieht es momentan auch nicht aus.

Für eine leichte Entspannung bei den herkömmlichen N-Düngern könnte sprechen, dass bei den gegenwärtigen Preisverhältnissen vielleicht mehr Landwirte als bisher zu geschützten N-Düngern mit Nitrifikationshemmern wie Alzon statt Harnstoff oder Entec statt KAS greifen. Deren Preise sind im September und Oktober weniger stark gestiegen als die von Harnstoff. Noch mehr als gekörnter oder geprillter Harnstoff hat sich zuletzt nur Ammoniumnitrat-Harnstofflösung (AHL) verteuert. Der Aufpreis für Alzon gegenüber gekörntem Harnstoff mit ebenfalls 46 % N hat auf teilweise weniger als 2 €/dt abgenommen. Da dann mindestens eine Überfahrt eingespart werden kann, könnte sich der Einsatz des geschützten N-Düngers durchaus rechnen.

Das Frühjahr 2018 war sicher außergewöhnlich trocken, aber in letzter Zeit war es schon häufiger so, dass späte N-Gaben trockenheitsbedingt nicht mehr oder kaum noch an der Pflanzenwurzel ankamen. Diese Erfahrung spricht also auch dafür, Einzelgaben zusammenzufassen und damit nach vorne zu verlagern. Große Veränderungen sind in dieser Hinsicht für die anstehende Düngesaison vielleicht noch nicht zu erwarten. Diese wird es voraussichtlich erst ein Jahr später geben, denn ab 1.2.2020 erlaubt die neue Düngeverordnung eine Ausbringung von Harnstoff in Deutschland nur noch in Verbindung mit einem Urease-Inhibitor, sofern der Harnstoff nicht innerhalb von 4 Stunden in den Boden eingearbeitet werden kann. Dass dadurch die N-Verluste verringert und damit der N-Düngerbedarf insgesamt gesenkt wird, ist sicher zu begrüßen, sollte man hinsichtlich der Marktwirkung allerdings nicht überschätzen. Gemessen an der globalen Nachfrage ist der Stickstoffbedarf in Deutschland nicht sehr bedeutend. Eine spürbare Preiswirkung wird davon also kaum ausgehen. Außerdem wird ein Urease-Inhibitor die N-Düngung um voraussichtlich um etwa 10 % gegenüber normalem Harnstoff verteuern.

Etwas nachfragedämpfend könnte sich im Frühjahr 2019 auswirken, dass wegen der großen Trockenheit im vergangenen Sommer noch mehr Reststickstoff in den Böden steckt als sonst. Darauf lassen jedenfalls die oft vergleichsweise üppigen oder zumindest gut aussehenden Zwischenfruchtbestände schließen. Diese könnten auch im Falle eines feuchten Winters der N-Auswaschung entgegenwirken und zu leicht erhöhten Nmin-Werten führen. Damit wäre dann ein entsprechend geringerer Düngerbedarf verbunden. Doch auch das würde wohl wenig daran ändern, dass die Kräfteverhältnisse global gesehen sich erst einmal in Richtung Verkäufermarkt verschoben haben.

 

Dr. Herbert Funk
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
8. 11. 2018


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Stand: 27.11.2018