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Weizenpreis hängt weiter am Futtergetreidebedarf

Der Dürresommer 2018 drückte die Erntemenge von Getreide in Niedersachsen auf weniger als 4,7 Mio.t und damit auf das niedrigste Niveau seit 1976. Gegenüber dem Vorjahr sank die hiesige Getreideernte um etwa 23 %. Bei Winterweizen war der Rückgang mit 30 % besonders groß. Auch in anderen Regionen gingen die Weizenerntemengen stark zurück, auf Bundesebene um 27 %. In der Europäischen Union fiel das Minus mit 9 % allerdings wesentlich geringer aus und weltweit könnte es sich nach vorläufigen Schätzungen sogar auf vielleicht nur etwa 4 % beschränken.

Der jüngsten USDA-Schätzung vom 8. November zu Folge könnten sich die globalen Lagervorräte an Getreide insgesamt zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres 2018/19 doch auf über 760 Mio. t summieren. Das wäre gegenüber 2017/18 immer noch ein Rückgang um etwa 45 Mio. t (- 6%), einen Monat zuvor hatte man aber noch mit nur gut 590 Mio. t (-27 %) gerechnet. Ursache der Änderung sind die wieder einmal massiv nach oben korrigierten Angaben aus China. Die schlechte Qualität der chinesischen Statistik ist seit vielen Jahren bekannt. Mangels besserer Zahlen wird sie aber weiterhin verwendet, wenn auch meist mit dem Hinweis auf die eingeschränkte Zuverlässigkeit. Selbst wenn die nach oben korrigierten Zahlen Chinas jetzt stimmen sollten und demnach sogar mehr als die Hälfte der weltweiten Lagerbestände von Weizen sich dort befinden, gibt es gute Gründe, diese in manchen Betrachtungen auszuklammern. Einer davon ist, dass China bei Weizen, anders als beispielsweise bei Sojabohnen, meist nur in geringem Umfang am Welthandel teilnimmt.

Dass die Weizenvorräte der sieben wichtigsten Exportländer (Russland, USA, Kanada, EU, Ukraine, Argentinien, Australien) in 2018/19 wahrscheinlich von 69 auf etwa 52 Mio. t abnehmen werden, dürfte in den nächsten Monaten einen durchaus bedeutenden Einfluss auf die Preisbildung haben. Marktteilnehmer auf der Käuferseite halten dem entgegen, dass dies bereits eingepreist sei und deshalb nicht mehr als Begründung für einen weiteren Preisanstieg herangezogen werden könne. Tatsächlich haben die gegenwärtig greifbaren Informationen wohl schon weitgehend ihren Niederschlag in den Notierungen gefunden. Auch die verschlechterten Aussichten für die anstehende Weizenernte in Australien sind wahrscheinlich erst einmal soweit berücksichtigt. Dort rechnet man jetzt nur noch mit 17 Mio. t, nachdem es vor einem Jahr noch 21,3 und in 2016/17 sogar 31,8 Mio. t waren. Möglicherweise wird Australien demnächst sogar Getreide importieren müssen. Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die Weizenpreise und Terminkurse alles verarbeitet haben und enthalten, was derzeit bekannt ist, bleibt doch festzustellen, dass die Versorgungslage spürbar enger und der Weizenmarkt damit störungsanfälliger wird als er es in den vergangenen Jahren war. Hinzu kommt, dass der globale Verbrauch von übrigem Getreide 2018/19 voraussichtlich stärker zunehmen wird als die Erzeugung.

Ob sich eine Weiterlagerung lohnen wird, kann niemand zuverlässig vorhersagen. Bislang war die Einlagerung durchaus rentabel. Der Preissprung von Juli bis September um durchschnittlich fast 27 €/t war bei Lagerkosten (eigenes Lager) von 8 - 10 €/t (incl. Ein-/Auslagerung und 0,3 % Schwund) weit mehr als kostendeckend. Wer erst Ende Juli oder Anfang August gedroschen hat und vielleicht schon 190 €/t ex Ernte erzielen konnte, kommt als Lagerhalter immer noch auf seine Kosten, aber mit einer nur noch vergleichsweise bescheidenen Lagerrendite. Seit September kommt der Weizenpreis offenbar nicht mehr weiter nach oben voran. Im Oktober hing er sogar etwas durch, in erster Linie, weil der Futterweizen seitdem mit dem neuerntigen Körnermais konkurrieren muss.

Nun ist die Körnermaisernte in Niedersachsen im Vergleich mit 2017 noch stärker eingebrochen als die Weizenernte und auch auf Bundesebene rechnet man schon mit einem Rückgang um fast 40 %, aber in der EU-28 könnte die Körnermaisernte fast an das Vorjahresergebnis von gut 61 Mio. t heranreichen. Insbesondere in Ungarn und Rumänien soll die Maisernte erheblich besser ausgefallen sein als 2017. Während die Zufuhren von ungarischem Mais nach Süddeutschland bislang durch die erhöhten Frachtkosten belastet werden, erreichen seit einigen Wochen größere Mengen aus Rumänien und der Ukraine auf dem Seeweg den norddeutschen Raum. Im Landhandel rechnet man damit, dass die Ukraine insgesamt 25 Mio. t und damit 6,5 Mio. t Körnermais mehr als in 2017/18 exportieren kann. Ein großer Teil davon wird voraussichtlich in den Bedarfsgebieten Westeuropas und damit auch in Niedersachsen landen. Das lässt dem Weizenpreis aus gegenwärtiger Sicht wohl kaum noch großen Spielraum nach oben, denn nach wie vor gilt, dass die Nachfrage aus der Mischfutterindustrie maßgeblich ist für die Preisentwicklung auf dem Weizenmarkt.

Dieses führt dazu, dass auch für guten Brotweizen oft nur unwesentlich mehr zu erzielen ist als für Futterweizen. Partien mit hohem Proteingehalt und hoher Fallzahl werden im Durchschnitt mit geringeren Aufschlägen honoriert als in Jahren mit schlechterer Erntequalität. Das bedeutet aber auch, dass man dies als Verkäufer von Brotweizen mit umgekehrten Vorzeichen ebenfalls geltend machen kann und sollte. Die üblichen Abschläge für Proteinwerte unter 11,5 oder unter 12,0 % für B-Weizen bzw. unter 13,0 % für A-Weizen können jedenfalls nicht als marktgerecht angesehen werden, wenn sich der Grundpreis von Brotweizen kaum noch von dem für Futterweizen unterscheidet. Wenn die aufnehmende Hand hier kein Entgegenkommen zeigt, wird die Folge sein, dass die Landwirtschaft zukünftig bei der Sortenwahl wohl wieder mehr auf Masse und weniger auf Qualität setzen und Verträge vorzugsweise auf Basis Futterweizen abschließen wird.

Bislang sind die EU-Weizenexporte im laufenden Wirtschaftsjahr deutlich hinter dem entsprechenden Vorjahresumfang zurückgeblieben. Allerdings rechnet man in der Branche nach wie vor damit, dass die EU-Ausfuhren in den kommenden Monaten Schwung aufnehmen. Wenn das Angebot aus der Schwarzmeerregion erwartungsgemäß bald erheblich zurückgeht, kann es durchaus sein, dass die EU-Weizenausfuhren wieder annähernd die gut 23 Mio. t aus 2017/18 erreichen. Speziell in Russland fiel die Weizenernte wesentlich kleiner aus als 2017, nach vorläufigen Angaben um 18 %. Die russischen Weizenexporte werden daher nicht nur um vielleicht 5 -7 Mio. t abnehmen, sondern vermutlich auch schon früher versiegen.

Falls es in diesem Winter in größerem Umfang Auswinterung gibt oder die Ernteaussichten für 2019 sich aus anderen Gründen wieder eintrüben, wäre eine erneute Preisbewegung nach oben durchaus möglich. Andererseits sollte man auch bedenken, dass wohl nicht wenige Lagerhalter sich bisher mit Weizenverkäufen eher etwas zurückgehalten haben. In der Vergangenheit war das in vergleichbaren Marktsituationen schon etliche Male auch so, mit der Folge, dass der dann tatsächlich realisierte Erlös geringer ausfiel als erwartet, weil im Frühjahr zu viel Weizen auf den Markt kam. Daher gilt auch jetzt, dass es eher nicht ratsam ist, alles auf eine Karte zu setzen, insbesondere wenn der Weizen nicht im eigenen Lager liegt und monatlich zu zahlende Lagerkosten anfallen. Eine Restmenge bis zum Frühjahr zu behalten, mit der man dann einen eventuellen Preiszuwachs mitnehmen kann, erscheint durchaus vertretbar. Es kann aber auch sein, dass der Markt weiter auf der Stelle tritt. Dass die Preise sogar wieder deutlich fallen, ist im Moment nicht sehr wahrscheinlich. Ganz ausschließen lässt es sich aber nicht, insbesondere dann, wenn die Afrikanische Schweinepest nicht unter Kontrolle gehalten werden kann und es zu größeren Bestandsabstockungen kommen sollte.

 

Dr. Herbert Funk
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
23. 11. 2018


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Stand: 03.12.2018



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