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Landwirte in einer Doppelrolle

Klimaziele, extreme Niederschläge oder Dürresommer, Erderwärmung - diese Schlagwörter sind allgegenwärtig. Auf welche Folgen des Klimawandels sich die Landwirte einstellen müssen, zeigte die Beraterhochschultagung mit 140 Interessierten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis in Göttingen.

Die Durchschnittstemperatur wird steigen, da sind sich viele Klimaforscher sicher. Nur um wieviel, hängt noch von verschiedenen Faktoren ab. Doch wer ist der Verursacher? Ist die Landwirtschaft verantwortlich oder trägt sie zur Lösung bei? Auf jedenfall werden die Landwirte auf die Veränderungen reagieren müssen und ihren Teil zum Erreichen der Klimaziele beitragen, war das Ergebnis der Beraterhochschultagung in Göttingen.

Klimaveränderungen hat es schon immer gegeben, Ursachen sind zum Beispiel Sonnenaktivitäten oder Vulkanausbrüche. Darauf hat der Mensch keinen Einfluss. Doch seit Beginn der Industrialisierung ist laut IPCC die globale Temperatur um etwa ein Grad gestiegen. Dies sei größtenteils auf menschliches Handeln zurückzuführen.

Dafür verantwortlich werden die sogenannten Treibhausgase (THG) gemacht, die zu elf Prozent aus der Landwirtschaft stammen, berichtete Prof. Dr. Heinz Flessa vom Thünen Institut. Das scheint nicht viel zu sein. Doch davon kommen zum Beispiel 80 Prozent der Lachgas-Emissionen aus der Landwirtschaft. Infolge der Rinderhaltung und der Lagerung von Wirtschaftsdünger ist die Landwirtschaft für 60 % der Methan-Emissionen verantwortlich, beim Ammoniak sind es sogar 95 %.

Auch zur CO2-Emssion trägt die Landwirtschaft zum Beispiel durch Entwässerung und Bewirtschaftung der Moore bei. „Doch die Bildung von Treibhausgasen in der Landwirtschaft ist überwiegend eine Folge von biologischen Prozessen und daher nie vollständig vermeidbar“, sagt Flessa. Klimaschutz erfordere Standort und betriebsoptimierte Maßnahmen.

Die Besonderheiten des Sektors strich Prof. Dr. Werner Wahmhoff heraus. Deutschland sei ein Gunststandort für die Erzeugung von Lebensmitteln. Diese hier einzuschränken, um Treibhausgase zu reduzieren, würde nur das Problem ins Ausland verlagern. Die Landwirtschaft in Deutschland habe effektive Hebel, um die Klimaziele mit den geringstmöglichen Kosten zu erreichen.

„Das Klimaschutzziel des landwirtschaftlichen Sektors mit Einsparungen von 11 bis 14 Mio t CO2 Äquivalenten/Jahr ist ambitioniert“, so Wahmhoff, „aber machbar“. Wichtigster Lösungsansatz sei, die Stickstoffverluste bei organischen Düngern zu reduzieren, auch wenn sie sich nie ganz vermeiden lassen werden. Zweitens die THG-Emissionen aus Moorböden durch Optimierung des Wasserhaushaltes und der Düngung zu reduzieren.

Dies ginge jedoch zu Lasten der Erträge und damit der Erlöse der Betriebe. Beide Ansätze benötigen daher dringend verlässliche politische Entscheidungen. Werde zu spät mit der Umsetzung begonnen, drohen laut Wahmhoff eine Reduzierung der Tierhaltung und Nutzungsbeschränkungen organischer Böden ab 2030.

Doch auch wenn die Klimaziele erreicht werden, sind Klimaveränderungen wahrscheinlich. Für den Ackerbau bedeutet das, so Dr. Jürgen Grocholl, LWK Niedersachsen, dass durch zunehmende Starkregen im Winter die Gefahr von Erosion sowie Staunässe steigt. Im Sommer, mit geringeren Niederschlägen steigt die Gefahr von Ertrags- und Qualitätseinbußen.

Pflanzenbauer müssen versuchen, hier beispielsweise mit anderen Fruchtfolgen, Zwischenfrucht, Bodenbearbeitung, Mulchsaaten, Steigerung des Humusgehaltes sich anzupassen. Eine besondere Bedeutung komme dem Wassermanagement zu. Unproduktive Wasserverluste müssen unbedingt vermieden werden, durch geringere Bodenbearbeitungsintensität, Nichtkulturpflanzen beseitigen, Durchwurzelung fördern, Bodenverdichtung vermeiden.

Dagegen muss die Wassereffizienz durch Arten- und Sortenwahl, Dränagen, optimierte Begegnung verbessert werden. Extremereignisse sind kaum vorhersehbar, sagte Grocholl, hier kommen neue Formen der Risikoversicherungen ins Spiel.

In der Nutztierhaltung beeinflusst der Klimawandel die Futterverfügbarkeit und -qualität, sie hat Einfluss auf die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Leistung der Nutztiere. Hier müsse in bauliche und technische Maßnahmen investiert werden, erklärte Prof. Dr. Imke Traulsen, Uni Göttingen.

Sowohl im Bereich Pflanzenbau als auch Tierhaltung schränken jedoch rechtliche Vorgaben Landwirte dabei immer wieder ein. Alle Teilnehmer plädierten daher eindringlich für schnelle und verlässliche politische Vorgaben, damit Landwirte notwendige Investitionsentscheidungen treffen können. 

Ideen, wie Klimaschutz und Betriebswirtschaft unter einen Hut zu bringen sind, finden die Landwirte, aber sie müssen die Möglichkeit haben, ihre Ideen umzusetzen. (Autorin: Renate Bergmann, Land&Forst)

Vollständige Bildunterschrift: Diskutierten zum Klimaschutz (in der Reihenfolge von links nach rechts): Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Alfred Vorwerk, Prof.in Dr.in Imke Traulsen, Prof.Dr. Heinz Flessa, Talke Heidkross, Gert Lüschow, Maren Diersing- Espenhorst


Kontakt:
Rudolf Fuchs
Leiter Fachbereich Marketing, Unternehmenskommunikation
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Stand: 13.11.2019