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Die neue GAP ab 2023 - eine ökonomische Optimierung der Anträge wird wichtiger!

Die neue GAP startet nach zwei Übergangsjahren 2021 und 2022 zum 1.1.2023. Bis Ende diesen Jahres muss Deutschland seinen Strategieplan bei der EU Kommission einreichen. Welche Änderungen sind vorgesehen und wie sind die ökonomischen Auswirkungen?

Eigentlich hätte die neue GAP im Jahr 2021 starten sollen, aber der Start wird auf den 1.1.2023 verschoben und für 2021 und 2022 gibt es Übergangsregelungen, die dem bisherigen System sehr ähneln. Allerdings müssen im Antragsverfahren 2022 schon die neuen 5-jährigen Agrarumweltmaßnahmen (AUM) beantragt werden. Die Finanzmittel stammen bereits aus der neuen GAP Förderperiode 2021 bis 2027.

Neu in der GAP ab 2023 ist, dass die EU nur noch den Rahmen vorgibt und die Mitgliedsstaaten die detailierten Regelungen in einem Strategieplan vornehmen. Außerdem werden über die gesamte Förderperiode mehr Mittel von der 1. Säule der Direktzahlungen in die 2. Säule (in 2023 10% und in 2027 15 %) verschoben. In der 1. Säule werden 25 % der Mittel für freiwillige Eco Schemes bzw.  Öko-Regelungen vorgesehen. Das bisherige Greening mit der Greeningprämie wird es nicht mehr geben.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat in einem Verordnungsentwurf die geplanten Prämienhöhen für die 7 Eco Scheme Maßnahmen wie folgt vorgesehen:

  1. Bereitstellung von Flächen zur Verbesserung der Biodiversität durch

    a) Freiwillige Stillegungen mit Selbstbegrünung
       (Entwurf: bis 1 % 1.300 €/ha; 1 bis 2 % 500 €/ha; 2 bis 5 % 300 €/ha)

    b) Anlage von Blühflächen und -streifen auf Ackerland oder in Dauerkulturen
       (Entwurf: top up auf Stillegung unter a) 150 €/ha)

    c) Altgrasstreifen oder -flächen auf Dauergrünland
       (Entwurf: bis 1 % 900 €/ha, 1-3% 400 €/ha, 3 bis 6 % 200 €/ha)
     
  2. Anbau vielfältiger Kulturen im Ackerbau mit 5 Hauptfruchtarten und einem Anteil von 10 % für Leguminosen
    (Entwurf: 30 €/ha)
     
  3. Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland
    (Entwurf: 60 €/ha)
     
  4. Extensivierung des gesamten Dauergrünlandes im Betrieb
    (Entwurf: 115 €/ha)
     
  5. ergebnisorientierte extensive Bewirtschaftung von Dauergrünlandflächen mit Nachweis von mindestens 4 regionalen Kennarten
    (Entwurf: 240 €/ha)
     
  6. Bewirtschaftung von Acker- und Dauerkulturflächen ohne Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln
    (Entwurf: 100 €/ha)
     
  7. Anwendung von durch Schutzziele bestimmte Landbewirtschaftungsmethoden auf landwirtschaftlichen Flächen in Natura 2000-Gebieten
    (Entwurf: 40 €/ha)

Für die ökonomische Bewertung der Eco Scheme Maßnahmen ist entscheidend, ob sie einen Einkommensbeitrag leisten. Dies ist derzeit noch offen. Eine Studie der Fachhochschule Südwestfalen zeigt, dass vor allem auf guten Standorten und oder in Veredelungsregionen die Kosten über den vom BMEL geplanten Vergütungen liegen.

Bereits um die ursprüngliche Basisprämie, neu Einkommensgrundstützung, zu erhalten, sind die ehemaligen Greeningvorgaben, sowie der gute und ökologische Zustand der Flächen (GLÖZ) und die Grundanforderungen an die Betriebsführung (GAB) einzuhalten. Das ist die sogenannte Konditionalität. Damit stellt sich derzeit die neue Architektur der GAP wie in der beiliegenden Übersicht dargestellt dar.

Im Rahmen der Konditionalität für die Einkommensgrundstützung sind

3 m Pufferstreifen an Gewässern, wo das Ausbringen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verboten ist, keine kahlen Böden im Winter, ein Fruchtwechsel (Zwichenfrüchte gelten als neue Frucht) der ein Mindestanteil von 4 % Stilllegung sowie das Verbot des Pflügens von Dauergrünland in Natura-2000-Gebieten (FFH oder Vogelschutz) oder auf Moorstandorten gefordert. Es sind damit erhebliche Vorleistungen für den Erhalt der Basisprämie/Einkommensgrundstützung gefordert und es gibt Überschneidungen mit den Maßnahmen im Niedersächsischen Weg. Eine Doppelförderung ist grundsätzlich ausgeschlossen.

Die Basisprämie wird nach ersten Berechnungen von 173 €/ha in 2020 auf etwa 150 €/ha Einkommensgrundstützung in 2023 sinken. Rein rechnerisch könnte sich eine Eco-Scheme-Prämie von 65 €/ha LF ergeben. Aber es werden, wie oben beschrieben, 7 freiwillige Einzelmaßnahmen bei den Eco Schemes angeboten und ob diese einkommenswirksam werden, ist im Moment fraglich.

Die Umverteilungspämie wird statt für 46 dann für 60 ha mit erhöhten Fördersätzen von 69 €/ha für die ersten 40 ha und von 41 €/ha von 41 bis 60 ha in 2023 betragen.

Die Junglandwirteprämie wird von bisher 44 €/ha auf 115 €/ha erhöht und die Basisfläche dafür wird von 90 auf 120 ha angehoben. Somit könnte ein/e Junglandwirt*in im Jahr 2023 sogar mehr Prämie erhalten als im Jahr 2020.

Es sind außerdem gekoppelte Prämien für Mutterkühe, -schafe und -ziegen vorgesehen. In 2023 sind es 77 €/Mutterkuh und 34 €/Mutterschaf bzw. Mutterziege.

Doch wie könnten ökonomische Auswirkungen der neuen GAP für den Einzelbetrieb aussehen? Als Beispiel soll ein Veredelungsbetrieb mit 100 ha LF (30 ha Körnermais, 35 ha Winterweizen und 35 ha Wintergerste) und 2000 Schweinemastplätzen dienen (s. Übersicht).

Wenn die Eco Schemes einkommensneutral wirken, würde der Beispielbetrieb in 2023 gegenüber 2020 durch die Absenkung der Basisprämie/Einkommensgrundstützung und den Verlust der Greeningprämie etwa 9.100 € Prämie verlieren. Außerdem entgeht dem Betrieb der Deckungsbeitrag auf 4 ha stillzulegender Fläche in Höhe von 3.000 €. Für die Mindestbewirtschaftung (Mulchen) der stillgelegten Fläche entstehen Kosten in Höhe von 180 €. Außerdem dürfen im Winter keine kahlen Böden vorhanden sein, so dass für die Begrünung der 30 ha Körnermaisflächen außerdem 1.800 € kalkuliert werden. Da es in der bisherigen GAP auch Kosten für das Greening gab, werden im Beispiel 1.020 € als Vorteil angerechnet. Aufgrund der stillgelegten Fläche müssen in dem Beispielbetrieb außerdem für 1.500 € Wirtschaftsdünger überbetrieblich verwertet werden, so dass insgesamt gegenüber der bisherigen Situation in 2023 ein wirtschaftlicher Nachteil von 14.500 € für diesen Betrieb zu erwarten ist. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Eco Scheme Maßnahmen diese Situation verbessern können.

Für Futterbaubetriebe ist besonders das Verbot der Grünlanderneuerung (Umbruch) auf Moorstandorten und in Narura 2000-Gebieten (FFH und Vogleschutz) im Rahmen der GLÖZ  bedeutsam. Dadurch ergeben sich in vielen Fällen Ertragsdepressionen, die zum Beispiel über Grundfutterzukauf ausgeglichen werden müssen. Intensive Milchviehbetriebe auf Moorstandorten oder in Natura 2000 Gebieten könnten nach derzeitigen Verordnungsentwürfen damit erhebliche ökonomische Nachteile in der neuen GAP im Vergleich zur bisherigen Förderperiode haben.

Auch ökologisch wirtschaftende Betriebe könnetn nach derzeitigem Entwurfsstand der GAP erhebliche ökonomische Nachteile haben: sie sind nicht von der neuen Konditionalität (GLÖZ und GAB) für die Einkommensgrundstützung/Basisprämie befreit (bisher waren sie vom Greening befreit!). Außerdem sind die aktuell vorgeschlagenen Eco Scheme Maßnahmen für Öko-Betriebe ökonomisch nicht interessant.

Die kommende Agrarreform wird insgesamt mit Konditionalität und Eco Schemes in der 1. Säule nochmals "grüner", da die Zahlungen an Umwelt- und Klimamaßnahmen gebunden sind. Die Einkommenswirksamkeit der Direktzahlungen wird je nach Betriebsform erheblich sinken. Eine betriebswirtschaftliche Beurteilung und Optimierung der Prämienanträge wird zukünftig bedeutsamer, um zu entscheiden wie und ob überhaupt ein Prämienantrag gestellt wird.


Für Hilfestellungen bei der Agrarförderung stehen Ihnen unsere Wirtschaftsberater*innen gerne zur Verfügung.


Die Auszahlung der Prämien 2021 erfolgt in Niedersachsen am 17. Dezember 2021. Mit unserem Prämienrechner können Sie Ihre voraussichtliche Prämie berechnen.


Kontakt:
Ruth Beverborg
Leiterin Sachgebiet Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-313
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Stand: 19.10.2021