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Kein Nachwuchsmangel mehr - Trendberuf Landwirt

Viele Branchen klagen über Nachwuchssorgen – es finden sich einfach zu wenig qualifizierte Azubis. Doch eine Branche fällt aus dem Raster: Die Landwirtschaft!

Seit mehreren Jahren verzeichnet der Ausbildungsgang zum Landwirt/zur Landwirtin einen kräftigen Zuwachs. Auch immer mehr junge Frauen entdecken den Beruf für sich. Mit diesem erfreulichen Zustand begrüßte Sönke Pfaff, Fachgruppenleiter 1 bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Braunschweig am vergangenen Freitag (37) landwirtschaftliche Auszubildende und (11) frisch-gebackene Meister der Landwirtschaft zu ihrer Freisprechungsfreier im Thünen-Institut in Braunschweig.

Doch wie kommt das? Warum sind in Zeiten von öffentlichen Diskussionen über Massentierhaltung, Bodenausbeutung, Glyphosat und vielen weiteren Angriffen auf die Landwirtschaft immer noch so viele junge Leute davon überzeugt, darin ihren Traumberuf gefunden zu haben?

Die Gründe dafür nannte Jürgen Hirschfeld, Kreislandwirt aus dem Landkreis Goslar, der den Absolventinnen der Kurse stellvertretend für das Ehrenamt die Urkunden überreichte. Während man früher den (elterlichen) Hof vielleicht eher aus Tradition übernommen habe, würden als heutige Gründe für die Berufswahl vor allem die guten Weiterbildungsmöglichkeiten genannt. Ebenso sei jedoch die Kombination von Natur und Technik und die Arbeit mit Tieren für viele der Anwesenden ein Motiv für die Berufswahl gewesen. Auch das breites Aufgabenspektrum und die Möglichkeit sein eigener Chef zu sein, würde als positive Herausforderung verstanden.

So habe man heute fachlich bestens geschulte Menschen vor sich, doch etwas, was während der Ausbildung und Weiterqualifizierung leider häufig noch zu kurz komme, sei die Stärkung der Persönlichkeit durch Fächer wie Kommunikation, Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei sei es enorm wichtig, die jungen Leute vorzubereiten, denn der Umgang der Verbraucher mit dem Erzeuger ist nicht immer einfach. Es bliebe also jedem zu empfehlen, sich in dieser Hinsicht weiterzubilden, riet Hirschfeld.

Aus diesem Grund hatte sich der Ausbildungsberater der LWK, Christian Greune, für seine ehemaligen „Schützlinge“ auch etwas Besonderes einfallen lassen. Als „Bonbon“ für die Reise in den Beruf Landwirt hatte er Dr. Willi Kremer-Schillings, im Internet bekannt als „Bauer Willi“ eingeladen. Kremer-Schillings, selber Landwirt, bloggt zum Spannungsfeld zwischen Verbraucher und Landwirtschaft. Stellvertretend spricht er vielen Berufskollegen aus der Seele und liefert zahlreiche Punkte, über die sich diskutieren lässt.

Anlässlich der Freisprechungsfeier referierte er zum Thema „Das Bild der Bauern, das Dilemma der Essensmacher“ und erklärte den Anwesenden humoristisch und an vielen Beispielen, die Herausforderungen der Landwirtschaft und wie die Landwirte damit umgehen könnten.

Tierausbeuter, Tierquäler, Großgrundbesitzer, Luftverpester – solchen und ähnlichen Beschimpfungen sind Landwirte heute ausgesetzt. Doch wer weiß wirklich, wie es in deutschen Ställen oder auf den Höfen aussieht? Warum sehen weite Teile der Gesellschaft die Landwirtschaft so negativ, so ganz anders, als die Bauern selbst? Oder sollte man zuerst fragen: W a s sieht die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Dann müsste die Antwort wohl lauten: Nichts. Denn für den größten Teil der Gesellschaft ist die moderne Landwirtschaft unsichtbar.
Die meisten Leute nehmen Landwirtschaft nur noch über die Medien wahr. Damit sind u.a. heimlich aufgenommene Internet-Videos von Tierrechtsorganisationen wie Peta etc. gemeint, die gerne in den sozialen Medien verbreitet werden.
 

Dass die Gesellschaft die Landwirtschaft nicht sieht, bedeute jedoch nicht, dass sie kein Bild von ihr hat. Genau genommen hätte sie zwei Bilder, so Kremer-Schillings,: eines, wie die Landwirtschaft sein sollte, und eines, wie sie ihrer Meinung nach ist.

Wie sie sein sollte, das zeigen plüschige Bilderbücher für Kinder. Oder eine Google-Abfrage im Internet, Suchbegriff „Bauernhof“: Dort finden sich Bilder von kleinen Höfen, die einen Misthaufen haben, einen Hahn, eine Kuh und ein Schwein.

Wie die Landwirtschaft ist, jedenfalls nach Meinung von Facebook-Kommentatoren, lässt sich ebenfalls bei Google herausfinden. Zum Beispiel, wenn man statt „Schwein“ den Begriff „Schweinemast“ eintippt. Die Fotos zeigen verletzte oder tote Tiere, gequälte Tiere.  Auch wer die Landwirtschaft bei sich am Wohnort „als unmittelbares Problem“ vor Augen hat, stimmt diesem Bild zu: „der Landwirt mit der Biogasanlage und/oder dem großen Stall vorm Dorf, der hier die Luft verpestet“, „der Bauer, der mit seinen großen Treckern und Maschinen die Feldwege kaputtfährt und ständig Gülle ausbringt…“…

Wir müssen die Leute da abholen, wo sie sind“, sagt Bauer Willi, aber wer ist das überhaupt: „die Leute?“ Es gibt einen Unterschied zwischen den Bürgern, die alles natürlich und „heimelig“ haben wollen und dem Verbraucher, der es möglichst billig mag.
Zu beobachten sei seit längerem eine sich verändernde Erwartungshaltung der Gesellschaft. Ob Stromtrassen, Straßenbau oder Tierstall, „die Bürger vor Ort erwarten eine Auskunftspflicht“. Mir ist es ein Anliegen, die künftigen Landwirte dafür zu sensibilisieren, „es führt heute kein Weg an Offenheit und Kommunikation vorbei.“

Die wichtigsten Regeln laut Kremer-Schillings: Höflich, sachlich, aber emotional diskutieren, positive Botschaften aussenden, keine Verteidigung und vor allem, den Verbraucher nach Alternativen fragen! („Ein dickes Fell brauchen Sie trotzdem!“)

Die Landwirtschaft müsse wegkommen von den Schwarz-Weiß-und reinen Fakten-Diskussionen. Es sei doch kurios, dass wir in allen gesellschaftlichen Bereichen Technik und Modernisierung einfordern, uns im Bereich Landwirtschaft aber eine Museumskultur „á la Landlust“ wünschen“, so Kremer-Schillings. Die Aufgabe der jungen Generation sei es daher, „Rationalität mit gesellschaftlichen Erwartungen“ zu verknüpfen.

Weltweit nehmen junge Landwirte die Herausforderung an, ihre Familienbetriebe weiterzuführen. Für den Erfolg nutzt diese Generation hoffentlich clevere Strategien, um Vorurteilen entgegenzuwirken, Vertrauen zu gewinnen und sich auszutauschen. Darum: “Warten Sie nicht auf andere, sondern machen Sie sich selbst auf den Weg“, empfahl Bauer Willi den Anwesenden.

 

 

 

 

Absolventen des Berufsschulstandortes Gifhorn: (Name des Absolventen - Ausbildungsbetrieb)
Christoph Bammel - Ulrich Behrens, Meine-Bechtsbüttel; Jonas Bromann- Behrens -Ernst Lütje, Wasbüttel; Julia Franik - Christoph Löhmann, Süpplingen; Björn Grote - MKW Landtechnik, Wittingen; Henrik Harneid  - Jochen Gaus, Meine-Ohnhorst; Tim Lüdde - Karsten Lüdde, Dannenbüttel; Anna-Lena Merten - Homann GbR, Suderwittingen; Jochen Pape - Friedrich Lührs, Wittingen-Rumstorf; Jonas Papenfuß - Ulrich Behrens, Meine-Bechtsbüttel; Jan-Bengt Thies; Tristan Ullmann - Karl-Heinz Wrede, Uetze-Eltze; Benjamin Wahle - Eckhard Schate, Rühen

 

 

Absolventen des Berufsschulstandortes Braunschweig: (Name des Absolventen - Ausbildungsbetrieb)
Nina Ahlers - Friedrich-Löffler Institut, Braunschweig; Julien Degenhard - Wichard von Lucke, Meine-Martinsbüttel; Friederike Esser - Albrecht von Bodenhausen, Brumby; Joseph Fredrich - Nils Müller, Danndorf; Philiip Glitz - Andreas von Gevensleben, Watenstedt; Hannes Hantelmann - Christian Linne, Denkte-Sottmar; Phillip Harleß - Maik Wiedemann, Vechelde-Bettmar; Jan-Friedrich Heinemann - Wehmann Ackerbau GbR, Meine-Abbesbüttel; Helge Heintorf - Friedrich-Löffler Institut, Braunschweig; Erik  Homann - Thomas Hancken, Peine-Eixe; Benjamin Homer -Friedrich-Löffler-Institut, Braunschweig; Henning Jakobs - Hendrik Frerking, Rodewald; Hermann Lies - Heinrich Lies, Vechelde; Henrik Mittendorf - Ernst-Dieter Meinecke, Barwedel; Rebecca Mörig - Julius-Kühn Institut, Sickte; Hedwig-Johanna Ohlms - Jan Willeke, Groß Dahlum; Jan Raulfs - Lüders GbR, Königslutter-Lelm; Sven-Hermann Schlie - Bastian Ehrhardt, Gifhorn; Jobst Thiele - Julius-Kühn Institut, Sickte; Karl Lukas Wolff - Jens Röhl, Tiddische

 

 

 

 

 

Landwirtschaftsmeister 2017
Hermann Brandt, Sassenburg; Alexander Brendecke, Vechelde; Henrik Ehlers, Twieflingen; Andreas Faber, Wolfenbüttel; Timo Försterling, Berßel; Michael Wilhelm Golis, Bockenem; Nico Knackstedt, Wernigerode; Christoph Masche, Bahrdorf; Jan Schütt, Badersleben; Andrè Lutz Wachsmuth, Ingersleben; Valentin Sommer, Wanzleben

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahrgangsbesten der Auszubildenden aus der Region Braunschweig
v.l.n.r.: Phillip Christoph Harleß,Schwienau-Linden; Helge Heintorf, Goslar; Nina Ahlers, Visselhövede

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahrgangsbesten der Meister 2017 aus der Region Braunschweig
v.l.n.r.: Timo Försterling, Berßel, Henrik Ehlers, Twieflingen, Alexander Brendecke, Vechelde
 

 

 


Kontakt:
Christian Greune
Berater Ausbildungsberater Landwirtschaft, Koordination u. Planung Meisterkurse, Entwicklung u. Vertrieb der Ackerschlagkartei
Telefon: 0531 28997-144
Telefax: 0531 28997-141
E-Mail:


Stand: 10.07.2017