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Seminar zum Sonderkulturanbau für Gewürz-, Arznei- und Faserpflanzen in Gifhorn

Das Interesse der Landwirtschaft am Anbau von Kulturen abseits von Getreide, Zuckerrüben, Mais, Raps und Kartoffeln ist groß. Das zeigte sich beim Seminar zum Anbau von Gewürz-, Arznei-  und Faserpflanzen in Gifhorn Ende November. Doch welche Kulturen eignen sich für die Region um Gifhorn?

Um die Antwort gleich vorweg zu geben: Der Anbau von Nischenkulturen wie Gewürz- Arznei- und Faserpflanzen ist äußerst schwierig und verlangt viel persönliches Engagement. Der Markt ist klein und zum Teil von größeren Produzenten oder Erzeugergemeinschaften besetzt. In der Bundesrepublik Deutschland werden laut Agrarstatistik etwa 120 Arten an Arzneipflanzen auf 12.000 ha angebaut. Bundesweit liegen die größten Anbaugebiete in Thüringen, Bayern, Hessen und Niedersachsen. In Niedersachsen liegt die Anbaufläche laut Statistik bei über 500 ha.

Der Trend zu Regionalität ist auch bei Sonderkulturen angekommen. Das kann eine Chance sein, in den Markt einzusteigen. Darüber hinaus erfreuen sich sogenannte Phytopharmaka (Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs) einer immer größeren Beliebtheit. Zusätzlich ist im Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe, eine Verdopplung der Anbaufläche von Arzneipflanzen festgeschrieben.

Derzeit wird der Großteil der Arzneipflanzen aus dem Ausland importiert und stammt überwiegend aus Wildsammlungen. Der Vorteil des kontrollierten heimischen Anbaus verspricht für die Hersteller von Phytopharmarka gleichbleibend hohe Qualität. Interessant ist der Anbau solcher Kulturen im Vertragsanbau, um das Absatzisiko zu minimieren.

Die am häufigsten angebauten Arzneipflanzen sind Kamille, Lein, Mariendistel, Pfefferminze, Sanddorn, Fenchel, Johanniskraut und Wolliger Fingerhut. Die Referentin Marie-Luise Dr. Rottmann-Meyer vom Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe beschrieb in ihrem Vortrag den Anbau einiger dieser Arzneipflanzen.

Im zweiten Vortrag des Nachmittags gab Henrike Rodemeier aus Bockhorn bei Walsrode Einblick in Ihren Ackerbaubetrieb, auf dem sie seit vielen Jahren Ginseng anbaut, den ihre Schwester in Form von Arznei- und Körperpflegeprodukten vermarktet. Sie ist trotz des Anbaus im einstelligen Hektarbereich Deutschlands größte Ginsengproduzentin.

Im dritten Vortrag berichtete Dr. Jürgen Steger vom Deutscher Naturfaserverband e.V. über die Faserpflanzen Hanf und Lein. Hanf wurde 2018 in Deutschland im Umfang von 4300 ha und Öllein auf etwa 7.000 ha angebaut. Beide Kulturen eignen sich für den regionalen Anbau um Standorte weiterverarbeitender Industrien. Dabei ist die Koppelnutzung anzustreben, was bedeutet, dass sowohl Saat, Samen als auch Stroh geerntet werden.  Trotzdem ist die Erlössituation schwierig.

Alles in allem konnte das Seminar zeigen, dass der Anbau vieler Sonderkulturen in Niedersachsen möglich ist, die Erschließung dieser Einkommensquelle ist aber nur mit viel Engagement möglich.


Kontakt:
Daniel Dönni
Berater Wirtschaftsberatung
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Stand: 05.12.2019