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Neue Wolfsverordnung steht kurz bevor *)

Nachdem im März 2020 eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes in Kraft getreten ist, hat Niedersachsen als erstes Bundesland eine Verordnung erarbeitet, mit der die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit dem Wolf geschaffen werden. Die Veröffentlichung der Niedersächsischen Wolfsverordnung steht kurz bevor. Damit soll unter anderem geregelt werden, wann eine Vergrämung oder eine Entnahme eines Wolfes erfolgen kann.

Wann darf ein Wolf entnommen werden?

Eine Vergrämung oder eine Entnahme eines Wolfes kann zum Schutz des Menschen, zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden oder bei besonderem öffentlichen Interesse erfolgen. Unter einer Vergrämung sind alle Maßnahmen zu verstehen, um den Wolf von einer Annäherung abzuhalten. Dabei dürfen dem Wolf Schmerzen zugefügt werden. Dauerhafte Verletzungen müssen jedoch ausgeschlossen werden. Erst wenn die Vergrämung eines Wolfes nicht zum Erfolg geführt hat, darf eine Entnahme durch Fangen oder Tötung erfolgen. Zum Schutz des Menschen wäre demnach eine Entnahme möglich, wenn der Wolf einen Menschen verletzt oder bedroht hat oder sich Gebäuden oder Menschen auf weniger als 30 Meter nähert und sich nicht vergrämen lässt. Eine Vergrämung muss von geeigneten Personen durchgeführt werden. Jedoch dürfen Weidetierhalter zum Schutz der eigenen Tiere den Wolf selbst vergrämen.

Herdenschutzmaßnahmen haben weiterhin Vorrang. Erst wenn ein Wolf mehrfach diesen Schutz überwunden hat, darf er entnommen werden. Wölfe können, so lange bis die Übergriffe aufhören, nach und nach entnommen werden, wenn in einem Gebiet trotz Schutzmaßnahmen mehrfach Risse aufgetreten sind. Der verursachende Wolf muss dabei nicht grundsätzlich identifiziert werden. Wann und wo die Entnahme erfolgen darf, bleibt eine Einzelfallprüfung. Dazu ist ein Antrag bei der unteren Naturschutzbehörde erforderlich.

Welche Anforderungen an einen wolfsabweisenden Herdenschutz, der finanziell bezuschusst wird, gestellt werden, ist in der Richtlinie Wolf geregelt. Hierbei gelten für die einzelnen Tierarten unterschiedliche Anforderungen.

Schutzzäune auch für Hobbytierhalter

Bisher ist es Hobbytierhaltern nicht gestattet, im Außenbereich Schutzzäune zu errichten. Das Bauen im Außenbereich regelt § 35 Baugesetzbuch. Demnach dürfen Bauten und bauliche Anlagen im Außenbereich nur errichtet werden, wenn sie einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb oder einem der gartenbaulichen Erzeugung dienen. Dieses Kriterium erfüllen Hobbytierhalter, das sind vor allem Pferdehalter, nicht.

Das Land Niedersachsen will sich im Rahmen einer Novellierung des Baugesetzbuches durch den Bund dafür einsetzen, dass eine Einzäunung von Weiden für eine Hobbytierhaltung künftig zulässig ist. Bis dahin sieht ein Erlass vor, dass die Errichtung von Schutzzäunen für die Hobbytierhaltung unter bestimmten Voraussetzungen von den Bauaufsichtsbehörden für einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren geduldet wird.

Bisher wurde angenommen, dass die Gefahr eines Wolfsangriffes bei Pferden deutlich geringer sei im Vergleich zur Gefährdung von Schafen, Ziegen und Gatterwild. In den letzten Monaten waren aber in unserer traditionsreichen Pferdezuchtregion auch Pferdehalter von Wolfsübergriffen betroffen. Der Verlust eines Pferdes wiegt aufgrund der emotionalen Bindung zum Pferd schwerer, da es als Sportpartner und Familienmitglied angesehen wird. Ein finanzieller Ausgleich kann diesen Verlust nicht aufwiegen.

Die neue Verordnung lässt darauf hoffen, dass die Entnahme von Problemwölfen künftig erleichtert wird. Eine präventive Bestandsregulierung ohne Anlass ist damit noch nicht möglich. Über die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht berät der niedersächsische Landtag.

Aktualisiert am 02.12.20:

Die Niedersächsische Wolfsverordnung (NWolfVO) ist am 20. November 2020 im Nds. GVBl. Nr. 41/2020, ausgegeben am 26.11.2020, erschienen.

Weitere Hinweise zum Herdenschutz und zur Förderung von Präventionsmaßnahmen erhalten Sie unter Webcode 01037427 und Webcode 01036223.

 

Fragen zur Antragstellung richten Sie an Frau Meldau: Tel: 0511 3665-1209 oder per mail: richtlinie-wolf@lwk-niedersachsen.de

Fragen zum Herdenschutz beantwortet Frau Steinbach Tel: 0441 801-639 oder per mail: elke.steinbach@lwk-niedersachsen.de

 

*) Diesem Text liegt zum Teil der Beitrag von Julia Fricke vom 10.11.„Neue Wolfsverordnung soll Entnahme von Problemtieren erleichtern" zugrunde, erschienen unter https://regionalheute.de/wolfenbuettel/neue-wolfsverordnung-soll-entnahme-von-problemtieren-erleichtern-1605007295/

(zuletzt aufgerufen am 18.11.2020).


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Stand: 03.12.2020