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Erste Betriebsergebnisse des WJ 2019/2020 liegen vor

Die ersten Betriebsergebnisse aus dem Testbetriebsnetz *) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden veröffentlicht. Für die Ackerbaubetriebe unserer Region verlief das Wirtschaftsjahr erneut nur durchschnittlich.

Nach dem extrem trockenen Sommer zur Ernte 2018 folgte ein weiteres Wirtschaftsjahr mit deutlichen Niederschlagsdefiziten. Die anhaltende Trockenheit hatte erneut Auswirkungen auf die Getreideernte, die zwar um knapp 20 Prozent höher als die Ernte 2018 ausfiel, aber mit einem Ertragsniveau von 72,5 dt pro ha noch deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt lag. Nachdem der Getreidepreis im WJ 2018/2019 leicht angestiegen war, sank dieser wieder auf das niedrige Niveau der Vorjahre und lag bei 16,06 Euro pro dt. Die Zuckerrüben konnten noch von den Niederschlägen profitieren, die in unserer Region erst ab Ende September fielen, und erreichten mit durchschnittlich 726,6 dt pro ha einen besseren Ertrag als im Vorjahr mit sehr guten Zuckergehalten von über 18 Prozent. Der Preis verharrte seit den letzten 3 Wirtschaftsjahren weiterhin bei ca. 3,0 Euro pro dt. Positive Tendenzen gab es beim Winterraps. Der Ertrag erreichte nach vier Jahren erstmals wieder 35 dt pro ha und der Rapsmarkt entwickelte sich leicht positiv. Nach dem herausragenden Vorjahr entwickelten sich die Kartoffelpreise wieder rückläufig. Mit 13,49 Euro pro dt lagen sie immer noch über dem Durchschnitt der Vergleichsjahre. Der Ertrag bewegte sich mit 419,5 dt pro ha im Mittelfeld.

Für die Veredlungsbetriebe war es nach einem sehr schwachen Vorjahr ein überaus erfolgreiches Wirtschaftsjahr. Der Ausbruch der Asiatischen Schweinepest in China sorgte im Sommer 2019 für außergewöhnliche Exportmöglichkeiten und führte zu einem Höchststand der Preise für Ferkel und Schlachtschweine.

Die Futterbaubetriebe bildeten das Schlusslicht. Sie hatten mit rückläufigen Preisen bei Milch und Rindfleisch und einer spürbaren Kostensteigerung des Grundfutters aufgrund der Futterknappheit durch Trockenheit und Mäuseplage zu kämpfen.

Mit 72.170 Euro je Betrieb verbesserte sich das Unternehmensergebnis über alle Betriebsformen um fast 10.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Dies ist auf die sehr guten Ergebnisse der Veredlungsbetriebe zurückzuführen. Im Ackerbau sank das Unternehmensergebnis von 90.176 Euro im Vorjahr auf 77.458 Euro je Betrieb im Wirtschaftsjahr 2019/2020. Dies ist auf den Rückgang des Kartoffelpreises zurückzuführen, der im Vorjahr auf Rekordhöhe gestiegen war. In der auf Ackerbau spezialisierten Hildesheimer Börde mit den Hauptkulturen Winterweizen und Zuckerrüben lag das Unternehmensergebnis im Wirtschaftsjahr 2019/2020 bei 71.685 Euro je Betrieb und war damit um fast 3.000 Euro niedriger als im Vorjahr.

Trotz gewachsener Betriebsgrößen können die Ackerbaubetriebe seit dem Rekordwirtschaftsjahr 2012/2013 keinen Zuwachs beim Unternehmensergebnis verzeichnen. Gleichzeitig führen gestiegene Lebenshaltungskosten zu einer geringeren Eigenkapitalbildung. Ein zu geringes Unternehmensergebnis reicht nicht mehr aus, um die betriebseigenen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital angemessen zu entlohnen. Es wird kein Unternehmergewinn mehr erzielt, wenn die Nettorentabilität unter 100 % beträgt. Diese betrug nur 86 % über alle Betriebsformen sowie im Ackerbau. In der Veredlung wurden 127 % erreicht und im Futterbau nur 75 %. Das wirkt sich auch auf die getätigten Nettoinvestitionen aus. Nur die Gruppe der erfolgreichen Betriebe konnte ihre Nettoinvestitionen steigern.

Noch nie lag die Realität zwischen dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr und dem aktuellen Wirtschaftsjahr so weit auseinander. Seit dem Ausbruch der Asiatischen Schweinepest im September in Deutschland haben China und andere asiatische Staaten den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt. Außerdem war die Lage zuvor schon durch die Corona-Pandemie angespannt. Die dadurch anhaltenden Einschränkungen haben auch Auswirkungen auf die Absatzmärkte von Feldfrüchten, insbesondere auf den Kartoffelmarkt.

Diese Entwicklungen sowie verschärfte Auflagen der Düngeverordnung, steigende Pachtpreise und Bürokratisierung in der Landwirtschaft lassen die Landwirte mit wenig Optimismus auf das kommende Jahr blicken.

Allerdings blieb die im Frühjahr befürchtete große Dürre aus. Obwohl der Sommer insgesamt noch zu trocken war, regnete es im Sommer 2020 wieder etwas mehr als in den beiden Vorjahren. Dadurch werden für das Jahr 2020 gute Zuckerrübenerträge erwartet.

*) Dem Testbetriebsnetz gehören 850 Betriebe aus ganz Niedersachsen an. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wertet jährlich deren Jahresabschlüsse aus und veröffentlicht die Ergebnisse in der Betriebsstatistik.


Kontakt:
Martina Diehl
Beraterin Förderung, Wirtschaftsberatung, Stellungnahmen Hofübergabe und Grundstücksverkehr
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Stand: 10.12.2020