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Klimabilanzberechnung auch in Corona-Zeiten möglich

Am 27.05.2020 trafen sich Frau Waterloh, vom Landwirtschaftlichen Wochenblatt, und Frau Paulsen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Emsland auf dem Betrieb Lüssing in Haren. Ziel dieses Treffens war es, eine Klimabilanz für die Legehennenhaltung des Betriebes zu erstellen.

„Vielleicht“, sagt Martin Lüssing, „könne er den CO2-Fußabdruck irgendwann für die Vermarktung der Eier nutzen. Derzeit ist dies aber noch nicht angedacht“. Vielmehr ist der Geflügelhalter neugierig, wie die Berechnung abläuft, welche Faktoren berücksichtigt werden und wo der eigene Betrieb in Sachen Klimabilanz steht.

„Im Moment geht es darum, dass die Betriebe zuerst einmal ein Gefühl für die Effekte bekommen“, sagt auch Anke Paulsen. Die Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist Expertin für das Programm TEKLA. Die Bezeichnung steht für „Treibhausgas Kalkulator Landwirtschaft“. Anhand von 13 Kennzahlen schauen wir uns heute den Betrieb von Martin Lüssing und seiner Frau Julia Lüssing-Griese, Beraterin für Geflügel bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, genauer an.

 

 

 

 

 

 

Der Betrieb Lüssing hält seit 2010 in Sichtweite der A31 Biolegehennen. 2013 wurde der Stall „gespiegelt“, so dass die Eierabnahme zentral zwischen beiden Ställen liegt. Die Eier werden zweimal in der Woche von Lüssings Vertragspartner aus Euskirchen abgeholt.

Durch die aktuelle Corona-Situation sind erste Daten im Vorfeld der Berechnung digital übermittelt worden. Im Vor-Ort Gespräch wurde, nach der Vorstellung des Betriebes durch den Betriebsleiter Martin Lüssing, die Klimabilanz für die zuletzt eingestallte Herde erstellt. Die Berechnung erfolgt auf Grundlage der Daten des letzten vollständigen Durchganges, welcher im März dieses Jahres ausgestallt wurde. Im Vorfeld der Berechnung wurde festgelegt, dass ein innerbetrieblicher Vergleich auf Grundlage der Daten des Durchganges erfolgen müsste. Sollen die Ergebnisse der Klimabilanz mit anderen Betrieben verglichen werden, ist die Berechnung auf das Wirtschaftsjahr abzustellen. So ist eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Betrieben gegeben und individuelle, betriebliche Effekte wie z.B. eine längere Haltungsdauer finden im überbetrieblichen Vergleich Berücksichtigung.

Die 13 Kennzahlen die im Rahmen der Legehennenhaltung für die Bilanzierung erforderlich sind, liegen dem Betrieb dank seiner Betriebszweigauswertung, die im Zuge der Teilnahme am „Arbeitskreis Legehenne“ regelmäßig erstellt wird, bereits vor. „Sie können damit schnell und ohne großen Aufwand bereitgestellt werden“, so Martin Lüssing. Nach Angabe des durchschnittlichen Legehennenbestandes, der Nutzungsdauer, der erzeugten Eimasse und der Tierverluste muss die gefressene Futtermenge je Legehenne und Durchgang eingetragen werden. Auch ob stickstoff- und phosphorreduziertes Futter zum Einsatz kommt, wird abgefragt.

Die Herkunft des eingesetzten Sojaproduktes wirkt sich dabei deutlich auf den Fußabdruck aus. Sojaprodukte mit einem Nachhaltigkeitszertifikat erfüllen neben Klimaschutzaspekten auch soziale Ansprüche der Menschen in den Anbauregionen. Für den Klimaschutz spielt dabei der Anbau auf Flächen eine Rolle, die nicht durch Regenwaldrodungen (Brandrodungen) gewonnen wurden. „In der Bioproduktion, wie sie auf dem Betrieb Lüssing umgesetzt wird, werden in der Regel Sojaprodukte mit Nachhaltigkeitszertifikat eingesetzt“, erläutert Beraterin Paulsen.

Weitere erforderliche Daten sind die Menge der verwendeten Einstreu, die Menge des Grundfutters, der Stromverbrauch sowie die Dauer des Weidegangs und ob der Hühnertrockenkot gasdicht gelagert wird.

Beim Strom spielt die Herkunft, ebenso wie bei den Sojaprodukten, eine wichtige Rolle. Hierbei wird die eigene Erzeugung oder der Zukauf von Ökostrom gleichrangig behandelt.

Nach Eingabe aller Daten, zeigt sich wie der Betrieb Lüssing im Verhältnis zum Vergleichsbetrieb, dessen Daten von Paulsen im Vorfeld erhoben wurden, dasteht. Dieser Vergleich gibt mögliche Ansatzpunkte, wie der derzeitige CO2-Fußabdruck von 1419 g CO2e/kg Ei gesenkt werden könnte.

Auch wenn Familie Lüssing bereits Sojaprodukte aus nachhaltiger Produktion einsetzt, veranschaulicht Frau Paulsen an einem Beispiel, wie stark sich die Verwendung von nicht nachhaltig erzeugtem Soja auf die Bilanz auswirkt. So würde das Ergebnis, in diesem Fall, auf 1800 g CO2e /kg Ei ansteigen, wenn 15% der Sojaprodukte aus nicht nachhaltigem Anbau stammen würden.

Im Anschluss an die Ergebnisvorstellung wurden folgende mögliche Maßnahmen zur Reduzierung des betrieblichen CO2-Fußabdruckes für den Betrieb Lüssing benannt:

  • Verlängerung der Haltungsdauer von 16 Monaten auf 18 Monate, bei gleichbleibend guter Legeleistung und Eiqualität
  • Eimasse pro Henne um 1 kg steigern
  • Verluste von derzeit 10 % auf 8 %senken

Diese Managementmaßnahmen würden in dieser Bilanz den CO2e-Wert um 100 g CO2e /kg Ei senken. Weitere kleinere Verbesserungsschritte könnten bei der Stromnutzung und der Lagerung des Wirtschaftsdüngers umgesetzt werden. Hier gibt es jedoch nur geringes Verbesserungspotential. Hebt man den Anteil des Ökostroms von derzeit 45°% auf 100 % an, werden weitere 21 g CO2e /kg Ei eingespart. Hier stellt sich jedoch die Frage nach den Kosten für den Ökostromzukauf. Ein zweiter Aspekt ist die gasdichte Lagerung vom Hühnertrockenkot. In der Regel erfolgt die Lagerung in Kotlagerhallen die Frischluftzufuhr haben. Hier ist eine Ausgasung von Ammoniak, einem indirekten Treibhausgas, möglich. Wird der Mist jedoch binnen zwei Wochen an eine Biogasanlage oder Pilzzuchtanlage abgegeben, verringert sich der Wert je Ei um 34 g CO2e. Damit könnte der Betrieb eine Gesamteinsparung von 156 g CO2e /kg Ei erreichen. Die Punkte gasdichte Lagerung, Zukauf von Ökostrom oder eine 100%ige Eigenversorgung über vorhandene Photovoltaiktechnik werfen Fragen auf, die einer Abklärung bedürfen. Daher entscheidet sich Martin Lüssing für die drei Produktionsparameter Legedauer, Eimasse und Verluste, als vorrangige Ziele für den eigenen Betrieb.

 

 

 

 

 

 

 

„All das sind Punkte, die man sowieso täglich im Blick hat“, zieht Martin Lüssing ein Resümee. Mit einer Reduzierung der CO2-Emissionen gelingt daher zugleich die Optimierung der Erzeugung.

 

Interessieren Sie sich wie Ihr Betrieb in Sachen Klimaschutz abschneidet?  Wenden Sie sich an Frau Paulsen. Berechnungen sind für die gängigen Tierarten und den Ackerbau möglich.


Kontakt:
Anke Paulsen
Planungen ländliche Räume, Dorferneuerungsplanungen, Straßenplanungen, Beweissicherung, Naturschutz
Telefon: 05931 403-116
Telefax: 05931 403-111
E-Mail:
Julia Lüssing-Griese
Beraterin
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Stand: 18.06.2020