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Wieso, weshalb, warum – was können Verwürfe am Schlachthof für Ursachen haben?

Die Kükenqualität war gut, der Durchgang verlief ohne offensichtliche Schwierigkeiten und die Masthähnchen sind mit einem guten Gefühl an den Schlachthof abgeliefert worden. Nachdem die Schlachtauswertung des Durchgangs geschickt wurde, wundert man sich über die erhöhten Verluste. Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm – auch wenn man für den abgeschlossenen Durchgang nichts mehr ändern kann, sollte den Ursachen der hohen Verluste auf den Grund gegangen werden, um für den nächsten Durchgang mehr Erfolg zu haben.

In der Hähnchenmast spielen verschiedenste Faktoren eine wichtige Rolle um einen erfolgreichen Durchgang zu mästen. Sobald das letzte Tier den Stall verlassen hat, beginnen die Vorbereitungen für den neuen Durchgang – denn nach dem „Spiel“ ist vor dem „Spiel“. Viele Informationen liefert der Schlachtbericht, wo verschiedenste Merkmale und Informationen, die über den Flaschenhals „Schlachthof“ erfasst werden, verdeutlicht werden. Diese Daten gilt es zu analysieren und zu erkennen. Denn taugliche Tierkörper sollen laut der Geflügelfleischhygiene-Verordnung „keine Veränderungen“ aufweisen.

 

Vor Einstallung der Küken erfolgt eine Reinigung und Desinfektion nach guter fachlicher Praxis. Ziel ist es den Infektionsdruck für den Folgedurchgang zu reduzieren. Die sich anschließende Stallvorbereitung beinhaltet: das Einbringen einer hygienisch einwandfreien Einstreu, das Auslegen von Kükenpapier, je nach Alter der Eintagsküken die Einstellung der Futtertröge sowie das Reinigen und Spülen der Tränkelinien. Bereits hier wird der Grundstein für einen guten Start in die Mast gelegt. Erste Fehler können hinterher Schwierigkeiten bereiten. Wenn die Eintagsküken mit einer guten Qualität geliefert werden, fängt die Tierbetreuung und dass Wachstum an. Hier hat jeder Hähnchenmäster seine eigenen Erfahrungswerte und Tricks, auf die er zurückgreift. Eine entscheiden Rolle spielt dabei die Einstellung „gut beobachtet = mehr gesehen“. So können Probleme frühzeitig erkannt werden und entsprechend gehandelt und gegengesteuert werden. Eine qualitativ hochwertige und ausreichende Futter- und Wasserversorgung werden für eine erfolgreiche Mast vorausgesetzt. Aber auch die äußeren Umweltfaktoren sind nicht zu vernachlässigen, auch wenn die Steuerung und Kontrolle nicht immer einfach sind. So heißt es im Frühjahr wachsam zu sein. Wenn Miste in der Stallumgebung ausgebracht werden und es trocken ist, können verschiedenste Erreger über die Zuluft in den Stall gebracht werden. Besonders bei trockener, windiger Witterung ist ein höherer Krankheitsdruck, insbesondere E. coli, zu beobachten. Führt der Coli-Erreger zu eitrigen Unterhauterkrankungen kommt es am Schlachthof zum Verwurf der Tiere. Atemwegserkrankungen können ebenfalls den Gesundheitsstatus der Tiere, durch hohe Staubbelastungen, die bei trockener Witterung auftreten, negativ beeinflussen.

Aber auch weitere Krankheitsbilder, wie Dermatitis und Bauchwassersucht, können den Verwurf am Schlachthof in die Höhe treiben. Hähnchen mit tiefer Dermatitis, also Hautverletzungen durch Krallen anderer Hähnchen, sind nicht vermarktungsfähig. Tiere sollten möglichst ohne Stress zum Futter und Wasser gelangen, so dass es zu keinem Gedrängel an den Näpfen und Tränkelinien kommt. Der Stallrundgang sollte ruhig und besonnen stattfinden und den Hähnchen ausreichend Möglichkeiten zum Ausweichen geben.  Auch unbekannte Geräusche führen zu Stress, z. B. das erste Anstellen der Sprühkühlung. Die Sprühkühlung sollte in den Sommermonaten das erste Mal im Dunkeln laufen, so dass sich die Tiere daran gewöhnen können, nicht in Panik geraten und sich nicht über einander setzen und dabei verletzten. 

Ein weiteres Problem, dass zu erhöhten Verwürfen führt, ist die Bauchwassersucht, auch Aszites-Syndrom genannt. Neben einer genetischen Veranlagung, kann die Bauchwassersucht die Folge unentdeckter Probleme in den ersten Lebenstagen sein. Wird das Hähnchen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, kann die Störung des Herzmuskels zur Wasseransammlung in der Bauchhöhle führen. Bleibt es bis zum Ende der Mast unentdeckt, fällt es den Tieren immer schwerer zu atmen. Wichtig ist es hierbei die CO2-Belastung auf Tierhöhe im Auge zu behalten.

Erhebliche Farb-, Geruchs- und Geschmacksabweichungen führen, genauso wie Kümmerwuchs und Kontaminationen zum Verwurf der Tiere. Werden durch entsprechende Untersuchungen auf den Menschen übertragbare Krankheiten, wie Salmonellose, festgestellt, werden die Tiere in der Regel nicht verworfen, allerdings führt auch dies zu massiven Abzügen. Deshalb gilt es die bekannten Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Zudem werden die Vorgaben zur Vermarktung der Tiere immer enger gefasst. Dabei werden nicht nur Tierschutzindikatoren wie gesunde Füße, mit einem Bonus bedacht, sondern auch das korrekte wiegen der Tiere vorab im Stall wird mit entsprechenden Summen vergütet. Die Teilnahme an entsprechenden Premiumprogrammen kann zu weiteren zusätzlichen Erlösen führen.

Auch der Blick auf die Uniformität der Herde sollte nicht außer Acht gelassen werden. Kümmerer sollten frühzeitig selektiert werden.

Nicht zuletzt kann es auch durch nicht sachgemäßen Verladevorgängen und Transportschwierigkeiten zu erheblichen Verlusten kommen. Der ordnungsgemäße Umgang mit den Masthähnchen beim Verladen der Tiere ist ein wichtiger Faktor. Hier sind die Sachkunde der Kolonnenführer und eine entsprechende Unterweisung der Fänger immer wieder notwendig sowie die kontinuierliche Kontrolle, ob nach diesen Vorgaben auch gehandelt wird. Werden vermehrt Tiere mit gebrochenen Knochen oder frischen Einblutungen am Schlachthof angeliefert, ist dies ein Hinweis auf Handhabungsfehler der Fänger. Auch der Transport zum Schlachthof ist mitunter ein Problem. Gerade bei langen Transportwegen und hohen Temperaturen kommt es immer wieder zu hohen Verlusten. Wenn möglich sollte an heißen Tagen die Tiere in der kühleren Nacht verladen werden, oder wenn möglich beim Aufladen durch Ventilatoren eine entsprechende Luftzirkulation den Tieren Kühlung verschaffen.

Hähnchen, die am Ende der Mast oder am Schlachthof verworfen werden, sind für die Mäster „teure“ Verluste. Denn es ist nicht nur ein finanzieller Erlös, der dem Betrieb entgeht, sondern auch ein Indikator für Defizite im Management und als Folge für das Tierwohl.

Vergleicht man die Verluste am Schlachthof wird deutlich was dies für einen monetären Unterschied zur Folge haben kann. Eine Beispielrechnung die der Tabelle zu entnehmen ist soll diesen Zusammenhang veranschaulichen. Unter der Annahme eines durchschnittlichen Gewichts von 2,4 kg nach Vorfangen und Endausstallung und einem Auszahlungspreis von 0,95 Euro je kg entspricht dies einer Leistung von 2,28 € je Tier. Nach Abzug der Kosten von Küken, Futter sowie der sonstigen Kosten, sieht man eine deutliche Differenz bei den Verlusten von 8 Cent je bezahltem Tier bei 5 % Verwurf. Bei 40.000 eingestallten Tieren und unter der Berücksichtigung von 3 Prozent Verlusten im Stall, liegt hier ein Unterschied von knapp 3.350 € je Durchgang vor.  Diese Summe beinhaltet für jeden Tierhalter die gleiche tägliche Arbeit, Kontrolle und Fürsorge.

 

Tabelle

 

 

 

 

 

 

 

Zusammenfassend ist festzuhalten, jeder Hähnchenmäster sollte, seine Schlachtergebnisse kennen. Nicht nur, weil hier Indikatoren für das Tierwohl aufgezeigt werden, sondern besonders, um für den nächsten Durchgang zu lernen. Probleme und Schwierigkeiten kann es in jedem Durchgang geben, es gilt daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die Zukunft positiv zu nutzen. Der Austausch mit Mitarbeitern, dem Tierarzt oder den Berufskollegen innerhalb eines Arbeits- oder Seminarkreises kann hier wichtige Impulse zur Verbesserung des betrieblichen Managements bringen.


Kontakt:
Annika Jansen
Beraterin Tierzucht, Tierhaltung
Telefon: 05931 403-130
Telefax: 05931 403-111
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Stand: 07.07.2020