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Aktuelle rechtliche Grundlagen zum Düngestart 2021

Die Situation in Bezug auf die bestehenden Sperrfristen und sonstigen Regelungen wird immer komplexer. Der folgende Text soll die wesentlichen Punkte zusammefassen. Da nicht jede Besonderheit hier beschrieben werden kann, melden Sie sich bei Fragen gerne!

 

Sperrfristen

Die Situation bei den Sperrfristen für stickstoffhaltige Düngemittel wird immer komplexer, daher soll im Folgenden und der bereitgestellten Grafik ein Überblick gegeben werden.

Grünland: Für Dauergrünland, mehrjährigen Feldfutterbau und Ackergras, welches vor dem 15. Mai 2020 eingesät wurde, gelten die Grünlandsperrfristen. Diese beginnt in der Regel am 01.November und endet am 31.Januar. Wurde für einen Betrieb eine Verschiebung der Sperrfrist beantragt, welche nur für Grünland gilt, so beginnt die verschobene Sperrfrist 14 Tage früher am 15. Oktober und endet dementsprechend auch zwei Wochen eher am 15. Januar. Für Grünlandflächen, die in den Roten Gebieten (Nitratsensiblen Gebieten) liegen, wird die Sperrfrist auf Grünlandflächen im Herbst 2021 am 01. Oktober beginnen. Also vier Wochen eher als bislang und in den Grünen Gebieten.

Ackerland: Auf Ackerland beginnt die Sperrfrist für alle Betriebe mit der Ernte der Hauptfrucht im Sommer oder Herbst und endet, wie bekannt, am 31. Januar. Eine Sperrfristverschiebung für Ackerland ist nicht möglich.

Eine Ausnahme gibt es in den Grünen Gebieten unter bestimmten Voraussetzungen für die Herbstdüngung zu Gerste, Raps oder Gründüngungszwischenfrucht. Hier können begrenzte Mengen im Herbst ausgebracht werden. Die Sperrfrist beginnt dann am 01. Oktober.

Werden zwei Hauptfrüchte angebaut, beispielsweise Ackergras nach Gerste, wobei das Gras im Herbst noch beerntet wird, darf das Gras gedüngt werden und es gilt der 01. Oktober als Beginn der Sperrfrist. Grundsätzlich ist die Eigenschaft als zweite Hauptfrucht und damit ein Düngebedarf an das Vorhandensein einer Ernte im Herbst gekoppelt.

Wird beispielsweise im Roten Gebiet Gras nach Getreide eingesät, welches im Ansaatjahr nicht mehr geerntet wird, so handelt es sich hier nicht um eine zweite Hauptfrucht, sondern um eine Zwischenfrucht, die in einem nitratsensiblen Gebiet keine Düngung mehr erlaubt.

Festmist von Huf- und Klauentieren: Die Sperrfrist für Festmiste beginnt grundsätzlich am 01. Dezember und endet am 15. Januar. In den roten Gebieten wird diese um vier Wochen nach vorne verlängert und beginnt somit am 01. November und endet am 31. Januar.

 

Sonstige Regelungen zur Ausbringung von Düngemitteln

Gefrorener Boden: Der Begriff des gefrorenen Bodens wurde neu definiert. In den vergangenen Jahren konnten bei tagsüber auftauenden Böden Nachtfröste genutzt werden, um die genannten Düngemittel bodenschonend ausbringen zu können. Aufgrund EU-Vorgaben wurde die Auslegung in diesem Punkt im Mai 2020 entscheidend geändert: Danach muss der Boden bei der Düngung nun völlig frostfrei sein!  Als gefroren gilt ein Boden der an der Oberfläche oder in beliebiger Tiefe zum Zeitpunkt der Düngung Frost aufweist. Das bedeutet: Sobald die Bodenoberfläche gefroren ist, auch wenn sie um die Mittagsstunden wieder auftaut, darf nicht ausgebracht werden. Gleiches gilt, wenn die Oberfläche frostfrei, einige cm darunter aber noch Eis im Boden ist. Auch dann ist keine Düngung zulässig!

Wassergesättigte Flächen: Überschwemmte oder wassergesättigte Flächen dürfen grundsätzlich nicht gedüngt werden. Dies ist daran erkennbar, dass auf freier, ebener Fläche (nicht Fahrspuren) Wasserlachen sichtbar sind oder beim Formen des Bodens (außer Sand) Wasser austritt bzw. die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist. Das Ausbringverbot gilt auch für Flächen, bei denen Schmelzwasser aufgrund des im Untergrund vorhandenen Frostes nicht versickern kann.

Schneebedeckte Flächen: Schneebedeckte Flächen dürfen nicht gedüngt werden Da es dabei keine Höhenbeschränkung mehr gibt, ist auch bei geringer Schneeauflage keinerlei Düngung mehr zulässig. Als Richtschnur für die Praxis kann gelten, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist. Bei nur teilweiser Schneebedeckung eines Schlages (Waldschatten) sind diese Teilflächen bei der Aufbringung auszunehmen, der schneefreie Teil kann gedüngt werden.

Pflicht zur Prüfung der Aufnahmefähigkeit des Bodens: Jeder Landwirt hat die die Pflicht vor einer Aufbringung von Gülle und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu prüfen. Im Zweifel und bei Grenzsituationen (Tagestemperaturen um 0° C) muss ggf. auf die Ausbringung verzichtet werden. Ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Gewässern ist in jedem Fall einzuhalten.

Gewässerabstände bei der Düngerausbringung: Bei einer Breitverteilung der Gülle beträgt dieser seit 01.01.2021 mindestens 5 Meter bis zur Böschungsoberkante. Werden bodennahe Ausbringtechniken (Schleppschlauch, Schleppschuh, Schlitztechniken) eingesetzt, muss ein 1 m breiter Streifen an der Böschungsoberkante völlig frei bleiben, denn auf diesem Streifen herrscht ein völliges Ausbringverbot!

Kleine Entwässerungsgrüppen sind keine Gewässer in diesem Sinne, dennoch darf auch in die Grüppen keine Gülle gelangen, denn diese würde mit Niederschlägen in die Vorfluter abgeschwemmt werden.

Verstöße gegen die genannten Regelungen sind bußgeldbewehrt und Cross Compliance relevant.


Kontakt:
Holger Hoffstall
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 05931 403-206
Telefax: 05931 403-222
E-Mail:
Vera Bruns
Beraterin Pflanzenbau u. Pflanzenschutz
Telefon: 05931 403-205
Telefax: 05931 403-222
E-Mail:


Stand: 18.05.2021



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