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Pflanzkartoffel-Vermehrung in Niedersachsen 2018

Pflanzkartoffelanmeldung 2018

In Niedersachsen sind in diesem Jahr insgesamt 6.411 ha Pflanzkartoffeln zur Vermehrung angemeldet. Damit hat die Vermehrungsfläche abermals zugenommen, um 268 ha bzw. 4,4% gegenüber dem Vorjahr mit 6.143 ha.

 

Bis weit in den Mai hinein verzögerte sich aufgrund der Nässe vielerorts auch die Auspflanzung der Pflanzkartoffeln. Nunmehr liegen die Anmeldungen zur Pflanzkartoffel-Vermehrung bei der Anerkennungsstelle vor. Demnach werden in Niedersachsen 234 Sorten der in Deutschland insgesamt 503 zugelassenen Sorten vermehrt, wobei allein auf die 10 größten Sorten mehr als ein Drittel der Vermehrungsfläche entfällt. 79 Sorten davon werden in nur sehr geringem Umfang vermehrt: 52 Sorten mit nur einem einzigen sowie weitere 27 Sorten mit nur 2 Vermehrungsvorhaben. Dieses insgesamt breit gefächerte Sortenspektrum stellt für alle Beteiligten, die anbauenden – und teils einlagernden - Vermehrer, die aufbereitenden Vertriebsfirmen und die Züchter sowie die Anerkennungsstelle fachlich, logistisch und administrativ eine große Herausforderung dar.

 

 

Nunmehr im 10. Jahr in Folge ist die frühe Speisesorte Belana mit 447 ha bzw. einem Anteil von 7,0 % an der Fläche bedeutendste Sorte. Es folgen die mittelfrühe Verarbeitungssorte Agria mit 305 ha bzw. 4,8 % und die mittelfrühe Chipssorte Verdi mit 287 ha bzw. 4,5 %. In der Tabelle sind die 107 Sorten mit einer (in 2018 vorläufigen) Vermehrungsfläche von 10 ha oder mehr namentlich genannt; zum Vergleich sind die Flächen dieser Sorten der beiden Vorjahre dargestellt. Auf diese 107 Sorten entfallen 5.991 ha bzw. 93,5 % der Vermehrungsfläche. Alle anderen Sorten sind bei jeder Reife- und Sortengruppe jeweils unter „Andere Sorten“ zusammengefasst. Die Vermehrungen von noch nicht zugelassenen Sorten („Stämme“) in kleinen Einheiten in Gewächshäusern bzw. Tunneln oder in Freilandparzellen kommen noch hinzu. Bei den in Niedersachsen vermehrten 234 Sorten handelt es sich mittlerweile nur noch bei 121 Sorten um national geprüfte Sorten; hier existiert noch die klassische Einteilung in Reife- und Sortengruppen. Die anderen 113 Sorten sind so genannte EU-Sorten, auf die eine immer größere Vermehrungsfläche entfällt, mittlerweile mit 2.560 ha also 40,0 %. EU-Sorten wurden ursprünglich in irgendeinem anderen EU-Mitgliedsstaat zugelassen und dann darauf hin wurden sie ohne weitere Prüfung auch in Deutschland zugelassen.

 

 

Unter den 234 angemeldeten Sorten befinden sich auch Sorten mit Pallida-Resistenzen in nennenswerten Vermehrungsumfängen: vermehrt werden 13 Sorten auf insgesamt 348 ha, die gegen einen oder mehrere Pathotypen des Kartoffelzystennematoden Globodera pallida resistent oder teilresistent sind. Zugelassen allerdings sind insgesamt 51 Sorten mit Pallida-Resistenz. 55 Sorten werden auf 1.406 ha vermehrt, die eine Resistenz bzw. Teil-Resistenz gegen Kartoffelkrebs aufweisen. Hier gibt es insgesamt 139 zugelassene Sorten mit Resistenz gegenüber einem oder mehreren Pathotypen des Krebses.

Pflanzkartoffeln der vermehrten Sorten werden in den einzelnen Kategorien (Vorstufen-, Basis- und Zertifiziertes Pflanzgut) und Klassen (V/PB und V/PBTC bzw. B/S, B/SE und B/E bzw. Z/A und Z/B) in verschiedenen Anteilen zur Anerkennung angemeldet. Die 2.940 in Niedersachsen angemeldeten Vermehrungsvorhaben (zum Vergleich im Vorjahr: 2.804 Vorhaben) teilen sich folgendermaßen auf. Zur Produktion von Basispflanzgut sind 1.138 Schläge entsprechend 2.116 ha bzw. 33,0 % der Gesamtfläche angemeldet (Vorjahr: 1.050 Schläge entsprechend 1.889 ha bzw. 30,8 %). Damit hat der Anteil der Produktion von Basispflanzgut weiter zugenommen. Des Weiteren sind weit mehr als 300 Vermehrungsvorhaben vorgesehen zur Erzeugung von Vorstufenpflanzgut (Klassen PBTC und PB). Den flächenmäßigen Schwerpunkt aber bildet die Vermehrung zur Erzeugung Zertifizierten Pflanzgutes mit 1.430 Schlägen entsprechend 4.077 ha bzw. 63,6 % (Vorjahr: 1.420 Schläge entsprechend 4.057 ha bzw. 66,0 %). Der Anteil der Vermehrungen von Zertifiziertem Pflanzgut zu abermals Zertifiziertem Pflanzgut findet auf 137 Schlägen entsprechend 416 ha von 55 Sorten statt. Die Vermehrung innerhalb der Kategorie Z (bis 2015 die ehemalige „Z2-Vermehrung“) ist bei Kartoffeln nur möglich, wenn sie in demselben Betrieb erfolgt, der im Vorjahr das Z-Ausgangsmaterial erzeugt hat; sie ist von Produktion und Ökonomie her aber nur bedingt sinnvoll.

Im Bereich der Z-Vermehrung ist die Durchschnittsgröße der Schläge im Vergleich zu den Vorjahren mit 2,85 ha etwa gleichgeblieben; demgegenüber ist bei der Basis-Pflanzgut-Vermehrung die durchschnittliche Flächengröße angestiegen auf 1,86 ha im Vergleich zum Vorjahr mit 1,80 ha. Vermehrung von Pflanzkartoffeln findet in hochspezialisierten landwirtschaftlichen Betrieben statt. In diesem Jahr vermehren 332 Betriebe Pflanzkartoffeln, damit haben 21 Betriebe die Vermehrung eingestellt, 28 Vermehrer sind dagegen neu hinzugekommen. 325 Betriebe waren es in 2017 und 322 Betriebe in 2016. Dabei nimmt die Spezialisierung seit etlichen Jahren noch weiter zu: erzeugte 2016 bzw. 2017 jeder Vermehrer - über alle Stufen hinweg – 17,97 ha bzw. 18,90 ha Pflanzkartoffeln, sind es 2018 bereits 19,31 ha. Betreut werden die Vermehrer durch die Vertriebsfirmen wie z.B. Genossenschaften oder Landhandelsfirmen; insgesamt handelt es sich um 35 kleine und große Firmen, die Pflanzkartoffeln erzeugen lassen, um sie später zu handeln.

Dieselbe Kartoffelsorte in zwei verschiedenen Kategorien bzw. Klassen kann ein Vermehrer produzieren, wenn er die saubere Trennung der Stufen gewährleisten kann - vom Pflanzen übers Roden und Lagern bis zur Aufbereitung und Verladung. Konsumkartoffeln von derselben Sorte, die auch in einem Betrieb vermehrt wird, existieren in 528 Fällen und damit bei rund 18% der Vermehrungsvorhaben. In der Pflanzkartoffelproduktion dürfen auf dem Vorgewende Kartoffeln nur ausnahmsweise angebaut werden: auf einem Teil der zur Vermehrung angemeldeten Flächen existieren so genannte vorgelagerte Schlagteile, die jeweils Bestandteil des betreffenden Vermehrungsvorhabens sind. Hier ist ein mindestens 3 m breiter, von Streubewuchs freier Trennstreifen unbedingt einzuhalten. Der Feldbesichtiger kontrolliert während der Wachstumsphase der Kartoffeln auch, ob Kartoffeldämme auf Vermehrungsschlägen überfahren worden sind. Wurde ein Damm überfahren, müssen die betroffenen Kartoffeln aus dem Boden entfernt werden. Zur Erleichterung des Einfahrens in die Fahrspuren hat sich die Anlage von „Einfahr-Trichtern“ bewährt: hier werden die Stauden links und rechts neben der Fahrspur auf einigen Metern entfernt.

Veränderte Anforderungen an den Feldbestand und die Beschaffenheitsprüfung

Seit 2016 gelten aufgrund der Änderung der Pflanzkartoffelverordnung andere Anforderungen an den Feldbestand und die Beschaffenheitsprüfung bei Pflanzkartoffeln. Zertifiziertes Pflanzgut wird nun in zwei eigenständige Klassen Z/A und Z/B unterteilt. Das Auftreten von Virus wird nur noch als solches bewertet; die Unterscheidung der Virussymptome in leichte und schwere Ausprägung ist aufgehoben. Beispielsweise beträgt die maximal zulässige Virusnorm für Z/A 1% und die für Z/B 2%. Bei Schwarzbeinigkeit beträgt der Grenzwert 1,0% für Z/A und 1,2% für Z/B. Im Hinblick auf die einzelnen Änderungen verweisen wir auf die aktuell gültigen „Richtlinien für die Feldbesichtigung“.

 

Willi Thiel und Eric Preuß, Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
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Stand: 11.06.2018