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Begrenzung der Düngung im Sommer/Herbst

Was gilt es bei der Herbstdüngung zu beachten? Welche Pflanzen haben noch einen Düngebedarf im Herbst? Welche Änderungen ergeben sich durch die Novellierung der Düngeverordnung (DüV)? Diese und weitere Informationen rund um die Herbstdüngung erhalten Sie in diesem Artikel.

Mit Inkrafttreten der novellierten Düngeverordnung am 1.Mai 2020 sind weitere einschränkende Vorgaben für die Bemessung der Herbstdüngung zu beachten.

N-Düngung nach der Getreideernte

Die grundsätzlichen Vorgaben des Vorjahres bleiben bestehen. Es gilt weiterhin, dass sich die Vorgaben zur Regelung der Düngung nach der Ernte nicht mehr nur auf die organischen (Gülle, Gärreste, Geflügelmiste etc.…), sondern auf alle stickstoffhaltigen Düngemittel, also auch N-Mineraldünger, beziehen. Lediglich Kompost und Festmist von Huf- und Klauentieren (z.B. Rindermist, Pferdemist…) sind von dieser Regelung ausgenommen. Diese Dünger weisen nur sehr geringe verfügbare N-Gehalte auf, so dass die Gefahr von Stickstoffeinträgen in tiefere Bodenschichten im Herbst und Winter gering ist.

Grundsätzlich ist auch die Stickstoffdüngung im Herbst am N-Düngebedarf auszurichten. Daher muss vor der Düngung der N-Düngebedarf der Kultur durch den Landwirt ermittelt und aufgezeichnet werden. Nur wenn ein aktueller N-Düngebedarf besteht, darf bis in Höhe dieses Bedarfes gedüngt werden. Die Düngebedarfsermittlung hat sich dabei an den Vorgaben der zuständigen Behörde zu orientieren. In Niedersachsen ist dies die Düngebehörde bei der Landwirtschaftskammer.

Die Regelungen zur Sperrfrist wurden verschärft. Festmist von Huf- und Klauentieren darf jetzt in der Zeit vom 1.Dezember bis zum Ablauf des 15. Januar nicht aufgebracht werden. Das gilt sowohl für Grünland als auch für Ackerland. Zusätzlich dürfen nun auch phosphathaltige Düngemittel in dieser Zeit nicht mehr aufgebracht werden.

Die Sperrfrist für N-haltige Dünger auf Ackerland beginnt weiterhin mit der Ernte der letzten Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Abweichend von diesem Grundsatz dürfen auf Ackerland, ausschließlich nach Getreidevorfrucht, Stickstoffdünger bis zum 01. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste ausgebracht werden. Voraussetzung ist, dass eine Aussaat der Zwischenfrüchte, des Winterrapses und des Feldfutters bis zum 15. September und die Gerstenaussaat bis zum 01. Oktober vollzogen sein muss. Durch die Nennung der Aussaatzeitpunkte will der Gesetzgeber sicherstellen, dass ein ausreichender Pflanzenaufwuchs vor Winter vorhanden ist und somit der ausgebrachte Stickstoff von den Pflanzen aufgenommen wird. Es ist zu berücksichtigen, dass eine Stickstoffdüngung im Spätsommer/Herbst zu den Wintergetreidearten Roggen, Weizen und Triticale nicht mehr zulässig ist, sondern nur noch zu Wintergerste und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die Stickstoffdüngung nach Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Feldgemüse, Leguminosen, Brache, Gras und anderen Vorfrüchten oder zur Förderung der Strohrotte ist wegen fehlendem N-Düngebedarf grundsätzlich verboten.

Neu ist die Regelung der Anrechnung des Stickstoffs aus der Herbstdüngung zu Wintergerste oder Winterraps auf den N-Düngebedarf im folgenden Frühjahr. Hierbei ist die Menge an verfügbarem Stickstoff die nach Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 1. Oktober zu Winterraps oder Wintergerste aufgebracht wurde vom N-Düngebedarf im Frühjahr abzuziehen. Stickstoff aus Mineraldüngern ist zu 100% verfügbar. Bei organischen oder organisch-mineralischen Düngemitteln (z.B. Wirtschaftsdünger, Gärreste, Kompost, Klärschlamm) ist der verfügbare Stickstoff i.d.R. die Summe aus Nitrat- und Ammoniumstickstoff. Da die genannten org. Dünger nur kaum messbare Nitrat-Gehalte aufweisen, entspricht der NH4-N-Gehalt hier dem verfügbaren N-Gehalt.

Die nachfolgende Tabelle 1 listet beispielhaft die Stickstoffmenge verschiedener Düngemittel auf. Der Wert aus Spalte „N-Verfügbar" bezogen auf die Einheit ist bei Aufbringung im Herbst zu Wintergerste oder Winterraps im folgenden Frühjahr vom N-Düngebedarf abzuziehen.

Tabelle 1: Beispiele für Stickstoffgehalte in Düngemitteln

Düngemittel Einheit Nährstoffgehalte in kg/ha
N-Gesamt NH4-N N-Verfügbar
KAS dt 27,00 13,50 27,00
Mastschweinegülle, Flüssigfütterung N/P-reduziert 4,7 2,8 2,8
HTK, N/P-reduziert t 21,00 4,40 4,40
Rindermist t 5,00 0,50 0,50
...        

Ob eine im Herbst angebaute Kultur einen N-Düngebedarf hat oder nicht ist auch vom Humusgehalt des Bodens und der Düngungshistorie abhängig. Humusreiche Standorte, liefern in aller Regel genügend N zur Versorgung der Pflanzen im Herbst nach, so dass eine Stickstoffzufuhr hier nicht erforderlich ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Bodenhumusgehalt über 4 % beträgt. Im Bodenuntersuchungsergebnis ist dies daran erkennbar, dass die Humusklassifizierung mit den Symbolen „h", „sh", „a" oder „H" gekennzeichnet ist. Die Angabe (h) bedeutet weniger als 4 % Humus und damit ein geringes N-Nachlieferungspotential.

Weiterhin ist entscheidend, ob eine Fläche langjährig organisch gedüngt wurde oder nicht. Da es für diesen Begriff keine klare Definition gibt, wurde festgelegt, dass die Phosphorversorgung des Bodens als Maßstab herangezogen werden kann: Wenn die Phosphorgehalte im Boden mehr als 13 mg P/100 g Boden betragen, kann davon ausgegangen werden, dass diese Fläche langjährig organisch gedüngt wurde. Es ist klar, dass es von dieser Regel Ausnahmen geben kann. Für viele Böden und Flächen in Niedersachsen trifft dies aber zu. Böden die über viele Jahre organisch gedüngt wurden, zeigen eine erhöhte Nachlieferung an Stickstoff aus dem Bodenvorrat auf. Daher ist auf solchen Standorten zu Wintergerste und Winterraps eine zusätzliche N-Düngung nicht erforderlich, bzw. laut Verordnung wegen fehlendem N-Düngebedarf auch nicht mehr zulässig.

Sollen Sommerzwischenfrüchte ausgesät und vor Aussaat von Wintergetreide wieder umgebrochen werden, ist darauf zu achten, dass die Standzeit der Zwischenfrüchte nach der Düngung mindestens 8 Wochen beträgt. Diese Mindeststandzeit ist Voraussetzung dafür, dass die gedüngten N-Mengen auch aufgenommen werden können.

Die Zusammenhänge sind komplex, sodass in Abbildung 1 eine Entscheidungsmatrix wann und in welchen Fällen im Sommer/Herbst eine N-Düngung sinnvoll und zulässig ist, erstellt wurde.

Hieran kann man ableiten, ob ein Düngebedarf besteht.

Abbildung 1 (Abbildung steht als pdf-Datei am Ende des Artikels zum Download)

Aussagekräftige, in Feldversuchen geeichte Analysemethoden zur Bemessung der Herbstdüngung stehen bislang nicht zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund führt die LWK Niedersachsen an verschiedenen Standorten Feldversuche durch, um einen entsprechenden Schätzrahmen zur Ableitung des N-Düngebedarfs im Herbst zu entwickeln. Es werden daher die in der nachfolgenden Tabelle 2 aufgeführten Werte für den N-Düngebedarf im Herbst herangezogen. Achtung: Eine Höchstmenge von max. 30 kg Ammoniumstickstoff oder 60 kg Gesamtstickstoff je ha darf nicht überschritten werden!

Tabelle 2: N-Düngebedarf nach der Getreideernte

Folgekulturen nach Getreide

N-Düngebedarf
[kg N/ha]

Weder langjährig organisch gedüngt noch humusreicher Boden1

organisch gedüngt und/oder humusreicher Boden1

Winterraps
(Aussaat bis 15.09.)

  • bis 60 bei Strohverbleib
  • bis 40 bei Strohabfuhr
  • bis 60 bei Mulch und Direktsaat
0

Wintergerste
(Aussaat bis 01.10.)

  • bis 40 bei Strohverbleib
  • bis 20 bei Strohabfuhr
0

Feldfutter/Futterzwischenfrucht

   
  • Ernte noch im gleichen Jahr (Aussaat bis 31.08.)

N‐Düngung
nach Bedarf

N‐Düngung nach Bedarf

  • keine Beerntung im Jahr der Aussaat2 (Aussaat bis 31.08.)

40-60

20-40

  • keine Beerntung im Jahr der Aussaat2
    (Aussaat vom 01.09. bis 15.09.)

30-40

0

Gründüngungszwischenfrucht2 (Aussaat bis 15.09. und mind. 8 Wochen Standzeit*3 )

40-60 20-40

Absolute Höchstmengen (mineralisch und organisch)
30 kg Ammoniumstickstoff (NH4-N) je ha oder 60 kg Gesamt-N je ha

1) i.d.R. P‐CAL‐Gehalt >13 mg P/100g Boden, Humusgehalt im Boden >4% oder Humusklasse „h", „sh", „a" oder „H" (s. Bodenuntersuchungsbefund).

2) bis 30 % Leguminosen: N‐Düngebedarf s. oben; 31 – 75 % Leguminosen: 30 kg N/ha; >75 % Leguminosen: kein N‐Düngebedarf, gilt nicht für langjährig organisch gedüngte oder humusreiche Böden: hier bei Leguminosenanteil > 30%: kein N-Düngebedarf.

3) Eine N-Düngung zur Gründüngungszwischenfrucht mit nachfolgender Winterung ist nur zulässig, wenn zwischen Düngungs- und Aussaatzeitpunkt der Zwischenfrucht und Umbruch zur nachfolgenden Winterung mindestens 8 Wochen liegen.

Die Einschränkungen der N-Düngung im Herbst beziehen sich immer auf die Düngung nach der Ernte der letzten Hauptfrucht. Als letzte Hauptfrucht gilt dabei die Kultur, die im Anbaujahr noch geerntet wird. Wird nach Getreide noch eine Hauptfrucht zur Energie- bzw. Futternutzung angebaut (z.B. Ackergras oder Hafer), die noch im Anbaujahr geerntet wird, kann bis in Höhe des N-Düngebedarfs gedüngt werden. Die 60 kg Gesamt-N/ha und 30 kg NH4-N/ha-Grenze gelten hier nicht.

Berechnung der maximalen Stickstoffdüngung

Neben dem N-Düngebedarf der Kultur sind bei der Bemessung der Herbstdüngung die Höchstmengen an Stickstoff von 30 kg/ha NH4-N oder 60 kg/ha Gesamt-N/ha zu beachten.

Zunächst wird berechnet wie viel Dünger notwendig ist, um den N-Düngebedarf der Frucht (Rechnung 1) zu decken. Hierbei ist die Mindestwirksamkeit des Stickstoffs gemäß Düngeverordnung zu berücksichtigen. Danach wird ermittelt, mit welcher Menge Dünger 30 kg/ha NH4- N (Rechnung 2) bzw. 60 kg/ha Gesamt-N (Rechnung 3) erreicht werden. Es dürfen keine Ausbringungsverluste in Abzug gebracht werden, sondern es sind Analyse- oder Richtwerte der eigenen Wirtschaftsdünger oder die aufgrund vorgeschriebener Kennzeichnung vorhandenen Werte der von Dritten aufgenommenen Dünger anzusetzen.

Die nachfolgende Tabelle 3 stellt beispielhaft die Berechnung für verschiedene Düngergaben dar.

Tabelle 3: Beispielrechnungen zur ordnungsgemäßen Düngung im Herbst

 

Kultur

N-Dünge-
bedarf [kg/ha]

Düngerart
(Nährstoffgehalte
in kg/m³ o. t)

Rechnung 1
N-Düngebedarf Kultur

Rechnung 2
max. 30 NH4-N
[kg/ha]

Rechnung 3
max. 60 Ges.-N
[kg/ha])

max. Ausbringmenge
[m³ bzw. t]
N-Menge in kg N/ha)

W-Gerste
nach Weizen

30

Gärrest
(Ges.-N=5,8 kg/m³
NH4-N=3,5 kg/m³)
60% Mindestwirksamkeit*

30
30/(5,8 x 0,6)
=8,6 m³

30
(30/3,5)
=8,6 m³

60
(60/5,8)
=10,3 m³

9 m³

W-Raps
nach Weizen

40

Milchkuhgülle
(Ges.-N=4,7 kg/m³
NH4=2,2 kg/m³)
60% Mindestwirksamkeit*

40
40/(4,7 x 0,6)
=14,1 m³

30
(30/2,2)
=13,6 m³

60
(60/4,7)
=12,8 m³

13 m³

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60

Mastschweinegülle
(Ges.-N=5,2 kg/m³
NH4-N=3,1 kg/m³)
70% Mindestwirksamkeit*

60
60/(5,2 x 0,7)
=16,5 m³

30
(30/3,1)
=9,7 m³

60
(60/5,2)
=11,5 m³

10 m³

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60

Legehennen-HTK
(Ges.-N=25 kg/t
NH4-N= 10 kg/t.)
60 % Mindestwirksamkeit*

60
60/(25 x 0,6)
=4 t

30
(30/10)
= 3 t

60
(60/25)
=2,4 t

2,4 t

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60

Kalkammonsalpeter
(Ges.-N=27 kg/dt
NH4-N= 13,5 kg/dt.)
100 % Mindestwirksamkeit

60
60/(27 x 1)
=2,2 dt

30
(30/13,5)
= 2,2 dt

60
(60/27)
=2,2 dt

2,2 dt

*) Mindestwirksamkeit im Jahr des Aufbringens gemäß Anlage 3 zu § 3 (5) 1. Nr. 2 DüV

Die maximal zulässige Menge der Düngemittel wird durch die zuerst erreichte Grenze festgelegt.

Ausgenommen von den beschriebenen Regelungen ist lediglich der Einsatz von Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost. Diese können unabhängig von der Vorfrucht und ohne Begrenzung auf 30/60 kg N/ha ausgebracht werden, es gibt hierfür lediglich die jetzt verlängerte Sperrfrist vom 1. Dezember bis 15. Januar. Die maximal auszubringende Menge orientiert sich hierbei am Gesamt-N-Düngebedarf der nachfolgenden Kultur und der N-Ausnutzung zur Folgekultur im Frühjahr. Eine zeitnahe Ausbringung im Frühjahr ist natürlich immer zu empfehlen, um eine höhere Nährstoffeffizienz zu erreichen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf Ackerland nur noch eingeschränkte Möglichkeiten einer Herbstdüngung bestehen. Dies ist aus Sicht einer effizienten Nährstoffausnutzung mit dem Ziel des Gewässerschutzes zu befürworten. Bei der mengenmäßigen Bemessung der N-Düngung zu Wintergerste nach Getreidevorfrüchten, zu Winterraps, Zwischenfrüchten und Feldfutter ist der N-Düngebedarf der Kultur zu berücksichtigen. Darüber hinaus dürfen die absoluten Höchstmengen von 30 kg NH4-N oder 60 kg Gesamt-N je ha keinesfalls überschritten werden. Die Herbstdüngung zu Winterraps und Wintergerste ist mit den Mengen an verfügbarem Stickstoff auf den N-Düngebedarf im Frühjahr anzurechnen. Die von der Düngebehörde veröffentlichten Orientierungswerte für den N-Düngebedarf im Herbst sind zu beachten und der ermittelte Düngebedarf ist zu dokumentieren.


Kontakt:
Düngebehörde
Telefon: 0441 801-750
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 24.08.2020



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