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Berechnung einer individuellen Stallbilanz

Jährlich zum 31.03. müssen landwirtschaftliche Betriebe den Nährstoffvergleich für das vergangene Düngejahr erstellen. Bei viehhaltenden Betrieben spielen dabei die aus der Tierhaltung anfallenden Stickstoff- und Phosphatmengen eine bedeutende Rolle. Tatsächlich können in bestimmten Betrieben aufgrund abweichender Produktionsbedingungen (z. B. niedrigere Nährstoffgehalte im Futter, bessere Futterverwertung) niedrigere Nährstoffmengen anfallen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat eine Excel-Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe für viele Verfahren der Veredlungswirtschaft individuell für einen Betrieb oder Stall die Ausscheidung an Stickstoff und Phosphat errechnet werden kann. Unter Heranziehung einer entsprechenden Datengrundlage kann dies bei der Erstellung des Nährstoffvergleichs berücksichtigt werden.

Im Anhang zur Düngeverordnung wurden in Anlage 1 für alle Tierarten Richtwerte für die Nährstoffausscheidung an Stickstoff und Phosphat je durchschnittlich belegten Stallplatz festgelegt, die sich bei guter fachlicher Praxis bei den im bundesweiten Durchschnitt anzutreffenden Produktionsbedingungen ergeben. Diese Werte wurden von der LWK Niedersachsen um zusätzliche Verfahren ergänzt und in die EDV-Programme für die Erstellung der Nährstoffvergleiche integriert.

Da die Produktionsbedingungen in der landwirtschaftlichen Praxis stark variieren, wurde seitens der Betriebe vermehrt der Wunsch nach betriebsindividuellen Daten laut. Tatsächlich können in bestimmten Betrieben aufgrund abweichender Produktionsbedingungen (z. B. niedrigere Nährstoffgehalte im Futter, bessere Futterverwertung) niedrigere Nährstoffmengen anfallen. Unter Heranziehung einer entsprechenden Datengrundlage kann dies bei der Erstellung des Nährstoffvergleichs berücksichtigt werden.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat eine Excel-Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe für viele Verfahren der Veredlungswirtschaft individuell für einen Betrieb die Ausscheidung an Stickstoff und Phosphat errechnet werden kann.

Die Berechnung erfolgt dabei für die einzelnen Produktionsverfahren, jeweils für ein Wirtschaftsjahr oder Kalenderjahr nach dem folgenden Schema

Nährstoffmenge im Futter abzgl. Nährstoffmenge im Zuwachs = Nährstoffausscheidung.

Als Datengrundlage zur Berechnung werden benötigt:

  • betriebswirtschaftlicher Buchführungsabschluss (Erfolgskonten, Vieh- und Naturalbericht)
  • Futtermittellieferscheine bzw. –rechnungen die den gesamten Futtermitteleinkauf eines Wirtschaftsjahres belegen, einschließlich Deklaration der Futtermittel
  • Belege über Viehverkäufe bzw. –käufe sowie Belege der Tierkörperbeseitigung wenn aus den Buchführungsunterlagen Stückzahlen und/oder Gewichte nicht hervorgehen.
  • wenn vorhanden, Analysen der verwendeten betriebseigenen Futtermittel

 

Betriebszweige, bei denen vorwiegend wirtschaftseigenes Futter Verwendung findet (z. B. alle Bereiche der Bullen- und Milchviehhaltung) eignen sich aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der Menge der eingesetzten Futtermittel und deren Inhaltsstoffe nicht für die Berechnung einer Stallbilanz. Bei Einsatz von eigenem Getreide in der Veredlungswirtschaft sind Stallbilanzen aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der Menge der eingesetzten Futtermittel und deren Inhaltsstoffe nur bedingt aussagekräftig, gleichwohl ist es dennoch möglich.

Die individuell errechneten Ausscheidungen an Stickstoff, Phosphat und Kali können bei der Erstellung des Nährstoffvergleichs nach DüngeVO Verwendung finden. Bitte beachten Sie dabei die Anleitung des von Ihnen genutzten Nährstoffvergleichs-EDV-Programms, in welcher Form (Brutto-N-Ausscheidung oder N-Menge nach Abzug von Stall- und Lagerverlusten) ein Import dieser betriebsindividuell errechneten Daten erfolgen muss.

Im Fall der LWK-EDV WEB Module Düngung legen Sie bitte einen eigenen Wirtschaftsdünger im Reiter „Aufnahme org. Dünger“ an. Aus der Bezeichnung dieses Wirtschaftsdüngers muss hervorgehen, dass es sich um eine betriebsindividuelle Berechnung handelt. Bei dem Gehalt N, P2O5 und K2O verwenden Sie bitte die Werte „Nährstoffmenge nach Abzug der Stall- und Lagerverluste“ aus der Excel-Stallbilanz. Die komplette Nährstoffmenge bilden Sie dabei in 1 t Wirtschaftsdünger ab. Bitte denken Sie daran dem Datensatz die entsprechenden Ausbringungsverluste der jeweiligen Tierart zuzuordnen.

In den Tabellenblättern der Stallbilanz sind als Ergebnis also neben den Brutto-Ausscheidungen je Tierplatz auch die Werte angegeben, die sich nach Abzug von Stall- und Lagerverlusten ergeben. Dabei wurde bei Schweinen und Kälbermast davon ausgegangen, dass die Tiere auf Spalten gehalten werden und Gülle anfällt. Erfolgt eine Haltung auf Stroh, können die höheren Stall/Lagerverluste aus Anlage 2 der DüV verwendet werden, die ebenfalls unter dem o. g. Webcode zu finden sind. Für Geflügel gibt es natürlicherweise nur die Verfahren mit Mist- bzw. Kotanfall.

Die Erstellung einer Stallbilanz nach dem vorgestellten Muster erfordert vom Betriebsleiter ein zusätzliches Maß an Aufwand und häufig unliebsamer „Büroarbeit“, vor allem um die Grunddaten zur Berechnung zu beschaffen. Andererseits sind viele Betriebe zur Erstellung einer Stoffstrombilanz verpflichtet, welche in der Regel die Erfassung genau dieser Daten ebenfalls erforderlich macht. Der Aufwand wird nicht automatisch zum gewünschten Ziel, nämlich der Dokumentation einer aus Umweltgesichtspunkten erwünschten niedrigen Nährstoffausscheidung, führen. In der Praxis werden sich sicherlich auch Ergebnisse ergeben, die einen höheren Nährstoffanfall je Tierplatz belegen.
 

Hilfestellung zur Einordnung der Tiere in die verschiedenen Leistungsklassen und Fütterungsverfahren gibt der Leitfaden zur Ermittlung der Nährstoffausscheidung landwirtschaftlicher Nutztiere. Nur bei besonderen Verhältnissen kann es sinnvoll sein zu zeigen, dass der Nährstoffanfall aus der Tierhaltung geringer war als nach Richtwerten berechnet.

Die Berechnung von individuellen Nährstoffausscheidungen und deren Berücksichtigung im Nährstoffvergleich stellt eine Ausnahme dar. Der Betriebsleiter muss sich darüber im Klaren sein, dass im Falle einer Düngerechts-Prüfung die zur Berechnung erforderlichen Unterlagen komplett vorgelegt werden müssen und eine Kontrolle sämtlicher Daten und Berechnungen auf Richtigkeit erfolgt.

Wenn eine individuelle Bilanz berechnet wird, müssen alle Tiere eines Produktionsverfahrens, die zu dem Betrieb (einzelne Rechtsform) gehören, berücksichtigt werden. Dies gilt auch, wenn sie in mehreren räumlich getrennten Ställen stehen. Nicht möglich ist eine Aufteilung dergestalt, dass bspw. ein Stall mit 800 Mastschweineplätzen mit Richtwerten bewertet wird und ein anderer Stall mit 500 Plätzen mit individuellen Daten. In diesen Fällen muss der Nährstoffanfall entweder für alle 1300 Mastplätze individuell berechnet werden oder für keinen.

Die ermittelten Werte gelten nur für das Düngejahr, aus dem die Daten stammen und das ausgewertet wurde. Es ist nicht zulässig, die individuell errechneten Werte aus dem Düngejahr 2018 in den Nährstoffvergleich für das Düngejahr 2019 zu übernehmen. Für 2019 muss dann ggf. neu gerechnet werden.

 

Zusammenfassung
Mit Hilfe von Stallbilanzen kann der Nährstoffanfall landw. Nutztiere betriebsindividuell berechnet werden und die ermittelten Werte können bei der Erstellung von Nährstoffvergleichen Berücksichtigung finden. Der Aufwand zur Beschaffung der Grunddaten ist relativ hoch und muss einer Kontrolle standhalten.

 


Kontakt:
Hartwig Fehrendt
Düngegesetz, Düngeverordnung und Richtwerte
Telefon: 0441 801-435
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:
Jelko Djuren
Kontrolle Düngerecht
Telefon: 0441 801-775
Telefax: 0441 801-778
E-Mail:


Stand: 15.01.2019