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Nmin-Richtwerte 2020 für die Winterungen bei der Düngebedarfsermittlung

Milde und immer wieder stürmische Tiefdrucklagen prägten das Wettergeschehen der letzten Wochen. Die in der ersten Winterhälfte gefallenen Niederschläge führten nach einem erneut von Trockenheit geprägten Jahr jedoch nur zu einer leichten Entspannung der Gesamtsituation. Der Winter 2019/2020 gestaltete sich vielerorts mit deutlich zu milden Temperaturen und zumeist frostfreien Nächten. Eine nachhaltige Vegetationsruhe war dadurch zu keinem Zeitpunkt zu verzeichnen.

Die überdurchschnittlich warme Witterung spiegelt sich auch in der sehr weit fortgeschrittenen kumulierten Grünlandtemperatursumme wieder. Viele Grünlandstandorte erreichten im Laufe der vergangenen Woche die kumulierte Temperatursumme von 200 °C. Somit beginnt das Vegetationsjahr 2020 flächendeckend gesehen so früh wie nie zuvor. Bereits in der letzten Februar-Woche erreichten erste Standorte im Nordwesten Niedersachsens die vorgegebene Marke von 200°C.

Positive Begleiterscheinung des unbeständigen und stürmischen Tiefdruckeinflusses der vergangenen Wochen, ist der langersehnte ergiebige Regen.

Die reichlichen, teils intensiven Niederschläge der zurückliegenden Tage haben zur Folge, dass die Bodenfeuchten in der Schicht bis 60cm verbreitet über 100% der nutzbaren Feldkapazität (DWD; Veröffentlichung Bodenfeuchte, Februar 2020) liegen. Aufgrund der ergiebigen flächendeckenden Niederschläge in den letzten Wochen konnte das Niederschlagsdefizit für die Referenzperiode von August 2019 bis Februar 2020 fast vollständig beglichen werden. In vielen Regionen kommen die ausgiebigen Niederschläge dagegen den teils noch nicht gesättigten tieferen Bodenschichten nachhaltig zugute.

Vielerorts ist aber durch die Niederschläge derzeit das Befahren der Flächen nicht möglich. Somit kann die erste Stickstoffgabe als Folge des reichlichen Wasserangebotes in den obersten Bodenschichten zurzeit nicht gegeben werden.

Winterungen Bereich nordwestliches Niedersachsen

Ab der letzten Januarwoche 2020 wurde in den nordwestlichen Regionen Niedersachsens mit der Nmin-Probenahme begonnen.

Im Vergleich zu den Vorjahres-Nmin-Werten liegen die diesjährigen Nmin-Werte auf einem deutlich geringeren Niveau und entsprechen relativ gut den 5-jährigen Durchschnittswerten (Tab. 2).  Unter Berücksichtigung der Fehlergrenze der Nmin-Methode ist der Stickstoff relativ gut über alle drei Bodenschichten verteilt. Teilweise liegt ein aufbauendes Nmin-Profil vor, wobei davon auszugehen ist, dass der Stickstoff in tieferen Bodenschichten infolge einer ausreichenden Bodendurchfeuchtung durch die Pflanzen gut ausgenutzt werden kann und damit düngewirksam wird.

Winterraps

Konnte der Winterraps im Herbst 2019 termingerecht bestellt werden, entwickelten sich bis Eingangs Winter oftmals kräftige Rapsbestände. Aufgrund der guten Pflanzenentwicklung war der Winterraps in der Lage, entsprechende N-Mengen aus dem Boden aufzunehmen, so dass die Nmin-Werte unter den Winterrapsbeständen teilweise unter den 5-jährigen Durchschnittswerte liegen. So sind beispielsweise auf den sandigen Böden (BKR 48, 50) und den Lehmböden (BKR 47) Nmin-Werte zu verzeichnen, die um ca. 10 – 20 kg N/ha unter den fünfjährigen Durchschnittswerten liegen.

Winterweizen

Bei den Winterweizenflächen mit Blattvorfrüchten (Kartoffel, Mais, Raps) liegen die Nmin-Werte auf den Marsch- und Tonböden (BKR 52) mit 63 kg N/ha im Bereich der 5-jährigen Durchschnittswerte. Im Gegensatz zu den Blattvorfrüchten waren beim Winterweizen mit Getreidevorfrüchten (s. Stoppelweizen) im Vergleich zu den fünfjährigen Durchschnittswerten in der BKR 52 geringfügig höhere Nmin-Werte zu verzeichnen.

Auf den sandigen Böden (BKR 48 und 50) sind mit ca. 40 kg N/ha leicht höhere Werte gegenüber den fünfjährigen Durchschnittswerten zu verzeichnen. Vermutlich ist dieses auf eine höhere N-Mineralisation infolge der hohen Temperaturen im Winterhalbjahr zurückzuführen. 

Mit 45 kg N/ha liegen auf den Lehmböden die Nmin-Werte um ca. 20 kg N/ha unter den 5-jährigen Durchschnittswerten. Auch auf den Weizenflächen mit Getreidevorfrüchten liegen in dieser Region die Nmin- Werte um 15 kg N/ha unter den 5-jährigen Durchschnittswerten.

Wintergerste/Winterroggen/Triticale

Bei den übrigen Wintergetreidearten übersteigen die Nmin-Werte der Marsch- und Tonböden (BKR 52) nur geringfügig die 5-jährigen Durchschnittswerte. Zu beachten ist, dass zwischen den einzelnen Kulturen und in Abhängigkeit der Vorfrüchte relativ hohe Spannweiten der Nmin-Werte zu beobachten sind. Auf den sandigen Böden Nordwestniedersachsens (BKR 48, 50) und den Lehmböden (BKR 47) liegen die Nmin-Werte nur geringfügig unter den langjährigen Durchschnittswerten.

Tabelle 1: Nmin-Richtwerte für Winterraps und Wintergetreide im nordwestlichen Niedersachsen - Stand 12.02.2020

Region Bodenklima-raum Schicht cm Raps kg Nmin/ha Stoppelweizen         kg Nmin/ha Rübenweizen   kg Nmin/ha Winterweizen (Blattvorfrucht Ra, Ka, Ma)  kg Nmin/ha Wintergerste, -Roggen, -Triticale       kg Nmin/ha
AUR; BRA EMD; FRI; LER; WHV; WTM 52
Marschen
Tonböden
 0-30 cm  11 14   17 16
30-60 cm  14 17   21 20
60-90 cm  13 22   25 24
0-90   38 (39) 53 (56)   63 (62) 60 (56)
Spanne 16 - 72 17 - 127   17 - 102 21 - 110
CLP; EL; NOH; OS 48
sandige 
Böden
 0-30 cm  11     11 9
30-60 cm  8     13 7
60-90 cm  9     23 14
0-90   28 (36)     47 (34) 30 (37)
Spanne 16 - 40     21 - 89 11 - 72
AUR; CLP; EL; FRI; LER; OL; WST; WTM 50
sandige 
Böden
 0-30 cm  8     10 9
30-60 cm  7     12 9
60-90 cm  11     21 11
0-90   26 (36)     43 (34) 29 (37)
Spanne 21 - 30     24 - 98 12 - 65
OL; OS; VEC 47
Lehmböden,
leichte 
Lehmböden
 0-30 cm  8 11 23 13 7
30-60 cm  6 10 17 13 8
60-90 cm  6 19 17 19 13
0-90   20 (39) 40 (55) 57 (56) 45 (62) 28 (36)
Spanne 13 - 44 40 (nur 1 Fläche) 53 - 60 25, - 60 11 - 57
  sofern keine Angabezu einer Kultur vorhanden ist, wurde keine Fläche im BKR-Raum beprobt
Werte in Klammern: Durchschnittliche Nmin-Richtwerte - 5jähriges Mittel

Winterungen Bereich Nordöstliches, mittleres und südliches Niedersachsen

Unter Winterraps reicht die Spanne je nach Boden- und Klimaregion von 25 kg N/ha auf den leichten Standorten bis hin zu 35 kg N/ha auf den Marschen. Auf den leichten Lehmböden im mittleren Niedersachsen (BKR 45; 47) liegen die Werte um bis zu 14 kg N/ha niedriger gegenüber dem 5-jährigen Durchschnitt. Teils große Schwankungsbreiten treten bei den Marschen (BKR 52) und den leichten Lehmböden (BKR 45; 47) auf. Auf den sandigen Böden im Elbe-Weser-Dreieck und im nordöstlichen Niedersachsen sind etwas geringe Spannbreiten bei den Werten zu finden.
In den Höhenlagen (>200 m über NN) und auf den schweren Lehmböden (BKR 11; 34) zeigt sich ein vergleichbares Bild. Auch hier liegen die Nmin-Werte im Mittel bei 25 kg N/ha mit einer Spanne von 12 – 56 kg N/ha. Damit liegen auch hier die ermittelten Nmin-Werte rd. 10 kg N/ha unter den 5-jährigen Durchschnittswerten.

Beim Winterweizen werden wie in den Vorjahren die Nmin-Werte für Stoppel-, ZR- und Blattfruchtweizen (Vorfrüchte Winterraps, Kartoffeln und Mais) eingeteilt. Auch im Winterweizen liegen die Nmin-Werte deutlich niedriger gegenüber dem Vorjahr.

Grundsätzlich liegen die Nmin-Werte im Weizen nach den Blattfrüchten eher höher als nach Zuckerrüben. Ursache dafür ist die oft schon im Herbst erfolgte Mineralisierung der leicht zersetzbaren Ernterückstände der Blattfrüchte. Diese ließ sich in diesem Jahr nicht feststellen.

So liegen die Nmin-Werte für den Blattfruchtweizen in allen Boden-Klima-Räumen zwischen 36 kg N auf den sandigen Böden und 58 kg N auf den Marschen. Vergleichbare Nmin-Werte zeigt der Rüben-Weizen in den gleichen Bodenklimaräumen. Hier liegen die Werte zwischen 37 kg N/ha und 57 kg N/ha.

Geringfügig niedriger liegen die Nmin-Werte in der Regel beim Stoppelweizen. Auf den Marschböden gleichen sich die aktuellen Nmin-Werte im Stoppelweizen mit 53 kg N/ha und im Blattweizen 58 kg N/ha den 5-jährigen Mittelwerten an.

Auch auf den schweren Lehmböden sowie im Hügelland (BKR 11; 34) liegt der aktuelle Nmin-Wert im Stoppelweizen mit 30 kg N/ha deutlich unterhalb des 5-jährigen Durchschnitts. Dieses gilt auch für den Weizen mit Blattvorfrucht. Auch hier liegt der aktuelle Nmin-Werte mit 40 kg N/ha deutlich niedriger als der 5-jährige Durchschnitt. Auffällig ist bei allen Winterweizenflächen, dass der Stickstoff durch die Niederschläge im Februar relativ gleichmäßig über allen 3 Bodenschichten verteilt worden ist.

Die übrigen Wintergetreidearten (Wintergerste, -Roggen und -Triticale) werden in einer Auswertungsgruppe zusammengefasst, da sich die Nmin-Gehalte der jeweiligen Getreidearten im Rahmen der langjährigen Auswertungen kaum unterscheiden. Insgesamt fällt auf, dass alle Werte in den verschiedenen Boden-Klima-Räumen unterhalb des 5-jährigen Mittels liegen.

Die Spanne der Nmin-Werte reicht insgesamt von 23 – 55 kg N/ha. Auf leichten Böden liegen die Werte im Schnitt bei 23 bzw. 29 kg N/ha, bei leichten bis mittleren Lehmböden ebenfalls bei 27 kg N/ha. Selbst die Werte auf den schweren Marschböden liegen mit 55 kg N/ha fast exakt auf Höhe der 5-jährigen Mittelwerte.

Tabelle 2: Nmin-Richtwerte für Winterraps und Wintergetreide nordöstliches, mittleres und südliches Niedersachsen- Stand 28.02.2020

Region Bodenklimaraum
(BKR)
Schicht cm Raps kg Nmin/ha Stoppelweizen         kg Nmin/ha Rübenweizen   kg Nmin/ha Winterweizen (Blattvorfrucht Ra, Ka, Ma)  kg Nmin/ha Wintergerste,
-Roggen
 -Triticale       kg Nmin/ha
CUX; LG; STD; WL 52
Marschen
Tonböden
 0-30 cm  11 14   18 15
30-60 cm  13 18   19 18
60-90 cm  11 21   21 22
0-90   35 (39) 53 (56)   58 (62) 55 (56)
Spanne 16 - 69 17 - 77   35 - 83 21 - 84
BS; CE; DAN: GF; H; HK; LG; NI; PE; ROW; UE; VER; WF; WL; WOB 9; 46; 51
sandige Böden 
Nordost
 0-30 cm  10   17 10 8
30-60 cm  9   19 11 6
60-90 cm  8   12 15 9
0-90   27 (30)   48 (40) 36 (39) 23 (29)
Spanne 20 - 69   37 - 62 14 - 76 9 - 62

GÖ; GS; H; HE; HI; HM; HOL; NOM; OHA; PE; SHG; SZ; WF

45; 47
Lehmböden,
leichte 
Lehmböden
 0-30 cm  9 11 20 13 8
30-60 cm  8 13 22 15 8
60-90 cm  8 22 15 23 11
0-90   25 (39) 46 (55) 57 (56) 51 (62) 27 (36)
Spanne 13 - 96 16 - 82 28 - 86 18 - 92 11 - 63

GÖ; GS; HM; HOL; OH; NOM; SHG

11; 34
schwere Lehm-
böden, Hügelland
(>200m Höhenlage)
 0-30 cm  9 8 13 10 7
30-60 cm  8 10 13 11 6
60-90 cm  8 12 11 19 8
0-90   25 (35) 30 (52) 37 (45) 40 (60) 21 (41)
Spanne 12 - 56 17 - 65 11 - 63 20 - 77 11 - 41
  Sofern keine Angabe zu einer Kultur vorhanden ist, wurde keine Fläche im BKR beprobt.
In diesem Fall kann ein Nmin-Wert aus einem vergleichbaren BKR herangezogen werden.
(Werte in Klammern: Durchschnittliche Nmin-Richtwerte - 5jähriges Mittel 2015 - 2019)

Folgendes ist zu berücksichtigen:

Liegen auf eigenen Flächen abweichende Standort- oder Bewirtschaftungseinflüsse vor, so sind eigene Nmin-Untersuchungen zu empfehlen. Dieses ist vor allem bei langjähriger organischer Düngung, hohen Zwischenfruchtaufwüchsen und trockenheitsbedingten Mindererträgen mit nachfolgend hohen N-Salden der Fall. Unter diesen Gegebenheiten ist es ggf. sinnvoll, eigene Nmin-Untersuchungen durchzuführen, um die entsprechenden standörtlichen Zusammenhänge ausreichend zu berücksichtigen.

Insgesamt herrschte durch diesen milden Winter kaum Vegetationsruhe. Durch die vorwiegend milde Witterung konnten die Pflanzen bei guter Vorwinterentwicklung durchweg Stickstoff aus dem Boden aufnehmen. Die milde Winterwitterung kam oftmals auch den Pflanzenbeständen zugute, die infolge schlechterer Aussaatbedingungen z.B. durch Trockenheit weniger gut entwickelt in den Winter gingen.

Fazit:

  • Nmin-Werte liegen in diesem Frühjahr aufgrund der ergiebigen Niederschläge deutlich unterhalb der Vorjahreswerte
  • Deutliche Entspannung im Bodenwasserhaushalt – Niederschlagsdefizit ist in fast allen Regionen bezüglich der Referenzperiode August 2019 bis Februar 2020 ausgeglichen
  • Bei großer Differenzierung von Bodenarten innerhalb eines Boden-Klima-Raumes kann auf einen entsprechenden Nmin-Wert eines vergleichbaren Boden-Klima-Raumes zurückgegriffen werden
  • Sofern für eine Kultur in einem Boden-Klima-Raum kein Nmin-Wert angegeben sein sollte, kann auf einen Nmin-Wert eines vergleichbaren Boden-Klima-Raumes zurückgegriffen werden
  • Bei der Ausbringung der jeweiligen Düngemittel sind die Regelungen der Düngeverordnung entsprechend zu beachten

Autoren: Tim Eiler, Sebastian Althaus, Dr. Dagmar Matuschek


Kontakt:
Düngebehörde
Telefon: 0441-801-750
E-Mail:


Stand: 17.04.2020



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