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Auch Kiefern leiden unter Extremwetter

Nach den extremen Hitze- und Trockenperioden in 2018/ 2019 wird nun auch die Kiefer von Schädlingen heimgesucht, wie Christoph Behrens in einem Artikel in der Land und Forst 14/2020 schreibt. Neben dem Borkenkäfer in der Fichte richtet nun das Diplodia-Triebsterben deutliche Schäden in der Kiefer an. Wie ist bei Befall vorzugehen?

Die Kiefer als Pionierbaumart gilt als sehr robust und genügsam. Sie kann auf armen, trockenen Sandböden wachsen, wo viele andere Baumarten keine Chance haben. Doch die Extremwetterereignisse der vergangenen beiden Jahre gingen auch an ihr nicht schadlos vorbei.

Seit dem Herbst 2019 fielen im südlichen Landkreis Gifhorn vermehrt braun benadelte Kiefern auf. Der Auslöser dieser Schäden ist eine Pilzerkrankung, die das sogenannte Diplodia-Triebsterben auslöst. Dieser Pilz kommt in den meisten Kiefernbeständen in Niedersachsen vor, ohne dass er nennenswerte Schäden verursacht. Erst eine Vorschädigung bzw. deutliche Schwächung der Bäume lässt ihn zum Schädling werden. Langanhaltende Trockenheit, Hitzeperioden und starke Besonnung sind solche Auslöser. Aber auch Rindenverletzungen in der Krone, zum Beispiel durch Hagelschlag, gelten als schadauslösende Faktoren. Zusätzlich können längere Warmphasen im Hochwinter die Schäden verstärken. Betroffen sind vor allem Kiefern in allen Altersstufen. Aber auch alle anderen Nadelbäume können befallen werden.

Erkennbar wird das Diplodia-Triebsterben durch
•    eine typische rotbraune Verfärbung der Nadeln
•    nur noch büschelweise Benadelung
•    Rindenschäden im Kronenbereich
•    das Absterben von Kronenteilen
•    eine ausgeprägte Holzbläue in befallenen Stammteilen, welche zu einer Entwertung des Holzes führt.

Eigene Beobachtungen haben gezeigt, dass auch das fahlgrüne Verfärben der Nadeln sowie möglicherweise eine starke Zapfenbildung auf Befall schließen lassen.
Wird in einem Bestand das Diplodia-Triebsterben festgestellt, kommt als folgende Maßnahme nur die konsequente Entnahme befallener Bäume in Betracht. Dabei ist wie folgt vorzugehen:
1.    Einschätzen des Schadausmaßes: Da sich das Schadausmaß vom Boden aus schwer einschätzen lässt, ist eine Kontrolle der Bestände per Drohne zu empfehlen. Im Anschluss wird eine Prioritätenliste erstellt: Stark befallene Bestände müssen zuerst bearbeitet werden, gering befallene Bestände später.
2.    Markieren der befallenen Bäume: Die befallenen Bäume in einem Bestand werden zur Entnahme ausgezeichnet. Dabei sollten auch Bäume mit nur wenigen braunen Nadeln markiert werden. Diese erholen sich erfahrungsgemäß nicht mehr. Das Auszeichnen muss bei günstigem Licht erfolgen. Bei bedecktem Himmel oder Gegenlicht sind die Schäden nur sehr schwer zu erkennen.
3.    Einschlag: Der Einschlag erfolgt wie gewohnt per Harvester oder motormanuell.
4.    Rascher Verkauf: Um einer Entwertung des Holzes durch Bläue zuvorzukommen, sollten Verkauf und Abfuhr möglichst schnell erfolgen. Hierbei gilt: Eingeschlagenes Holz wird schneller blau als noch stehendes Holz. Kann ein rascher Verkauf nicht gewährleistet werden, sollte besser noch nicht eingeschlagen werden.
5.    Nachkontrolle: Die Bestände sollten regelmäßig auf neuen Befall kontrolliert werden. Bei Bedarf muss erneut eingeschlagen werden.

Fazit: Das Diplodia-Triebsterben hat sich lokal zu einem ernst zu nehmenden Schädling in der Kiefer entwickelt. Bei der Bekämpfung sollte konsequent jeder befallene Baum entnommen werden. Wichtig sind der schnelle Verkauf des Holzes sowie die regelmäßige Nachkontrolle der Bestände.

 


Kontakt:
Christoph Behrens
Inspektorenanwärter
Telefon: 05832 7206-89
Telefax: 05832 7206-90
E-Mail:


Stand: 30.07.2020