Webcode: 01037081

Spuren im Holz

Im Wald gepoltertes Holz trägt Leoparden- und Zickzackmuster oder Streifen? Vielleicht ist das eine außergewöhnliche Art - oder sind die Bäume etwa krank? Dieter Scholz erklärt in einem Artikel in der Land und Forst 29/2020, was die seltsamen Zeichnungen verursacht hat.

Brennholzkunden entdecken manchmal seltsame Muster im Holz, die sie sich erst einmal nicht erklären können. Das Rätsel löst sich aber schnell, denn es handelt sich weder um einen „Leopardenbaum“, noch um eine seltsame Krankheit. Die Spuren stammen von der maschinellen Holzaufarbeitung durch einen Harvester – einer Maschine, die in der Regel im Nadelholz eingesetzt wird, seltener auch im Laubholz.

Bei der Ernte schieben Vorschubwalzen die Stämme mit viel Anpressdruck durch das Ernteaggregat und hinterlassen manchmal Druckstellen und Verfärbungen auf der Holzoberfläche. Geschieht die Aufarbeitung im Sommer, wenn die Bäume im Saft stehen, quittiert zum Beispiel der Ahorn die kleinen Verletzungen mit punktförmigen Flecken auf der Oberfläche, die ihm dann einen (nicht qualitätsmindernden) „Leopardenlook“ verleihen.

Multifunktionaler Vollernter

Wie funktioniert nun eigentlich eine maschinelle Aufarbeitung durch den Harvester? Am langen Kranausleger des Vollernters befindet sich der Harvesterkopf, Aggregat genannt. Dabei handelt es sich um ein höchst multifunktionales Werkzeug: Es umfasst den stehenden Baum, sägt ihn ab, legt ihn um und schneidet ihn anschließend auf die gewünschten Sortimentslängen. In diesem letzten Arbeitgang wird der Stamm gleichzeitig entastet.

Die stacheligen Vorschubwalzen in der Mitte sowie links und rechts schieben den Stamm zu den Entastungsmessern. Dabei halten sie den Stamm, führen und entasten ihn. Gleichzeitig wird durch ein mittig angeordnetes Messrad die Längenmessung vorgenommen.

Die nach dem beschriebenen Grundprinzip arbeitenden Aggregate werden in zahlreichen Ausführungen gebaut. Die Messerform und -anzahl der Entastungseinheit unterscheiden sich ebenso wie die Anzahl und Form der Vorschubwalzen, die je nach Rindenstärke, Baumart und Feuchtigkeitsgehalt des Holzes unterschiedlich ausgeformt sein können. So entstehen dann auch die verschiedenen Abdrücke in der Baumrinde.

Allen gemein ist, dass ein gewisser hydraulischer Anpressdruck vorhanden sein muss, damit der Stamm durch das Aggregat hindurchgeschoben werden kann und dabei auch präzise längenvermessen wird.

In einem Zug: Ernten und Messen

Auch das Messrad muss dazu fest anliegen und darf nicht durchrutschen, da sonst die Sortimentslänge nicht mehr stimmt. Bei dem abgebildetem Radsystem ergibt sich beim manchmal nötigen Vor- und Zurückziehen des Stammes ein doppelter Abdruck, der dann beim Rindenabfall aussieht wie durch einen Gemüsehobel gezogen.

Die bis hierher beschriebenen Abdrücke und Spuren eines Harvesteraggregats auf der Rinde haben in der Regel keine qualitätsmindernden Folgen, besonders wenn das Holz zur Verbrennung bestimmt ist.

Anders verhält es sich, wenn die geernteten Hölzer stark beschädigt sind. Ist zum Beispiel der Anpressdruck zu stark eingestellt, so drücken die Vorschubwalzen mit den Entastungsmessern den Stamm so durch das Aggregat, dass Schäden am Holz entstehen, die so kaum hinnehmbar sind. Unverschuldet frisst sich das Aggregat manchmal vor einem Knick oder Wulst des Stammes fest und hinterlässt dann ebenfalls erhebliche Wunden.

Größere Schäden sind allerdings eher die Ausnahme und mit einem gut eingestellten und eingespielten System – inklusive der bedienenden Fahrzeugführer und dem passenden Holz – können dagegen große Holzmengen effektiv und schnell aufgearbeitet werden. – In Zeiten von händischem Sägen und Entrinden wäre das im Traum nicht möglich gewesen.

 


FAZIT

  • Harvester werden in der Öffentlichkeit gern als riesige, holzfressende, alles vernichtende Giganten angesehen.
  • Die Aufarbeitung der riesigen Schadholzmengen – verursacht durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer – könnte aber ohne die Vollernter in der gebotenen Schnelligkeit nicht gelingen.
  • Anders als bei manuellen Fällungen, die anstrengend und sehr gefährlich sind, passieren bei Harvestereinsätzen äußerst selten Unfälle.

 

 

 


Kontakt:
Dieter Scholz
Bezirksförster
Telefon: 05565 548
Telefax: 05565 911249
E-Mail:


Stand: 21.09.2020