Webcode: 01034777

Steuervergünstigungen im Kalamitätsfall gemäß § 34b Einkommensteuergesetz (EStG) – Was müssen Waldbesitzende beachten?

Die Witterungsextreme (Nässe-Sturm-Dürre) und die dadurch begünstigte Borkenkäfer-Massenvermehrung, haben seit Sommer 2018 in Niedersachsen zu einer großen Menge an Schadholz, Kahlflächen und geschädigten Waldbeständen geführt. Der eingetretene Vermögensschaden, der schwache Holzmarkt und die bevorstehenden Investitionen, belasten die privaten Forstbetriebe finanziell zum Teil erheblich.

 

Eine finanzielle Entlastung kann durch die Gewährung von Steuervergünstigungen für Einkünfte aus außerordentlicher Holznutzung (kurz: Kalamitätsnutzung) nach § 34b EStG erreicht werden. Dafür sind u. a. folgende Regelungen zu beachten:

  • Unverzügliche, d. h. sofort nach Kenntnisnahme, Anmeldung des Kalamitätsschadens vor Beginn der Aufarbeitung beim zuständigen Finanzamt auf  amtlichem Vordruck (Link zu den Vordrucken)
     
  • Jeder Forstbetrieb kann für das anerkannte Kalamitätsholz grundsätzlich den ½ Steuersatz in Anspruch nehmen.
     
  • Der ¼ Steuersatz kann für die Holzerlöse des Kalamitätsholzes in Anspruch genommen werden, welches über den von der Finanzverwaltung festgesetzten, steuerlichen Nutzungssatz hinaus vermarktet wird.
    Für Betriebe mit einer Forstbetriebsfläche < 50 ha, für die kein steuerlicher Nutzungssatz festgesetzt wurde, kann ein pauschaler jährlicher Nutzungssatz von 5 Efm/ha Forstbetriebsfläche veranschlagt werden.
     
  • Betriebe mit einer Fläche > 50 ha können den ¼ Steuersatz nur beanspruchen, sofern sie ein gültiges, amtlich anerkanntes Forstbetriebsgutachten oder Betriebswerk, mit festgesetztem steuerlichem Nutzungssatz besitzen. Der Stichtag - somit die Waldzustandserfassung - des amtlich anerkannten Forstbetriebsgutachtens oder des Betriebswerkes muss spätestens auf den Beginn des Wirtschaftsjahres fallen, in dem die Kalamität aufgetreten ist.

    Sofern der bisherige Nutzungssatz infolge der außerordentlichen Holznutzungen erheblich überschritten wurde, kann der Waldbewirtschafter auch vor Ablauf der Gültigkeit eine vorzeitige Forsteinrichtung erstellen lassen und eine Neufestsetzung durch die Finanzverwaltung beantragen. Dafür muss der aktuelle Waldzustand maßgeblich von den Verhältnissen zum bisherigen Stichtag abweichen (Einzelfall-Prüfung durch die Finanzverwaltung).

Kontakt:
Uwe Bohnhorst
Fachreferent Forsteinrichtung
Telefon: 0511 3665-1362
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:
Martin Hillmann
Leiter Fachbereich Forsteinrichtung, Bewertung, Waldinventur Raumordnung, Naturschutz
Telefon: 0511 3665-1441
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 05.02.2019