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Die Verwendung von Biomasse aus der Wallheckenpflege im Landkreis Friesland

Im Rahmen des Projektes greenGain hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Nutzung von Biomasse aus der Pflege von Wallhecken im Landkreis Friesland genauer betrachtet. Das durch die gesetzlich vorgegebene Pflege ohnehin anfallende Material kann verwendet werden, um Energie zu produzieren und somit zu den Klimaschutzzielen der EU beizutragen. Zudem eröffnet die jüngste Regelung der traditionellen Osterfeuer im Landkreis Friesland die Möglichkeit neue Nutzungswege für die Biomasse zu etablieren.

Der Schutz von Wallhecken

Als Wallhecken werden mit Bäumen oder Sträuchern bewachsene Erdwälle bezeichnet, die im Rahmen der historischen Landnutzung als „lebende Zäune“ zur Umzäunung von Acker- und Weideflächen angelegt wurden. Als Bestandteile der friesischen Kulturlandschaft und wertvolle Landschaftselemente prägen sie das Landschaftsbild. Zudem sind sie unersetzbarer Lebensraum und Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Häufig sind Wallhecken jedoch nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten, durch Erosion abgeflachte Wälle mit lichtem, kahlem oder fehlendem Gehölzbewuchs sind keine Seltenheit. Zu Ihrem Erhalt sind die Wallhecken im Verzeichnis des Niedersächsischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetzes (NAGBNatSchG) eingetragen und gelten gemäß § 22 Absatz 3 als gesetzlich geschützte Landschaftsbestandteile. Die Pflegemaßnahmen der Eigentümer sind in den Monaten zwischen Oktober und Februar erlaubt, wobei der Rückschnitt etwa alle 7 Jahre erfolgen sollte. Gewöhnlich sind Wallhecken in Privatbesitz, wobei die Eigentümer meistens Landwirte sind.

Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten und den Vorgaben und Empfehlungen zur Pflege von Wallhecken sind beim Landkreis Friesland verfügbar oder können in den untenstehenden Dokumenten nachgelesen werden.

 

Wallheckenpflege

Für die Pflege von Wallhecken wird eine Kombination aus manuellen und mechanischen Erntetechnologien eingesetzt, welche eher an die Vegetationskontrolle und nicht an die Ernte angepasst sind. Der Eingriff wird mit einem Fäll-Aggregat an einem Bagger durchgeführt, mit welchem Bäume und Sträucher abgeschnitten oder gekniffen werden. Größere Dimensionen werden mit der Kettensäge geschnitten. Probleme treten oft auf bei der Verwendung von großen Hackern (Logistik), wenn die Biomasse zu fein gehackt wird oder die Vegetation, die nach dem Eingriff wieder sprießen sollte, durch die Maschinen beschädigt wird (gequetschte Strünke durch unscharfe Werkzeuge). Auch wird die Wallheckenpflege oft als Zusatzarbeit während der Wintermonate betrachtet, was bei der Einhaltung der gesetzlichen Fristen zu Problemen führen kann. Der Transport der (gehackten) Biomasse erfolgt mit Lastwagen oder Traktoren mit Anhänger. Bei einer Weiterverwendung wird das Material oft als Brennholz oder Hackschnitzeln im Freien oder in Schuppen getrocknet.

Bei der Pflege von Wallhecken ist auf die Reaktion der lokalen Öffentlichkeit auf das veränderte Landschaftsbild zu achten und möglicherweise sollten Informationen zum Eingriff zur Verfügung gestellt werden.

 

Neue Regelung für Osterfeuer

Im Landkreis Friesland haben jährlich stattfindende Osterfeuer eine große Tradition, wobei an diesen Tagen Ast- und Strauchgut (Gartenabfälle) verbrannt wird, darunter auch Material aus der Pflege von Wallhecken. Wie der Meldung des Fachbereiches Umwelt- Abfallberatung des Landkreises Friesland zu entnehmen ist, sind seit dem 01.04.2014 „Allgemeine Brenntage“ und die unerlaubte Beseitigung von Gartenabfällen durch Verbrennen jedoch untersagt. Osterfeuer als öffentliche Veranstaltung im Rahmen einer „Brauchtumspflege“ sind davon ausgenommen, müssen aber bei dem jeweiligen Ordnungsamt schriftlich angemeldet werden. Somit können die Anzahl Feuer, und damit die Menge an Brennmaterial, erhoben, kontrolliert und wenn nötig weiter geregelt werden.

Im Rahmen von greenGain unterstützt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen den Landkreis Friesland bei der Umsetzung von sinnvollen und lokalen Entsorgungsstrategien für die nun nicht mehr in offenen Feuern entsorgte Biomasse aus der Wallheckenpflege. Eine Nutzung zur Strom- und/oder Wärmeproduktion wird dabei überprüft.

Weitere Informationen zu der neuen Regelung der Osterfeuer sind beim Landkreis Friesland erhältlich oder direkt bei den zuständigen Kommunen.

 


 

Alle Ergebnisse des Ende Juni 2016 veröffentlichen Status quo Berichtes des Projektes greenGain können im untenstehenden Dokument (englisch) oder auf der Domäne bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nachgelesen werden.

 


 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 



Stand: 20.02.2020