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Handbuch für politische Entscheidungsträger

Aufgrund des zunehmenden Energieverbrauches trägt die effiziente und nachhaltige energetische Nutzung von Biomasse unmittelbar zur Linderung bestehender Energiekonflikte bei. Biomasse aus der Landschaftspflege stellt hierfür ein vielversprechendes Ausgangsmaterial dar. Ein im Rahmen des Projektes greenGain entwickeltes Strategiepapier zeigt Chancen und Perspektiven auf und empfiehlt Maßnahmen für politische Entscheidungsträger, um die Herausforderungen der energetischen Nutzung dieses Materials anzugehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffung von geeigneten politischen Rahmenbedingungen für alle beteiligten Akteure. Die darin aufgezeigten Empfehlungen basieren auf Erfahrungen aus den greenGain Modellregionen und Berichten der involvierten Praxispersonen.

 

Ungenutztes Potenzial der Biomasse aus der Landschaftspflege

Derzeit decken erneuerbare Energien 13% des gesamten Primärenergieverbrauchs in der EU 28 ab. Dieser Anteil kann noch steigen, da viele mögliche Ressourcen ungenügend und nicht optimal genutzt werden. Der Beitrag der erneuerbaren Energien zum Primärenergieverbrauch variiert zwischen den einzelnen europäischen Ländern und nur wenige haben heute bereits das Ziel von 20% erreicht1. Die Nachfrage um neue erneuerbare Energiequellen zu finden oder von den vorhandenen die Effizienz zu steigern ist entsprechend groß. Der Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Sonnenblumen und Raps bietet ein enormes Biomassepotenzial. Er konkurriert jedoch mit anderen Nutzungen der Feldfrüchte oder des landwirtschaftlichen Gebietes, z.B. für Nahrung, Futter oder Naturschutz. Um die Nachfrage der EU nach erneuerbaren Energien zu decken, müssen daher alternative Bioenergie-Ressourcen gefunden werden.

Biomasse aus der Landschaftspflege ist eine solche Alternative. Sie entsteht bei der Instandhaltung von Straßenrändern, Wasserläufen, Stromleitungen, öffentlichen Flächen wie Parks und Friedhöfe und bei der Pflege von Erholungsgebieten und Privatgärten. Die Arbeiten werden folglich im öffentlichen Interesse mit den vorrangingen Zielen Naturschutz, Landschaftspflege, Sicherheit und Ästhetik durchgeführt. Biomasse aus der Landschaftspflege ist durch ein räumlich verstreutes und saisonal schwankendes Angebot charakterisiert und kann holzig, krautig oder eine Mischung aus beidem sein. Diese Heterogenität führt zu unterschiedlichen Qualitäten der Biomasse, was wiederum flexible Maßnahmen und Vorschriften erfordert, um die einzelnen Schritte innerhalb der Verarbeitungskette zu unterstützen.

 

Gesetze und Regelungen

In der EU besteht bereits eine große Anzahl von nationalen und internationalen Regelungen, die sich mit Bioenergie und Abfallmanagement beschäftigen. Landschaftspflegematerial und seine Anwendung als Energieprodukt ist jedoch in keinem politischen, rechtlichen oder finanziellen Instrument speziell enthalten.

In Deutschland wird erneuerbare Energie durch unterschiedliche Maßnahmen aus öffentlichen Mitteln gefördert, darunter das Marktanreizprogramm (MAP), Investitionszuschuss BAFA, Darlehen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), APEE- Förderung und andere Programme (für weitere Informationen siehe folgender Artikel zu staatliche Förderungen). Die Anforderungen zur energetischen Nutzung von Biomasse werden im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) und in der Biomasseverordnung (BiomasseV) beschrieben. Das EEG regelt die Vergütung von Strom, der aus erneuerbaren Energien ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Die BiomasseV regelt für den Anwendungsbereich des EEG welche Stoffe als Biomasse gelten, welche technischen Verfahren zur Stromerzeugung in den Anwendungsbereich des Gesetzes fallen und welche Umweltanforderungen einzuhalten sind (BiomasseV, §1). Diese Verordnung definiert im Sinne der Bioabfallverordnung Bioabfälle als Biomasse, womit schließlich Material aus der Landschaftspflege ohne vorrangige Naturschutzfunktion rechtlich Bioabfall ist. Damit kann Landschaftspflegematerial laut EEG als Biomasse zur Energieproduktion genutzt werden. Die energetische Verwertung z.B. in Biogasanlagen verlangt wiederum andere Genehmigungen und muss weitere Anforderungen erfüllen.

 


Vier Aktionsbereiche

Während der Projektarbeit wurden die folgenden vier Aktionsbereiche identifiziert, in denen Handlungsbedarf zur Stärkung der energetischen Nutzung von Landschaftspflegematerial besteht. Das am Ende dieser Seite zur Verfügung stehende Strategiepapier beschreibt Maßnahmen in diesen Handlungsfeldern, welche von politischen Entscheidungsträgern umgesetzt werden können.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen beziehen sich auf alle administrativen und politischen Themen und sind entscheidend für die Entwicklung der Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege. Notwendige politische Maßnahmen und Instrumente beeinflussen jeden Schritt der Wertschöpfungskette, einschließlich der allgemeinen geschäftlichen Umsetzung, der Erteilung von Genehmigungen und der Definition des Ausgangsmaterials. Diese Maßnahmen müssen dynamisch sein, um nicht nur die regional unterschiedliche Qualität und Art dieses Rohstoffs, sondern auch variierende Angebote und Nachfrage zu berücksichtigen.

Finanzielle Unterstützung

Neben den gesetzlichen Bestimmungen sind Finanzinstrumente und -mittel von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Verwendung von Biomasse aus der Landschaftspflege. Finanzielle Probleme beeinflussen oft die Marktentwicklung und Motivation zur Neugründungen von Unternehmen, die mit Landschaftspflegematerial arbeiten. Finanzierungsrisiken können so z.B. durch die Bereitstellung von Garantien, zinsgünstigen Darlehen oder Steueranreize reduziert werden. Zudem sollten Möglichkeiten geschaffen werden, die Wirksamkeit und Entwicklung von Prozessschritten erhöhen.

Stärkung und Erweiterung von Produktionsketten

Die Wertschöpfungskette bezieht sich hauptsächlich auf praktische und technische Gesichtspunkte, bedarf aber noch der Unterstützung durch Verordnungen und andere politische Konzepte. Verwertungswege von Landschaftspflegematerial funktionieren am besten, wenn jeder Schritt geklärt, maximale Effizienz gewährleistet ist und die Übergänge von Aufgaben fließend sind. Dies erfordert eine gute und konsequente Verwaltung, Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen allen beteiligten Akteuren, einschließlich Erzeugern, Betreibern, Verbrauchern und zuständigen Behörden. Mögliche Maßnahmen zur Stärkung und Integration dieses Biomassetyps in bestehende Wertschöpfungsketten sind erneuerbare Energiemandate, KWK-Mandate, Emissionsgesetze, Anforderungen an die besten verfügbaren Technologien, Zonenregeln und Produktnormen und -standards.

Miteinbezug der Öffentlichkeit

Die Zustimmung der lokalen Bevölkerung ist für die Umsetzung von Bioenergieprojekten zentral. Deswegen sollte sie von den Projektideen über deren Umsetzung bis hin zur Marktanwendung miteinbezogen werden. Kommunen sollten die Möglichkeit haben sich aktiv an Entscheidungen und der Wertschöpfungskette zu beteiligen. Vielfältige Kommunikationskanäle sollen genutzt werden, um über Chancen, Vorteile, Risiken, Kosten und Potenziale neuartiger Quellen für Bioenergie transparent zu informieren. Informationsplattformen, Bildungsprogramme, Aktionspläne und Leitlinien sind vielfältige Informationsformen und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Standards und Prozesse für fossile Ressourcen sind klar und bekannt und neue Mechanismen und Pfade, wie sie für Biomasse aus der Landschaftspflege erforderlich sind, können zu Unsicherheit führen. Wenn die breite Öffentlichkeit jedoch umfassend informiert wird, kann Ablehnung und Angst vorgebeugt werden.

 


 

 

1 Dänemark, Kroatien, Lettland, Litauen, Österreich, Portugal, Finnland, Schweden, Island und Norwegen

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 



Stand: 20.02.2020