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Saatgut: Vier Betriebe liefern Spitzen-Ergebnisse

Folgen der Dürre schmälern Erträge – Fachtagung der Landwirtschaftskammer und des Verbands Niedersächsischer Saatguterzeuger

Hannover – Die Vermehrung von Getreide- und Gräsersaatgut stellt höchste Anforderungen an die ackerbaulichen Fähigkeiten von Landwirtinnen und Landwirten. Die vier besten Vermehrer Niedersachsens wurden am Dienstag (18. Februar) in Hannover auf der gemeinsamen Saatgut-Fachtagung der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen und des Verbands Niedersächsischer Saatguterzeuger (VNS) ausgezeichnet. Mit dem Titel „Premium-Vermehrungsbetrieb Saatgut Niedersachsen“ dürfen sich folgende Betriebe schmücken: für bestes Saatgetreide Jörg Meinecke aus Wittingen (Kreis Gifhorn), Helge Johannes aus Wriedel (Kreis Uelzen) und Ralph Wissmann aus Hameln; für bestes Gräsersaatgut Karsten Sievers aus Burgdorf (Region Hannover).

„Diese Auszeichnungen zeigen eindrucksvoll, welch hervorragendes Saatgut in Niedersachsen erzeugt wird und dass die geehrten Betriebe ihr Handwerk auch unter schwierigen Witterungsbedingungen verstehen“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje während der Preisverleihung. 2019 seien die Folgen des Dürrejahrs 2018 noch deutlich zu spüren gewesen. „Während die Wintergerste zumindest dort, wo Regen gefallen war oder Beregnungsmöglichkeiten bestanden, noch fast normale Erträge erzielen konnte, blieben die übrigen Getreidearten und insbesondere die Sommerungen erneut häufig unterdurchschnittlich im Ertrag.“

Einigermaßen zufrieden konnten Schwetje zufolge die Kartoffelanbauer sein, da dort, wo eine Beregnung möglich war, akzeptable Erträge bei auskömmlichen Preisen erzielt worden seien. „Insofern bewährt es sich weiterhin, wenn ein Betrieb auf mehreren Standbeinen fußt – so wie es auch bei einer Reihe von VNS-Mitgliedern der Fall ist, die neben der Saatgutvermehrung auch in der Pflanzguterzeugung unterwegs sind und umgekehrt“, sagte der Kammerpräsident.

„Der Absatz bei Wintergerste war zufriedenstellend und bei Winterroggen gut, bei Wintertriticale mäßig und bei Winterweizen sehr schlecht“, berichtete VNS-Vorsitzender Albrecht Brammer über den Handel mit Saatgut im vergangenen Jahr. „Vermutlich ist es zu einer starken Zunahme des Nachbaus eigenen Ernteguts insbesondere bei Winterweizen gekommen, vom Saatgut dieser Fruchtart ist auch einiges in die Überlagerung gegangen.“ Die Vermehrungsfläche für Wintergetreide sei in Niedersachsen wie auch bundesweit stark ausgedehnt worden.

Die amtliche Anerkennung von Saat- und Pflanzgut werde in Zukunft noch stärker als bisher durch zusätzliche EU-Verordnungen zur Pflanzengesundheit geprägt, hob Kammerpräsident Schwetje hervor: „Es handelt sich für alle Beteiligten um gewaltige Herausforderungen und wird in der Folge einen erheblichen Mehraufwand an zusätzlichen Dokumentations-, Kontroll- und Akkreditierungsauflagen nach sich ziehen.“

Die Anerkennungsstellen, die als zuständige Behörden weiterhin für die Umsetzung im Saatgutbereich zuständig seien, würden jedoch weiterhin dafür eintreten, dass bisher bewährte Regelungen und Kontrollmechanismen weiter Bestand haben, betonte Schwetje.

Mit innovativer Aufbereitungs- und Anlagetechnik für Saatgetreide befasste sich Georg Reiter, Geschäftsführer der Reiter Seed Processing GmbH & Co. KG aus Landshut, in seinem Fachvortrag. Bei der Maschinenauswahl stehe das Trennkriterium im Vordergrund, führte der Experte aus Bayern aus: So arbeiteten Steigsichter, Gewichtsausleser und Kammertisch im Wesentlichen auf Basis der Sinkgeschwindigkeit. Bei Spiralseparator, Bandsortierer und der Rollenmaschine stehe die Kornform im Vordergrund. Bei der optischen Sortierung komme neben der Oberfläche und der Form auch noch die Farbe zum Tragen. Somit ergäben sich je nach Reinigungsanlass – etwa Weizen in Gerste, Weizen in Roggen, Mutterkorn oder Auswuchs – unterschiedliche Maschinenkombinationen.

Vor dem Hintergrund der angespannten Zulassungssituation bei Beizmitteln erörterte Reiter eine Reihe von Alternativ-Methoden und -Techniken der Saatgutbehandlung: Mit einer Bürstmaschine zum Entgrannen und Entspelzen von Gräsern und Getreide könnten gegebenenfalls vorhandene Steinbrandsporen nahezu vollständig reduziert werden.

Auch eine thermische Behandlung und die Behandlung mit Elektronen können laut Reiter zur Reduzierung von Schaderregern beitragen. Diese Technologien böten jedoch nicht gegen alle verbreiteten Pflanzenerkrankungen Schutz. Somit könnten diese Systeme eine sinnvolle Ergänzung oder je nach Gegebenheit auch hilfreiche Alternative darstellen – überflüssig machen könnten sie allerdings insbesondere systemisch wirkende Wirkstoffe nicht generell.

Als Beizung wird die Behandlung von Saat- und Pflanzgut mit Pflanzenschutzmitteln bezeichnet. Das soll die Saat etwa gegen Pilzbefall schützen, gegen den Sämlinge und Jungpflanzen besonders anfällig sind.

Die siegreichen Saatgutvermehrer ermittelte eine Kommission aus Vertretern des Niedersächsischen Landvolks, des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des VNS, der Pflanzenzüchtung sowie der Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut der LWK. In die Auswahl einbezogen wurden alle Vermehrungsbetriebe in Niedersachsen, die mindestens zwei Fruchtarten auf mindestens 20 Hektar Getreide beziehungsweise auf 10 Hektar Gräser vermehren. Sofern das Getreide im Vermehrungsbetrieb aufbereitet wurde, lag hier eine Mindestaufbereitungsmenge von 1.000 Dezitonnen zu Grunde.

Entscheidend waren Bewertungskriterien wie Sortenreinheit, Besatz und Gesundheitszustand im Feld und in der Laboruntersuchung zusätzlich Technische Reinheit und Keimfähigkeit.

 

Zu den Gewinnern:

Betrieb Helge Johannes:
Auf seinem insgesamt 315 Hektar (ha) großen Betrieb in Wriedel (Kreis Uelzen) vermehrt Helge Johannes auf 125 ha Ackerfläche Getreide, vornehmlich Hybridroggen (Z) und Wintergerste (VS), in geringerem Umfang Sommergerste oder Sommerweizen (VS). Außerdem werden im Betrieb Kartoffeln, Grassamen, Erbsen und Sommergetreide vermehrt.

Betrieb Meinecke GbR:
Der Familienbetrieb von Jörg Meinecke mit 440 Hektar (ha) landwirtschaftlicher Nutzfläche (390 ha Ackerfläche) in Wittingen (Kreis Gifhorn) vermehrt seit 1950 Getreide, aktuell auf 92 ha Fläche (80 ha Winterweizen, 12 ha Wintergerste). Gerste und Weizen stehen in getrennten Fruchtfolgen. Außerdem werden im Betrieb Kartoffeln, Zuckerrüben, Industriemöhren und Silomais angebaut sowie 150 Milchkühe gehalten.

Betrieb Karsten Sievers:
Der Familienbetrieb in Burgdorf (Region Hannover) wird seit 1647 von der Familie bewirtschaftet, umfasst 278 Hektar (ha) landwirtschaftliche Nutzfläche (220 ha Ackerfläche) und hat sich auf die Grassamenvermehrung spezialisiert. Auf 56 ha werden Einjähriges Weidelgras (Elunaria) und Welsche Weidelgras (Lipsos) vermehrt. Außerdem werden Silomais und Zuckerrüben angebaut sowie Pensionspferde gehalten.

Betrieb Wissmann:
Der Betrieb von Ralph Wissmann mit 169 Hektar (ha) landwirtschaftlicher Nutzfläche (164 ha Ackerfläche) in Hameln ist seit 1972 auf die Vermehrung und Aufbereitung von Saatgetreide spezialisiert. Vermehrt und aufbereitet werden Winterweizen und Wintergerste. 2019 wuchsen auf 47,2 ha Vermehrungsfläche Winterweizen (Benchmark, Faustus, RGT Reform, Nordkap, Kamerad) und Wintergerste (Quadriga, LG Veronika).

 

Dürfen ihren Betrieb ein Jahr lang mit dem Prädikat „Premium-Vermehrungsbetrieb Saatgut Niedersachsen“ schmücken (mit Plakette oder Urkunde, von links): Helge Johannes (Wriedel), Imke Jaekel (Deutsche Saatveredelung), die den Preis für den verhinderten Karsten Sievers (Burgdorf) entgegennahm, Jörg Meinecke (Wittingen) und Ralph Wissmann aus Hameln. Es gratulierten (hintere Reihe, von links) Arnd-Kristian Lauenstein (stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Saatguterzeuger/VNS), Dr. Volker Garbe (Landwirtschaftsministerium), Albrecht Brammer (VNS-Vorsitzender), Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Willi Thiel (VNS-Geschäftsführer und bei der LWK Leiter der Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut).

Helge Johannes (2.v.r.) ist einer von Niedersachsens besten Getreidesaatgutvermehrern. Auf der Saatguttagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Verbands Niedersächsischer Saatguterzeuger (VNS) am 18.02.2020 in Hannover gratulierten ihm (v.l.) Arnd-Kristian Lauenstein (stellvertretender VNS-Vorsitzender), Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Dr. Volker Garbe (Nds. Landwirtschaftsministerium), Albrecht Brammer (VNS-Vorsitzender) und Willi Thiel (VNS-Geschäftsführer und bei der LWK Leiter der Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut).
Jörg Meinecke (3.v.r.) ist einer von Niedersachsens besten Getreidesaatgutvermehrern. Auf der Saatguttagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Verbands Niedersächsischer Saatguterzeuger (VNS) am 18.02.2020 in Hannover gratulierten ihm (v.l.) Arnd-Kristian Lauenstein (stellvertretender VNS-Vorsitzender), Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Dr. Volker Garbe (Nds. Landwirtschaftsministerium), Albrecht Brammer (VNS-Vorsitzender) und Willi Thiel (VNS-Geschäftsführer und bei der LWK Leiter der Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut).
Petra und Ralph Wissmann (4. u. 3.v.r.) gehören zu Niedersachsens besten Getreidesaatgutvermehrern. Auf der Saatguttagung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Verbands Niedersächsischer Saatguterzeuger (VNS) am 18.02.2020 in Hannover gratulierten ihnen (v.l.) Arnd-Kristian Lauenstein (stellvertretender VNS-Vorsitzender), Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Dr. Volker Garbe (Nds. Landwirtschaftsministerium), Albrecht Brammer (VNS-Vorsitzender) und Willi Thiel (VNS-Geschäftsführer und bei der LWK Leiter der Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut).


 


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Stand: 20.02.2020