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Volle Unterstützung für Betriebe bei nötigen Anpassungsprozessen

Landwirtschaftskammer Niedersachsen erwartet durch verschärfte Düngeverordnung erhebliche Veränderungen im Acker- und Futterbau – Neue Strategien sollen Ziele bei Ertrag und Wasserschutz vereinbar gestalten

Oldenburg – Die Novelle der Düngeverordnung (DüV) wird nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen die zulässige Düngung und die Pflanzenernährung im Agrarland Niedersachsen erheblich verändern. „Umfangreiche Anpassungen im Acker- und im Futterbau werden damit erforderlich, deren Wirkungen auf die Ernteerträge und die angestrebte Wasserqualität aktuell noch nicht oder nur bedingt eingeschätzt werden können", stellte Kammerpräsident Gerhard Schwetje am Donnerstag (9. April) dazu fest.

Mit Blick auf die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete, die auf Basis der Ergebnisse des Messstellennetzes nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie ausgewiesen werden sollen, sagte der Kammerpräsident: „Die zusätzlichen Beschränkungen, die dort gelten sollen, werden aller Voraussicht nach zu geringeren Ernteerträgen für die Lebensmittelherstellung und die Tierversorgung führen."

Die gesetzte Vorgabe, pauschal 20 Prozent weniger zu düngen als die Pflanze benötige, werde aus Sicht der Fachleute gerade auch in der damit erhofften Wirkung für das Wasser kritisch gesehen und lasse sich aus den Ergebnissen des langjährigen LWK-Versuchs- und Projektwesens nicht nachweisen, hob Schwetje hervor.

Besonders für das Grünland erscheint dem Kammerpräsidenten diese Maßnahme deshalb unverhältnismäßig: Denn die Grünlandbewirtschaftung sei wegen der unproblematischen Nitratwerte bislang in Wasserschutzgebieten als bevorzugte Wirtschaftsweise angesehen worden.

Inwieweit diese Maßnahmen die Nitrateinträge in Niedersachsen insgesamt positiv beeinflussen könnten, werde durch die Entwicklung von Grundwassermesswerten und idealerweise durch die jährliche Bewertung mit dem Basis-Emissionsmonitoring nachzuweisen sein, sagte der Kammerpräsident weiter. „Diese Ermittlung nach dem Verursacherprinzip, die über die tatsächlichen landwirtschaftlichen Nährstoffzufuhren und -abfuhren auf der Fläche und die Abbauprozesse im Boden die potenzielle Nitratkonzentration im Sickerwasser jährlich bestimmt, ist ein Instrument für hoffentlich zielgerechte Maßnahmen."

Nicht nur in der Landwirtschaft, auch im Garten- und Gemüsebau wird die DüV-Novelle nach Einschätzung der Kammerspitze Konsequenzen haben: „Im Gemüsebau und im Erdbeeranbau geht es auch um Ertrag, aber vor allem um Qualität, die für eine Vermarktungsfähigkeit erreicht werden muss", berichtete Schwetje. „Man kann einen ordentlichen Ertrag haben – aber wenn die Qualität wegen verringerter Düngung nicht stimmt, kann die Ware nicht verkauft werden und bleibt gegebenenfalls ungenutzt auf dem Acker."

Der Bundesrat hatte am 27. März 2020 die Novelle der DüV beschlossen. Die neue Fassung enthält flächendeckende Einschränkungen der bisher geltenden guten fachlichen Praxis der bedarfsgerechten Düngung. Dahinter steht das Ziel, Nitrateinträge ins Grundwasser zu verringern und die Wasserqualität zu verbessern. Anlass der Novelle sind die Vorschriften der EU-Nitratrichtlinie. Bei Verstößen gegen deren Grenzwerte drohen Deutschland hohe Strafzahlungen an Brüssel.

Wie schon bei der zurückliegenden DüV-Novelle 2017 reagiert die Landwirtschaftskammer mit einem breiten Maßnahmenpaket, um das neue Düngerecht als Handlungsrahmen zu nutzen und den Betrieben als umfassende Beratungsorganisation zur Seite zu stehen, damit sie unter den neuen Bedingungen bestmöglich wirtschaften und die Umweltziele erreichen können.

„Dazu werden unsere Versuchs-, Beratungs- und Qualifizierungskapazitäten weiter auf praktische Themen wie nährstoffreduzierte Fütterung und Lagerungsmanagement, Nährstoffeffizienz oder Fruchtfolgen im Rahmen des integrierten Pflanzenbaus sowie auf die gehaltsorientierte Aufbereitung und Verbringung von Nährstoffen in sinnvollen Kreisläufen ausgerichtet", berichtete Stefan Ortmann, Leiter des LWK-Geschäftsbereichs Landwirtschaft.

Von Seiten des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz würden Projekte für praktikable Lösungen intensiv unterstützt. „Hier kommt unsere umfangreiche Erfahrung in der Pflanzenbau- und in der Wasserschutzberatung sowie im Feldversuchswesen zum Tragen", ergänzte Ortmann.

„Das Versuchswesen für den Gartenbau wird länderübergreifend in der 2004 gegründeten Norddeutschen Kooperation im Gartenbau koordiniert. Versuche im Freilandgemüsebau, die zum Beispiel Fragen der Düngung untersuchen, werden innerhalb der Norddeutschen Kooperation am Gartenbaukompetenzzentrum in Gülzow in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt", berichtete Dr. Hendrik Führs, bei der LWK Leiter des Fachbereichs Beratung und Qualitätsmanagement im Gartenbau.

Für den Gemüsebau sind laut Führs jüngst zwei entsprechende Projekte bewilligt worden. In diesen Projekten sollen Möglichkeiten und machbare Lösungen zur Reduktion des Nährstoffeinsatzes im Freilandgemüsebau untersucht werden. Lösungsansätze liegen dabei sowohl bei den Betrieben als auch in der gesamten gemüsebaulichen Wertschöpfungskette: „Eines der Projekte beschäftigt sich mit Möglichkeiten der teilflächenspezifischen Düngung in Verbindung mit Ausbringtechniken und kulturbegleitenden Maßnahmen, um Nährstoffe möglichst sparsam und effizient einsetzen zu können", erläuterte Führs.

„In diesem neuen rechtlichen Rahmen wird die Landwirtschaftskammer Niedersachsen auch ihre hoheitlichen Aufgaben als Behörde im Bereich der Überwachung konsequent wahrnehmen und sich auf diesem Wege intensiv für praxisorientierte Wege zur bedarfsgerechten Düngung im Einklang mit den Wasserschutzzielen einsetzen", ergänzte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms.

 

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Die Novelle der Düngeverordnung wird nach Einschätzung von Kammerpräsident Gerhard Schwetje die zulässige Düngung und die Pflanzenernährung im Agrarland Niedersachsen erheblich verändern: „Umfangreiche Anpassungen im Acker- und im Futterbau werden damit erforderlich, deren Wirkungen auf die Ernteerträge und die angestrebte Wasserqualität aktuell noch nicht oder nur bedingt eingeschätzt werden können."

 


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Stand: 09.04.2020