Webcode: 01037979

3.500 Euro für einfühlsame Helfer*innen auf Wegen aus der Krise

Landwirtschaftliches Sorgentelefon erhält Weihnachtsspende der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – Kreislandwirt: Probleme auf den Höfen werden größer und drängender

Oldenburg/Barendorf – Sie hören zu, spenden Trost und Rat, wenn auf dem Hof niemand mehr weiter weiß: die 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Landwirtschaftlichen Sorgentelefons. Von montags bis freitags stellen sie niedersachsenweit eine anonyme telefonische Beratung für Menschen aus der Landwirtschaft sicher, die an ihren Sorgen, Konflikten und Ängsten zu zerbrechen drohen. Als Unterstützung für dieses wichtige Angebot für bäuerliche Familien spendet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) dem Sorgentelefon 3.500 Euro.

Kammerdirektor: Menschen auf Betrieben brauchen erste Anlaufstelle

„In einer Zeit mit einschneidenden Veränderungen in Pflanzenbau und Tierhaltung, mit schwankenden Marktpreisen und mit den durch die Corona-Pandemie bedingten Kontaktbeschränkungen brauchen die Menschen auf den Betrieben mitunter eine erste Anlaufstelle, bei der sie sich kostenfrei, anonym und kompetent beraten lassen können“, sagte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms am Freitag (18. Dezember) bei der virtuellen Spendenübergabe während einer Videokonferenz.

Wichtige Ergänzung für Angebote der LWK

„Als Landwirtschaftskammer beschäftigen wir uns zwar häufig mit der technischen und der betriebswirtschaftlichen Seite eines bäuerlichen Unternehmens – doch durch unsere sozioökonomische Beratung ist uns auch die menschliche Seite sehr nah“, betonte Harms. „Das anonyme Sorgentelefon mit seinem Arbeitsmotto ,Hören, spüren, ermutigen‘ ist hierbei eine sehr wichtige Ergänzung für unser persönliches Hilfsangebot.“

Enges Zusammenleben auf Hof kann zu vielen spezielle Probleme führen

„Das enge Zusammenleben mehrerer Generationen auf dem Hof kann viele branchenspezifische Probleme mit sich bringen, etwa wenn es Meinungsverschiedenheiten über den Umgang mit dem Arbeitsaufkommen, über die strategische Unternehmensführung und über die Hofnachfolge gibt“, berichtete Dörte Stellmacher, Vizepräsidentin Nord des Niedersächsischen LandFrauenverbands. In ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Trägervereins des Landwirtschaftlichen Sorgentelefons am Standort Barendorf (Kreis Lüneburg) nahm Stellmacher die Weihnachtsspende der LWK stellvertretend für alle Standorte entgegen.

Seelsorger*innen kennen sich aus im bäuerlichen Leben

Das Sorgentelefon ist bei drei Bildungseinrichtungen in Rastede (Kreis Ammerland), Oesede (Kreis Osnabrück) und in Barendorf angesiedelt, der Betrieb wird vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziert. „Die 25 ehrenamtlichen Telefonseelsorger*innen haben alle einen landwirtschaftlichen Hintergrund“, erläuterte Stellmacher. „Das unterscheidet uns von anderen Hilfsangeboten: Die Berater*innen kennen sich aus mit dem Leben auf dem landwirtschaftlichen Betrieb und wissen, mit welchen Schwierigkeiten die Menschen dort zu kämpfen haben.“

Bei den meist sehr ausführlichen Telefonaten gehe es jedoch nicht immer um existentielle Entscheidungen wie die Hofübergabe. „Persönliche Krisen, familiäre Probleme oder Schwierigkeiten in Partnerschaft und Ehe sind Dinge, worüber gesprochen werden sollte“, sagte Stellmacher. „Auch wenn jemand einfach nur einen Zuhörer braucht oder über seine Ängste und Sorgen reden möchte, ist das Sorgentelefon für ihn oder sie da.“

Spendengeld für zusätzliche Fortbildungen

Regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen halten die ehrenamtlichen Helfer*innen fit für einfühlsame Gespräche. „Das gespendete Geld ermöglicht uns eine wichtige zusätzliche Fortbildung zu einem speziellen Thema“, hebt die Trägervereinsvorsitzende hervor. „Aktuell ist die Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie ein echtes Problem.“

Kreislandwirt: Hilfsangebot wird leider immer wichtiger

„Den ehrenamtlichen Telefonseelsorger*innen gebührt großer Dank – ohne deren schwierige und wichtige Arbeit wären viele Menschen mit ihren Problemen allein“, bestätigte Jens Wischmann. Als Kreislandwirt des Kreises Lüneburg arbeitet er im Einzugsgebiet des Sorgentelefons in Barendorf.

Die Hilfseinrichtung werde in ihrer Bedeutung leider immer wichtiger, da die Probleme in der Landwirtschaft immer größer und drängender würden, hob der Kreislandwirt hervor. „Zum einen ist die wirtschaftliche Belastung in allen Bereichen der Landwirtschaft durch die niedrigen Erzeugerpreise sehr hoch – daraus folgend fehlt die Liquidität, was dann zu schlaflosen Nächten führt.“

Körperliches Auspowern gegen den Stress immer seltener möglich

Zudem werde die Arbeitsweise der gesamten Gesellschaft – und natürlich auch der Landwirt*innen – immer virtueller, so Wischmann weiter. „Büroarbeit bestimmt den Arbeitstag – ein körperliches Auspowern bei Stress ist auch in der Landwirtschaft nicht mehr gegeben.“ Die Kritik aus der Gesellschaft an der Wirtschaftsweise der modernen Landwirtschaft tue ihr Übriges. „Glücklicherweise trauen sich die Menschen heute schneller, sich an das Sorgentelefon zu wenden.“

Die gespendeten 3.500 Euro wandte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen früher jährlich dazu auf, um Weihnachtskarten an ihre Kund*innen zu verschicken. Zugunsten einer caritativen Einrichtung in Niedersachsen verzichtet die LWK auf den Versand und schickt ihre Glückwünsche stattdessen per Mail.


Nutzungserlaubnis für Pressemitteilungen


 


Kontakt:
Wolfgang Ehrecke
Pressesprecher
Telefon: 0441 801-200
Telefax: 0441 801-174
E-Mail:


Stand: 18.12.2020