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Aktiv und flexibel auf Wetterextreme reagieren

Klimawandel- und Klimaschutz-Strategien für Futterbaubetriebe: Gut 400 Gäste bei digitalem Grünlandtag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Oldenburg – Bei vielen Stellschrauben für eine Reduktion von Treibhausgasen geht der Klimaschutz mit den wirtschaftlichen Interessen der Landwirt*innen einher. Wirtschaftlich erfolgreiche Futterbaubetriebe haben deshalb bereits regelmäßig eine gute Klimabilanz. Bei anderen Stellschrauben wie etwa Investitionen in die emissionsarme Wirtschaftsdüngerlagerung oder in energiesparende Techniken sollten die Fördermöglichkeiten ausgebaut und genutzt werden: So lautet das Fazit des 1. Digitalen Grünlandtags der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), der mit gut 400 Gästen als Videokonferenz stattfand.

„Im Futterbau waren die zurückliegenden Jahre besonders schwierig – die Wetterextreme nehmen spürbar zu“, beschrieb Kammerpräsident Gerhard Schwetje anlässlich der digitalen Fachtagung die Ausgangslage der betroffenen Betriebe. „Nicht nur Hitzeperioden und Dürre schränkten das Ertragsergebnis ein, sondern in vielen Regionen Niedersachsens auch enorme Grünlandschäden durch Mäuse und durch die Wiesenschnaken-Larve.“
 
Wie die Aussichten für gefüllte Silos in diesem Jahr seien, bleibe ungewiss, sagte Schwetje weiter. „Mit größerer Gewissheit aber müssen wir mit Wetterkapriolen in den nächsten Jahren immer wieder rechnen – der Trend der Klimaerwärmung ist eindeutig und hinterlässt Spuren.“

Doch die betroffenen Betriebe, die in Niedersachsen insgesamt rund 750.000 Hektar Grünland bewirtschaften, sind dem Geschehen keineswegs hilflos ausgeliefert. Welche Stellschrauben direkt bei der Bewirtschaftung und der Futterkonservierung zu drehen sind, erläuterte Reinhard Resch, Experte für Futterkonservierung und Futterbewertung aus Österreich, als einer der drei Referenten des Grünlandtages: Mit tiefwurzelnden Grünlandgräsern, Leguminosen und Artenvielfalt könne es gelingen, das Ausmaß der Ertragsminderungen zu reduzieren und zugleich aktiv Arten- und Klimaschutz zu betreiben.

Zu den möglichen Anpassungsstrategien gehörten der Einsatz trockentoleranter Arten und Sorten, eine auf die Fläche bezogene, kleinräumige Risikoabschätzung, die technische Optimierung im Bereich der Futterkonservierung und – soweit möglich – auch die Grünlandbewässerung, führte der Referatsleiter an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Raumberg-Gumpenstein (Steiermark) weiter aus.

Um den Methanausstoß eines Betriebes zu verringern, gebe es mehrere Möglichkeiten, hob Prof. Dr. Heinz Flessa, Leiter des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz in Braunschweig, hervor: die Biogasproduktion aus tierischen Wirtschaftsdüngern, die Stärkung der Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit einerseits sowie eine Verringerung der Lebensmittelverluste, aber auch der Tierzahl andererseits.

Wesentliche Stellschrauben zur Minderung von Kohlendioxidemissionen sind Flessa zufolge ein konsequenter Moorschutz und der Humusaufbau durch robuste, vielfältige und regenerationsfähige (resiliente) Fruchtfolgesysteme.

„Bisher zielen Maßnahmen zur Minderung von Emissionen aus Ställen und Wirtschaftsdüngerlagerstätten vorrangig auf Ammoniak ab“, berichtete Ansgar Lasar, Klimabeauftragter der LWK. „So ist zum Beispiel die Abdeckung eines Güllebehälters ein sehr wirksames Vorgehen zur Minderung der Ammoniakemissionen – dies mindert aber nicht die Methanemissionen.“

Wer jedoch Treibhausgasemissionen aus dem Wirtschaftsdüngerlager senken wolle, müsse sich mit der Minderung der Methanemissionen befassen. Dazu gibt es Lasar zufolge bisher zur relativ kostspieligen gasdichten Lagerung keine praxistaugliche Alternative.

Schon seit langem werde untersucht, wie Methanemissionen aus der Verdauung von Wiederkäuern reduziert werden könnten, so der LWK-Klimabeauftrage. „Sowohl zur Bestimmung der Methanemissionen etwa über die Milchuntersuchung als auch zur Minderung der Methanemissionen durch die Auswahl der Futtermittel oder den Einsatz von Zusatzstoffen gibt es eine Reihe von Ansätzen – aber noch keinen Durchbruch.“ Durch eine lange Nutzungsdauer der Milchkühe könnten die Treibhausgasemissionen für die Ergänzung des Tierbestands reduziert werden.

Zwar mache der Energieverbrauch an den Treibhausgasemissionen eines Futterbaubetriebes nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus, berichtete Lasar weiter. Allerdings gebe es gesicherte Reduktionsmöglichkeiten: „Durch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien können die Treibhausgasemissionen nicht nur ganz erheblich gesenkt werden, sondern es wird zusätzlich ein deutliches Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt.“

 

Ausführlicher Bildtext:
Milchviehbetriebe, die ihr Grundfutter hauptsächlich auf Grünlandflächen produzieren, müssen ihre Arbeitsweise verändern, um mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen und um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Unterschiedliche Möglichkeiten dafür erläuterten Fachleute auf dem Grünlandtag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Foto: Ehrecke/Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

 


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Stand: 22.04.2021