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Die Kiefer stirbt - auch in der Heide schlägt der Klimawandel zu

Pilz „Diplodia“ schädigt in der Südostheide große Bestände - Teure Aufforstung nötig - LWK-Förster im NDR-Interview

Gifhorn - Seit einigen Monaten läuft im Raum Neubokel und Wilsche (Kreis Gifhorn) eine Holzernte in erheblichem Umfang. Besonders betroffen ist die Heidebaumart Kiefer. Die Trockenheit schwächt sie so sehr, dass sie sich nicht mehr gegen Schädlinge wehren kann.

Der Pilz „Diplodia“ ist hier der Übeltäter. Es gilt, die befallenen Bäume möglichst schnell zu entnehmen. Große Freiflächen können die Folge sein. „Bei dem Anblick blutet einem das Herz“, sagt Henning Ibold, Förster vom Forstamt Südostheide der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK). Die LWK ist für die Beratung und Betreuung von Privatwald zuständig.

Einen NDR-Fernsehbeitrag zum "Diplodia"-Befall mit Bezirksförster Ibold finden Sie hier.

Der Klimawandel ist auch in der Heideregion angekommen. Die starke Hitze und der geringe Niederschlag schwächen die Bäume. Schadorganismen können sich dadurch leichter ausbreiten. Nun trifft es durch den Pilz „Diplodia“ unerwartet auch die Kiefer.

Baum stirbt in kürzester Zeit ab

Normalerweise kommt die Kiefer mit Wärme und Trockenheit gut zurecht. Doch der Klimawandel schreitet in unseren Breiten schneller voran als zunächst gedacht. Wird eine Kiefer vom "Diplodia"-Pilz befallen, beginnt sich die Krone braun zu verfärben. In kürzester Zeit stirbt der Baum ab.

"Wir müssen nach heutigem Stand davon ausgehen, dass wir etwa die zehnfache Menge an Holz ernten müssen", berichtet Bezirksförster Ibold. "Das bedeutet für den betroffenen Teil meiner Försterei von etwa 500 Hektar eine voraussichtliche Menge von 20.000 Festmeter (m³)." Um nachhaltig, ökologisch und naturnah zu wirtschaften, wäre eine Menge von rund 2.000 Festmeter normal.

Drohnen-Fotos zeigen schwere Schäden

Förster*innen und Forststudierende suchen die Wälder nach kranken Bäumen ab. Unterstützt werden sie durch den Einsatz von Drohnen. Hierdurch zeigt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. „Dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht “, sagt Forstingenieur Ibold.

Der Schaden führt zu erheblichen Verlusten bei den Waldbesitzer*innen. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf decken nicht die Kosten der Wiederbewaldung. Ein Hektar (also etwa die Fläche eines Fußballfelds) Mischwald kostet rund 15.000 bis 20.000 Euro. Für die Waldbesitzer*innen ist es dennoch klar, dass die abgeholzten Flächen aufgeforstet werden müssen. „Der Generationenvertrag mit unseren Kindern und Enkeln verpflichtet uns, nachhaltig zu denken“, so ein Betroffener.

Stabile Mischwälder sind teuer, aber die einzig zukunftsfähige Alternative.


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Bezirksförster
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Wolfgang Ehrecke
Pressesprecher
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Stand: 22.04.2021