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Studie macht ​​​​​​​Tierwohl bei Mastschweinen messbar

Das wissenschaftliches Verbundprojekt MulTiViS hat Ergebnisse zum Tierwohl bei Mastschweinen vorgestellt. Alle Beteiligten der Lebensmittelkette können die Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.

Oldenburg/Hannover - Wie lässt sich möglichst objektiv messen und bewerten, ob es Schweinen in ihrer Haltung gut geht? Mit dieser Frage hat sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) gemeinsam mit drei Projektpartnern befasst. Jetzt hat das Projektteam die Ergebnisse der MulTiViS-Studie (Multivariate Bewertung des Tierwohls durch integrative Datenerfassung und Validierung von Tierwohlindikatoren in Schweinebeständen) vorgestellt. Das Ziel der Untersuchung war es, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, sogenannte Tierwohlindikatoren bei Mastschweinen zuverlässig und vergleichbar zu erfassen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Studie im Rahmen des Programms „Innovationen zur Bewertung der Tiergerechtheit und des Tierwohls“ gefördert.

Tierwohlindikatoren auf Praxistauglichkeit getestet

Die Projektpartner untersuchten in Schweinemastbetrieben sowie am Schlachthof verschiedene mögliche Tierwohlindikatoren wie das Auftreten von Verletzungen, die Mortalität oder diverse Schlachtbefunde auf ihre Praxistauglichkeit. Die Informationen wurden verglichen und schließlich in einer Gesamtbewertung zusammengefasst. Insgesamt untersuchten die Forschenden über 200 Indikatoren, anhand derer Tierärzt*innen sowie Tierhalter*innen Rückschlüsse auf das Tierwohl und auf Erkrankungen ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten können.

„International wie national wird in der Wissenschaft, in der Landwirtschaft, in der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft viel über Tierwohl diskutiert und um die richtige Vorgehensweise der Erfassung und der Bewertung des Tierwohls gestritten“, sagt Professor Dr. Lothar Kreienbrock vom Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der das Projekt zusammen mit PD Dr. Hubert Gerhardy, Marketing Service Gerhardy, koordinierte. „Um aber eine verlässliche Aussage über das Wohlbefinden von Tieren treffen zu können, reicht das Bauchgefühl nicht aus. Vielmehr müssen belastbare Daten so zur Verfügung gestellt werden, dass diese im landwirtschaftlichen Alltag praktikabel erfasst und die Daten und deren Zusammenhänge anschließend auch fachlich korrekt weiterverarbeitet werden können.“

Eindeutig zeigt das Projekt, dass von den Landwirt*innen erhobene Daten und von Tierärzt*innen im Betrieb und auf Schlachthöfen gezielt nacherfasste Informationen eine Klassifikation von Betrieben nach Tierwohlkriterien ermöglichen. „Dabei gibt es nicht den guten oder den schlechten Betrieb. Vielmehr müssen die vielfältigen Teilinformationen, aus denen Tierwohl besteht, angemessen geprüft, verarbeitet und bewertet werden“, so Kreienbrock.

Grundlage für nationales Tierwohlmonitoring

„Das Projekt, für das wir mit den Projektpartnern in über 200 Betrieben Daten erhoben haben, kann als wesentliche Grundlage für ein nationales Tierwohlmonitoring genutzt werden, da es bereits jetzt wesentliche Komponenten einer Tiergesundheitsdatenbank enthält“, erklärt Dr. Hendrik Nienhoff vom Schweinegesundheitsdienst der LWK, „damit kann nicht nur das Tierwohl beurteilt werden. Vielmehr können alle Beteiligten der Lebensmittelkette diese Indikatoren nutzen, um gegebenenfalls verbessernde Maßnahmen einzuleiten.“

Außer dem Schweinegesundheitsdienst der LWK waren das Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informationsverarbeitung, das Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie sowie die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum als Partner der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, der Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft e.V. in Uelzen sowie der Marketing Service Gerhardy, Garbsen als aktive Partner Mitglieder im Forschungsverbund.

 

Aus dem Projekt sind bereits drei wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen:

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, grosse Beilage E, Kemper N, Fels M. Status quo analysis of noise levels in pig fattening units in Germany. Livestock Science 230 (2019) 103847

Wegner B, Spiekermeier I, Nienhoff H, Große-Kleimann J, Rohn K, Meyer H, Plate H, Gerhardy H, Kreienbrock L, Grosse Beilage E,Kemper N. Application of the voluntary human approach test on commercial pig fattening farms: a meaningful tool? Porcine health management [Internet]. 2020;6:19.

Grosse-Kleimann J, Plate H, Meyer H; Gerhardy H, Heucke CE, Kreienbrock L. Health monitoring of finishing pigs by secondary data use – a longitudinal analysis. Porc Health Manag 2021;7(20) 

 


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Stand: 28.06.2021