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Düngungsempfehlungen Kartoffelbau

Eine ausgewogene Nährstoffversorgung im Kartoffelanbau ist unerlässlich. Im Rahmen der Novellierung der Düngeverordnung rückt dabei Stickstoff oft in den Vordergrund. Hier muss unter anderem die Wahl der Stickstoffform beachtet werden. Aber auch die Grundnährstoffe wie Phosphor und Kalium sind unerlässlich für einen vitalen Kartoffelbestand. Einige Applikationsverfahren ermöglichen zudem eine Steigerung der Nährstoffausnutzung.
 

Von der Vorgehensweise der Düngebedarfsermittlung (DBE) hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nichts geändert. Die DBE für das Wirtschaftsjahr 2018/19 ist bis zum 31. Mai 2020 in ENNI online zu melden. Die in Brüssel und Berlin besprochenen Änderungen der Düngeverordnung werden hier nicht weiter behandelt, da sie abschließend noch nicht beschlossen sind und sich noch Änderungen ergeben könnten. Es wird also vom zurzeit geltenden Recht ausgegangen. Somit ergeben sich nur die Änderungen in den stickstoff- bzw. phosphatsensiblen Gebieten Niedersachsens, die vornehmlich die Ausbringung von organischen Düngern betreffen.

Stickstoff

Hinsichtlich ihrer Verwertungsrichtungen muss beim Stickstoffbedarf der Kartoffel unterschieden werden. So haben Pflanz-, Speise- und Stärkekartoffeln bei einem Ertragsniveau von 450 dt/ha einen N-Bedarfswert von 180 kg/ha. Bei Industriekartoffeln (Veredelung), bspw. zur Pommes- und Chipsherstellung, liegt der N-Bedarf bei einem Ertragsniveau von 500 dt/ha bei 220 kg N/ha. Frühkartoffeln haben bei einem 400 dt/ha ebenfalls einen N-Bedarf von 220 kg/ha. Zu den Frühkartoffeln zählen die Reifegruppen I (sehr früh) und II (früh), ausgehend von der „Beschreibenden Sortenliste Kartoffel“ des Bundessortenamtes. Je 50 dt/ha Ertragsdifferenz ergibt sich ein Zu- oder Abschlag von 10 kg N/ha, wobei der Zuschlag auf maximal 40 kg N/ha begrenzt ist. Der Nmin-Wert ist auf einer Tiefe von 0-90 cm zu berücksichtigen. Im 5-jährigen Mittel liegen die Nmin-Werte zwischen 34 und 51 kg/ha, je nach Bodenklimaraum. Eigene Nmin-Untersuchungen sollten Sie möglichst nah am Pflanztermin ausrichten, um den Vorrat bestmöglich abbilden zu können. Des Weiteren sind die bekannten Zu- und Abschläge vorzunehmen. Sind die Zwischenfrüchte über den Winter in diesem Jahr nicht abgefroren und werden erst jetzt im Frühjahr eingearbeitet, sind 20 kg N/ha vom Stickstoffbedarfswert abzuziehen.

Der ermittelte Bedarfswert darf nicht über-, aber sehr wohl unterschritten werden. Je nach Verwertungsrichtung kann es durchaus sinnvoll sein, diesen Wert nicht komplett auszureizen. Ein hohes Stickstoffangebot, insbesondere zum Ende der Wachstumsphase, wirkt sich oftmals negativ aus. Der Großteil des Stickstoffs wird vielmehr früh zum Aufbau des Blattapparates benötigt. Deshalb empfiehlt sich bei höheren N-Düngermengen (> 100 kg N/ha) eine Gabenteilung von 2/3 zum Pflanzen und 1/3 zum Reihenschluss. Hierfür ist aber eine gesicherte Wasserversorgung (Beregnung) über die Vegetation nötig, um nicht zu spät ungewollte Stickstofffreisetzungen zu produzieren. Ansonsten sollte die zweite Gabe vorgezogen werden. Die erste Gabe sollte kurz vor oder während des Legens bzw. vor dem Häufeln stattfinden.

Auch im Hinblick auf den Wegfall von Reglone als Sikkationsmittel kann es durchaus sinnvoll sein, die Bestände nicht zu üppig mit Stickstoff zu versorgen, da ein komplett grüner Bestand mit verzögerter Abreife ohne mechanische Krautregulierung chemisch nicht vollständig abgetötet werden kann. Befindet sich der Bestand bereits in der beginnenden Abreife, sind die Erfolgsaussichten einer rein chemischen Krautregulierung deutlich größer. Höhere, dem tatsächlichen Bedarf angepasste, Stickstoffgaben sind am besten in Industriekartoffeln umzusetzen. Bei Stärkekartoffeln sinkt mit zunehmendem N-Niveau der Stärkegehalt und somit der Stärkeertrag, auch wenn der Knollenertrag noch gesteigert werden könnte.

Harnstoff und stabilisierte Dünger

Harnstoff als Düngemittel muss innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden. Ist dies aufgrund einer Düngung in den Bestand nicht möglich, muss er mit einem Ureaseinhibitor (UI) stabilisiert worden sein. Produkte sind bspw. Piagran Pro oder UTEC. Diese Regelung gilt übrigens auch für eine Blattdüngung mit Harnstoff im Bestand. Anders als bei AHL muss hier bei reinem Harnstoff ebenfalls ein UI zum Einsatz kommen. Die Umsetzung von Harnstoff zu Ammonium benötigt selbst bei <10 °C Bodentemperatur nur wenige Tage, sodass es durch diese gesetzliche Regelung zu keiner Beeinträchtigung der Wirkung kommt, da die Wirkung des UI’s im Boden ohnehin begrenzt ist.  Außerdem gibt es noch nitrifikationsinhibierte (NI) Dünger, die im Umwandlungsprozess von Ammonium zu Nitrat verlangsamt sind. Da dieser Prozess einen deutlich längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, sind durch die NI`s größere Effekte zu erwarten. Mehrjährige Versuche auf den Versuchsfeldern der LWK Niedersachen bestätigen dies. So kann, insbesondere auf leichten Standorten und bei extremen Niederschlagereignissen die Wirkungsdauer des Stickstoffs abgesichert werden. Auch wenn der Stickstoff nur in einer Gabe gestreut werden soll, kann der Einsatz eines stabilisierten Düngers sinnvoll sein.

Phosphordüngung und UFD

Der Knollenentzug liegt bei P2O5 bei 14 kg/100 dt Ertrag und somit bei 500 dt Ertrag/ha bei 70 kg P2O5/ ha. Phosphat wirkt sich positiv auf den Knollenansatz aus. Allerdings ist es im Boden relativ immobil. Zusätzlich hat die Kartoffel nur eine begrenzte Durchwurzelungsleitung. Von daher ist es sinnvoll, die Phosphordüngung unterfuß, zumindest aber vor dem Enddammaufbau auszubringen. Durch die Unterfußdüngung (UFD) konnte auch beim Einsatz von organischen Düngern positive Effekte erzielt werden. Soll diese Nährstoffform verwendet werden, wird hierbei das Gärrest- oder Gülleband ca. 20 – 25 cm tief unter den späteren Damm in den Boden eingebracht. Gerade bei Flächen, die bisher wenig mit Organik gedüngt wurden, führt die UFD im

Vergleich zur breitflächigen Verteilung zu ertraglichen Vorteilen. Für eine gute und schnelle Jugendentwicklung wird eine mineralische Ergänzung empfohlen, die je nach Verwertungsrichtung zwischen 30 (Stärkekartoffeln) – 50 % (Speisekartoffeln) der geplanten N-Menge liegen sollte. Die Mindestanrechenbarkeit bei flüssigen Gärresten liegt bei 50 %. Höhere Werte sind bei langjährig organisch gedüngten Flächen sowie optimalen Ausbringterminen möglich. Bei frühen Sorten und Lieferterminen sollte aufgrund des frühen Nährstoffbedarfs eine organische Düngung unterbleiben.

Kalium und Magnesium

Die Kaliumdüngung hat im Kartoffelbau eine große Bedeutung. Mit zunehmendem Kaligehalt sinkt die Empfindlichkeit gegenüber Stößen und Schwarzfleckigkeit. Mengenmäßig bedeutet dies einen Entzug über die Knollen von ca. 60 kg K2O/ 100 dt. In Gehaltsklasse C sind somit bei 500 dt/ha Knollenertrag gut 300 kg K2O/ha zu düngen. Ein Augenmerk sollte dabei noch auf die Verwertungsrichtung und die Lagerdauer gerichtet werden. Unterschieden werden muss außerdem zwischen sulfat- und chloridhaltigen Kaliumdüngern. Chlorid verhindert die Verlagerung von Stärke aus den Blättern in die Knollen und senkt damit den Stärkegehalt. Speisesorten mit einem genetisch bedingten niedrigen Stärkegehalt wie bspw. Bernina, Baltic Rose, Mia oder Wega sollten daher mit chloridarmen oder chloridfreiem Kaliumdünger gedüngt werden, damit sich der Stärkegehalt nicht zusätzlich verringert. Gerade bei Stärkekartoffeln ist so mit chloridarmen Düngern zu arbeiten. Zusätzlich ist die Gabenhöhe etwas nach unten zu korrigieren. Hohe Kaliumgaben können auf schweren Standorten auch aufgeteilt werden, sodass im Herbst/Winter bereits eine erste Gabe erfolgt. Zusätzlich sollte bei hohen Gaben etwa ein Drittel als sulfatischer Kali gedüngt werden. Auch in Wirtschaftsdüngern sind gewisse Chloridmengen enthalten. Eigene Analysen erleichtern hier die Einschätzung der Mengen. Über die Kaliumgaben wird auch ein Teil der Magnesiumdüngung abgedeckt. Das Verhältnis von Kalium zu Magnesium sollte im Boden nicht weiter als 3 zu 1 sein. Gegebenenfalls muss eine zusätzliche Magnesiumdüngung erfolgen. Die kostengünstigste Variante könnte über magnesiumhaltige Kalkdünger erfolgen - dann jedoch nicht direkt zur Kartoffel, sondern im Rahmen der Fruchtfolge. Im Laufe der Vegetation können auch Blattdüngungsmaßnahmen vor bzw. zur Blüte appliziert werden, um den Nährstoffbedarf zu decken, bspw. je Maßnahme 5-10 kg/ ha Bittersalz. Trockenheit begünstigt Mg-Mangel. Bei Gehaltsklasse C sind 70 kg MgO/ha einzuplanen (bei 500 dt/ha Ertrag). Hier wird nochmals das ausgewogene Verhältnis alle Nährstoffe für einen erfolgreichen Kartoffelanbau deutlich.

Fazit:

  • Stickstoffbedarfswerte ausreichend
  • Ausgewogene Grundnährstoffversorgung einplanen
  • Organische Düngung kann wertvolle Ergänzung sein
  • Verwertungsrichtungen bei der Düngung beachten.
  • UFD stellt effiziente Ausbringmethode dar.
  • Stabilisierte Dünger können Wirkung absichern.
  • Bestandesführung über Stickstoff möglich.

Kontakt:
Gerald Burgdorf
Leiter Sachgebiet Hackfrüchte
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Stand: 14.05.2020