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Freiwillige Qualitätskontrolle Kartoffeln Ernte 2019

Die Freiwillige Qualitätskontrolle Kartoffeln wird seit 1956 unter wechselnden Bezeichnungen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bzw. den Vorgängereinrichtungen durchgeführt. Die ermittelten Qualitäten der Ernte 2019 werden in diesem Artikel ebenso beschrieben, wie die Statistik des Kartoffelanbaus 2019. Die schwierigen Witterungsbedingungen im letzten Jahr haben sich auch auf die Kartoffelknollen ausgewirkt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Anbaufläche 2019 für Kartoffeln bei 276.300 ha, das wären 24.100 ha mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig erreichte der mittlere Ertrag mit 377,0 dt/ha ein knapp 24 dt/ha höheres Ertragsniveau als im Vorjahr. Dieser ist damit aber immer noch um mehr als 50 dt/ha niedriger als der mehrjährige Durchschnitt (2013 – 2018: 429,1 dt/ha). Zwischen den Bundesländern und innerhalb der einzelnen Bundesländer traten starke regionale Unterschiede auf. Mit über 390 dt/ha Ertrag liegen Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an der Spitze. Thüringen und Sachsen liegen mit 304 dt/ha und 283 dt/ha am unteren Ende der Tabelle, wenn man vom Saarland absieht. Insgesamt waren die Unterschiede aber geringer als im Vorjahr. Die vorläufige Erntemenge wird mit 10,4 Mio. t beziffert, das sind etwa 2,5 Mio. t mehr als im Jahr 2018.

Wie sah es in Niedersachsen aus?

Die Auspflanzung 2019 konnte in ganz Niedersachsen zeitgerecht und sehr zügig durchgeführt werden. Während im März, insbesondere in den ersten beiden Märzwochen, überdurchschnittliche Niederschlagsmengen endlich kamen, war der April schon wieder recht trocken, so dass die Auspflanzung ohne Probleme erfolgen konnte. Dadurch, dass April und Mai relativ kühl waren und in beiden Monaten auch noch Minusgrade auftraten, verlief der Auflauf zunächst relativ langsam. Ertraglich zeigte sich die Situation sehr heterogen in Abhängigkeit der örtlich sehr unterschiedlichen Niederschlagsereignisse bzw. in Abhängigkeit der Möglichkeiten zur Beregnung. Insgesamt waren die Niederschläge ähnlich niedrig wie im Vorjahr. Die Beregnungsoptionen wurden je nach Landkreis in Niedersachsen unterschiedlich gestaltet. Die Erträge bewegten sich in einer weiten Spanne von 20 t bis über 50 t je Hektar.

Wie war es um die Qualitäten bestellt?

Der ermittelte durchschnittliche Mängelwert im 1. Halbjahr (01.06.-30.11.2019) liegt mit 11,4 % leicht höher im Vergleich zum Vorjahr, aber niedriger als im Nässejahr 2017. Dieser Durchschnittswert fußt auf 10.181 bonitierten Partien. Ähnlich wie im Vorjahr waren Fäuleerscheinungen wesentlich geringer ausgeprägt als in den davorliegenden Jahren. Braunfäule trat kaum auf, dafür spielten aber Oberflächenschorf und Gefäßbündelverbräunungen eine deutlich größere Rolle. Wie üblich ist der Schwankungsbereich bei den Qualitäten meist sehr weit und es treten wie in den Jahren zuvor auch deutliche Sortenunterschiede zutage.

Wie in jedem Jahr weisen nahezu alle bonitierten Partien „fremde Bestandteile“ und auch „ergrünte Knollen“ auf. Ebenso wurden in mehr als 70 % aller Partien beschädigte Knollen festgestellt. Die Stärkegehalte gemessen an 2.375 Partien liegen mit durchschnittlich 14,0 % leicht unter dem Niveau des Vorjahres (14,4 %) und sind vergleichsweise hoch.

Die Mittelwerte für die einzelnen Qualitätsparameter sind in Abbildung 1 dargestellt (s. blaue Säule, Maßstab links). Wie immer gibt es hier eine erhebliche Streubreite, die von 0 % bis über 80 % reicht (s. schwarze Linie, Maßstab rechts). Ergänzend wird in Abbildung 2 das Auftreten der Mängel dargestellt in den Partien, in welchen die Mängel tatsächlich aufgetreten sind. Dadurch ergeben sich zwangsläufig höhere Mittelwerte für die Einzelmängel.

Die wesentlichen Qualitätsmängel im Einzelnen

Im Folgenden wird zumindest auszugsweise auf die wesentlichen Qualitätsparameter eingegangen, sofern sie in diesem Jahr von Relevanz waren. Theoretisch erfasst werden bis zu 27 Qualitätsparameter für jede einzelne Partie.

Oberflächenschorf:

Der Anteil an schorfbefallenen Partien lag mit mehr als 21 % zwar etwas niedriger als im Vorjahr (25 %) aber deutlich höher als in den Jahren zuvor. Die Schwankungsbreite des Befalls mit Oberflächenschorf reichte von 0,1 % bis über 80 %, das heißt in Einzelfällen gab es Partien, in welchen fast jede Knolle Oberflächenschorf in einer relevanten Größenordnung aufwies. Allgemein bekannt ist, dass der Erreger ausgesprochen sauerstoffbedürftig ist und demzufolge auf leichten, sandigen Böden deutlich stärker in Erscheinung tritt als auf schwereren, weniger gut durchlüfteten Böden. Auch bei steigenden Bodentemperaturen nimmt der Schorfbefall zu. Das Auftreten des Kartoffelschorfes ist somit in starkem Maße von den Umweltbedingungen abhängig, so dass auch von typischen Schorfjahren gesprochen werden kann, wozu sicherlich die Jahre 2018 und 2019 zu rechnen sind. Bei den Hauptsorten stachen Hansa und Fontane besonders positiv hervor, während Gala und Queen Anne doch erkennbar über dem Mittelwert lagen.

Gefäßbündelverbräunung:
Diese Verbräunungen am Gefäßbündelring wurden in einem nennenswerten Umfang, das heißt, wenn nach Berliner Vereinbarung mehr als 25 % des Gefäßbündelringes betroffen sind, bei 577 Partien (2018: 606; 2017: 279) angetroffen. Diese kamen also ähnlich häufig vor wie im Vergleichszeitraum 2018 (s. Bilder 2 und 3). In den betroffenen Partien waren im Mittel 2,31 % der Knollen betroffen (2017: 1,57 %), mit einer Schwankungsbreite, die bis etwa an gut 35 % der Knollen (2017: 7 %) heranreichte. Sortenspezifische Unterschiede konnten in der Form festgestellt werden, dass tendenziell die Sorten Milva und Queen Anne etwas stärker betroffen waren. Auch an diesem Parameter kann der Jahreseinfluss abgelesen werden, denn im Zusammenhang mit chemischer Krautminderung oder auch nach dem mechanischen Kraut-schlegeln tritt diese Erscheinung jahresabhängig und von Standort zu Standort verschieden immer wieder auf und wird vermutlich durch Stressphasen, hier Hitze und Trockenheit, verstärkt. Vermutlich löst die abrupte Unterbrechung der Wasser- und Nährstoffzufuhr in die Knollen die Nekrotisierungen am Nabelende aus.

Ergrünung:

Der mittlere Anteil an ergrünten Knollen in den betroffenen Partien bewegte sich mit 3,3 % oberhalb des Vorjahres mit einer Schwankungsbreite von 0 % bis 38 % (Vorjahr: 79 %). Während im Regenjahr 2017 die Knollen durch Abspülen der Dämme oft einer Lichteinwirkung ausgesetzt waren, reichte insbesondere auf den leichteren Standorten in 2018 die Dammstruktur nicht aus, so dass Knollen teilweise durch Abrieseln der Erde freigelegt wurden. Dieses war in 2019 längst nicht so ausgeprägt, allerdings gab es standortbedingt gravierende Unterschiede zwischen den Partien. Wie in den Vorjahren hoben sich unter den Hauptsorten Hansa und Fontane positiv ab, während die Sorten Queen Anne und Colomba einen überdurchschnittlichen Anteil an ergrünten Knollen offenlegten. Wie in den Jahren zuvor wiesen nahezu alle Partien (87 %) ergrünte Knollen auf.

Beschädigungen:

Wie in jedem Jahr stehen bei den Mängeln die Beschädigungen mit oben an. Der mittlere Beschädigungsgrad über alle Partien lag bei 2,1 % und ist damit vergleichbar mit dem vergangenen Jahr, mit einer Schwankungsbreite von nahezu 0 % bis knapp 63 %. Bei den Hauptsorten traten die geringsten Beschädigungen bei den Sorten Gala und Hansa auf. Etwas über dem Mittel lagen Queen Anne und Belana.

Fraßschäden:
Etwa 67 % aller Partien wiesen Fraßschäden auf. Das sind 5 % mehr als im Vorjahr und fast 12 % mehr als im Jahr 2017, wo auch der Anteil an fraßgeschädigten Knollen bereits hoch war. Die Spanne reichte in einzelnen Partien im Extrem an 50 % ran.

Missgestaltung:

Gut 42 % aller bonitierten Partien zeigten einen gewissen Grad an zu bemängelnder Missge-staltung, der über alle Partien gesehen etwas niedriger liegt als im Vorjahr. Besonders gering war der Anteil an missgestalteten Knollen bei den Sorten Gala, Queen Anne sowie Colomba und Belana, während Hansa und Fontane spürbar über dem Durchschnitt lagen.

 

Schwarzfleckigkeit:

Bei knapp 11 % der Partien wurde Schwarzfleckigkeit bonitiert mit einer Schwankungsbreite von 0,2 % bis 38 %. Das ist vergleichbar mit dem Vorjahr. Auch die Stärkewerte liegen in einer vergleichbaren Größenordnung, die in diesem Jahr anhand von bislang 2.375 Partien gemessen wurden. Mit 14,0 % und 14,4 % liegen in beiden Jahre vergleichsweise hohe Stärkegehalte vor. Die mittlere Ausprägung in den betroffenen Partien lag bei 3,6 %. Das ist ähnlich wie im Vorjahr. Etwas überdurchschnittlich von Schwarzfleckigkeit betroffen waren die Sorten Fontane und Hansa.

Dry core:
Im ersten Halbjahr 2019/2020 zeigten mit 625 Partien ähnlich viele Bonituren Dry core-Symptome wie im Vorjahr. Die mittlere Ausprägung mit rund 2,5 % betroffene Knollen in diesen Partien lag knapp unter dem Vorjahreszeitraum. Im Extrem waren auch hier fast 21 % der Knollen betroffen. Bei den Sorten zeigten Queen Anne und Belana sowie Gala und Solist im Vergleich zum Durchschnitt etwas erhöhte Werte.

Eisenfleckigkeit:

Ähnlich wie im Vorjahr traten in diesem Jahr erneut etwas häufiger Partien mit Eisenfleckigkeit in Erscheinung, 6,4 % der Partien waren betroffen, in den Jahren 2016 und 2017 waren es nur 4,7 % und im gleichen Zeitraum im Jahr 2014 waren fast 10 % betroffen. Der Mittelwert bewegte sich mit 2,8 % in den Befallspartien deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Im Einzelfall wurden allerdings auch Partien angetroffen, bei denen mehr als 34 % der Knollen Eisenfleckigkeitssymptome aufwiesen. Unter den Hauptsorten wurde bei der Sorte Hansa in diesem Jahr der höchste Wert im Mittel festgestellt.

Nassfäule:
Wenig überraschend wurde ähnlich wie im Vorjahr an deutlich weniger Partien Nassfäule vor-gefunden als im Nässejahr 2017 und auch das Befallsniveau lag wesentlich niedriger. Zwischen den Sorten traten in diesem Jahr nur geringe Unterschiede auf. Tendenziell wurden bei den Sorten Fontane, Milva und Colomba etwas über den Durchschnitt liegende Werte festgestellt. Der mittlere Befall über alle Partien lag bei 0,15 % mit einer Schwankungsbreite von 0 % bis 48 % und war somit erkennbar höher als im Vorjahr aber immer noch deutlich niedriger als im Jahr 2017. Hier wird auch erkennbar, dass das Jahr 2019 nicht ganz so extrem verlief wie das Jahr 2018.

Braunfäule:
Braunfäule trat etwas stärker als im Vorjahr in Erscheinung. Bislang wurde dies an 7 % der bonitierten Partien festgestellt, 2018 waren es 1,3 %, aber 2017 waren es über 14 %. Es gab also Krautfäule, aber längst nicht so ausgeprägt wie in 2017, was nicht überraschend ist. Zwi-schen den Sorten waren keine spürbaren Unterschiede bislang erkennbar.

Pfropfenbildung:
Pfropfenbildung lag in 308 Partien vor (Vorjahr: 262). Die Spannweite reichte hier von 0,2 % bis 20 % betroffene Knollen. Die durch das Virus verursachte Pfropfenbildung stellt einen gravierenden inneren Mangel dar. Sie tritt bevorzugt auf sandigen und anmoorigen Böden auf. Übertragen wird dieses Virus durch verschiedene ektoparasitäre, wandernde Wurzelnematoden der Gattung Trichodorus und Paratrichodorus. Damit wird auch das Auftreten von Eisenfleckigkeit an zahlreichen Partien verständlich.

Hitzeschäden:
An 133 Partien wurden Hitzeschäden bonitiert, das ist zwar erheblich weniger als im Vorjahr, aber immer noch das Vierfache des Jahres 2017. Auch in diesen Werten spiegelt sich der diesjährige Witterungseinfluss deutlich wider.

Hohlherzigkeit:
Die Symptomatik Hohlherzigkeit, die insbesondere bei großfallenden Sorten und in Jahren mit einem hohen Anteil an Übergrößen, größere Ausmaße annehmen kann, war in diesem Jahr ähnlich wie 2018 erwartungsgemäß von untergeordneter Bedeutung. Sie trat an 238 Partien auf (2017: 711) und erreichte bei einzelnen Partien einen Anteil von fast 15 % hohlherzigen Knollen im Extrem. Tendenziell zeigten die Sorten Fontane und Solist etwas erhöhte Werte.

Andere Qualitätsparameter wie Keime, Frostschäden, Lagerdruck und Glasigkeit traten nur vereinzelt auf. Auch Trockenfäule blieb von untergeordneter Bedeutung. Erfreulich ist, dass in deutlich weniger Partien Fremdsorten vorgefunden wurden als in den beiden Vorjahren. Allerdings gab es einzelne Partien, die einen erheblichen Besatz mit Fremdknollen aufwiesen. Eine zusammenfassende grafische Darstellung zu den Qualitätsparametern liegt in Abbildung 3 vor.

Fazit

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag die Erntemenge bundesweit betrachtet deutlich höher als im Vorjahr, wozu allerdings auch eine deutlich ausgeweitete Kartoffelanbaufläche beigetra-gen hat. Dennoch liegt diese Erntemenge offenbar im Bereich des Bedarfs, was sich auch in einem vergleichsweise guten bis auskömmlichen Preisniveau bislang niedergeschlagen hat. Die vorgefundenen Qualitäten an der Rohware sind im ersten Halbjahr recht gut und besser als im Vorjahr, fallen aber im Mehrjahresvergleich etwas ab.

Insbesondere bakteriell bedingte Schorfsymptome traten jahrestypisch erneut stärker in Er-scheinung. Die ausgeprägten Hitzeperioden mit meist viel zu geringen oder gar gänzlich fehlenden Niederschlagsereignissen führten auch zu erhöhten Anteilen an Partien, die Hitzeschäden und Gefäßbündelverbräunungen aufwiesen. Dagegen waren wesentlich weniger Partien von Nassfäule und besonders Braunfäule betroffen als im Nässejahr 2017 aber mehr als in 2018.
 


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Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
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Stand: 14.05.2020