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Körnermais 2017: Topsorten erhalten Sortenempfehlung

Ein Jahr mit besonderen Herausforderungen für den Mais geht langsam zu Ende. Doch die Körnermaisernte ist witterungsbedingt noch nicht abgeschlossen. Bestände ohne Sturm- oder Wildschaden lassen weiterhin gute Erträge erwarten.

Die Landessortenversuche Körnermais liegen mehrjährig verrechnet vor. Die daraus abgeleiteten Sortenempfehlungen und der Sortenratgeber für den CCM- und Körnermaisanbau finden Sie hier.

 

Das Maisjahr hat so zögerlich angefangen, wie es nun durch die langgezogene Ernte auch endet. Im April erreichten die Bodentemperaturen nicht die für die Aussaat anzustrebenden 8 °C. Vielfach wurde der Mais erst im Mai gesät, was auch für den Körnermais gilt, der tendenziell früher gesät wird als Silomais. Aussaaten vor dem 20. April zeigten nicht selten Probleme mit Triebkraft und Keimfähigkeit. Besonders deutlich waren Schwächen bei der Beizwirkung zu beobachten, da die Auflaufphase bedingt durch niedrige Temperaturen und Feuchtigkeit die Wirkphase der Beize häufig überstiegen. Die Folge waren Ausfälle und Kümmerwuchs an Einzelpflanzen. Nachgesät werden mussten diese Bestände in der Regel nicht.

Erst Anfang Mai wurden die erforderlichen Bodentemperaturen erreicht Die Maisbestände liefen in der Folge später als gewöhnlich auf. Dieser Nachteil wurde jedoch durch die nachfolgende, sehr günstige, Witterung wieder wettgemacht. Während der Jugendentwicklung trat keine Kaltphase auf und der Mais konnte sich trotz Frühsommertrockenheit sehr zügig entwickeln. Mit dem Beginn des Längenwachstums setzten auch regelmäßige Niederschläge ein, die von den Maisbeständen bei sommerlichen Temperaturen hervorragend genutzt werden konnten. Durch die günstigen Bedingungen während der Jugendentwicklung gelangten die Maisbestände in diesem Jahr tendenziell früher zur Blüte als normal. Eine frühe Blüte ist Grundvoraussetzung für hohe Erträge, da so die Kornfüllung früher beginnt und der Mais so hocheffektive Tage im Sommer zu Ertragsbildung zusätzlich nutzen kann. Die Voraussetzungen für hohe Erträge blieben auch im weiter Verlauf des Sommers gut, denn die eher wechselhafte Witterung, die den Landwirten vielfach die Ernte erschwerten, war für den Mais ideal. Doch die Kehrseite hoher Erträge sind hohen Kolben- und Einzelpflanzengewichte, die bei starkem Wind zum Problem werden können. Mit Sturmtief Christian überquerte am 13. September ungewöhnlich früh der erste Herbststurm Deutschland und sorgte für viele Schäden. Nicht nur Äste und Bäume brachen, auch mehrere 10.000 ha Mais gingen allein in Niedersachsen ins Lager, überwiegend knickte dieser in ca. 40 cm Höhe ab. Betroffener Körnermais musste als Silomais vermarktet werden, was auch nicht immer leicht fiel. Andererseits bedeuteten die guten Wachstumsbedingungen des Jahres auch hohe Silomaiserträge und somit Übermengen, die dann als Körnermais geerntet werden sollten. Dieser wurde am 5. Oktober auf die nächste harte Probe gestellt, als Sturmtief Xavier mit ebenfalls über 100 km/h über den Norden hinweg fegte. Auch hier war Körnermais betroffen und wurde zum Teil doch noch gehäckselt. Mitte Oktober begann dann bei zum Teil widrigen Bedingungen die Körnermaisernte, welche vielerorts bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen ist. Doch Mais, der die ersten zwei Stürme überstanden hat, ist i.d.R. auch beim dritten Herbststurm, Herwart, am 29. Oktober stehen geblieben und ihn wird wohl auch bis zum Frost nichts mehr erschüttern können. Spätestens dann werden die übernässten Flächen wieder befahrbar sein.

Diese extremen Bedingungen haben auch in den Landessortenversuchen ihre Spuren hinterlassen. Die 45 geprüften Sorten reagierten deutlich unterschiedlich auf die Stürme. Insgesamt 24 Sorten zeigten eine gute Standfestigkeit, 9 davon sogar eine sehr gute. Durch die große Differenzierung infolge der starken Stürme ist in diesem Jahr eine fünfstufige Einteilung der Lageranfälligkeit möglich geworden (siehe Sortenratgeber und Regionaltabellen). Die Einteilung zeigt dabei klar das Lagerrisiko der jeweiligen Sorte bei nach der Blüte auftretenden Stürmen, wie sie in diesem Jahr aufgetreten sind. Nicht dargestellt wird hierdurch eine mögliche Anfälligkeit für sogenanntes Sommerlager, welches meist infolge von Gewitterböen im Juni und Juli auftreten kann. Der Sortenratgeber gibt darüber hinaus auch Auskunft über die Anfälligkeit einzelner Sorten auf Stängelfäule, was insbesondere beim Körnermais ebenfalls das Lagerrisiko zur Ernte steigert. Auch die Anfälligkeit für Blattflecken wird beschrieben, wobei diese den Ertrag i.d.R. nur bei anfälligen Sorten und extremen Jahren beeinflussen.

Die Betrachtung des hohen Kornertragsniveaus in diesem Jahr, spiegelt deutlich die günstige die Witterung für den Mais wider. Sorten mit mehrjährig sehr hohen Kornerträgen haben eine Anbauempfehlung für Corn-Cob-Mix (CCM) erhalten. Für eine Anbauempfehlung zur Körnermaisnutzung wurde die um die Trocknungskosten und -schwund bereinigte Marktleistung herangezogen.

Die zugrunde gelegten Schwellenwerte sind jeweils bei erstmals im LSV geprüften Sorten noch etwas höher als bei wiederholt im LSV geprüften Sorten. Durch die rechnerische Einbeziehung der Wertprüfungen des BSA und der EU-Prüfungen liegen jedoch auch bei den neuen Prüfsorten bereits mehrjährige Ergebnisse den Anbauempfehlungen zum Probeanbau zugrunde.

Empfehlungen Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen (siehe Karte) konnten die Sorten KWS Stabil (K 200), Benedictio KWS (K 230), Santimo (K 210) und Vitally (K 230) eine Empfehlung für die Körnermaisnutzung erlangen.

Für den Probeanbau nach einem LSV-Jahr werden die Sorten ES Hubble (K 220), LG 30244 (K 230), Rigoletto (K 240), Amanova (K 230), LG 30258 (K 240), Severeen (K 230) und Amaveritas (K 240) für den Körnermaisanbau empfohlen.

Die kornertragreichsten Sorten im Norden waren Mojagger (K 240), Santimo (K 210), Benedictio (K 230), Vitaly (K 230) und Liberator (K 240). Diese werden daher für CCM empfohlen.

Für den Probeanbau in dieser Nutzung werden die Sorten Amaveritas (K 240), LG 30258 (K 240), Rigoletto (K 240), LG 30244 (K 230), Severeen (K 230) und ES Hubble (K 220) empfohlen.

Empfehlungen Region Süd

Im Bodenklimaraum Süd werden nach mehrjähriger LSV-Prüfung die Sorten KWS Stabil (K 200), Santimo (K 210), Benedictio KWS (K 230) und Vitally (K 230) als Körnermais für den Anbau empfohlen.

Für den Probeanbau im Bereich Körnermais werden die Sorten Rigoletto (K 240), Amanova (K 230), ES Hubble (K 220), LG 30258 (K 240), LG 30244 (K 230) und Severeen (K 230) empfohlen.

Die Anbauempfehlung für CCM beinhaltet die Sorten P 8134 (K 250), Mojagger (K 240), Santimo (K 210), Benedictio (K 230), P 9027 (K 250) und Liberator (K 240).

Für den Probeanbau als CCM werden im südlichen Niedersachsen die Sorten Rigoletto (K 240), Amaveritas (K 240), LG 30258 (K 240) und Severeen (K 230) empfohlen.

 

Die lange Liste der für den Probeanbau empfohlenen Sorten zeigt deutlich, wie groß der züchterische Fortschritt in der Körnermaiszüchtung ist. Ein Blick auf die erreichten Erträge zeigt, dass es bei der Kultur Mais nach wie vor nennenswerte Ertragssteigerungen gibt. Diese Tatsache macht deutlich, dass sich die Maisanbauer jährlich mit der Sortenfrage beschäftigen sollten, um die ertragreichsten Sorten für ihre Flächen auszuwählen.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 27.11.2017



PDF: 28914 - 1000.59472656 KB   Sortenratgeber Körnermais 2018   - 1001 KB