Webcode: 01033164

LSV-Ergebnisse und Sortenempfehlungen Silomais

Ein super Maisjahr ging stürmisch zu Ende. Aus mehrjährigen Ergebnissen wurden die Sortenempfehlungen erarbeitet.

 

Nach einer verzögerten Maisaussaat aufgrund niedriger Temperaturen im April konnte sich der Mais in diesem Jahr noch hervorragend entwickeln.

Die Frühsommertrockenheit wurde für die Maisbestände zu keinem Problem, da die Winterfeuchtigkeit in den Böden für Keimung und Jugendentwicklung der Maisbestände ausreichte. Die Bestände etablierten sich zügig und ohne Stillstand, da keine der üblichen Kaltphasen die Entwicklung bremste. Die Niederschläge setzten pünktlich und ausreichend mit dem steigenden Wasserbedarf zum Längenwachstum des Maises ein und die Bestandsentwicklung verlief witterungsbedingt zeitweise rasant. So wurde die Blüte trotz späten Vegetationsbeginns nicht verzögert und der zeitliche Rückstand war bereits im Juli kompensiert. Im August und September herrschten durchweg günstige Bedingungen für eine gute Kolbenentwicklung. Dies zeigen auch die hohen Körnermaiserträge.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte die Entwicklung der Bestände kaum besser verlaufen können. Doch Mitte September rächte sich die sehr üppige Entwicklung für etliche Maisbestände. Am 13. September dieses Jahres hielten dem Sturmtief Sebastian die schweren und großen Pflanzen längst nicht immer stand. In den Landessortenversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen konnten zum Teil erhebliche Sortenunterschiede beobachtet werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bestände in den südlicheren Landesteilen zum Teil bereits die Silierreife erreicht, so dass die Erträge und Qualitäten der LSV mit erhöhtem Aufwand noch ermittelt werden konnten. Im nördlichen Ostfriesland hätte der dortige LSV zu diesem Zeitpunkt aber noch fünf Wochen Entwicklung vor sich gehabt und war vom Sturm weitgehend ins Lager gezwungen worden. Hier musste die Prüfung abgebrochen werden. Ähnlich war es am Standort Königslutter im östlichen Teil Niedersachsens. Hier wurde das mittelspäte Sortiment so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Ernte und Auswertung des Versuchs sinnlos wurde. Diese und andere Standorte lieferten jedoch interessante Hinweise auf die Standfestigkeit der geprüften Silomaissorten, wie man sie nur selten so klar und deutlich vor Augen geführt bekommt. Der Sortenratgeber Silomais der LWK Niedersachsen erhält in diesem Jahr eine Ergänzung. Mit der Tabelle „ergänzende Sorteninformationen“ möchten wir neben Informationen aus der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes auch einige agronomische Erkenntnisse aus den LSV Silomais den Landwirten und Beratern zur Verfügung stellen.

So muss für das südliche und östliche Niedersachsen resümiert werden, dass die Ernte auf den betroffenen Flächen zwar mühselig war, aber insgesamt sehr gute Silomaiserträge von nicht selten über 60 t/ha eingefahren wurden. Im Norden wurde die Reife naturgemäß erst später erreicht, so dass der frühe Herbststurm bereits deutlich vor der Silierreife etliche Bestände abknickte. Hier war es schwieriger, den richtigen Erntetermin zu finden, da anfangs noch deutlich zu niedringe TS-Gehalte im Siliergut erreicht wurden, später dann die Befahrbarkeit der Flächen witterungsbedingt schwieriger wurde. Insgesamt erstreckte sich die Silomaisernte im nördlichen Niedersachsen bis in den November hinein, da durch sehr hohe Niederschläge im gesamten Herbst viele Bestände mit normaler Erntetechnik nicht zu bergen waren.

Raupenfahrzeuge und Überladetechnik sowie Zwillingsbereifung gehörten auf den nasseren Flächen häufig zur Grundausstattung, um tiefergehende Strukturschäden möglichst zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bestände auch durch den zweiten und dritten Herbststurm von Anfang bzw. Ende Oktober zum Teil deutlich gezeichnet. Doch längst nicht jede Sorte ging hierbei ins Lager.

Bei allem Aufwand und vielleicht auch Ärger, den die stürmische Witterung in diesem Jahr so manchem Maisanbauer beschert hat, muss jedoch auch daran erinnert werden, dass es sich um sehr ungewöhnliche Witterungsereignisse gehandelt hat. Hinzu kommt, dass selbst die liegenden Bestände i.d.R. noch sehr hohe Erträge erzielt haben. Vielfach wurden die Ernteverluste von Landwirten und Lohnunternehmern auf weniger als 10 Prozent geschätzt, was auch den großen Bemühungen der Lohnunternehmer und deren Fahrern zu verdanken ist.

In der Tabelle „ergänzende Sorteneigenschaften“ werden diverse Zusatzinformationen wie Pflanzenlänge, Blühzeitpunkt, Stängelfusariumanfälligkeit und auch Lageranfälligkeit in Form von Noten (1 – 9) angegeben. Diese Daten basieren aus den Ermittlungen in Wertprüfungen und LSV der vergangenen Jahre. Das Merkmal Lageranfälligkeit wird um eine Bewertung der LWK auf Basis der Zählungen und Bonituren in den LSV aus diesem Jahr ergänzt. Abweichungen voneinander ergeben sich aus der Besonderheit des starken Sturms, der für diese Jahreszeit untypisch ist und normalerweise Mais nicht mehr erwischt.

Die Sortenempfehlungen für 2018 bleiben unbeeinflusst von selten auftretenden Wetterphänomenen, d. h., dass die Empfehlungen nach wie vor ausschließlich aufgrund von Leistung und Qualität des Futters ausgesprochen werden. Agronomische Eigenschaften wie z.B. die Standfestigkeit spielen hierfür keine Rolle. Diese muss jeder Landwirt je nach standörtlichen Bedingungen separat berücksichtigen.

Für Milchviehbetriebe mit relativ wenig Silomais in ihrer grasbetonten Ration bedeutet dies, dass die Sorten hierfür nach wie vor nach Energiedichte bei gleichzeitig nicht zu geringen Stärke- oder Energieerträgen eine Empfehlung erhalten. Für maisbetont fütternde Betriebe werden die Sorten nach Stärke- oder Energieertrag bei gleichzeitig nicht zu geringer Energiedichte empfohlen.

Für eine Anbauempfehlung zur Nutzung als Energiemais wurde bislang das Merkmal Trockenmasseertrag herangezogen.

Erstmals seit 2017 weist die Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes die Bewertung des Biogasertrages und der spezifischen Biogasausbeute der Maissorten aus. Somit finden sich diese Merkmale nun auch im Sortenratgeber der LWK Niedersachsen wieder.

Um eine Empfehlung für die Biogaseignung zu bekommen, muss eine Sorte nunmehr zusätzlich zum TM-Ertrag einer bestimmten Mindestanforderung im Merkmal Biogasertrag oder umgekehrt gerecht werden.

Detaillierte Informationen zur Sortenempfehlung Biogas und Hintergründe zur Biogasformel erhalten Sie im Beitrag zu den Biogassortenempfehlungen.

Der Sortenratgeber zeigt neben der bundesweit gültigen Reifezahl auch das tatsächliche Abreifeverhalten der Sorten in Niedersachsen, welches durchaus abweichen kann. Besonders im nördlichen Niedersachsen und in den Höhenlagen sollte daher bei der Sortenwahl auch auf die Abreife geachtet werden, denn nur ausreichend ausgereifte Bestände können auch tatsächlich die Qualität und Stärke liefern, die sie erbringen sollen. Dabei sollte ein Erreichen der Erntereife möglichst Ende September die Basis der Sortenwahl sein. Für besonders kalte Böden oder bei sonstigen reifeverzögernden Rahmenbedingungen stehen auch einige sehr früh abreifende Sorten (S 180 – S 200) zur Verfügung, die auf den küstennahen Standorten der Landessortenversuche und in den Höhenlagen mit geprüft wurden.


Silomaissorten für grasbetonte Rationen

Besonders für grünlandreiche Bertriebe mit relativ wenig Mais in der Fütterung sind qualitätsbetonte Maissorten wichtig.

Region Nord

Die frühen Sorten Keops (S 210), Farmezzo (S 220), Ridley (S 210), Calango KWS (S 220) und Zoey (S 210) erhalten eine Anbauempfehlung aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Energiekonzentration. Eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten die Sorten Amanova (S 210) und DKC 2978 (S 190).

Die mittelfrühen Sorten Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), ES Amulet (S 250), Feuerstein (S 250), Farmfire (S 230) und Santimo (S 240) erhalten eine Anbauempfehlung für günstige Standorte in der Region Nord. Die Sorten LG 30244 (S 230) und Rigoletto (S 250) werden für den Probeanbau empfohlen.

Region Süd

Mit den Sorten Keops (S 210), Susetta (S 220), Farmezzo (S 220), Ridley (S 210), Cathy (S 210) und Zoey (S 210) stehen im südlichen Niedersachsen sechs empfohlene frühe Qualitätssorten zur Verfügung. Des Weiteren werden Amanova (S 210) und DKC 2978 (S 190) für den Probeanbau empfohlen.

Aus dem mittelfrühen Sortiment haben Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), ES Amulet (S 250), Feuerstein (S 250), Farmfire (S 230) und Vitally (S 250) eine Anbauempfehlung zur Ergänzung grasreicher Rationen erhalten.

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen werden die frühen Qualitätssorten Keops (S 210), Farmezzo (S 220), Ridley (S 210), Cathy (S 210), Zoey (S 210) und Sunshinos (S 210) empfohlen, für den Probeanbau zusätzlich die Sorten Amanova (S 210) und DKC 2978 (S 190).

Aus dem mittelfrühen Sortiment haben die Sorten Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), ES Amulet (S 250), Feuerstein (S 250), Farmfire (S 230) und Vitally (S 250) eine qualitätsorientierte Anbauempfehlung erhalten.

Höhenlagen

In Zusammenarbeit mit der LWK Nordrhein-Westfalen beinhaltet für grasbetonte Rationen die Maissorten Benedictio KWS (S 230), Keops (S 210), KWS Stabil (S 200), Farmezzo (S 220), Cathy (S 210), Stacey (S 210), Amagrano (ca. S 210) und Absalon (S 190). Für den Probeanbau werden Amanova (S 210) und Severeen (S 230) empfohlen.


Silomaissorten für maisbetonte Rationen

Bei maisbetonten Rationen sind Stärke- und Energieerträge bei gleichzeitig durchschnittlicher bis guter Energiedichte gefragt.

Region Nord

Hierfür werden im Norden die frühen Sorten Keops (S 210), LG 30248 (S 220), Mallory (S 220), KWS Stabil (S 200), Farmezzo (S 220), Agro Fides (S 220) und LG 30212 (S 210) empfohlen. Amanova (S 210) und KWS Laurencio (S 200) haben eine Empfehlung für den Probeanbau erreicht.

Für günstige Lagen im Norden haben die mittelfrühen Sorten Amaroc (S 230), Lindolfo KWS (S 240), Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), Figaro (S 250), ES Amulet (S 250), Kartagos (S 230), Agro Janus (S 250), Feuerstein (S 250) und LG 30252 (S 250) eine Anbauempfehlung erhalten, ergänzt um die Sorte LG 30258 (S 250) mit einer Empfehlung für den Probeanbau.

Region Süd

Aus dem frühen Sortiment stehen mit den Sorten Keops (S 210), LG 30248 (S 220), Susetta (S 220), Mallory (S 220), KWS Stabil (S 200), Farmezzo (S 220), Agro Fides (S 220) und SY Talisman (S 220) acht interessante Sorten mit Anbauempfehlung zur Wahl. Amanova (S 210) und KWS Laurencio (S 200) ergänzen diese Auswahl mit Empfehlungen für den Probeanbau.

Das für die Region Süd wichtige Sortiment mittelfrüh enthält für maisreiche Rationen die empfohlenen Sorten Amaroc (S 230), Lindolfo KWS (S 240), Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), Figaro (S 250), Kartagos (S 230) und Agro Janus (S 250).

Region Ost

Im Osten des Landes erhalten aus dem frühen Sortiment die Sorten Keops (S 210), LG 30248 (S 220), Susetta (S 220), Mallory (S 220), KWS Stabil (S 200), Farmezzo (S 220) und Agro Fides (S 220) eine Anbauempfehlung. Für den Probeanbau erhalten die Sorten Amanova (S 210) und KWS Laurencio (S 200) eine Anbauempfehlung.

Aus dem mittelfrühen Sortenspektrum werden Amaroc (S 230), Lindolfo KWS (S 240), Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), ES Amulet (S 250) und SY Welas (S 230) empfohlen.

Höhenlagen

Für maisbetonte Rationen in den Höhenlagen werden die Sorten Benedictio KWS (S 230), Keops (S 210), LG 30248 (S 220), KWS Stabil (S 200), Farmezzo (S 220), Cathy (S 210), SY Talisman (S 220), Tokala (S 210) oder Stacey (S 220) empfohlen. Für den Probeanbau werden hier Amanova (S 210) und Severeen (S 230) empfohlen.


Mittelspäte Sorten

 

Grasbetonte Rationen

Für Betriebe mit grasbetonter Grundfutterration eignen sich sowohl im Süden als auch Osten besonders die Sorten ES Watson (S 260), SY Campona (S 260) und Farmgigant (S 260) und werden hier für den Anbau empfohlen. Für den Probeanbau qualitätsbetonter Sorten stehen mit ES Skywalker (S 260), Erasmus (S 280) und SY Gordius (S 260) gleich drei Neuzulassungen mit einer entsprechenden Anbauempfehlung zur Verfügung.

 

Maisbetonte Rationen

Region Süd

Für das südliche Niedersachsen werden die Sorten Walterinio (S 270), ES Watson (S 260) und Agro Vitallo (S 270) aufgrund ihrer hohen Energieerträge für den Einsatz in maisbetonten Rationen empfohlen. Von den Neuzulassungen erreichte keine Sorte eine Empfehlung, da die Energiedichte hierfür nicht ausreichte.

Region Ost

Im eher von trockenen Bedingungen geprägten östlichen Niedersachsen haben die Sorten Walterinio (S 270), ES Watson (S 260) und SY Campona (S 270) eine Empfehlung für den Anbau zur maisbetonten Fütterung erreicht.

Die Neuzulassung ES Skywalker (S 260) hat durch hohen Energieertrag und –dichte eine Empfehlung zum Probeanbau erreicht.


Die Sortenvielfalt bei Mais ist auch in diesem Jahr nicht kleiner geworden. Allein für Silomais werden in den Landessortenversuchen insgesamt über 100 Sorten geprüft, Die den Aufsteig in die LSV geschafft haben. Viele weitere haben es nicht in die LSV geschafft bzw. sind schon durchgeprüft und nicht mehr am Puls der Zeit.

Die Neuzulassungen zeigen auch in 2017, dass züchterischer Fortschritt nach wie vor realisiert wird. Auch das Ertragsniveau auf den Betrieben ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Um an dieser Entwicklung voll teilhaben zu können, ist es beim Mais wichtig, sich jährlich der Sortenfrage aufs Neue zu stellen.

Nur so können die Vorteile neuer Sorten auch zügig im Betrieb genutzt werden.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 12.12.2017



PDF: 29065 - 107.75390625 KB   Maisanbauregionen Silomais 2017   - 108 KB