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LSV-Ergebnisse und Sortenempfehlungen mittelspätes Sortiment, Schwerpunkt Biogas

Für eine gute Biogassorte ist neben einer hohen Ertragsleistung das Erzielen eines möglichst hohen Biogasertrags anzustreben. Bislang galt ausschließlich der Trockenmasseertrag als Auswahlkriterium für Maissorten zur Biogasnutzung. Dass es darüber hinaus aber noch andere Qualitätsparameter für die Biogas-Eignung von Maissorten gibt, bestätigen nicht nur Beobachtungen aus der Praxis. In der Vergangenheit wurde bereits mehrfach der Versuch unternommen, eine inhaltstoffbasierte Formel zur Beschreibung der Biogaseignung zu entwickeln, so wie dies auch für die Rinderfütterung etabliert ist.

 

Neben einem hohen Stärkeertrag sind für die Biogaseignung auch andere Inhaltsstoffe sowohl im Kolben als auch in der Restpflanze bzw. deren Zusammenspiel von größerer Bedeutung.

Für eine hohe Biogasausbeute muss die gesamte organische Substanz, also auch die Zellwandbestandteile der Restpflanze, möglichst vollständig abgebaut und in Gas umgesetzt werden.

Die nun zum Einsatz kommende Formel, welche vom Bundessortenamt (BSA) seit diesem Jahr zur Sortenbeschreibung verwendet wird, wurde über fast 10 Jahre hinweg entwickelt. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Inhaltsstoffen und der Biogasausbeute zu quantifizieren und genetisch bedingte Sortenunterschiede zu finden. Hierbei zeigte sich, dass das Zusammenspiel mehrerer Parameter für die Variation der Biogasausbeute verantwortlich ist (Rath et al., 2013 & 2016).

In die Berechnung der sortenspezifischen Biogasausbeute fließen dabei die Gehalte an Lignin, Hemicellulose, Rohfett und reduzierendem Zucker ein.

Demnach hat der ideale Biogas-Sortentyp einen niedrigen Lignin-Gehalt aber gleichzeitig möglichst hohe Gehalte am leicht verdaulichen Zellwandbestandteil Hemicellulose. Des Weiteren wirken sich nach dieser Formel hohe Fettgehalte, die vor allem über die Anlage jedes Korns im Kolben realisiert werden, positiv auf die Biogasausbeute aus. Im Unterschied zur Stärke ist Fett im Keimling, unabhängig vom absoluten Reifegrad der Körner, zu finden.

Seit diesem Jahr beschreibt das BSA die Merkmale Biogasertrag und spezifische Biogasausbeute der Maissorten. Somit finden sich diese Charakteristika nun erstmalig auch in der Sortenempfehlung der LWK Niedersachsen wieder.

Eine Empfehlung zur Biogasnutzung bekommt eine Sorte, wenn zusätzlich zu einem hohen TM-Ertrag auch ein bestimmter Mindestertrag an Biogas oder umgekehrt erreicht wird.

Die bisherigen Berechnungen aus den Landessortenversuchen Silomais 2016 und 2017 lassen eine gute Wiederholbarkeit und Stabilität der berechneten sortenspezifischen Biogasausbeuten, unabhängig von Erntetermin und Standort, erkennen. Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer bundesweiten zweijährig angelegten methodischen Untersuchung durch das BSA mit 24 Maissorten und mehreren Ernteterminen. Zwar konnte hier bei mittelspäten Sorten durch einen späteren Erntetermin der Biogasertrag noch gesteigert werden. Diese Steigerungen basierten jedoch ausschließlich auf höheren Trockenmasseerträgen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wichtig ist die Feststellung, dass sich die für die Biogasbildung verantwortlichen Inhaltsstoffe in ihrem Niveau kaum veränderten. Damit blieb die sortenspezifische Biogasausbeute auch bei späterer Ernte annähernd gleich (BSA, Beschreibende Sortenliste 2017).

Diese Erkenntnis bedeutet, dass die Sortenempfehlungen für die Biogasnutzung weiterhin aus den Landessortenversuchen Silomais mit jeweils mehreren Prüfstandorten pro Anbauregion abgeleitet werden können, denn die Biogaseignung der Sorten wird klar und eindeutig erkennbar.

Da die Sortenergebnisse nicht über die Sortimentsgrenzen vergleichbar sind, muss auch die Wahl einer Biogassorte mit der richtigen Reifegruppe beginnen. Oberstes Anbauziel muss es nach wie vor bleiben, dass der Mais am jeweiligen Standort mit ausreichenden Trockensubstanzgehalten geerntet werden kann. Züchterische Fortschritte sowie die Ergebnisse der Biogaserträge stärken weiter die Bedeutung des frühen und mittelfrühen Sortiments für die allermeisten Regionen Niedersachsens (siehe mehrjährige Tabellen).


Biogasmais-Sortenempfehlung früh und mittelfrüh

Region Nord

Die frühen Sorten Keops (S 210), KWS Stabil (S 210), Sumatra (S 220), Susetta (S 220), SY Amboss (S 220) LG 30248 (S 220) und Agro Fides (S 220) erhalten eine Anbauempfehlung aufgrund ihrer sehr hohen Leistungen im TM- und Biogasertrag. Eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten die Sorten KWS Laurencio (S 200), Amanova (S 210) Kraftwerk (S 220) und Milkstar (S 220),

Die mittelfrühen Sorten Amaroc (S 230), Kalideas (S 250), Simpatico KWS (S 250), Benedictio KWS (S 230), Charleen (S 240), Lindolfo KWS (S 240), Corfinio KWS (S 240), Feuerstein (S 250), Kartagos (S 230) und Agro Janus (S 250) erhalten eine Anbauempfehlung für die Biogasnutzung. Die Sorten und werden ebenso wegen sehr guter Ertragsleistungen in der Region Nord empfohlen.

Amaveritas (S 240), Neutrino (S 240) und P 8333 (S 250) werden für den Probeanbau empfohlen.

Region Süd

Aus dem frühen Sortiment werden im südlichen Niedersachsen insgesamt 8 mehrjährig geprüfte Sorten empfohlen. Diese sind Keops (S 210), Susetta (S 220), Sumatra (S 220), SY Amboss (S 220), KWS Stabil (S 200), LG 30248 (S 220), Agro Fides (S 220) und Mallory (S 220). 

Eine Empfehlung für den Probenanbau 2018 bekommen KWS Laurencio (S 200), Amanova (S 210), Milkstar (S 220) sowie Mantilla (S 210).

Von den mittelfrühen Sorten haben Amaroc (S 230), Benedictio KWS (S 230), Kalideas (S 250), Simpatico KWS (S 250), Charleen (S 240), Lindolfo KWS (S 240), Corfinio KWS (S 240) und Kartagos (S 230) aufgrund sehr guter Leistungen in TM- und Biogasertrag eine Anbauempfehlung erhalten.

Die Sorten Neutrino (S 240), Amaveritas (S 240) und P 8333 (S 250) werden nach einjähriger sehr guter Leistung für den Probeanbau empfohlen.

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen werden die frühen Sorten Keops (S 210), KWS Stabil (S 200), Susetta (S 220), Sumatra (S 220) und SY Amboss (S 220), LG 30248 (S 220) und Mallory (S 220) für die Biogaserzeugung empfohlen.

Von den einjährig geprüften erhalten Amanova (S 210) KWS Laurencio (S 200) und Milkstar (S 220) eine Empfehlung für den Probeanbau.

Aus dem mittelfrühen Sortiment haben mit Amaroc (S 230), Kalideas (S 250), Benedictio KWS (S 230), Simpatico KWS (S 250), Lindolfo KWS (S 240), Charleen (S 240) sowie Corfinio KWS (S 240) insgesamt 7 Sorten eine Anbauempfehlung erreicht.

Für den Probenanbau werden die Sorten Neutrino (S 240), Amaveritas (S 240) und P 8333 (S 250) empfohlen.

Höhenlagen

In den Höhenlagen wird ein erweitertes frühes Sortiment bis zur Reifezahl S 230 geprüft. Die Anbauempfehlungen beinhalten für 2017 die mehrjährig geprüften Sorten Keops (S 210), Toninio (S 230), LG 30248 (S 220), Cathy (S 210), KWS Stabil (S 200), SY Welas (S 230), Tokala (S 210) und Laurinio (ca. S 220).

Unter den einjährig geprüften Sorten erwiesen sich Amanova (S 210), Benedictio KWS (S 230), KWS Laurencio (S 200), Amaroc (S 230), LG 30244 (S 230) und Severeen (S 230) als die ertragsstärksten und werden für den Probenanbau empfohlen.


Biogasmais-Sortenempfehlungen mittelspätes Sortiment

Für das nördliche Niedersachsen gibt es keine Anbauempfehlungen für Sorten ab der Reifezahl S 260. Bereits im letzten Jahr wurden für diese Region keine mittelspäten Sorten für qualitätsbetonte Silagen empfohlen, da kein Prüfkandidat das entsprechende Energieniveau guter mittelfrüher Sorten erreichte. Auch erreichen die spätreiferen Sorten ab S 260 im Norden in vielen Jahren keine höheren Erträge als früher abreifende. Hieraus wird deutlich, dass diese Sorten nicht an das Klima im nördlichen Niedersachsen adaptiert sind und hier nicht hingehören. Für günstige Lagen mit gut erwärmbaren Böden in den Grenzbereichen zu den Regionen Süd bzw. Ost (s. Karte Maisanbauregionen) muss dies jedoch nicht gelten. Hier kann auf die Sortenempfehlung der jeweils angrenzenden Region zurückgegriffen werden.

Region Süd

Von den mehrjährig geprüften Sorten werden für die Region Süd Rudolfinio KWS (S 270), Walterinio KWS (S 270), Agro Vitallo (S 270) und Kilomeris (S 260) empfohlen. Nach den Zulassungsprüfungen und dem ersten Prüfjahr im LSV werden Agrometha (S 270), P 8666 (S 260) und P 8888 (S 280) für den Probeanbau empfohlen.

Region Ost

Für die Region Ost werden mit Rudolfinio KWS (S 270), Walterinio KWS (S 270), Kilomeris (S 260), Agro Vitallo (S 270) und Ampatico KWS insgesamt fünf der mehrjährig geprüften Sorten empfohlen.

Von den einjährig geprüften Sorten sind P 8666 (S 260), Agrometha (S 270) sowie P 8888 (S 280) für den Probeanbau empfohlen.


Der Einsatzschwerpunkt mittelspäter Sorten liegt eindeutig im Bereich der Biogasproduktion. Einzelne Sorten eignen sich bei entsprechend günstigen Standortbedingungen durchaus auch für den Einsatz im Futtertrog. Grundsätzlich sollten die angebauten Sorten ihre Silierreife möglichst Ende September erreichen. Bei regelmäßig deutlich späterer Reife sollten frühreifere Sorten eingesetzt werden, um die Qualitäten und auch die Erträge zu sichern und kein zu hohes Anbaurisiko zu riskieren.

Die Sortenvielfalt bei Mais ist auch in diesem Jahr nicht kleiner geworden. Allein für Silomais werden in den Landessortenversuchen insgesamt über 100 Sorten geprüft, Die den Aufsteig in die LSV geschafft haben. Viele weitere haben es nicht in die LSV geschafft bzw. sind schon durchgeprüft und nicht mehr am Puls der Zeit.

Die Neuzulassungen zeigen auch in 2017, dass züchterischer Fortschritt nach wie vor realisiert wird. Auch das Ertragsniveau auf den Betrieben ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Um an dieser Entwicklung voll teilhaben zu können, ist es beim Mais wichtig, sich jährlich der Sortenfrage aufs Neue zu stellen.

Nur so können die Vorteile neuer Sorten auch zügig im Betrieb genutzt werden.


Kontakt:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 21.12.2017



PDF: 29065 - 107.75390625 KB   Maisanbauregionen Silomais 2017   - 108 KB