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LSV-Ergebnisse 2018 und Sortenempfehlungen Silo- und Biogasmais 2019: frühes Sortiment

In Norddeutschland war die Maisernte, wie auch in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas, nie so früh wie in diesem Jahr. Doch es ist davon auszugehen, dass der Sommer 2018 auch in Zukunft als außergewöhnlich gelten wird. Für die Sortenwahl bei Mais bedeutet dies, dass insbesondere für das nördliche Niedersachsen frühe Maissorten angebaut werden sollten, um eine sichere Ausreife mit entsprechend hohen Inhaltstoffen zu gewährleisten.

 

 

Eine vergleichende Betrachtung der Silomaissortimente früh und mittelfrüh an den nördlichen LSV-Standorten bei Wittmund und Bad Bederkesa (beides Sandstandorte) zeigt keinen Ertragsvorteil der mittelfrühen Sorten im langjährigen Mittel. Gleichzeitig lässt sich erkennen, dass die Qualitäten bei frühen Sorten höher liegen, während das Ernterisiko mit zunehmender Reifezahl steigt. Vor diesem Hintergrund sollten in Küstennähe (siehe Karte) vorwiegend frühe Maissorten angebaut werden.

Ähnlich verhält es sich in den Höhenlagen Südniedersachsens. Hier besteht das größte Anbaurisiko durch Frühfröste, die die Vegetationszeit einschränken. Daher werden in dieser Region nur Sorten bis zur Reifezahl S 230 geprüft. Die Sortenwahl sollte sich gerade in Höhenlagen vornehmlich an den standörtlichen Abreifebedingungen orientieren, was insbesondere auch für die Küstenregion gilt. Als allgemeine Orientierung kann der Erntetermin der letzten Jahre herangezogen werden. Wurden die anzustrebenden TS-Gehalte häufiger erst deutlich im Oktober, wie beispielsweise 2015, erreicht, sollten frühreifere Sorten angebaut werden. An den LSV-Standorten ist zu beobachten, dass der Mais im Oktober nicht mehr an Qualität und Ertrag zunimmt. Die Silierreife sollte daher möglichst gegen Ende September erreicht sein. Für den eigenen Standort kann anhand der Klimadaten (langjährige Mittelwerte der nächsten Wetterstation) auch eine Temperatursumme berechnet werden, die aussagt, welche Reifegruppe gewählt werden sollte. Hierzu addiert man ca. vom ersten Mai an die Tagesdurchschnittstemperaturen, jeweils abzüglich 6°C. An dem Tag, an dem eine Summe von 1430°C erreicht ist, sollten frühe Sorten einen TS-Gehalt von 32% erreicht haben. Für mittelfrühe Sorten müssen hierfür 1500°C erreicht werden.

In dies

em Jahr war vieles deutlich anders als gewöhnlich. Die Aussaat konnte im nördlichen Niedersachsen auf vielen Flächen erst verspätet erfolgen, da die Böden nach sehr hohen Winterniederschlägen erst spät bearbeitet werden konnten. Die nachfolgende Trockenheit mit durchgängig anhaltenden hohen Temperaturen sorgten trotzdem für eine sehr frühe Ernte bei gleichzeitig z.T. großen Mindererträgen. Da die im Juli und August gesäten Futterzwischenfrüchte nur selten etabliert werden konnten, wurden vielfach, auch nach Mais, Gras oder Roggen ausgesät, um im Frühjahr zusätzliches Futter ernten zu können. Soll auf diesen Flächen nach der Schnittnutzung im Frühjahr noch Mais angesät werden, sollten frühreifere Sorten als üblich ausgewählt werden. Als grobe Richtschnur kann dabei gelten, dass pro Woche Verspätung gegenüber dem normalen Saattermin (z.B. 1. Mai) die Reifezahl um ca. 10 – 20 Reifegrade niedriger gewählt werden sollte, um den Reifetermin nicht zu verzögern. In der Küstenregion bedeutet dies schon bei rel. geringer Saatverzögerung, dass sehr frühreife Sorten für Zweitfruchtmais nötig sind bzw. sich der Reifezeitpunkt in den Oktober verschieben wird. Idealerweise sollte zum Zweitfruchtmais nicht gepflügt werden und eine möglichst wassersparende Bodenbearbeitung erfolgen. Mulchsaat mit guter Rückverfestigung, Streifenbearbeitung oder gar Direktsaat sind möglich und abhängig von der Witterung zu empfehlen. Sollte es ein trockenes Frühjahr werden, sollte ggf. die Aussaatstärke des Zweitfruchtmaises leicht reduziert werden.

Anbauempfehlungen frühe Reifegruppe

Vor dem Hintergrund der sehr ungewöhnlichen Witterung dieses Jahres und entsprechenden Sortenreaktionen wurden die diesjährigen Versuche nicht in eine mehrjährige Auswertung mit einbezogen.

Die Basis für die Sortenempfehlungen beruht auf mehrjährigen Auswertungen der Landessortenversuche, Wert- und EU-Prüfungen der Jahre 2013 bis 2017. Die genannten Vorprüfungen werden bereits seit Jahren mit einbezogen und ermöglichen so, neu in LSV aufgenommene Sorten unter den Witterungebedingungen mehrerer Jahre zu beurteilen. Für die diesjährigen neuen Sorten bedeutet dies, dass die in den Tabellen ausgewiesenen mehrjährigen Daten vollständig auf den Vorprüfungen der Jahre 2016/17 beruhen. Diese Datengrundlage ermöglicht eine realistische Beurteilung des Leistungspotentials. Gleichzeitig wird sowohl das diesjährige Ergebnis unter gemäßigtem Trockenstress als auch die Trockentoleranz deutlich.

Trockentoleranz

Anhand der von Trockenheit gezeichneten Versuche wurde eine Bewertung der Trockentoleranz vorgenommen. Hierbei wurden nicht nur die drei wertbaren Versuche aus der Marsch, den Höhenlagen und dem Beregnungsstandort Obershagen herangezogen, sondern auch mehrere Versuche, die eindeutig unter der Trockenheit gelitten haben. Neben den in diesem Jahr durchgeführten Bonituren diente zur Beurteilung der Trockentoleranz maßgeblich der relative Stärkeertrag 2018 im Vergleich zum mehrjährigen Wert. Es zeigte sich, dass 9 der 33 geprüften Sorten eine positive Bewertung erhalten haben. Diese Bewertung resultiert aus einer diesjährig deutlichen Verbesserung des Relativertrags dieser Sorten gegenüber dem mehrjährigen Wert (2013 – 2017), allerdings bei in diesem Jahr deutlich verringertem Ertragsniveau. Ebenfalls 9 Sorten haben eine negative Beurteilung erhalten, weshalb sie nicht auf zu Wassermangel neigenden Standorten angebaut werden sollten. Hier ist die Erfahrung und Kenntnis der Landwirte gefragt. Die Sorten die trotzdem eine Anbauempfehlung erhalten haben, erlangten diese aufgrund ihrer überzeugenden Erträge und Qualitäten der zurückliegenden Jahre, in denen weniger Wassermangel auftrat. Auch an den drei wertbaren Standorten 2018 zeigten sie i.d.R. sehr gute Leistungen.

Sorten für grasbetonte Rationen

Gerade in den Grünlandregionen werden Maissorten mit erhöhter Energiedichte und hohem Stärkeertrag benötigt, um die in der Regel grasbetonten Grundfutterrationen energetisch aufzuwerten.

Hierfür werden die Sorten Keops (S 210), Amanova (S 210), KWS Stabil (S 200) und Farmezzo (S 220) niedersachsenweit, sowie Calango (S 220) und DKC 2978 (S 190) in allen Niederungslagen empfohlen, wobei letztere Sorte nicht in Höhenlagen geprüft wurde. Die Sorten Cathy (S 210) und LG 31211 (S 210) haben für Höhenlagen sowie Ridley (S 210) für die Regionen Süd und Ost eine Anbauempfehlung erhalten. Aus dem mittelfrühen Sortiment (siehe Nr. 46) erhalten die mehrjährig geprüften Sorten Benedictio (S 230) und Severeen (S 230) eine Empfehlung für die Höhenlagen-Standorte.

Eine Empfehlung für den Probeanbau haben die Sorten KWS Stefano (S 210) und Kaprilias (S 210) aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Energiedichte für ganz Niedersachsen erhalten. In den Höhenlagen haben zusätzlich die Sorten Rancador (S 210) und Likeit (ca. S 180) die Empfehlung für den Probeanbau bekommen.

Sorten für maisbetonte Rationen

Betriebe, die die Grundfutterversorgung zu großen Anteilen über Silomais sicherstellen, benötigen Maissorten mit hohen Stärke- und/oder Energieerträgen bei gleichzeitig noch guter Energiedichte.

Diesen Anforderungen werden die Sorten Keops (S 210), Amanova (S 210), LG 30248 (S 220) und KWS Stabil (S 200) in allen Bodenklimaräumen Niedersachsens gerecht und werden somit für den Anbau empfohlen. Mallory (S 220) wird für die Regionen Süd und Ost empfohlen sowie Agro Fides (S 220) für den Norden und die Höhenlagen. Ebenfalls für die Höhenlagen werden die Sorten SY Talisman (S 220) und LG 31211 (S 210) sowie aus dem mittelfrühen Sortiment die Sorten Amaroc (S 230), Benedictio (S 230), Severeen (S 230) und LG 30244 (S 230) empfohlen.

Die Neuzulassungen KWS Stefano (S 210) und Kaprilias (S 210) werden aufgrund hoher Stärke- und Energieerträge in allen Regionen für den Probeanbau empfohlen, Agro Espirito (S 210) in allen Niederungslagen. Im Norden und den Höhenlagen erhalten darüber hinaus die Sorten LG 31227 (S 210) und Rancador (S 210) eine Empfehlung zum Probeanbau.

Sorten für die Biogasnutzung

Seit 2017 beschreibt das Bundessortenamt die Merkmale Biogasertrag und spezifische Biogasausbeute der Maissorten (nach Rath et al.). Bei der Berechnung der sortenspezifischen Biogasausbeute fließen die Gehalte an Lignin, Hemicellulose, Rohfett und reduzierendem Zucker ein.

 Als eine Besonderheit des Jahres 2018 kann diesbezüglich festgehalten werden, dass, bedingt durch die außergewöhnlich schnelle Abreife, weniger unverdauliches Lignin gebildet wurde und somit höhere Gehalte leichter vergärbarer Hemicellulose vorhanden waren. Dies war auch in einigen Beständen an deren frühzeitigem Zusammenbrechen zu beobachten.

Für eine gute Biogassorte ist neben einer hohen TM- Ertragsleistung das Erzielen eines möglichst hohen Biogasertrags anzustreben. Dieser ist das Produkt aus sortenspezifischer Biogasausbeute und dem TM-Ertrag. Seit letztem Jahr bilden diese beiden Ertragsmerkmale die Basis für die Biogassortenempfehlungen der LWK. Eine Anbauempfehlung bekommt eine Sorte, wenn zusätzlich zu einem hohen TM-Ertrag auch ein bestimmter Mindestertrag an Biogas oder umgekehrt erreicht wird.

Nach dieser Maßgabe haben die Sorten Keops (S 210), Amanova (S 210) und LG 30248 (S 220) niedersachsenweit eine Empfehlung für den Anbau als Energiemais erhalten. Die Sorte Susetta (S 220) wird in allen Niederungslagen empfohlen, Milkstar (S 220) in den Regionen Nord und Ost. Die Sorte KWS Stabil (S 200) hat eine Anbauempfehlung für die Regionen Nord, Ost und Höhenlagen erhalten, Ridley (S 210), Cathy (S 210) und LG 31211 (S 210) jeweils für die Höhenlagen. Darüber hinaus sind im Norden die Sorte Kraftwerk (S 220) und im Süden die Sorten Sumatra (S 220) und SY Amboss (S 220) als ebenfalls mehrjährig geprüfte Sorten empfohlen.

In diesem Jahr wurden viele ertragsstarke Sorten neu zugelassen. Daher wurden die Sorten KWS Stefano (S 210), Kaprilias (S 210), LG 31227 (S 210) und Rancador (S 210) niedersachsenweit, und Agro Espirito (S 210) in allen Regionen mit Ausnahme der Höhenlagen für den Probeanbau empfohlen. Erfreulich ist hierbei, dass diese Sorten gleichzeitig gute Futterqualitäten aufweisen bzw. zum Teil auch eine Körnermaisempfehlung erzielt haben (siehe Nr. 43.)

Von den Maissorten des mittelfrühen Sortiments (siehe Nr. 46) werden die mehrjährig geprüften Sorten Benedictio KWS (S 230) und LG 30244 (S 230) für die Biogasnutzung in Höhenlagen empfohlen.

Der Zuchtfortschritt bei Mais bleibt aus den Versuchsergebnissen der Landessortenversuche weiterhin klar erkennbar. Neben dem Faktor Sorte gilt es vordergründig alle anderen Einflussfaktoren auf den Ertrag des Standortes zu optimieren, um das mögliche Ertragspotential der aktuellen Genetik auch nutzen zu können.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
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Stand: 13.12.2018