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Wie den Mais richtig „betten“?

Nach dem Dürrejahr 2018 stellt sich vielfach die Frage, was hätte besser gemacht werden können. Wäre eine reduzierte Bodenbearbeitung vielleicht doch richtiger gewesen? Wurden Fehler bei der Düngung gemacht? Das spezielle Jahr 2018 lässt viele Landwirte ihre bisherige Anbaupraxis überdenken. Im Schnitt wurden um ca. 25 - 30 % geringere Silomaiserträge gegenüber den vorherigen Jahren erzielt.

 

Im letzten Jahr waren viele Ackerflächen erst spät bearbeitbar, da vielfach eine deutlich zu hohe Bodenfeuchte vorherrschte. Dann kam der unerwartete Wetterumschwung, der die Böden schnell abtrocknen ließ – zu schnell, wie sich zeigen sollte. Schwerere Böden bildeten häufig ein klutiges Saatbett, insbesondere, wenn im Frühjahr noch gepflügt wurde. Die Folge waren schlechte Feldaufgänge und zu geringe Bestandesdichten, da die erforderlichen Niederschläge nach der Saat ausblieben. Bei Mulchsaatbeständen wurde in der Regel ein feineres Saatbett und damit auch ein besserer Feldaufgang erreicht. Die Rückverfestigung nach der Bearbeitung und Saat war häufig von entscheidender Bedeutung, um die für die Keimung notwendige Bodenfeuchte zu sichern. Aus dieser extremen Vorjahressituation lässt sich ableiten, dass auch bei vermeintlich feuchten Aussaatbedingungen die Verdunstung aus dem Boden heraus möglichst minimiert werden sollte - und das bei allen Bodenarten.

Bodenbearbeitung allgemein

Das Ziel, einen gut rückverfestigten und abgesetzten, feinkrümeligen Saathorizont zu schaffen, ist allen Bodenbearbeitungsverfahren gemein. Die Oberfläche sollte dabei einen gewissen Anteil gröberer Bestandteile aufweisen, damit es nicht zu Verschlämmungen und Verkrustungen an der Oberfläche nach stärkeren Niederschlägen kommt.

Ab 8° C Bodentemperatur keimt Mais und beginnt aufzulaufen; doch je höher die Bodentemperatur, desto besser und zügiger ist auch die Jugendentwicklung und desto geringer die Gefahr von Pflanzenausfällen. Die bessere Durchlüftung des Bodens nach einer Bearbeitung, insbesondere nach einem Pflugeinsatz, fördert dabei die Bodenerwärmung.

Zu bedenken ist jedoch, dass jede Bodenbearbeitung einen zusätzlichen Verlust an Bodenfeuchte bedeutet. Die Kenntnis über die Standorteigenschaften sollte daher über das Bearbeitungsverfahren und die Intensität entscheiden. Unterschiede in der Jugendentwicklung durch das Bodenbearbeitungsverfahren sind nur bei einem kühlen Frühjahr deutlich zu beobachten. In Jahren mit hohen Frühjahrstemperaturen gibt es diese kaum. Um Bodenabtrag durch Winderosion zu vermeiden, ist es ratsam, das Saatbett nicht zu fein herzurichten bzw. Vor- und Zwischenfruchtreste nicht vollständig einzuarbeiten (Mulchsaat).

Nichts überstürzen, Verdichtungen vermeiden!

Abhängig von Witterung, Spätfrostgefahr und Befahrbarkeit der Böden liegt der optimale Aussaattermin zwischen Mitte April und Anfang Mai. Doch sollten sich Bearbeitung und Aussaat nicht nur am Kalender orientieren, sondern sich grundsätzlich nach der Befahr- und Bearbeitbarkeit der Ackerflächen richten. Besonders bei der Ausbringung der organischen Düngung und der Bodenbearbeitung aber auch noch zur Saat selbst ist darauf zu achten, Bodenverdichtungen möglichst zu vermeiden.

Zu überdenken ist hierbei auch die Bereifung des Säschleppers bzw. die Anordnung/Auslegung des Maislegegeräts: Häufig wird genau in den Schlepperspuren eine Maisreihe platziert, was in den betroffenen Reihen oftmals zu deutlichen Ertragseinbußen führt. Bei 20% Minderertrag durch Reihenbefahrung bedeutet dies für den gesamten Bestand schon 5% Ertragsverlust bei der Saat (bei 6 m Arbeitsbreite).

Saatstärke und –tiefe

Als Richtwert für die Saattiefe gelten bei Mais 5 cm. Je nach Aussaatbedingungen kann hiervon leicht abgewichen werden. Bei nachfolgend sehr trockenen und warmen Witterungsbedingungen sollte besonders bei leichten Böden um ein bis max. zwei Zentimeter tiefer gesät werden.

Je feuchter und wärmer der Boden ist, desto flacher kann der Mais abgelegt werden, wodurch ein zügigeres Auflaufen erreicht wird. Die Saattiefe kann dann auf 4 cm, bei sehr ebenem und gleichmäßigem Saatbeet sogar auf 3 cm reduziert werden. Die Ablage sollte jedoch immer in den feuchten Bodenhorizont erfolgen, um ein gleichmäßiges Keimen zu gewährleisten und Nachaufläufer zu vermeiden. Die Ablagetiefe der Unterfußdüngung muss dann jeweils mit angepasst werden.

Die Bestandesdichte orientiert sich an der zu erwartenden Wasserversorgung des Standortes. Silomais wird in der Regel mit ca. 9 Pfl./m² gesät, wobei die Saatstärke bei schlechter Wasserversorgung um eine Pflanze reduziert und bei guter Wasserführung des Bodens um eine Pflanze erhöht werden sollte. Frühe Sorten können häufig mit einer Pflanze mehr ausgesät werden, während bei späten Sorten eher um eine Pflanze reduziert wird. Diese Zu- und Abschläge können, je nach Standort, durchaus addiert werden. Auf spezielle Unterschiede in Bezug auf Sortentyp und besondere Eigenschaften einzelner Sorten, weisen die Informationen der Züchter i.d.R. hin.

Besonders viele Flächen mit Grünfuttervornutzung

In diesem Frühjahr stellt sich die Frage nach der richtigen Bodenbearbeitung besonders nach einer Zwischenfruchtvornutzung. In viele jetzt zur Maisaussaat anstehende Ackerflächen wurde im letzten Sommer/Herbst Gras oder Wintergetreide zur Schnittnutzung vor Mais gesät, um für den Sommer fehlendes Grundfutter bereitzustellen.

Bodenbearbeitung den Wasserreserven anpassen

Je nach weiterer Witterungsentwicklung sollte die nachfolgende Bodenbearbeitung an das Wasserangebot angepasst werden.

Wenn die Bedingungen bis zur Grünfutterernte Ende April bis Mitte Mai weiterhin feucht bleiben, kann ggf. sogar ein Stoppelumbruch mit dem Pflug erfolgen. Hierbei ist dann trotzdem eine möglichst gute Rückverfestigung mit einzuplanen, da dieses Verfahren den größten Verlust an Bodenfeuchtigkeit mit sich bringt.

Vor diesem Hintergrund sollte bei trockenerem Witterungsverlauf besser auf eine intensive Bodenbearbeitung verzichtet werden.

Um einen Eindruck über die verbliebene Feuchtigkeit im Boden zubekommen, kann man diesen mit dem Spaten aufgraben. Der Nachteil der langsameren Bodenerwärmung bei Mulchsaaten wiegt bei Aussaatterminen ab Anfang/Mitte Mai i.d.R. weniger schwer, da dann die Bodentemperaturen insgesamt schon höher sind.

In Anbetracht dessen, dass die meisten Böden nach dem besonderen Vorjahr keine starken Strukturschäden aufweisen dürften, kann über eine reduzierte Bodenbearbeitung nachgedacht werden. Bei guter Bodenstruktur könnte auch eine alleinige Bearbeitung mit einer Scheibenegge ausreichend sein, um organische Dünger einzuarbeiten und ein Saatbeet herzurichten. Dieses lässt sich außerdem auch durch Streifenbearbeitung (sog. Striptill) erreichen. Hierbei wird nur der Bereich der späteren Saatreihe bearbeitet während der Zwischenreihenbereich (ca. 2/3 – ¾ der Oberfläche) unbearbeitet bleibt. Die Streifenbearbeitung zu Mais bietet sich insbesondere nach einer Grünfuttervornutzung an, da durch dieses Verfahren die Bodenwasservorräte noch stärker geschont werden. Die organische Düngung wird bei diesem Verfahren in den Bearbeitungsstreifen injiziert und sollte als Düngerdepot optimal 5 – 7 cm unterhalb des Saathorizonts platziert werden.

Wichtig ist jedoch, unabhängig vom Bearbeitungsgerät, dass immer eine gute Rückverfestigung erfolgt.

Nach Gras- oder Getreidevornutzung sind die Stoppel vor einer angestrebten Mulchsaat mit einem nicht selektiven Herbizid zu behandeln, da ansonsten mit starkem Gräserdruck zu rechnen ist. Die nachfolgende Bearbeitung sollte bei Einsatz entsprechender Produkte bereits nach zwei Tagen erfolgen, um möglichst wenig Vegetationszeit für den Mais zu verlieren. Durch die Zwischenfruchtnutzung wird die Maisaussaat um ca. zwei Wochen verzögert. Hierauf sollte auch bei der Sortenwahl reagiert werden, indem empfohlene Sorten mit einer um ca. 30 Reifegrade niedrigeren Reifezahl ausgesät werden (z.B. Sorte „B“, S 210 anstatt Sorte „A“, S 250).

Zu Bedenken ist in jedem Falle, dass Gras- oder Getreidevornutzung mit einem erheblichen Wasserverbrauch einhergehen. Bei frühzeitiger trockener Witterung ab Anfang April sollte sich zumindest auf leichten Standorten auch die Frage gestellt werden, ob die heranwachsende Zwischenfrucht ggf. ohne Futternutzung frühzeitig abgetötet/eingearbeitet werden sollte, um in der Folge der Hauptfrucht Mais mehr Wasser zur Verfügung stellen zu können und diese auch früher säen zu können.

Zahlreiche Versuchsergebnisse haben gezeigt, dass z.B. Grünschnittroggen die Vegetationszeit nach beginnendem Ährenschieben (ca. Ende April) deutlich schlechter in Ertrag umsetzt, als der nachfolgende Mais. Eine drohende Wasserknappheit verstärkt den Effekt deutlich.

Düngung

Die Obergrenzen der möglichen Düngung von Stickstoff und Phosphat werden durch die Düngebedarfsermittlung klar vorgegeben, die Anrechenbarkeiten beim Stickstoff jedoch nicht. Die Versuchsergebnisse zur Wirkung von Wirtschaftsdüngern zeigen für Mais und andere Hackfrüchte, dass Gülle oder Gärreste in der Regel Stickstoffanrechenbarkeiten von 70 %, mitunter mehr, erreicht werden.  Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich eine zügige Einarbeitung und eine insgesamt ausgeglichene, nicht überzogene Düngung.

Kalidüngung nicht vernachlässigen

Um eine bedarfsgerechte Kaliversorgung sicherzustellen ist die Kenntnis über die Inhaltstoffe der Wirtschaftsdünger unerlässlich. Nicht selten reichen auch beim Einsatz von Rindergülle die Kaligehalte nicht zur Bedarfsdeckung. Ein bis zwei Dezitonnen 40er Kali fehlen oft, welches bei Bodengehalten der Gehaltsklasse C und niedriger auch unbedingt mineralisch ergänzt werden sollte.

Unterfußdüngung, aber wie?

Bereits seit mehreren Jahren nimmt das Produktportfolio an Alternativen zur klassischen mineralischen NP-Unterfußdüngung spürbar zu. Viele Düngemittelhersteller bietet NP-haltige Mikrogranulatdünger an, mit denen nur geringe P-Mengen direkt im Saatband gedüngt werden. Auch im Angebot sind direkt an das Saatkorn abgebeizte Phosphatlösungen, die nur einige hundert Gramm Phosphor pro Hektar mitbringen. Andere Produkte versuchen über die Symbiose mit Bodenpilzen die Phosphatversorgung der jungen Maispflanzen zu verbessern. Auch werden vereinzelt P-haltige Blattdünger angeboten, die, ca. zwischen 3 und 6-Blattstadium eingesetzt, die Unterfußdüngungswirkung ersetzen sollen. Diese Aufzählung könnte sicher noch um einige vermeintliche Alternativen ergänzt werden.

Einige dieser Produkte wurden von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geprüft. Die NP-haltigen Mikrogranulatdünger haben in der Regel durchaus eine positive Wirkung auf die Jugendentwicklung des Maises. Die Effekte reichen aber oftmal weder optisch in der Jugend noch ertraglich zur Ernte an die mineralische Unterfußdüngung mit nur einer Dezitonne NP 20/20 heran. Sie erreichen eine Teilwirkung, etwa in Höhe der ausgebrachten Phosphatmenge.

Bei Kosten von ca. 50,- € bis 90,- € pro Hektar ist diese bei noch nicht einmal vollständigem Verzicht auf eine Phosphorzufuhr relativ teuer erkauft. Eine kostengünstigere Möglichkeit bestünde im Einsatz ähnlich niedrig dosierter NP-Unterfußdünger. Diese können entweder in entsprechend geringen Mengen noch vom Maislegegerät dosiert werden, oder sollten entsprechend gemischt werden. Ammoniumhaltige, ggf. geschützte Dünger sind hierbei bevorzugt als Mischpartner zu sehen.

Nährstoffbeizen, wie sie mittlerweile von vielen Züchtern mit angeboten werden, können allenfalls ergänzend zu einer reduzierten Unterfußdüngung gesehen werden. Durch alleinigen Einsatz von Nährstoffbeizen sind nur selten überhaupt Effekte auf die Jugendentwicklung nachzuweisen. Ein Ersatz der Unterfußdüngung durch diese ist nach bisherigen Versuchsergebnissen der LWK nicht möglich.

Die Beizung mit Mykorrhiza soll viele Vorteile für Boden, Bodenleben und Kulturpflanze bringen. Die Versuche der LWK Niedersachsen zeigten jedoch auch bei ausreichenden pH-Werten nur selten überhaupt eine Wirkung.

Gülleunterfußdüngung ersetzt Mineraldünger und erhöht die Nährstoffeffizienz

Ein besserer und gleichzeitig bilanzneutraler Weg ist die Unterfußdüngung mit Gülle, bei der das im Wirtschaftsdünger enthaltene Phosphat für die Förderung der Jugendentwicklung genutzt wird. Auf diese Weise kann nicht nur die P-Effizienz, sondern auch die N-Effizienz der Düngung noch weiter verbessert werden. Langjährige Versuche u. A. der LWK Niedersachsen zeigen, dass die Anrechenbarkeit des Stickstoffs aus der Gülle Werte von 80% erreichte. Zu erklären ist dies sicherlich nicht nur durch die bessere und schnellere Erreichbarkeit der Nährstoffe durch die Wurzeln, sondern auch durch die minimalen Stickstoffverluste während der Ausbringung, bei der die Gülle direkt eingearbeitet wird. Der Unterfußdüngungseffekt bei diesem Verfahren erreicht und übersteigt die Wirkung von einer Dezitonne 20/20 je Hektar.

Fazit…

  • Bei der Bodenbearbeitung keine Wasserreserven verschwenden und keine Verdichtungen riskieren.
  • Zur Saat das Erreichen von min. 8°C Bodentemperatur und warme Wetterprognose abwarten
  • Saattiefe und Bestandesdichte an Standortbedingungen anpassen
  • Bei Gras- oder Getreidevornutzung ggf. auf Pflug verzichten und Stoppelbehandlung einplanen.
  • Bei der Sortenwahl nach Schnitt-Vornutzung niedrigere Reifegruppe wählen.
  • Keine Experimente bei der Unterfußdüngung, entweder weniger P düngen oder Wirtschaftsdünger als UFD einsetzen.

Dammsaat:

Die Aussaat von Mais auf Dämmen ist zwar nicht neu, gewinnt aber in den letzten Jahren regional wieder stärker an Bedeutung. Das hierbei verfolgte Konzept verbindet die Arbeitsschritte Tiefenlockerung (bis 45 cm), Dammformung und Maisaussaat miteinander.

Die Praxiserfahrungen zeigen, dass sowohl durch die Tiefenlockerung als auch durch den Dammanbau der Mais vor temporär auftretender Staunässe bewahrt werden kann. Gleichzeitig kann von einer verbesserten Bodenerwärmung im Damm ausgegangen werden, was gerade bei kühler Frühjahrswitterung von Vorteil sein dürfte. Auf eine Unterfußdüngung zur Förderung der Jugendentwicklung sollte dennoch nicht verzichtet werden.

Bei ausgeprägter Frühjahrstrockenheit zeigen sich sowohl Vor- als auch Nachteile des Systems. Vorteilhaft ist die gute Durchwurzelbarkeit bis in tiefe, noch feuchte Bodenschichten, die der Mais durch die Tiefenlockerung erschließen kann.

Nachteilig kann eine nicht ausreichende Rückverfestigung im Damm sein, was häufiger bei schweren Böden und bei Einbringung von hohen Mistmengen oder Wurzelmasse in den Damm auftreten kann. In Verbindung mit Trockenheit reicht dann die Bodenfeuchtigkeit nicht mehr für Keimung und Jugendentwicklung des Maises. Im Notfall sollte dann nach der Saat besser gewalzt werden, als hohe Pflanzenausfälle zu riskieren.

Die Dammsaat ist ein pflanzenbaulich interessantes Verfahren, welches gerade auf schwierigen Standorten den Maisanbau effizienter gestalten kann, allerdings erfordert dieses Verfahren durchaus auch ein hohes Maß an Feingefühl für eine optimale Saat.


 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 12.04.2019