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Maisernte beginnt: kühle und feuchte Witterung vergrößert das Erntefenster

 

Der Wetterumschwung hin zu herbstlicheren Temperaturen und das Einsetzen von Niederschlägen verlangsamt die rasante Abreife der Maisbestände und sorgt damit für ein vergrößertes Erntefenster.

 

Im südlichen und östlichen Niedersachsen sind unberegnete Silomaisflächen, mittelspäte Sorten ausgenommen, vielfach erntereif oder werden es in Kürze sein. Mittelspäte Sorten brauchen ca. eine Woche länger, um die Silierreife zu erreichen.

Zweitfruchtmais und kolbenarme Bestände

Der Zweitfruchtmais nach Gras oder Grünroggen braucht i.d.R. noch etwas länger bis zur Erntereife und muss die Saatzeitverzögerung durch die Vornutzung im Frühjahr jetzt im Spätsommer noch anhängen.

Für trockengeschädigte Flächen mit häufig geringen Kolbenanteilen bedeuten die einsetzenden Niederschläge stagnierende bis rückläufige TS-Gehalte und somit nach wie vor die Gefahr von Sickersaftbildung. Auch augenscheinlich stark abgereifte bzw. vertrocknete Bestände mit vielen abgestorbenen Blättern können, sofern noch etwas Leben in den Pflanzen steckt, ihr Mark noch mit Wasser vollsaugen!

Die Maisreifeprüfung der LWK Niedersachsen kann die TS-Gehalte in solchen Beständen nur sehr eingeschränkt darstellen, da diese sehr stark von den erreichten Kolbenanteilen abhängen. Die in der Standorttabelle rot abgedruckten TS-Werte stammen aus Parzellen, die eindeutig kolbenarm sind, was aber nicht heißt, dass jede Beprobung auf vergleichbaren Kolbenanteilen beruht. Auch andere Abreife- und Prognosemodelle haben mit der erreichbaren Genauigkeit zu kämpfen. In solchen Situationen sollten sich die Bewirtschafter unbedingt zusätzlich einen möglichst detaillierten Eindruck ihrer Bestände verschaffen und diese genau prüfen.

Da die Erntereife vielfach ohnehin schon erreicht ist, bzw. in kürze erreicht wird, geht es zum jetzigen Zeitpunkt geht es dabei weniger um den Erntetermin, sondern um eine Risikoabschätzung bezüglich des Auftretens von Sickersaft. Dieser muss unbedingt gebunden oder sachgerecht aufgefangen werden.

Ernte beginnt im Süden und Osten

Die Abreifesituation normal entwickelter Bestände stellt sich in Niedersachsen so dar, dass die Silierreife von Süden nach Norden innerhalb von rund drei bis vier Wochen erreicht werden wird. Im Süden und Osten befinden sich frühe und mittelfrühe Sorten ohne Beregnung bereits im optimalen Erntebereich. Auch erste beregnete Bestände können schon gehäckselt werden. Im Norden und in den Höhenlagen erreichen zeitig gesäte Bestände mit frühen Sorten in diesen Tagen die Silierreife. Mittelfrühe Sorten werden dies ab der kommenden Woche geschafft haben. Noch spätere Sorten machen in diesen Regionen zwar selten Sinn, erreichen aber in diesem Jahr ebenfalls relativ früh die angestrebten TS-Gehalte, und dass schon ab dem 20. September.

Die Region mit dem spätesten Erntebeginn ist die Küstenregion. Hier kann in diesem Jahr nur der Marschstandort Wirdum für eine Reifeprognose genutzt werden. Es zeigt sich deutlich der Effekt des kalten Bodens, welcher für eine noch spätere Abreife sorgt. Infolge der hohen Temperaturen des zurückliegenden Sommers reifen diese Bestände gut ab und erreichen die Silierreife gegen Monatsende, bzw. bei mittelfrühen Sorten oder späteren Saatterminen (Anfang bis Mitte Mai) ab Anfang Oktober.

Problematische Grundfutterversorgung

Gerade auf Standorten mit guter Wasserführung werden in diesem Jahr beste Maiserträge erwartet und von den Landwirten ersehnt, denn die Trockenheit des Sommers hat selbst auf schweren Böden erneut für deutlich unterdurchschnittliche Graserträge gesorgt. Der Mais stellt hier oft die zweite wichtige Grundfutterquelle dar, so dass große Hoffnungen in die Erträge gesetzt werden.

Auf leichteren Standorten ist die Situation in der Grundfutterversorgung ebenfalls sehr angespannt. Hier stellt Mais häufig die überwiegende Grundfutterquelle dar, doch die Bestände auf leichten Böden haben nicht selten deutlich unter der Trockenheit gelitten. Folge sind hier im Wuchs zurückgebliebene, kleine Bestände und noch häufiger kolbenarme Bestände.

Reaktionsmöglichkeiten bei Futtermangel

Während oder nach der Ernte sollte möglichst exakt der Gesamtertrag ermittelt und der Grundfutterbedarf geplant werden, damit nötigenfalls noch reagiert werden kann. Ist schon jetzt absehbar, dass der Vorrat nicht reichen wird, kann ggf. noch Mais ab Feld zugekauft werden. Hierfür könnte es auch interessant sein, Körnermaisanbauer gezielt anzusprechen.

Nach der in diesem Jahr recht frühen Maisernte kann erneut über den Anbau von Futterzwischenfrüchten wie Ackergras oder Grünroggen nachgedacht werden, auch, wenn die Erfahrungen mit dem dann nachfolgenden Mais in diesem Jahr häufig nicht gut waren. Auch das „verlängern“ der Rationen mit Futterstroh kann ein Teil der Lösung sein.

 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 11.09.2019



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