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LSV Körnermais 2019 – Auf mehrjährige Ergebnisse achten

Die Witterung hat 2019 erneut dem Mais viel abverlangt. Für eine Anbaudiversifizierung enger Fruchtfolgen und auch bedingt durch die Düngeverordnung könnte der Anbau von Körnermais in Niedersachsen für manchen Betrieb interessant werden. Im Folgenden werden die Ergebnisse der LSV Körnermais vorgestellt.

Die im zweiten Jahr in Folge herrschende Trockenheit führte wie 2018 so auch 2019 zu einer Verschiebung der ursprünglich geplanten Nutzung der gesäten Maisbestände. Insbesondere in den rindviehhaltenden Regionen, aber auch darüber hinaus wurden Körnermaisflächen vorzeitig als Silomais beerntet. Von den laut GAP-Anträgen gemeldeten gut 72.000 ha ist voraussichtlich deutlich weniger als die Hälfte tatsächlich gedroschen worden. Die Aussaatplanung zahlreicher Landwirte wurde bereits durch das Trockenjahr 2018 dahingehend beeinflusst, dass vorgesehene Körnermaisflächen auch schon vor der Aussaat als Silomais eingeplant wurden, um die letztjährigen Grundfutterlücken wieder zu schließen.

 

Auch 2019 ein schwieriges Jahr für den Maisanbau

Die Auswirkungen der Niederschlagsdefizite aus dem Vorjahr bekam der Mais vielfach noch 2019 zu spüren. Auf vielen Standorten wurden die Bodenwasservorräte bis zum Frühjahr nicht wieder aufgefüllt. Dies begünstigte einerseits eine problemlose Aussaat, andererseits konnten die Trockenperioden im Sommer nicht im gewohnten Maß durch Bodenwasserreserven aufgefangen werden.

Maisflächen, die vor Ostern ausgesät wurden, liefen in der Regel noch recht zügig auf, sofern genügend Feuchtigkeit im Boden vorhanden war. Etwas später ausgesäte Flächen hatten mit der ab Ende April einsetzenden und etwa drei Wochen anhaltenden Kälteperiode zu kämpfen. Der Auflauf verzögerte sich auf bis zu drei Wochen; insgesamt konnten sich aber zufriedenstellende Bestände entwickeln. Die verzögerte Jugendentwicklung führte letztlich dazu, dass der Mais später als im Vorjahr das Stadium der Blüte erreichte. Innerhalb Niedersachsens war wieder eine recht starke regionale Differenzierung festzustellen. Während früh gedrillte Bestände im südlichen Emsland zu Beginn der zweiten Julidekade die Blüte erreichten, war dieses im Raum Bremervörde oftmals 10 Tage später der Fall. Die Differenzierung der im Landessortenversuch (LSV) geprüften Sorten im Hinblick auf den Beginn der Blüte variierte um gut eine Woche, wobei nicht unbedingt die frühreifen Sorten gleichzeitig auch das Blühstadium als erstes erreichten. Während der Blüte, zum Teil auch bereits während des Fahnenschiebens herrschten sehr hohe Temperaturen um 40 °C, die das Schieben der Narbenfäden und damit die Befruchtung der Kolben negativ beeinflussten. Sorten, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer empfindlichen Phase befanden, konnten hier bereits beeinträchtigt worden sein.

Die ab Juni vor allem im nördlichen und östlichen Bereich einsetzende Trockenperiode erschwerte vor allem auf den leichteren Standorten die Kolbenentwicklung des Maises. Diese auf zahlreichen Standorten bis in den September anhaltende Trockenheit begrenzte entsprechend die Ertragsleistungen. Aufgrund schwacher Kolbenausbildung wurden viele Praxisbestände dann auch bereits vorzeitig als Silomais beerntet. Die sich zu diesem Zeitpunkt abzeichnende Futterknappheit führte dazu, dass zusätzliche Körnermaisflächen vorzeitig als Silagen geerntet wurden.

Versuchsstandorte

Um dem zunehmenden Wunsch der Anbaudiversifizierung den Ackerbauregionen Rechnung zu tragen, wurden mit den Standorten Cramme (LK WF) und Göttingen zwei zusätzliche Versuchsstandorte angelegt. Zusammen mit dem bereits installierten Standort Poppenburg (LK HI) sowie durch die Einbeziehung des NRW-Standortes Haus Düsse stehen für diese Anbauregion Südöstliches Niedersachsen aussagekräftige Ergebnisse zur Verfügung, die unter anderem durch Wertprüfungen am Standort Einbeck ergänzt werden. Dadurch bietet sich die Möglichkeit zusätzliche Ergebnisse der Vorjahre mit einfließen zu lassen. Die Anbauregion Südliches Weser-Ems wird durch die langjährigen Standorte Astrup, Essen, Lohne-Wietmarschen und Borwede sowie den NRW Standort Ostenland-Delbrück dargestellt. Auch in dieser Anbauregion kann für die mehrjährige Verrechnung auf weitere Vorprüfungsstandorte mit Wert- bzw. EU-Prüfungen zurückgegriffen werden. Etwas problematisch ist die Datenbasis für die nördliche Anbauregion Weser-Elbe, da die beiden Standorte Wehnen (WST) und Rockstedt (ROW) trockenheitsbedingt 2019 nicht berücksichtigt werden konnten. So wurden in die aktuelle Auswertung die angrenzenden Standorte Borwede, Astrup, Cramme und Poppenburg, die zum Teil auch durch die Trockenheit beeinflusst wurden, einbezogen. Bei der Sortenbeurteilung sollten insbesondere für diese Anbauregion vornehmlich die mehrjährigen Ergebnisse betrachtet werden, da darin die für die Region repräsentativen Standorte und Vorprüfungsergebnisse mit einbezogen sind.

2019 wurden in den Landessortenversuchen insgesamt 53 Sorten geprüft, die sich in der Reifezahl zwischen K 190 bis zu K 250 bewegen. Da in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Sorten vom Bundessortenamt zugelassen worden sind, wurde versucht diese weitestgehend auch im LSV zu prüfen. Auf Grund der schwierigen Sortenbeurteilung im vergangenen Jahr wurde vielen der 2017 und 2018 neu hinzugekommenen Sorten die Möglichkeit eines weiteren Prüfjahres eingeräumt. 2019 sind wieder 17 neue Sorten aufgenommen worden. Künftig muss jedoch Ziel sein, den Prüfumfang deutlich zu reduzieren, um sich auf die relevanten Prüfkandidaten zu konzentrieren und damit die Sortenbeurteilung überschaubarer zu machen.

In Niedersachsen begann die Körnermaisernte in diesem Jahr vielfach ab Mitte Oktober, Bestände für die CCM-Nutzung wurden entsprechend früher gedroschen. Die Versuche wurden tendenziell etwas später beerntet, sodass die Restfeuchtgehalte sich im Mittel der einzelnen Standorte im Bereich unterhalb von 35 % bewegten. An dem südöstlichen Standort Cramme wurden alle Sorten unterhalb von 25 % Restfeuchte gedroschen. Die Ertragsleistungen der einzelnen Versuchsstandorte spiegeln in erster Linie die Wasserversorgung der Standorte und weniger die Bonität der Böden wider. So konnten an den südwestlichen Standorten Borwede, Essen sowie dem Standort Göttingen mit durchschnittlich über 140 dt/ha sehr gute Erträge erzielt werden. Hier fielen zur rechten Zeit entsprechende Niederschläge. Etwas anders sah es z.B. in Astrup und noch ausgeprägter auf dem mit 85 Bodenpunkten bonitierten Bördestandort Poppenburg aus, wo ab Anfang September die Bodenwasservorräte schlichtweg erschöpft waren. Die leider nicht in die Auswertung einfließenden Standorte Wehnen (95 dt/ha) und Rockstedt (75 dt/ha) hätten bei absicherbaren Ergebnissen sicherlich Hinweise auf die Trockentoleranz der Sorten geben können. Allerdings zeigt sich beim Quervergleich der Sorten zu den letztjährigen Ergebnissen auf Trockenstressstandorten nur sehr bedingt eine Übereinstimmung der Reaktionen. Entscheidend war, wie auch im vergangenen Jahr, in welchem Entwicklungsstadium die Sorten unter Trockenstress gerieten. Daher ist eine Ableitung der Ergebnisse auf künftige Trockenstressereignisse nur sehr bedingt möglich.

 

Sortenempfehlungen

Da zahlreiche Versuche insbesondere im Jahr 2018 aber auch 2019 durch die Sommertrockenheit beeinflusst wurden, sollten für die Sortenentscheidungen vornehmlich die mehrjährigen Ergebnisse herangezogen werden. Sorten, die sich unter unterschiedlichen Umweltbedingungen behaupten können, zeichnen sich durch eine entsprechende Robustheit aus. Hierzu ist es sehr hilfreich, dass durch das Verrechnungsverfahren auch Vorversuche aus Wert- und EU-Prüfungen der Vorjahre mit in die Sortenbewertung einfließen können. Neben dem Kornertrag sind jedoch weitere Parameter zu berücksichtigen. Was hilft der höchste Ertrag, wenn die Sorte deutliche Probleme in der Standfestigkeit aufweist. Entsprechend sind die agronomischen Parameter Lagerneigung und Stängelfäule wichtige Entscheidungskriterien bei der Sortenwahl. In Abhängigkeit von der Nutzungsrichtung spielt die Abreife der Sorten eine wichtige Rolle. Vor allem bei der Körnernutzung sind möglichst geringe Restfeuchten eine entscheidende Größe für die Wirtschaftlichkeit des Körnermaisanbaus. Unterschiede bei den Trocknungskosten aufgrund der Restfeuchtegehalte beeinflussen die Marktleistung entscheidend. Die Darstellung der bereinigten – sprich um die Trocknungskosten verringerten – Marktleistung fasst die Leistungsfähigkeit der Sorten ökonomisch gut zusammen und sie kann daher für die Sortenentscheidung sehr gut herangezogen werden. Offensichtlich etwas kornertragsschwächere Sorten können dieses Manko durch geringe Restfeuchte oftmals dann in der Marktleistung wettmachen. Zudem bieten früh abreifende Sorten mit geringen Restfeuchten eine deutlich höhere Sicherheit, vor allem in Jahren mit zögerlicher Abreife. Müssen später abreifende Sorten mit deutlich über 35 % Restfeuchte gedroschen werden, können die Trocknungskosten nochmals spürbar ansteigen. Ertragreiche und gleichzeitig später abreifende Sorten empfehlen sich daher vornehmlich für die Feuchtmais- oder CCM-Nutzung.

Zu den mit sehr früher bzw. früher Abreife zählen von den wenigstens zweijährig im LSV geprüften Sorten KWS Stabil und DKC 2684 sowie Amanova, Amavit, Santimo, KWS Stefano, Benedictio KWS, Agro Fides, DKC 2788 und Vitally. Bei den einjährig geprüften Sorten sind es SY Calo, Kovivio, P 7460 und Amello. KWS Stabil und KWS Stefano zeigten bei sehr starker Abreife (Restfeuchtegehalte von <30 %) stärkere Auffälligkeiten im Merkmal Stängelfäule und damit einhergehend in der Standfestigkeit. Daher sind die Anbauempfehlungen für diese beiden Sorten nur eingeschränkt ausgesprochen worden. Vergleichbar abreifende Sorten, wie z. B. DKC 2684 sind dann noch robuster im Stängel.

Als besonders standfest erwiesen sich die Sorten Agro Dentrico, ES Hubble, ES Hemingway, LG 31256, RGT Chromixx, Tonifi CS, Amaveritas, SY Impulse, LG 31276, DKC 2788, DKC 2684, RGT Multiplexx und P 8723.

Von den neuen Sorten konnten hier vor allem KWS Gustavius, die spät abreifende Sorte Farmoritz, Farmidabel, SY Glorius, Leguan und Kovivio überzeugen.

 

Für die Körnermaisnutzung werden aufgrund überdurchschnittlicher Ergebnisse in der bereinigten Marktleistung folgende Sorten empfohlen.

Amanova wird uneingeschränkt empfohlen aufgrund hoher Erträge, früher Abreife und mittlerer Standfestigkeit.   

Rigoletto: Die Sorte überzeugt mehrjährig durch hohe bis sehr hohe Kornerträge bei durchschnittlichem Abreifeverhalten. Es erfolgt eine eingeschränkte Empfehlung in allen Anbauregionen, da deutliche Schwächen in der Standfestigkeit zu beachten sind.

Agro Dentrico wird für den nördlichen und südöstlichen Bereich dank dort erzielter hoher Erträge bei gleichzeitig sehr guter Standfestigkeit empfohlen.

Amavit und Santimo erreichten im Norden und Westen gute Erträge bei geringen Restfeuchten. Die unterdurchschnittliche Standfestigkeit ist bei erstgenannter Sorte zu beachten.

LG 30244 überzeugte in der Bereinigten Marktleistung im Norden und Westen und wird daher dort empfohlen

KWS Stabil und KWS Stefano erreichten im Norden und Westen hohe Marktleistungen bei allerdings Schwächen in der Halmstabilität mit zunehmender Ausreife, wodurch die Empfehlung eingeschränkt ist. Dank der Frühreife wird KWS Stabil auch für den Süden empfohlen.

LG 30258, Benedictio KWS und ES Hubble zeichnen sich durch hohe Marktleistungen im Norden aus. Alle Sorten haben keine Schwächen in der Standfestigkeit und bei Benedictio KWS ist die für den Norden wichtige Abreife positiv hervorzuheben.

Agro Fides und LG 31256 sind standfest und zeigen eine hohe Marktleistung im Westen, während bei Rancador die Empfehlung wegen Schwächen in der Halmstabilität eingeschränkt erfolgt.

ES Hemingway, RGT Chromixx und die sehr früh abreifende Sorte DKC 2684 werden für den südöstlichen Bereich empfohlen. Alle Sorten sind standfest.

 

Nutzungsrichtung CCM

Bei diesen Verfahren haben die Restfeuchtegehalte für die Sortenbeurteilung nicht die entscheidende Bedeutung. Daher stehen hier vornehmlich die kornertragsbetonten Sorten mit guter Standfestigkeit im Vordergrund.

Folgende Sorten erhalten hier eine Empfehlung:

SY Impulse überzeugte ertraglich in allen Anbauregionen und ist zudem sehr standfest aber spät abreifend.

Rigoletto und Serveza werden bei hohen Erträgen aufgrund der höheren Lagergefahr eingeschränkt empfohlen.

Agro Dentrico und LG 30258 überzeugten ertraglich und agronomisch in den Anbauregionen Norden und Westen.

ES Hemingway erhält für den nördlichen und südlichen Bereich eine Anbauempfehlung.

LG 30244 lieferte im Norden, Amavit und LG 31256 im Westen sowie Quentin, LG 31276 und Mojagger im Süden hohe Kornerträge.

 

Empfehlung für den Probeanbau in beiden Nutzungsrichtungen

Farmoritz überzeugte in diesem Jahr durch sehr hohe Kornerträge und sehr gute Standfestigkeit auf allen Standorten. Sie zeigte daher zumindest in diesem Jahr eine hohe Konstanz. Zu beachten sind die recht hohen Restfeuchtegehalte, die unter schwierigen Abreifebedingungen gerade auf kühlen Standorten zu berücksichtigen sind.

SY Calo überzeugte durch hohe Erträge und dank geringer Restfeuchten erhält sie generell für den Probeanbau in der Körnernutzung eine Empfehlung, während diese für die CCM-Nutzung vorerst für den Norden ausgesprochen wird.

KWS Gustavius zeigte vor allem im Norden überdurchschnittliche Leistungen in beiden Nutzungsrichtungen bei gleichzeitig sehr guter Standfestigkeit.

Farmidabel und Landlord erhalten für den südöstlichen Bereich für den Probeanbau eine Empfehlung in beiden Nutzungsrichtungen, die bei LG 31238 für den westlichen Bereich ausgesprochen wird.

 

Fazit

Die Körnermaisprüfungen in Niedersachsen belegen, dass dank der intensiven Züchtung auch für diese Nutzungsrichtung sehr ertragsstarke Sorten für den Anbau zur Verfügung stehen. Dies trifft sowohl für die Ertragsleistungen als auch für weitere agronomische Merkmale wie Abreife und Pflanzengesundheit zu. Die vergangenen Jahre haben dem Mais durch sehr unterschiedliche Witterungsbedingungen sehr viel abverlangt. Daher sind vor allem Sorten anbauwürdig, die unter unterschiedlichen Voraussetzungen konstante Leistungen zeigen. Die Wahl der Sorten sollte daher auf mehrjährigen Ergebnissen basieren.

Das Leistungsvermögen des Körnermaises wurde auch in diesem Jahr in den Ackerbauregionen untermauert. Bei dem eingangs erwähnten Wunsch zur stärkeren Anbaudiversifizierung kann Körnermais sicherlich einen wichtigen Beitrag leisten. Insbesondere unter den Vorgaben der neuen Düngeverordnung ist der Mais, wie auch die Zuckerrübe, am ehesten in der Lage mit reduzierten N-Düngergaben noch hohe Erträge zu erzielen.

Die Chancen stehen daher gut, dass in Niedersachsen die Körnermaisfläche weiter ansteigen wird, vor allem auch, wenn durch ausreichende Grundfutterversorgung in den rindviehhaltenden Regionen die geplanten Körnermaisflächen auch als solche geerntet werden.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 25.11.2019