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LSV-Ergebnisse Silomais, frühe Sorten

 

Die vergangenen zwei außergewöhnlich trockenen Jahre hielten insbesondere für Rinderhalter und Biogasbetriebe große Herausforderungen bereit. Ein Grund mehr, auch die Sortenwahl bei Mais zu überdenken.

Nach dem Dürrejahr 2018 waren viele Getreide-und auch Maisflächen noch im Spätsommer mit Gras oder Grünroggen bestellt. Diese Bestände entwickelten sich in der Regel während des milden Winters hervorragend. Auch die Frühjahrswitterung passte gut zu den Futterzwischenfrüchten und ermöglichte eine frühe Ernte. So verschob sich der Aussaattermin des nachfolgenden Maises kaum. Der sehr kühle Mai bremste die Entwicklung von früh gesäten Maisbeständen ohne Vornutzung aus, so dass bis Mitte Juni kaum Unterschiede in der Entwicklung zu beobachten waren. Durch die hohen Temperaturen ab Juni änderte sich dies. Auf den Flächen mit einer Schnittvornutzung ging dem Mais häufig sehr schnell das Wasser aus.

Der Bestandsschluss wurde mancherorts kaum erreicht und die Pflanzen kümmerten im Wuchs. Auf manchen Flächen war bereits Anfang Juli klar, dass der Mais kaum Ertrag liefern würde. Doch auch Bestände, die sich relativ normal entwickelten, waren kein Garant für eine ausreichende Futtergrundlage. Nicht selten kam es infolge mangelhafter Befruchtung zu einer geringen Kolbenausbildung. Der Grund für dieses Phänomen liegt zum einen im Wassermangel zur Blüte bei gleichzeitigen sehr hohen Temperaturen, was die Bildung der Narbenfäden verzögerte. Zum anderen erreichten die Temperaturen in der letzten Julidekade über 40 °C, was zur Sterilität der zu diesem Zeitpunkt gebildeten Pollen und damit zu schlechter Kolbenbildung führte. In den Silagen ist dies besonders an ungewöhnlich niedrigen Stärkegehalten bei häufig unerwartet geringen TS-Gehalten zu erkennen. Die Trockenheit führte besonders im nördlichen und westliche Niedersachsen zu großen Ertragsdefiziten. Die Landessortenversuche (LSV) Silomais hatten zum Teil ebenfalls mit der schwierigen Witterung zu kämpfen. Die Versuchsstandorte Borgholt (LK WTM) und Ankelohe (LK CUX) waren so stark von schlechter (Kolben-) Entwicklung betroffen, dass eine Auswertung nicht möglich war. Dafür konnten für das nördliche Niedersachsen in diesem Jahr LSV-Ergebnisse für den gleichen Klimaraum aus Schleswig-Holstein herangezogen werden. Dieses Vorgehen ist bei entsprechender Datenverfügbarkeit üblich und wird auch in den anderen Anbauräumen so durchgeführt. In der Region Ost wird beispielsweise der Standort Beetzendorf (Sachsen-Anhalt) mit in die Auswertungen einbezogen, auch Standorte aus Nordrhein-Westfalen werden in den Regionen Süd und West mit verrechnet.

Die Anbaugebiete innerhalb Niedersachsens werden ab diesem Jahr etwas anders eingeteilt (siehe Grafik). Im Wesentlichen wurden die Regionen „südliches Weser-Ems“ und „schwere Böden Südhannovers“ in eigene Anbauräume getrennt. Der Bereich „südliches Weser-Ems“ heißt nun „Region West“.

Da die Grenzen zwischen den Anbauregionen fließend sind, wurde die südliche Grenze der Region Nord als Übergangsbereich gekennzeichnet. Letztlich kann der Landwirt vor Ort am sichersten einschätzen, zu welchem Anbaugebiet seine jeweilige Fläche am ehesten passt.

Ziel der LSV ist es für die jeweiligen Anbaugebiete, die genetische Ertragsfähigkeit der verschiedenen Sorten sowie weitere Eigenschaften zu beschreiben. Hierzu sind möglichst einheitliche Witterungsbedingungen vorteilhaft. So konnte aufgrund der großräumigen Trockenheit in 2018 die Trockentoleranz beschrieben werden (Internetseite der LWK-Nds., ergänzende Sorteninformationen). In 2019 war dieses Merkmal nicht eindeutig zu beschreiben, da sich die Niederschlagssituation zwar insgesamt mangelhaft, kleinräumig jedoch sehr differenziert darstellte.

Die Standorte der LSV Silomais kamen noch überwiegend gut mit der Witterung klar, nur die Versuche der genannten zwei Orte mussten verworfen werden. Nachdem nun auch die Analysen der Inhaltstoffe vorliegen (s. Kasten) und die Ergebnisse mehrjährig verrechnet wurden, liegen die Sortenempfehlungen für die frühe Silomaisreifegruppe vor.

Die Empfehlungen gliedern sich nach drei Nutzungsschwerpunkten. Für grasbetonte Grundfutterrationen in der Milchviehfütterung sollte die Silage eine möglichst hohe Energiedichte erreichen. Gleichzeitig dürfen Energie- oder Stärkeertrag nicht unterdurchschnittlich abschneiden. Für Milchviehrationen mit hohen Maisanteilen werden Sorten empfohlen, die hohe Energie- oder Stärkeerträge bei gleichzeitig nicht zu geringer Energiedichte liefern. Bei sehr hohen Maisanteilen sollte ein Überangebot von Stärke vermieden werden. Hier eignen sich einige Sorten mit hoher Verdaulichkeit bei gleichzeitig rel. geringem Stärkegehalt (siehe Tabelle Sortenratgeber/-empfehlungen). Für die Mast ist jedoch ein hoher Stärkegehalt durchaus anzustreben.

Doch auch andere Kriterien sind für die Sortenwahl entscheidend.

Zu allererst einmal muss der richtige Abreifetyp festgelegt werden. Je geringer die zu erwartende Temperatursumme ausfällt, desto frühreifer muss die Sorte sein, um reif zu werden. Höhere Reifezahlen bedeuten hierbei nicht automatisch höhere Erträge, da späteren Sorten nicht selten die Zeit zur Bildung eines Ertragsvorteils gegenüber Frühreiferen fehlt. Dies geht zu Lasten der Qualität, da bei zu später Abreife die Kolbenfüllung nicht mehr abgeschlossen wird. Als Faustzahl lässt sich festhalten, dass die am jeweiligen Standort angebauten Sorten gegen Ende September silierreif (32% TS) sein sollten. Langjährige Vergleiche der Reifegruppen an den LSV-Standorten belegen dies eindeutig. So sind beispielsweise an den Standorten Borgholt und Ankelohe im Mittel der Jahre frühe Sorten ertragsgleich mit mittelfrühen und qualitativ sogar im Vorteil, mittelspäte erreichen nur ein niedrigeres Niveau. Am Standort Rockstedt sieht dies schon ganz anders aus. Im rel. kühlen nördlichen Niedersachsen und allgemein in kühlen Lagen sollten daher die Sorten des frühen Sortiments die erste Wahl sein. Diese gewährleisten ein sicheres Erreichen der Silierreife bei guter Kolbenausbildung und hoher Qualität. Auch bei geplanter Futternutzung von Zwischenfrüchten wie Grünroggen oder Ackergras/Untersaaten ist daher der Anbau früher Sorten sinnvoll, denn diese können auch als Zweitfruchtmais noch hochwertiges Futter liefern.

Sortenempfehlungen Fütterung:

Qualitätsbetonte Sorten

Für die Ergänzung grasbetonter Grundfutterrationen werden niedersachsenweit die Sorten Amanova (S 210), Rancador (S 210), Keops (S 210) und Farmezzo (S 220) für den Anbau empfohlen, wobei die beiden erstgenannten auch im Bereich Biogas und Körnermais Anbauempfehlungen haben.

KWS Stefano (S 210) wird im Süden und den angrenzenden Höhenlagen auch als Qualitätstyp empfohlen, wie auch Ridley (S 210) für das südliche Niedersachsen und KWS Stabil (S 200) für die Höhenlagen eine Empfehlung aufgrund hoher Energiedichte erhalten haben. Im nördlichen Niedersachsen werden die Sorten LG 31227 (S 210), KWS Kaprilias (S 210) und DKC 2978 (S 190) für grasbetont fütternde Betriebe empfohlen. Für die Regionen Süd und West wird die Sorte Susetta (S 220) empfohlen. Im Norden, Osten und Westen hat die Sorte LG 31218 (S 210) eine Anbauempfehlung erzielt. Außer in der Region West wird auch die Sorte LG 31211 (S 210) als Qualitätssilomais in Niedersachsen empfohlen.

Für den Probeanbau werden die Neuzulassungen Landlord (S 220) niedersachsenweit, SY Skandik (S 220) in den vier Großregionen und SY Abelardo (S 220) für den Osten, Süden und Westen empfohlen. Die Sorte Agromilas (S 210) wird für den Süden und die Höhenlagen empfohlen sowie KWS Johaninio (S 210) für den Süden und Gatsby (ca. S 190) für die Höhenlagen.

 

Ertragsbetonte Sorten zur Fütterung

Bei hohen Maisanteilen in der Milchviehfütterung sind besonders die Energie- und Stärkeerträge bei gleichzeitig guter Energiekonzentration wichtige Parameter für eine hohe Flächeneffizienz.

Unter dieser Maßgabe werden die Sorten Amanova (S 210), KWS Stefano (S 210) und Rancador (S 210), niedersachsenweit für den Silomaisanbau empfohlen, bei allen dreien liegen auch Körnermaisempfehlungen vor, so dass eine flexible Nutzung möglich ist. Die Sorte LG 30248 (S 220) und SY Talisman (S 220) werden in den Regionen West und Süd empfohlen, letztere auch in den Höhenlagen. Mantilla (S 210) wird im Süden, Agro Fides (S 220) im Süden und im Norden für maisbetonte Rationen empfohlen. KWS Stabil (S 200), Kaprilias (S 210) und Amavit (S 210) werden im nördlichen Niedersachsen empfohlen, ersterer ebenfalls im östlichen Niedersachsen, letzterer auch in den Höhenlagen. Auch Keops (S 210) hat in den Höhenlagen für maisbetonte Rationen eine Anbauempfehlung erhalten.

Von den 13 neuen Prüfsorten in diesem LSV-Sortiment wird KWS-Johaninio (S 210) bei hohen Maisanteilen in der Futterration in den Regionen Nord und Süd für den Probeanbau empfohlen. SY Skandik (S 220) wird im Westen und Süden zum Testen empfohlen. SY Abelardo (S 220) erlangte die Anbauempfehlung im ersten Jahr für den Süden. Die Sorte Agromilas (S 210) hingegen erreichte diese in fast ganz Niedersachsen, außer in der Region Süd.

 

Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Seit 2017 beschreibt das Bundessortenamt die Merkmale Biogasertrag und spezifische Biogasausbeute der Maissorten (nach Rath et al.), die seitdem auch in unserer Biogas-Sortenempfehlung berücksichtigt werden. Für die Berechnung der sortenspezifischen Biogasausbeute sind die Pflanzeninhaltsstoffe Lignin, Hemicellulose, Rohfett und reduzierende Zucker relevant.

Eine gute Biogassorte sollte insgesamt einen möglichst hohen Biogasertrag erreichen. Dieser ist das Produkt aus sortenspezifischer Biogasausbeute und dem TM-Ertrag. Seit 2017 bilden diese beiden Ertragsmerkmale die Basis für die Biogassortenempfehlungen der LWK. Eine Anbauempfehlung bekommt eine Sorte, wenn zusätzlich zu einem hohen TM-Ertrag auch ein bestimmter Mindestertrag an Biogas oder umgekehrt erreicht wird.

In 2019 erhalten die Sorten Amanova (S 210), Rancador (S 210) und Keops (S 210) niedersachsenweit eine Empfehlung für den Anbau als Energiemais.

Die Sorten KWS Stefano (S 210) und KWS Kaprilias (S 210) werden in den vier großen Anbauregionen empfohlen, die Sorten Agro Espirito (S 210) und LG 31227 (S 210) in den Regionen Nord, Ost und West Niedersachsen.  Die Sorte Milkstar (S 220), die von ihrer Abreife in Richtung des mittelfrühen Segments tendiert, wird ebenso wie KWS Stabil (S 200) für die Region Nord empfohlen. Eine Anbauempfehlung für die Region Süd erhalten die Sorten LG 30248 (S 220) und die Sorte SY Amboss (S 220).

In diesem Jahr wurden wieder viele ertragsstarke neue Sorten zugelassen. Für den Probeanbau in 2020 werden daher niedersachsenweit die Sorten Agromilas (S 210), SY Leopoldo (S 220) und KWS Johaninio (S 210) empfohlen. Die Sorte Friendli CS (S 210) wird für die Regionen West und Süd sowie für den Anbau in den Höhenlagen probeweise empfohlen.

Mit der kommenden Ausgabe werden weitere LSV Ergebnisse und Sortenempfehlungen veröffentlicht.    

    


 

Späte Versuchsauswertungen trotz früher Ernte

Zur Erarbeitung von Sortenempfehlungen für Silomais wird jede LSV-Parzelle beprobt und die Inhaltstoffe werden mittels NIRS (NahInfraRotSpektroskopie) im Labor ermittelt. Somit durchlaufen nicht nur die Trockenmasseerträge, sondern auch die Inhaltstoffe eine vollständige statistische Auswertung, um entsprechend abgesicherte Aussagen treffen zu können.

Bei den diesjährigen NIRS-Analysen wurden technisch bedingte Abweichungen festgestellt, die nach aufwendiger Ursachenforschung dazu führten, dass sämtliche LSV-Proben einer Zweitmessung in einem anderen Labor des NIRS-Untersuchungsnetzwerks unterzogen werden mussten.

Die Qualität der Messungen hat für die LWK Niedersachsen höchste Priorität. Wir bitten die damit verbundene Zeitverzögerung von mehreren Wochen zu entschuldigen.

Die fehlerhaften NIRS-Analysen betreffen ausschließlich den Bereich der Mais-Sortenprüfungen, nicht den Bereich der Futtermittel- und Silageproben. Diese werden einer anderen Probenaufbereitung unterzogen und mit einer eigenen Kalibration für silierten Mais untersucht.


 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 16.12.2019



PDF: 32972 - 32.6220703125 KB   Maisanbauregionen NDS ab 2019   - 33 KB