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LSV Silomais, starke mittelfrühe Sorten

Die Mehrzahl der hiesigen Landwirte setzt auf Maissorten aus dem mittelfrühen Sortiment. Dieses wichtige Reifesegment passt gut zu den verbreiteten Geestflächen weiter Landesteile und gewährleistet auch auf den lehmigen Standorten Südniedersachsens hohe Erträge bei guten Qualitäten.

 

Dieser Bedeutung wird die LWK Niedersachsen durch entsprechend umfangreiche Landessortenversuche gerecht. Allein im Reifebereich von S 230 bis S 250 wurden in diesem Jahr 36 Sorten an 11 Standorten geprüft. Grundlage der Sortenempfehlungen sind mehrjährige Verrechnungen, der in einem Anbauraum vorliegenden Sortenversuche. Hierbei werden nicht nur LSV berücksichtigt, sondern auch Wertprüfungen (Zulassungsprüfungen) und EU Prüfungen. Somit stehen i.d.R. auch bei neu zugelassenen Sorten schon Daten aus mehr als einem Prüfjahr zur Verfügung. Um die trotzdem geringere Datengrundlage neuer Sorten zu berücksichtigen, müssen diese zur Erlangung einer Anbauempfehlung einen höheren Ertrags- bzw. Qualitäts-Schwellenwert erreichen. Neu im LSV aufgenommene Sorten sind in den Tabellen jeweils auch in einem separaten Teilbereich dargestellt.

Die Rangierung der Sorten in den Tabellen für die jeweiligen Anbauregionen wird absteigend anhand der Energieerträge vorgenommen.

Bei der Sortenwahl sollten die Betriebsleiter den Reifebereich ihrer auszuwählenden Maissorten mit Bedacht wählen, denn höhere Reifezahlen bedeuten nur dann höhere Erträge, wenn das standörtliche Klima dies auch ermöglicht. Da es insbesondere in der Milchvieh- und Bullenfütterung auf gut ausgereiften Mais mit hohen Qualitäten ankommt, sollte auch die Abreife möglichst genau beachtet werden. Die Reifezahl gibt indirekt an, welche Vegetationszeit (Temperatursumme) eine Sorte zum Erreichen der Silierreife (32 TS) benötigt. Sie wird im Rahmen der Zulassung auf Basis bundesweiter Versuchsdaten berechnet. Da die Sorten regional davon abweichend reagieren können, ist es ratsam, neben der Reifezahl auch in der Spalte „Abreife“ im Sortenratgeber das tatsächliche Reifeverhalten unter den niedersächsischen Bedingungen zu berücksichtigen. So gibt es S 230er Sorten mit sehr gutem Reifeverhalten (++), die in etwa so früh abreifen wie eine frühe Sorte mit S 220. Ebenso gibt es S 250er Sorten, welche eigentlich eher dem mittelspäten Sortiment zugeschrieben werden könnten (--) und für manchen Standort damit eigentlich zu spät sind.

Mittelfrühe Maissorten bieten theoretisch ein höheres Ertragspotential als frühe Sorten. An entsprechend günstigen Standorten erreichen sie dieses auch. Die Region Nord stellt diese günstigen Standorte nur bedingt bereit.

Allgemein empfehlen wir möglichst mehrere Sorten anzubauen und ca. 1/3 dieser pro Jahr zu wechseln. Wir empfehlen eine Sortenzusammenstellung aus Sorten mit offizieller Anbauempfehlung plus Sorten mit positiven betriebsindividuellen Erfahrungen. Auf diese Weise ist es auch möglich, auf einem Großteil der Anbaufläche die Vorzüge des Frühkaufs zu nutzen. Gleichzeitig minimiert man das Anbaurisiko, da verschiedene Sorten auf Witterungsextreme häufig unterschiedlich reagieren und Schwächen etablierter Sorten bereits schon bekannt sind.

Die Anbauempfehlungen für das mittelfrühe Silomaissortiment werden nach den bereits in der letzten Ausgabe der Land & Forst (S. 18 – 21) beschriebenen Kriterien ausgesprochen.

Qualitätsbetonte Sortenempfehlungen

Für Betriebe mit hohem Grasanteil im Grundfutter werden qualitätsbetonte Sorten mit hoher Energiekonzentration empfohlen. Aus dem mittelfrühen Prüfsegment sind dies niedersachsenweit die Sorten Benedictio KWS (S 230), ES Amulet (S 250), Kalideas (S 250) und LG 30244 (S 230). In den Regionen Nord und Ost werden die Sorten Farmfire (S 230) LG 30258 (S 240) und Santimo (S 240) für den Anbau empfohlen, letztere zusätzlich für die Region West.

Eine Empfehlung im Norden und Westen haben die Sorten Vitally (S 250) und Rigoletto erhalten, letztere auch in der Region Süd. Des Weiteren haben die Sorten LG 31256 (S 250) im Westen, Feuerstein (S 250) und ES Tourmaline (S 240) im Süden und Quentin (S 240) im Osten eine Anbauempfehlung enthalten.

Von den Neuzulassungen 2019 hat im mittelfrühen Sortiment keine Sorte die Anforderungen für eine Empfehlung zur Ergänzung grasbetonter Rationen erreicht.

Ertragsbetonte Sortenempfehlungen

Für Grundfutterrationen mit hohen Maisanteilen werden Sorten empfohlen, die besonders in den Merkmalen Stärke- und/oder Energieertrag hervortreten. Zusätzlich muss für eine Anbauempfehlung die Energiedichte ein mindestens durchschnittliches Niveau erreichen. Nach diesen Kriterien werden für die vier Großregionen Niedersachsens (siehe Karte) die Sorten ES Joker (S 250), Amaroc (S 230), Bernadino (S 240), Lindolfo KWS (S 240) und Benedictio KWS (S 230) für den Anbau empfohlen.

KWS Fabiano (S 230) und Feuerstein (S 250) werden in den Regionen Ost, West und Nord empfohlen, in letztgenannter Region auch die Sorte ES Amulet (S 250).

Im Süden und Osten erlangten die Sorten Amaveritas (S 240) und LG 31256 (S 250), letztere auch im Westen, eine Anbauempfehlung. LG 30258 (S 240) wird im westlichen und südlichen Niedersachsen zur Fütterung empfohlen. Im östlichen Niedersachsen liegen Anbauempfehlungen für die Sorten Rigoletto (S 250), Severeen (S 230), SY Welas (S 230), und Kalideas (S 250) vor. Letztere Sorte erreichte die Empfehlung auch für den Norden des Landes.  

Für den Probeanbau werden landesweit die Sorten LG 31238 (S 230) und LG 31245 (S 240) empfohlen. ES Bond (S 240) hat eine Empfehlung zum Probeanbau in den Regionen Süd, Ost und West erhalten. ES Palladium (S 250) wird im Süden empfohlen.

Sortenempfehlungen Höhenlagen

Die Höhenlagen in Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen stellen einen eigenen Klimaraum dar und werden für sich ausgewertet.

Sortenempfehlungen für diese besondere Region werden nur bis zur Reifezahl S 230 ausgesprochen.

Aus dem mittelfrühen Sortiments werden hier Benedictio KWS (S 230) und Severeen (S 230) sowohl als qualitätsbetonte Sorten als auch für maisreiche Rationen für den Anbau empfohlen. Ebenfalls für maisbetonte Rationen wird LG 30244 (S 230) empfohlen. Die Neuzulassungen Leguan (S 230) und LG 31238 (S 230) haben eine Empfehlung für den Probeanbau für maisbetonte Rationen erhalten.

Weitere Empfehlungen für die Höhenlagen wurden bereits in der letzten Ausgabe der Land und Forst veröffentlicht.

Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Auch die Wahl einer Biogassorte beginnt immer mit der richtigen Reifegruppe bzw. Reifezahl. Oberste Priorität gilt dem Erreichen ausreichender Trockensubstanzgehalte (32 – 35 %) am jeweiligen Standort. Dies muss auch in „normalen“ Jahren gewährleistet sein. Inwiefern Sorteneigenschaften wie z.B. Standfestigkeit und weitere für den Anbauer von Bedeutung sind, muss individuell abgewogen werden. Hierzu finden sich sowohl in den Tabellen, dem Sortenratgeber als auch in den „Ergänzenden Sorteninformationen“ (www.lwk-niedersachsen.de) die entsprechenden Einstufungen der LWK Niedersachsen bzw. aus der aktuellen „Beschreibenden Sortenliste“ des Bundessortenamtes.

Eine gute Biogassorte sollte insgesamt einen möglichst hohen Biogasertrag erreichen. Dieser ergibt sich aus der sortenspezifischen Biogasausbeute und dem TM-Ertrag. Eine Anbauempfehlung bekommt eine Sorte, wenn neben einem hohen TM-Ertrag ein bestimmter Mindest - Biogasertrag oder umgekehrt erreicht wird.

In 2019 erhalten die folgenden nach Trockenmasseertrag rangierten Sorten eine Anbauemfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas.

Region Nord

Die mittelfrühen Sorten KWS Fabiano (S 230), Amaveritas (S 240), Neutrino (S 240), Charleen (S 240) und Amaroc (S 230) werden aufgrund mehrjährig sehr guter Ertragsleistungen in der Region Nord empfohlen. Ebenso erhalten die Sorten ES Joker (S 250), KWS Vitalico (S 240) sowie KWS Bernardino KWS (S 240), Simpatico KWS (S 250), Kalideas (S 250) und die Sorte Feuerstein (S 250) eine Anbauempfehlung für die Biogasnutzung. Die Sorten RGT Haruka (S 250), LG 31238 (S 230) und KWS Robertino (S 230) präsentierten sich als ertragsstarke Neuzulassungen und werden für den Probeanbau empfohlen.

Region Ost

Im östlichen Niedersachsen werden die mittelfrühen Sorten Neutrino (S 240), KWS Fabiano (S 230), Charleen (S 240), Amaroc (S 230), Amaveritas (S 240) sowie die Sorten KWS Vitalico (S 240), ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), Benedictio KWS (S 230), Feuerstein (S 250) und Kalideas (S 250) aufgrund mehrjährig sehr guter und stabiler Trockenmasse- und Biogaserträge empfohlen.

Für den Probeanbau erhalten die Sorten LG 31245 (S 240), LG 31238 (S 230) und RGT Haruka (S 250) eine Anbauempfehlung zur Biogasnutzung.

Region Süd

Im Süden erhalten die mittelfrühen Sorten Neutrino (S 240), ES Joker (S 250), Charleen (S 240), KWS Vitalico (S 240), Amaroc (S 230), Simpatico (S 250), Amaveritas (S 240) sowie KWS Bernardino (S 240) und Benedictio KWS (S 230) eine Empfehlung für 2020.

Vom den Neuzulassungen 2019 werden die ertragsstarken Sorten ES Bond (S 240), LG 31245 (S 240) und LG 31238 (S 230) für den Probeanbau empfohlen

Region West

In Westniedersachsen werden die Sorten Neutrino (S 240), Amaveritas (S 240), KWS Fabiano (S 230) und Charleen (S 240) aufgrund mehrjährig sehr guter und stabiler TM- und Biogaserträge empfohlen. Gleiches gilt für die Sorten KWS Vitalico (S 240), Amaroc (S 230), ES Joker (S 250), Simpatico KWS (S 250) und KWS Bernardino (S 240).

Eine Empfehlung für den Probeanbau in 2020 wird für die Sorten LG 31238 (S 230), ES Bond (S 240) sowie KWS Robertino ausgesprochen.

Höhenlagen

Für die Höhenlagen-Standorte werden aus dem mittelfrühen Sortiment die mehrjährig in diesen Regionen geprüften Sorten Amaroc (S 230) und Benedictio KWS (S 230) empfohlen.  Die Sorten LG 31238 (S 230) und Leguan (S 230) erhalten eine Anbauempfehlung zur Biogasnutzung zur Probe. Alle in den Höhenlagen empfohlenen Sorten sind ihrer Reifezahl (S 230) entsprechend vergleichsweise früh abreifend.

Doppelnutzungssorten

Mais bietet wie kaum eine andere Kultur eine sehr große Ernteflexibilität. So kann grundsätzlich jeder Silomaisbestand, der zum normalen Zeitpunkt die Silierreife erreicht, auch als Körnermais oder CCM geerntet werden. Der Erntezeitpunkt verschiebt sich dadurch um ca. 2 – 4 Wochen.

Diese Flexibilität erlaubt es mehr Mais anzubauen als theoretisch benötigt wird und diesen als „stille Futterreserve“ vorzuhalten. Bei ausreichender Grundfutterversorgung kann die zusätzliche Maisfläche dann als Körnermais oder CCM genutzt werden und entlastet so das Kraftfutterkonto des Betriebes oder wird als Marktfrucht verkauft.

Es macht durchaus Sinn, auf hierfür infrage kommenden Flächen eine entsprechende Sortenwahl zu treffen. Aus dem mittelfrühen Silomaissortiment liegen einige Sorten mit entsprechenden Doppelnutzungsempfehlungen vor (siehe auch Körnermaissortenempfehlungen Ausgabe…). Dies sind folgende Sorten: Benedictio KWS (S/K 230), LG 31356 (S/K 250/240), Santimo (S/K 240/210), LG 30258 (S/K 240), Rigoletto (S/K 250/240), LG 30244 (S/K 230), Quentin (S/K 240/250) und die Neuzulassung LG 31238 (S/K 230/220).

In der nächsten Ausgabe der L&F erscheinen die Ergebnisse der LSV und die Sortenempfehlungen für das mittelspäte Sortiment.

Nährstoffbeizung

Fast alle Züchter und Vertriebsfirmen bieten mittlerweile Nährstoffbeizen für ihre Sorten an. Hierbei werden in der Regel nur wenige hundert Gramm Phosphor und andere Nährstoffe je Hektar ausgebracht. Die Versuche der Landwirtschaftskammer Niedersachen zeigen, dass diese Anbeizungen keinesfalls einen Unterfußdünger ersetzen können und oft keine signifikanten Effekte nachweisbar sind. Das Gleiche trifft für Anbeizungen mit Mykorrhiza zu.

Nährstoffbeizen als Ergänzung zur Unterfußdüngung könnten nach bisherigen Versuchsergebnissen jedoch kleine positive Effekte zu haben.

Durch einen zusätzlichen Beizprozess können Triebkraft und Keimfähigkeit auch negativ beeinflusst werden. Daher sollten Beize und Zusatzstoffe schon bei der Saatgutaufbereitung angebeizt werden, da ansonsten auch Regressansprüche gegenüber dem Züchter bezüglich Keimfähigkeit und Triebkraft verloren gehen.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 18.12.2019



PDF: 32972 - 32.6220703125 KB   Maisanbauregionen NDS ab 2019   - 33 KB