Webcode: 01036208

Sortenempfehlungen und Ergebnisse LSV Silomais, mittelspätes Sortiment

Mittelspäte Sorten sind für den Silomaisanbau in Niedersachsen nur unter entsprechenden Standortvoraussetzungen sinnvoll. Dennoch gibt es eine entsprechende Marktbedeutung dieses Sortiments, was sicherlich auch der Nutzung von Mais als Biogassubstrat zu verdanken ist. Die LWK Niedersachsen führt daher auch Landessortenversuche in diesem Segment durch.

 

 

Viele niedersächsische Maisanbauer haben in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit Maissorten jenseits der Reifezahl S 250 gemacht. Dabei hat sich gezeigt, dass diese an günstigen Standorten durchaus die Silierreife bei noch ausreichend früher Reife und guten Qualitäten erreichen können. Über die Klimabedingungen eines Standortes lässt sich ebenfalls die passende Reifegruppe finden, denn die Vegetationszeit des Maises lässt sich über ein Temperatursummenmodell beschreiben. Diese kann anhand der Klimadaten (langjährige Mittelwerte der nächsten Wetterstation) berechnet werden. Hierzu addiert man ca. vom ersten Mai (Saat-/Auflaufdatum) an die Tagesdurchschnittstemperaturen, jeweils abzüglich 6°C. Wenn die Wärmesumme von 1570°C erreicht ist, sollten mittelspäte Sorten einen TS-Gehalt von ca. 32% erreicht haben (Mittelfrühe Sorten min. 1500°C, frühe Sorten 1430°C). Im LSV Segment mittelspät sind insbesondere Sorten mit den Reifezahlen S 260 und S 270 vertreten. Auch einige deutlich später abreifende Sorten sind vertreten. Doch bei der Wahl der Sorte sollte nicht nur die Reifezahl, sondern auch die tatsächliche Abreife unter norddeutschen Bedingungen (siehe Tabellen unter „TS%“ oder „Abreife“) berücksichtigt werden. Sorten dieser Reifegruppe gehören, wie frühreifere auch, auf Standorte, an denen die Silierreife (32 - 35% TS) im Mittel der Jahre zur Monatswende September/Oktober erreicht wird. Ein späteres Erreichen der anzustrebenden TS-Gehalte bedeutet in der Regel keine höheren Erträge und niedrigere Stärkegehalte gegenüber frühreiferen Sorten bei gleichzeitig deutlich höherem Ernterisiko (Befahrbarkeit, Frost). Mittelspäte Genetik gehört daher nur auf gut erwärmbare Böden und sollte so früh wie möglich (abhängig von der Bodentemperatur) gesät werden, um eine möglichst lange Wachstumsphase zu ermöglichen.

 

Vergleichssorte zeigt Ertragsgleichheit

In den Landessortenversuchen Silomais werden in der Regel sogenannte Vergleichssorten mitgeprüft. Im LSV mittelspät war dies in diesem Jahr die mittelfrühe Sorte Paratico (S 250). In den Regionstabellen mit den ein- und mehrjährigen Ergebnissen ist diese mit dargestellt. Der Vergleich der relativen Ergebnisse im Bereich Trockenmasseertrag, Stärke- und Energieertrag zeigt, dass die Vergleichssorte in diesem Jahr gut mit dem Niveau des mittelspäten Sortiments mithalten konnte. Im Biogasertrag spielte die Vergleichssorte sogar auf den vorderen Plätzen mit. Die Regionaltabellen des mittelfrühen Sortiments (Land u. Forst Ausgabe 51/51) zeigen die Sorte Paratico auf einem ähnlichen Niveau, so dass klar wird, dass in diesem Jahr quasi kein Ertragsvorteil durch mittelspäte Sorten erreicht werden konnte.

Einer der Gründe hierfür ist die Trockenheit, insbesondere während der Blüte. Später blühende Pflanzenbestände haben zur Blüte bereits mehr Bodenwasser verbraucht, was bei ausbleibenden Niederschlägen zu einer schlechteren Befruchtung des Kolbens und damit zu einer schlechteren Kolbenentwicklung führt. Somit konnten mittelspäte Sorten ihr Ertragspotential in keiner Weise ausspielen. Dies zeigt deutlich, dass bei anhaltenden Trockenphasen frühreifere Sorten im Vorteil sind, da das Risiko einer schlechten Kolbenbildung geringer ist. Hinzu kommt ein ohnehin eher kleiner Ertragsvorteil mittelspäter gegenüber mittelfrüher Sorten. Die mehrjährigen Auswertungen zeigen rund 5 dt/ha TM (ca. 1,5 Tonnen Silage) Mehrertrag, was gut 2 % entspricht.

 

Keine mittelspäten Sorten im Norden

Für das nördliche Niedersachsen werden keine Sorten aus dem mittelspäten Reifespektrum empfohlen, da sowohl die Erträge als auch die Qualitäten der spätreiferen Sorten ab S 260 im Norden regelmäßig nicht das Niveau des mittelfrühen Sortiments erreichen.  Hieraus wird deutlich, dass diese Sorten nicht optimal an das Klima im nördlichen Niedersachsen angepasst sind und daher auch nicht dort angebaut werden sollten. Für günstige Lagen, mit gut erwärmbaren Böden in den Grenzbereichen zu den Regionen West bzw. Ost (s. Karte), muss dies jedoch nicht gelten. Hier kann auf die Sortenempfehlung der jeweils angrenzenden Region zurückgegriffen werden.

 

Sortenempfehlungen grasbetonte Rationen

Auch das mittelspäte Sortiment umfasst qualitätsorientierte Maissorten mit hoher Energiedichte, die zur Rationsaufwertung in der Milchviehfütterung besonders geeignet sind und daher eine Anbauempfehlung erhalten haben. Dieses sind in den Regionen Süd, Ost und West die Sorten Farmirage (S 260), ES Skywalker (S 260) und Erasmus (S 280). Für die Region West haben die Sorten Farmgigant (S 260) und SY Gordius (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten, letztere auch für das östliche Niedersachsen. LG 31276 (S 260) wird als qualitätsbetonte Sorte für den Anbau im östlichen und südlichen Niedersachsen empfohlen.

Von den Neuzulassungen haben die Sorten Farmidable (S 260) und ES Wellington (S 260) eine Empfehlung für den Probeanbau als energiebetonte Sorten erhalten.

 

Sortenempfehlungen maisbetonte Rationen

Für Betriebe mit hohen Maisanteilen in der Milchviehfütterung werden aus dem mittelspäten Sortenspektrum die Sorten Farmirage (S 260), Walterinio KWS (S 270) und P 8171 (S 260) in den Regionen Süd, Ost und West empfohlen, welche alle hohe Stärkeerträge liefern. Im Westen Niedersachsens haben die Sorten ES Skywalker (S 260), Farmgigant (S 260) und LG 31276 (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten. Die Sorte Erasmus hat aufgrund ihrer Energieerträge für das östliche und westliche Niedersachsen eine Empfehlung für maisreiche Rationen erhalten, die Sorte Sucorn/DS  1710 C (S 270) wird in den Regionen Süd und Ost hierfür empfohlen.

Eine Anbauempfehlung für den Probeanbau habe trotz höherer Anforderungen relativ viele Sorten erreicht. Diese sind DS 1891B (S 260), Novialis DS 1901C (S 290), Farmidabel (S 260), Janeen (S 260), Farmurphy (S 260) und SY Glorius (S 260). Alle werden für die Regionen Süd, Ost und West empfohlen.

 

Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Die Hauptbedeutung des mittelspäten Sortiments liegt im Bereich der Biogasnutzung. In diesem Jahr gab es 9 Neuzulassungen in diesem Sortiment, davon 6 mit der Reifezahl S 260. Diese können bei vergleichsweise früher Abreife auch in solchen Lagen zum Anbau kommen, wo mittelfrühe Sorten sicher abreifen. Oberste Priorität gilt dem Erreichen ausreichender Trockensubstanzgehalte am jeweiligen Standort- dies sollte nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht in Vergessenheit geraten.

In 2019 erhalten die folgenden Sorten eine Anbauempfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas

Region Ost und „nördliche Gunstlagen“ ?

Im östlichen Niedersachsen werden die mehrjährig geprüften, mittelspäten Sorten Rudolfinio KWS (S 270), Agrogant (S 260), Stromboli CS (S 270), Walterinio KWS (S 270), Farmirage (S 260), Kilomeris (S 260), Sucorn / DS 1710 C (S 270) sowie P 8666 (S 260) und Agrometha (S 270) aufgrund mehrjährig sehr guter und stabiler Trockenmasse- und Biogaserträge empfohlen.

Für den Probeanbau erhalten die Sorten DS 1891 B (S 260), Novialis / DS 1901 (S 290) und SY Glorius (S 260) eine Anbauempfehlung zur Biogasnutzung.

 

Region Süd

In dieser Region erhalten die mittelfrühen Sorten Rudolfinio KWS (S 270), Stromboli CS (S 270), P 8888 (S 280), Agrogant (S 260), Farmirage (S 260), Sucorn / DS 1710 C (S 270), Walterinio KWS (S 270) und die Sorte Matthew (ca. S 270) eine Empfehlung für 2020.

Vom den 2019 erstmalig im LSV stehenden Sorten werden die im Süden ertragsstarken Sorten DS 1891 B (S 260), LG 31285 (S 270), Novialis / DS 1901 (S 290), sowie SY Glorius (S 260) und Janeen (S 260) für den Probeanbau empfohlen.

 

Region West

Im westlichen Niedersachsen werden die Sorten Rudolfinio KWS (S 270), Agrogant (S 260), Kilomeris (S 260) und Walterinio KWS (S 270) aufgrund mehrjährig sehr guter und stabiler TM- und Biogaserträge empfohlen. Gleiches gilt für die Sorten P 8888 (S 280), Agrometha (S 270) und Farmirage (S 260).

Eine Empfehlung für den Probeanbau in 2020 wird für die Sorten LG 31285 (S 270), DS 1891 B (S 260) und Novialis / DS 1901 (S 290) ausgesprochen.

Die Landessortenversuche stellen eine unabhängige und neutrale Basis für Ihre Sortenwahl dar. Die Versuche werden exakt angelegt und die gesamte Vegetation hindurch betreut und beobachtet. Die Ernte und Probenverarbeitung erfolgt mit speziellen Parzellenerntern und wird von Fachpersonal termingerecht durchgeführt. Die Versuche werden statistisch ausgewertet und auf Basis mehrjähriger Auswertungen beurteilt. Aus den einzelnen Ergebnistabellen für die Sortimente und Regionen lässt sich neben vielen Einzelheiten auch die Ertragsstabilität der Sorten ablesen. Die von der LWK Niedersachsen empfohlenen Sorten der drei Reifegruppen stellen ein breites Portfolio, welches die unterschiedlichen Anforderungen an den Silomais in ganzer Breite abdeckt.

Nehmen Sie sich Zeit für eine gut durchdachte Sortenwahl und überprüfen Sie die Ihnen bisher entgegengebrachten Daten anhand der LSV-Ergebnisse.

Das Team der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Sortenwahl und eine ertragreiche Vegetation 2020.

 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 13.01.2020



PDF: 32972 - 32.6220703125 KB   Maisanbauregionen NDS ab 2019   - 33 KB