Webcode: 01037270

2. Maisreifeprüfung 2020 - Wechselhafte Witterung verzögert Maisabreife nicht

Trotz der kühlen und regnerischen Witterung der letzten zwei Wochen haben sich die Maisbestände zügig weiterentwickelt, so dass die Reifeprognosen gegenüber der ersten Meldung der Reifeprüfung weiter vorgezogen wurden. In Südniedersachsen sind früh gesäte Bestände bereits erntereif.

Mit der zweiten Beprobung der Maisreifeprüfungen in Niedersachsen zeigt sich gegenüber den Trockensubstanzgehalten der Vorwoche eine unerwartet zügige Entwicklung der Bestände. Diese haben besonders im Kolben deutliche Fortschritte in der Stärkeeinlagerung gemacht, so dass hier TS-Steigerungen von mehr als einem Prozentpunkt pro Tag erreicht wurden.

Eine Reifeentwicklung der Restpflanze ist hingegen kaum festzustellen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Niederschläge zwischen den beiden Beprobungen die Wassermangelsituation beendet haben und die Stängel und Blätter sich wieder vollsaugen konnten. Vielfach dürfte dieser Regen dringend nötig gewesen sein, um die restliche Kolbenfüllung zu sichern und weitere Trockenschäden zu vermeiden.

Die Schauer der letzten Tage sind sehr ungleichmäßig über Niedersachsen hinweggezogen. Derzeit ist noch nicht sicher, ob die gefallenen Niederschläge für den Mais überall ausreichend waren. Besonders dort, wo weniger als 50 mm Regen im August gefallen sind, kann das Wasser noch knapp werden und zum vorzeitigen Ende der Kolbenfüllung führen.

Eigene Bestände kontrollieren

Doch nicht alle Bestände haben überhaupt einen vollwertigen Kolben ausbilden können. Durch die hohen Temperaturen Ende Juli und Anfang August haben, in Verbindung mit Wassermangel, einige Bestände die oberen Kornanlagen, zum Teil bis zu 50%, reduziert. In Extremfällen sind zur Blüte gar die Narbenfäden eingetrocknet, so dass auf diesen, i.d.R. sehr sandigen, Standorten jetzt kolbenloser Mais steht. Eine Kontrolle der Maisbestände durch die Landwirte ist in diesem Jahr wieder einmal äußerst wichtig, um die richtige Ernte- und ggf. zusätzliche Futterplanung durchführen zu können. Wichtig hierbei ist es, sich nicht nur die Pflanzen anzuschauen, sondern auch die Lieschblätter der Kolben zu öffnen und die Kolben- und Kornentwicklung zu beurteilen. Erst der Blick auf die freigelegten Kolben und Körner offenbart den Befruchtungserfolg und mögliche anschließende Reduzierungen an der Kolbenspitze. Diese liegen dann vor, wenn bereits gelbliche Körner verschrumpeln. Hingegen grünliche oder weiße, unbefruchtete Körner an der Kolbenspitze können auch eine Sorteneigenschaft sein.

Die Abreifesituation ist in den einzelnen Regionen deutlich unterschiedlich. Je weiter südlich der Standort, desto weiter entwickelt ist der Mais. Gleichzeitig spielt auch der Saattermin in diesem Jahr eine große Rolle, denn frühe Saaten sind weiterentwickelt, als spätere. Dieser ganz normale Effekt wird in diesem Jahr jedoch verstärkt durch einerseits warme Temperaturen im April, die den relativ früh gesäten Beständen ein zügiges Auflaufen ermöglichten und andererseits kühle Temperaturen im Mai, die späteren Aussaaten den Auflauf verzögerten.

Regional stellt sich die Abreifesituation auf Standorten mit guter bis ausreichender Wasserversorgung wie folgt dar:

südliches Niedersachsen / frühe Aussaattermine

Diese beiden Faktoren führen gemeinsam dazu, dass frühe Maissorten im südlichen Niedersachsen bei Aussaatterminen um den 20. April aktuell die Silierreife erreichen (siehe Tabelle, Standort Poppenburg); die TS-Gehalte im Kolben lagen dort am 25. August bereits bei knapp 50 % und werden in dieser Woche die angestrebten 55 % erreichen. Das Siliergut liegt dann bei optimalen 32 – 35 % TS-Gehalt. Mittelfrühe Sorten liegen in ihrem Reifeverhalten nur wenige Tage hinter den frühen, mittelspäte benötigen etwa eine weitere Woche mehr und sind voraussichtlich ab Mitte September erntereif.

Aus der Praxis und auch aus anderen Abreifeuntersuchungen wird deutlich, dass aktuell, je nach Wasserversorgung, bereits erste Bestände gehäckselt werden können bzw. müssen, da TS-Gehalte 35 % und mehr erreicht werden. Dies ist nicht nur auf leichten Böden der Fall, sondern auch auf guten und sehr guten Bördestandorten festzustellen.

Betriebe, die bereits frühzeitig Erntetermine mit ihren Lohnunternehmern vereinbart haben, sollten sich ggf. um Vorverlegungen bemühen, um nicht überreifen und schwierig verdichtbaren Mais zu ernten.

Neben der Silierfähigkeit sinkt auch die Verdaulichkeit bei zu hohen TS-Gehalten.

westliches und östliches Niedersachsen, Höhenlagen

Im südwestlichen und östlichen Niedersachsen sind die Bestände noch nicht ganz so weit entwickelt. Bei früher Saat, wie an den Standorten Werlte und Soltau, ist aber auch schon ein deutlicher Trend zu erkennen. In diesen Regionen werden frühe Maissorten bis Mitte September oberhalb von 32 % TS-Gehalt liegen, mittelfrühe erreichen ab ca. 20. September diesen Wert. Zum Monatsende werden auch mittelspäte Sorten optimal geerntet werden können, wenn denn die Witterung normal verläuft.

Spätere Aussaattermine (ca. 10 bis 14 Tage) wie in Obershagen oder Borwede führen zu einer um rund eine Woche verzögerten Abreife.

In den Höhenlagen ist ein ähnliches Abreifeverhalten zu beobachten, wobei dieses stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängen kann. Die Höhe des Standortes sowie eine mögliche Nordhanglage können zu deutlichen Abweichungen führen.

küstennahe Gebiete, nördliches Niedersachsen

In der Region Nord werden die küstennahen Bereiche nochmals separat ausgewertet. Doch auch hier zeigt sich deutlich der Einfluss des Saattermins. Der schwierigste Standort wurde in diesem Jahr aufgrund der außergewöhnlich guten Witterung im April am 18. April als erstes Gesät. In der Marsch ist dies längst nicht immer möglich oder richtig. Die günstige Witterung im April ermöglichte eine zügige Entwicklung, so dass dieser Standort im Norden am weitesten entwickelt ist und frühe Sorten bei ähnlichem Saattermin voraussichtlich schon in der letzten Septemberdekade gehäckselt werden sollten.

Die Daten der später gesäten Standorte Borgholt und Ankelohe zeigen eine um mindestens eine Woche verzögerte Entwicklung, obwohl jeweils günstige Sandböden vorliegen. Für die küstennahen Gebiete ergibt sich hieraus eine zu erwartende Erntereife für frühe Sorten ab Monatsende, für mittelfrühe Sorten ab ca. 05. Oktober.

Sollten hier auch mittelspäte Sorten angebaut worden sein, kann zu jetzigen Zeitpunkt mit einer Silierreife ab ca. Mitte Oktober gerechnet werden.

Für die übrige Region Nord, repräsentiert durch die Prüforte Wehnen und Rockstedt, ergeben die ermittelten Reifedaten optimale Erntetermine ab dem 25. September bzw. ab Monatsende, mittelspäte Sorten werden bei vergleichbaren Aussaatterminen noch bis ca. 10. Oktober reifen müssen.

Die Maisreifeprüfung der LWK Niedersachsen wird nun erscheinen und über die Entwicklung der Maisbestände informieren. Dies soll als Aufruf, die eigenen Bestände zu beurteilen oder beproben zu lassen, dienen und kann die eigene und individuelle Bestandskontrolle nicht ersetzen. Die zum Teil weit fortgeschrittene und geradezu rasante Entwicklung früh gesäter Bestände in Südniedersachsen zeigt dies deutlich.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 01.09.2020



PDF: 34426 - 372.618164062 KB   Ortsübersicht 2. Termin 2020   - 373 KB  
PDF: 34427 - 235.592773438 KB   Reifeprüfung Grafik 2-20   - 236 KB