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Silomais sicher konservieren

Nach zwei schwierigen Dürrejahren bereiten die Niederschläge seit Juni erstmals wieder etwas bessere Aussichten auf die Silomaisernte 2020. Optimismus sollte jedoch nicht zur Nachlässigkeit bei den Silierarbeiten verleiten. Die Regeln der guten fachlichen Praxis sind hierbei stets zu beherzigen.

Insbesondere auf leichten Sandstandorten waren die Silomaisernten der Jahre 2018 und 2019 Jahre mit „schwierig“ oft noch freundlich beschrieben. Ertrags- und Qualitätseinbußen bei der Futterwerbung belasteten viele Betriebe bis an ihre Grenzen - einige auch darüber hinaus. Auf ein ähnlich dürreartiges Frühjahr folgten in 2020 seit Juni nun Niederschläge in einer Häufigkeit und Ausprägung, die etwas Optimismus hinsichtlich der anstehenden Maisernte aufkommen lassen. Dies sollte jedoch nicht zur Nachlässigkeit bei Silierarbeiten verleiten.

Rückblickend mögen einem die Silomaisernten der vergangenen 5 Jahre wie ein Wechsel der Extreme erscheinen. Bis einschließlich 2017 waren, mit regionalen Ausnahmen, überwiegend gut bis sehr gut entwickelte Maisbestände vorzufinden. Dies führte zu vollen Silokammern, rückläufigen Zukaufpreisen und einem steigenden Anteil der Druschfläche. In den 2 darauffolgenden Jahren trat jeweils das Gegenteil ein. Der Wert von Futter, konkreter von Futtervorräten, ist vielen Landwirten schmerzlich bewusst geworden. Auch zeitweilige Trends der Vergangenheit, Futtervorräte wegen ihrer Kapitalbindung bewusst auf niedrigeres Niveau abzubauen, werden aktuell von Praktikern sicherlich mit anderen Augen gesehen werden. Daher gilt es zum Erhalt des Futters, auch im Fall einer hoffentlich wieder besseren Siloernte, die Regeln der guten fachlichen Praxis zu beherzigen.

Diese beginnen schon deutlich vor den eigentlichen Erntearbeiten mit der Bestimmung von Trockenmassegehalten (TM) in den Pflanzenbeständen. Dieser Parameter hat sich als Indikator für Abreife und Erntetermine etabliert. Beim Einsatz von Siliermitteln gibt er zudem eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Auswahl geeigneter Präparate. Die Ernte wird bei Werten rund um 35 % TM empfohlen. Dies ist ein bewährter Kompromiss beim Zielkonflikt zwischen dem Effekt der späten Stärkeeinlagerung in den Kolben auf der einen Seite und der immer noch zu gewährleistenden Verdichtbarkeit des Siliergutes auf der anderen Seite. Zur Ermittlung der Trockenmassegehalte können mobile NIRS-Technik oder die klassische Trockenschrankmethode bei einem Labor dienen. Die Letztgenannte hat den Vorteil, dass sie die mit Abstand präzisesten Ergebnisse liefert, jedoch auch bis zu 2 Tage Bearbeitungszeit beanspruchen kann.

Die Dimensionierung eines Silos ist so zu gestalten, dass vor allem in den Sommermonaten ein wöchentlicher Vorschub von mindestens 2,5 m gewährleistet werden kann. Zur Verdeutlichung: in der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass es im Falle eines einzelnen Ganzjahressilos eine Länge von über 100 m aufweisen sollte. Bei Weidehaltungsbetrieben mit wesentlichen Fütterungsanteilen vom Grünland kommt hinzu, dass im Sommer die kritische Phase der Nacherwärmungsproblematik mit einem reduzierten Gärfutterbedarf zusammentreffen kann. Bei befestigten Fahrsiloanlagen mit Wänden kann nach deren Bau natürlich nur noch über deren Befüllhöhe darauf Einfluss genommen werden. Baukostenoptimierte Ansätze mit minimierter Grundfläche führen oftmals durch zu geringen Vorschub zu mehr Futterverderb und deren Folgeproblemen im Stall. Auf die lange Sicht ihrer Nutzungsdauer stellen sie eine teurere Variante dar.

Hinsichtlich der Häcksellänge gilt es einen angepassten Kompromiss beim altbekannten Zielkonflikt „So lang wie möglich für die Wiederkäuer, so kurz wie nötig für eine sichere Verdichtbarkeit“ zu finden. In der Praxis haben sich im Bereich konventioneller Häcksellängen Partikelgrößen von 5 mm bis 9 mm bewährt. Langhäckseltechniken mit Schnittlängen von über 20 mm haben vor dem Hintergrund einer besseren Strukturversorgung der Tiere und ggf. eines technisch verbesserten Kornaufschlusses in den vergangenen Jahren große Popularität erfahren. Grundsätzlich geht mit einer Steigerung der Häcksellänge eine Verschlechterung der Verdichtbarkeit einher. Untersuchungen zeigten, dass sich dieser Zusammenhang nicht linear entwickelt, sprich die Lagerungsdichte oberhalb von 16 mm theoretischer Häcksellänge nur noch unterproportional abnahm. Nichtsdestotrotz ist der sicheren Verdichtung ebenso Priorität einzuräumen, wie dem Kornaufschluss durch den Körnerprozessor (Cracker). Das Anschlagen der Körner ist, vom heutigen Stand der Technik aus gesehen, als Minimum der mechanischen Einwirkung zu betrachten. Ein vollständiges Zertrümmern der Körner ist anzustreben. Es empfiehlt sich eine fortlaufende Kontrolle des Siliermaterials über den gesamten Ernteprozess.

Die zuvor angesprochene Verdichtung ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg bei der Maissilierung. Hohe Lagerungsdichte im Silostock, idealerweise von über 230 kg TM/m³, verringern das Restporenvolumen und somit die Menge verbleibenden Sauerstoffs. Eine Faustformel empfiehlt, mindestens ein Viertel der stündlich angefahrenen Tonnage als Walzgewicht im Silo vorzuhalten. Zudem sind hohe Reifendrücke von über 2 bar und weitere Zusatzgewichte zum Ballastieren der Walzschlepper sehr empfehlenswert. Durch sie wird der Punktdruck bei verringerter Aufstandsfläche erhöht und eine bessere Tiefenwirkung der Walzarbeit erzielt. Beim Thema Zwillingsbereifung gibt es auch hier einen Zielkonflikt zwischen der Standsicherheit, insbesondere an Schrägen des Silostocks, und der durch die größere Aufstandsfläche verringerten Tiefenwirkung. Ein Kompromiss kann eine einseitige Zwillingsbereifung sein, sodass mit einer Seite nah an Ränder herangefahren und mit der anderen Seite intensiv verdichtet werden kann. Ideal wäre eine Aufteilung zwischen Schleppern zur reinen Verdichtungsarbeit (schwer ballastiert; keine Zwillingsräder) und Schleppern mit Zwillingen zur Verteilung des Futters und der Verdichtung kritischer Schrägen. Für eine intensive Verdichtung sollten Schichtstärken von 20 cm möglichst nicht überschritten und jene Schichten mindestens dreimal bei niedriger Geschwindigkeit überfahren werden. Entscheidend für den Erfolg ist, dass nicht der Feldhäcksler, sondern die Walzschlepper das Tempo der Ernte vorgeben!

Der luftdichte Abschluss des Silos hat unmittelbar nach Beendigung der Silierarbeiten mit dazu geeigneten Folien zu erfolgen. Zusätzlich zur klassischen Silofolie haben sich dünne Unterziehfolien bewährt, welche eine höhere Gasdichtigkeit aufweisen und sich Unebenheiten der Silooberfläche gut anpassen. Die Qualitäten verschiedener Silofolien und Netzen können sehr unterschiedlich sein. Der Preis verspricht selten eine verlässliche Tendenz hinsichtlich der Güte. Zudem sind die Folieneigenschaften eines Produkts nicht immer exakt gleichbleibend, da sich auch deren Hersteller mit variierenden Beschaffenheiten ihrer Rohstoffe konfrontiert sehen. Um Landwirte bei ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen, prüft die DLG im Rahmen ihres Qualitätssiegels für Folien und Netze daran teilnehmende Produkte fortlaufend auf Parameter wie Foliendicke, Reißfestigkeit und -dehnung sowie die UV-Beständigkeit. Eine Orientierung an jenem Gütesiegel beugt der Beschaffung von ungeeignetem Folienmaterial vor. Beschädigungen durch Krähen und andere Vögel sollten mit Siloschutznetzen vorgebeugt werden. In besonders problembelasteten Regionen empfiehlt es sich, die Netze über die Reifen zu legen. Dadurch entstehen Hohlräume, welche es den Vögeln zusätzlich erschweren, die Folien zu erreichen oder gar zu durchpicken.

Manche Arbeiten, z. B. das Zu- und Abdecken von Silomieten, erfreuen sich meist eher verhaltener Beliebtheit. Gewissermaßen als Fazit sollte sich dabei stets vor Augen gehalten werden, was genau im Inneren des Silostocks abläuft und warum die sorgfältige Ausführung dieser Arbeiten so wichtig ist. Erst wenn kein Sauerstoff mehr im Silo vorhanden ist, kann eine pH-Wert absenkende Säuerung durch Milchsäurebakterien gelingen. Hefen gelten als besonders schwierige Störkeime in Bezug auf Nacherwärmung, da sie sich, anders als bei Buttersäurebakterien, weder durch die pH-Wert-Absenkung bei der Silierung, noch durch gute Verdichtung einschränken lassen. Gleichfalls zählen Blauschimmelpilze als weitere, schwierige Keime, denn auch bei guter Verdichtung und Sauerstoffabschluss zeigen sie Durchhaltevermögen. Um die Aktivität des Blauschimmelpilz im gewissen Maße zu hemmen, muss über einen längeren Zeitraum das im Futterstapel gebildete Kohlendioxid (CO2) einwirken. Aus genau diesem Grund sind Silomieten schnellstmöglich nach Beendigung der Erntearbeiten gasdicht zu verschließen, um so dieses wichtige Konservierungsgas unter den Folien aufzufangen und lange dort zu halten. Ein verfrühtes Öffnen stört die Gärprozesse im Silostock und forciert somit Nacherwärmungen und Verderb. Daraus leiten sich Verschlusszeiten von mindestens 6 bis 8 Wochen ab. Sollten diese wegen Futterknappheit nicht eingehalten werden können, ist das Anlegen einer kleineren Überbrückungsmiete ratsam.

Karsten Bommelmann, LWK Niedersachsen


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Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
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Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 08.09.2020