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3. Maisreifeprüfung - Mais reift unerwartet zügig ab

Die niedersächsischen Maisbestände durchlaufen aktuell eine zügige Entwicklung und werden schnell erntereif. Gerade die TS-Gehalte im Kolben steigen stark an und erreichen z.T. Steigerungen von mehr als einem Prozentpunkt pro Tag.

Diese schnelle Abreifephase ist zurückzuführen auf eine derzeit zügige Stärkeeinlagerung, die die TS-Gehalte besonders im Kolben schnell steigen lässt.
Die vorausgegangenen Niederschläge lassen gleichzeitig die von Wassermangel gezeichneten Bestände wieder ein Stück weit ergrünen. Dies ist insgesamt eine erfreuliche Entwicklung, denn sie kommt nicht nur dem Ertrag, sondern auch der Futterqualität zugute. Jenseits des optimalen Erntefensters von 32 – 35 % TS-Gehalt nimmt die Qualität aufgrund der alternden und damit verholzenden Restpflanze wieder ab, die Verdaulichkeit beginnt zu sinken. Auch die Silierbarkeit wird schlechter, insbesondere aufgrund der schwierigeren Verdichtbarkeit des dann zu trockenen Häckselguts. Schimmelbildung in den oberen Schichten und im Randbereich des Silostocks und entsprechend hohe Silierverluste sind dann die Folge.

Daher gilt es jetzt, die eigenen Bestände möglichst genau in ihrer Reife einzuschätzen. Die Reifeprüfung der LWK Niedersachsen ist hierbei nur ein Hilfsmittel, welches eine Orientierung bezüglich der Abreifegeschwindigkeit und des zu erwartenden Erntetermins gibt. Unter vergleichbaren Bedingungen (Wasserversorgung, Aussaattermin, Region und Reifegruppe) kann von den hier veröffentlichten Daten relativ gut auf die Entwicklung der eigenen Maisbestände geschlossen werden. Der optimale Erntetermin wird noch sicherer ermittelt, wenn parallel eine TS-Probe in den eigenen Beständen genommen wird. Dies bieten unter anderem viele Maiszüchter an, aber auch andere Institutionen und zum Teil auch der Handel. Die so gewonnenen Daten können mit den Reifeprüfungsdaten des gleichen Zeitpunkts vergleichen werden. Entsprechend der Abweichung lässt sich dann der passende Erntetermin relativ sicher ermitteln. Zu erwarten sind TS-Steigerungen von ca.  2 – 2,5 % pro Woche im Erntegut. Alternativ können auch die Kolben oder nur Körner beprobt werden. Diese geben jeweils einen sehr sicheren Hinweis auf die physiologische Entwicklung des Bestandes und werden kaum von Trockenheit oder starken Niederschlägen beeinflusst. Im Kolben steigen die TS-Gehalte je nach Jahr und Witterung um ca. 5 – 7 % pro Woche. Das optimale Erntezeitfenster liegt bei TS-Gehalten im Kolben von 55 – 60 %. Die Gehalte im Korn liegen jeweils ca. 5 % höher, was einer Kornfeuchte von 40 – 35 % entspricht.

Reifeentwicklung in den Regionen

Die Reifeprüfungsdaten für das östliche, südliche und westliche Niedersachsen sind relativ ähnlich.

Auffallend ist die weite Entwicklung trotz relativ später Aussaat am mehrfach beregneten Standort Obershagen in der Region Hannover.

Ebenfalls beachtet werden sollte in ganz Niedersachsen, dass früh gesäte Bestände zum Teil deutlich weiter sind, als es die Grafik für die jeweilige Region erwarten lässt. Ein Blick in die Tabelle auf die Werte der einzelnen Standorte zeigt die Reifeunterschiede innerhalb der Regionen. Diese sind auf unterschiedliche Aussaattermine zurückzuführen. An den Werten des Standortes Poppenburg zeigt sich, dass in Südniedersachsen bei Aussaatterminen bis ca. 20. April bereits mit der Silierreife von frühen und mittelfrühen Sorten zu rechnen ist. In der Region Hannover wurde der erste Sortenversuch bereits in der letzten Woche mit TS-Gehalten von 35 – 40 % gehäckselt (Börde, Aussaat am 17.04.). Der Versuch in Astrup liegt ähnlich weit südlich, wurde aber erst Ende April gesät, dementsprechend liegen die TS     -Werte auf etwas niedrigerem Niveau. Doch auch hier zeichnen sich frühe Erntetermine deutlich ab. Bereits in dieser Woche werden frühe Sorten dort erntereif werden. Bei früheren Aussaaten ist mit entsprechend weiterer Reife zu rechnen, also ebenfalls mit bereits erreichter Erntereife. Die vielfach anvisierten Erntetermine in der zweiten Septemberhälfte werden für früh gesäte Bestände in südlichen Landesteilen zu spät sein. Ähnliches gilt auch für große Teile Südoldenburgs, des Emslands und der Grafschaft und nicht beregnete Bestände im Großraum der Lüneburger Heide.

Wie groß der Einfluss des Saattermins in diesem Jahr ist, zeigt auch der Vergleich der Daten aus Werlte und Borwede. Der Saatzeitunterschied kommt hier 1:1 in der Abreife zum Ausdruck.

Bestandsentwicklung im nördlichen Niedersachsen

Auch im Norden unseres Bundeslandes ist ein maßgeblicher Einfluss des Saatzeitpunkts zu erkennen. Drei von vier Sandstandorten sind binnen fünf Tagen gesät worden und unterscheiden sich in der Abreife marginal; lediglich der vierte und nördlichste Standort Ankelohe wurde rund 10 Tage später gesät; die Abreife ist dementsprechend gut eine Woche verzögert. Auffallend weit ist die Abreife am Marschstandort Wirdum. An diesem eigentlich kalten und daher spät abreifenden Standort wurde in diesem Jahr bereits am 18.04. in warmen Boden gesät. Der Mais profitierte während des Auflaufens von der günstigen Witterung im April und Anfang Mai. Der hier gewonnene Entwicklungsvorsprung zieht sich durch die gesamte Vegetationszeit und spiegelt sich besonders in den hohen TS-Gehalten des Kolbens wider.

Die Datenlage insgesamt zeigt sowohl den Entwicklungsfortschritt in Nord-Südrichtung bei vergleichbaren Saatterminen, als auch sehr deutlich den Einfluss des Saattermins selbst, da spätere Saaten ab Ende April witterungsbedingt deutlich länger zum Auflaufen gebraucht haben.

Grundfutterversorgung

Insgesamt präsentieren sich die Maisbestände in diesem Jahr deutlich besser als in den beiden Vorjahren. Zudem wurde in Niedersachsen die Maisanbaufläche gegenüber dem Vorjahr um gut 4 % erweitert. Auch bei Grassilage und Heu hat sich die angespannte Versorgungslage aufgrund der günstigeren Wachstumsbedingungen entspannen können. Regional und einzelbetrieblich gibt es aber deutliche Unterschiede. Die durch die Mäuseplage im Vorjahr und Winter zerstörten Grasnarben konnten nicht alle wiederhergestellt werden, da Regen für die Etablierung der Neuansaaten fehlte. Ähnliches gilt für Tipulaschäden im Grünland. Die Graserträge intakter Narben waren nicht  flächendeckend zufriedenstellend, da es im Sommer vielfach erneut zu Wassermangel kam. Auch die Maisbestände haben je nach Standortbedingungen und Witterung erneut unter Dürre leiden müssen. Somit ergibt sich für die Grundfutterversorgung ein sehr heterogenes Bild und es gibt weiterhin Betriebe, die auf Futterzukäufe angewiesen sein werden. Hinzu kommt, dass fast alle Betriebe nach zwei Dürrejahren neue Futterreserven aufbauen müssen oder dies zumindest anstreben sollten; mindestens ein Drittel des Winterfutterbedarfs wird als Reservemenge empfohlen. Daher bietet es sich an, sich jetzt um Maiszukauf zu kümmern.

Auf der anderen Seite ist es unter den gegebenen Marktbedingungen für Körnermaisanbauer auch nicht uninteressant, ihre Bestände als Silomais zu vermarkten, insbesondere dann, wenn Hitze und Dürre ihre Spuren an den Kolben hinterlassen haben. Längst nicht alle Maisbestände haben eine gute Befruchtung und volle Einkörnung erreichen können. Ein Blick in die Bestände (und in die Kolben) schafft hier Klarheit.

Über (Online-) Kleinanzeigenseiten, Beratungsringe, Lohnunternehmer und natürlich auch über die Grundfutterbörse der LWK Niedersachsen kann Mais zum Verkauf angeboten werden. Auf diese Weise können Betriebe mit absehbaren Engpässen in der Grundfutterversorgung gezielt Kontakt aufnehmen, damit es im kommenden Winter nicht zu akutem Futtermangel kommt.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 08.09.2020



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