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Mittelspätes Sortiment LSV Silomais: Ergebnisse und Anbauempfehlungen Sortiment

Mais ist in Niedersachsen die wichtigste Ackerkultur, denn auf etwa jedem dritten Hektar wächst diese Pflanze, wobei fast 90 % als Silomais genutzt werden. Eine höhere Anbaubedeutung hat in Niedersachsen nur noch das Grünland.

In den Landessortenversuchen Silomais wird diesem hohen Anbauanteil mit derzeit knapp 100 Prüfsorten in drei Reifesegmenten Rechnung getragen. Hier werden die frühen Silomais-Sortimente vorgestellt, hier die mittelfrühen Silomais-Sortimente. Insbesondere in der letzten Woche wurden viele weitere Aspekt zur Saatgutwahl angesprochen.

Um den Überblick über die führenden Silomaissorten abzurunden, werden abschließend die Ergebnisse des mittelspäten Sortiments vorgestellt.

Dieses Segment ab der Reifezahl S 260 ist jedoch nur für warme Standorte mit einer hohen Temperatursumme während der Vegetation geeignet. Um aufzuzeigen welche Erträge und Qualitäten Sorten des angrenzenden mittelfrühen Sortiments im Vergleich zum mittelspäten Sortiment erreichen, wurde die Vergleichssorte KWS Gunnario (S 250) mitgeprüft. Umgekehrt wurden die mittelspäten Sorten Farmoritz (S 260) und P 8888 (S 280) als Vergleichssorten im mittelfrühen Sortiment geprüft (siehe Tabellen des mittelfrühen Sortiments).

Vergleicht man die Relativerträge und die relativen Qualitätsdaten, so fällt auf, dass das mittelspäte Sortiment im Durchschnitt kaum höhere Erträge erzielt und gleichzeitig ein geringfügig niedrigeres Qualitätsniveau erreicht. Bei dieser Betrachtung über die Sortimentsgrenzen hinweg darf man nicht das jeweilige absolute Niveau vergleichen, da den Berechnungen unterschiedliche Standorte zugrunde liegen.

Der Vergleich über die Relativwerte der Vergleichssorten zeigt jedoch, dass derzeit in den Prüfregionen ein sehr ähnliches Ertragsniveau bei beiden Sortimenten erreicht wird.

Der nördlichste Standort, an dem das mittelspäte Sortiment geprüft wird, ist Rockstedt. Dieser Standort liegt im Übergangsbereich der Bodenklimaräume Nord und Ost. Betrachtet man hier die Trockenmasseerträge der letzten Jahre (siehe Grafik „Ertragsvergleich der Reifegruppen…“), zeigt sich kein nennenswerter Ertragsvorteil, und das, obwohl die Ernte rund 10 – 14 Tage später erfolgt, als bei den früheren Sortimenten. Die Energiedichte und daraus folgend der Energieertrag erreichen hier im langjährigen Mittel nicht das Niveau des mittelfrühen Sortiments.

An weiter südlich gelegenen Standorten ist in der Regel ein kleiner Ertragsvorteil der mittelspäten Sorten auszumachen. Jedoch ist dieser Vorteil von im Durchschnitt nur 5 dt TM/ha (2 – 3 %) auch mit einem höheren Ernterisiko verbunden, was in einem „Kältejahr“ sehr schwierig werden kann.

In diesem Zusammenhang sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es aktuell eine Reihe sehr leistungsstarker mittelspäter Sorten mit der Reifezahl S 260 gibt, was sich in den Sortenempfehlungen entsprechend widerspiegelt. Viele dieser Sorten zeigen innerhalb ihres Sortiments eine gute Abreife, woran deutlich wird, dass der Übergang zum mittelfrühen Sortiment fließend ist.

Die Sommer der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark Dürre- und Hitzeperioden den Maisertrag mindern können. Ein besonders empfindliches Stadium ist dabei immer die Blüte. Eine Spreizung des Sortenspektrums über verschiedene Reifezahlen und damit auch Blühzeitpunkte kann allein schon aus Gründen der Risikominimierung sinnvoll sein.

In der Region Nord wird das mittelspäte Sortiment nicht mehr geprüft! Hier hat sich gezeigt, dass sich das Qualitätsniveau gegenüber den frühreiferen Sorten sogar verschlechtert, während das Ertragsniveau der mittelspäten Sorten kaum mit den mittelfrühen mithalten kann. Hinzu kommt, dass besonders die ohnehin spätere Abreife bei den mittelspäten Sorten häufig zu Ernteproblemen führt. Aus diesen Gründen werden für die Anbauregion Nord keine mittelspäten Sorten von der LWK empfohlen.

Sortenempfehlungen für die Fütterung

Analog zu den beiden bereits vorgestellten Reifesortimenten erhalten auch die mittelspäten Sorten Anbauempfehlungen in den Regionen Ost, Süd und West.

Grasbetonte Ration

Region Ost

Für die östlichen Landesteile werden zur energetischen Aufwertung grasreicher Rationen die Sorten Farmirage (S 260), Janeen (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260), ES Wellington (S 260), LG 31276 (S 260), Erasmus (S 280) und Farmgigant (S 260) für entsprechend günstige Standorte empfohlen. Eine Empfehlung für den Probeanbau haben die neu im LSV geprüften Sorten EC Gisella (ca. S 270), Farmoritz (S 260) und Lacorna (S 260) erhalten.

Region Süd

Für die günstigen Lagen Südniedersachsens werden nach mehrjähriger LSV-Prüfung die mittelspäten Sorten Farmirage (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260), ES Wellington (S 260), ES Skywalker (S 260) und Erasmus (S 280) bei niedrigen Maisanteilen an der Futterration empfohlen. Zum Testen neuer Sorten werden ebenfalls die Sorten EC Gisella (ca. S 270), Farmoritz (S 260) und Lacorna (S 260) für den Probeanbau empfohlen.

Region West

Für das westliche Niedersachsen haben aufgrund ihrer qualitativen Eigenschaften die Sorten Farmirage (S 260), Janeen (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260), ES Wellington (S 260), ES Skywalker (S 260), Erasmus (S 280) und Farmgigant (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten. Für den Probeanbau werden hier die Sorten Farmoritz (S 260) und Lacorna (S 260) emfohlen.

Empfehlungen für maisreiche Rationen

Werden in der Fütterung ohnehin hohe Maisanteile eingesetzt, kann der Schwerpunkt der Sortenwahl von der Energiedichte auf den Stärke- und Energieertrag gelenkt werden. Sortenempfehlungen werden daher entsprechend dieser Eigenschaften bei gleichzeitig durchschnittlichen Energiegehalten ausgesprochen.

Region Ost

In Ostniedersachsen erhalten für maisbetonte Rationen die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmirage (S 260), Novialis DS 1901 C (S 290), Janeen (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260) und SY Glorius (S 260) eine Anbauempfehlung. Für den Probeanbau von erstmals im LSV geprüften Sorten werden EC Gisella (ca. S 270), Farmoritz (S 260) und Lacorna (S 260) empfohlen.

Region Süd

Für die südlichen Landesteile haben die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmirage (S 260), Novialis DS 1901 C (S 290), Janeen (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260) und SY Glorius (S 260) eine Anbauempfehlung für den Einsatz bei hohen Maisanteilen in der Fütterung bekommen. Für den Probeanbau wird die Sorte EC Gisella (ca. S 270) empfohlen.

Region West

In der Region West unterscheidet sich die Sortenempfehlung ebenfalls kaum. Hier haben die Sorten DS 1891 B (S 260), Farmirage (S 260), Janeen (S 260), Farmidabel (S 260), Farmurphy (S 260) und SY Glorius (S 260) eine Anbauempfehlung bei maisbetonter Fütterung erhalten. Für den Probeanbau ergeben die Leitungen der Sorten EC Gisella (ca. S 270) und Lacorna (S 260) eine Anbauempfehlung.

Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Was eine gute und empfehlenswerte Biogassorte insgesamt ausmacht ist dem Beitrag zum mittelfrühen Sortiment zu entnehmen.

Die im Folgenden aufgeführten, für die Biogasnutzung in 2021 empfohlenen Sorten sollten Sie daher vor allem in den Gunstlagen Niedersachsens in Ihre Anbaustrategie einbinden, versprechen doch die meisten von ihnen nicht nur hohe Trockenmasse- und Biogaserträge, sondern dazu auch noch günstige agronomische Eigenschaften.

Für 2021 erhalten die folgenden mittelspäten Sorten eine Anbauemfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas.

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen empfehlen wir die mittelspäten Sorten Farmirage (S 260), DS 1891 B (S 260), Agrogant (S 260), Farmurphy (S 260), P 8666 (S 260), Janeen (S 260), Kilomeris (S 260) sowie Novialis DS 1901C (S 290) aufgrund mehrjährig herausragender Leistungen im Biogas- und Trockenmasseertrag empfohlen. Unter diesen weisen besonders die Sorten Farmirage, Farmurphy und P 8666 sortenspezifisch hohe Biogasausbeuten auf.

Für den Probeanbau nach einjährig sehr guten Ertragsleistungen in den LSV empfehlen wir die Sorte EC Gisella (ca. S 270).

Region Süd

Für diese Region erhalten die mehrjährig geprüften mittelspäten Sorten DS 1891B (S 260), Farmirage (S 260), LG 31285 (S 270), Farmurphy (S 260), Agrogant (S 260), Stromboli CS (S 270), Novialis DS 1901C (S 290), Janeen (S 260), Matthew (S 270) sowie P 8888 (S 280) eine Anbauempfehlung. Von den genannten Sorten verfügen besonders Farmirage und Farmurphy über eine sehr gute Biogasausbeute.

Für den Probenanbau in der Region Süd wird die Sorte EC Gisella (ca. S 270) empfohlen. Diese Sorte weist ebenfalls eine weit überdurchschnittliche sortenspezifische Biogasausbeute auf.

Region West

Für das westliche Niedersachsen werden die mittelspäten Sorten DS 1891 B (S260), Farmirage (S 260), Farmurphy (S 260), Agrogant (S 260), LG 31285 (S 270), Kilomeris (S 260) sowie Novialis DS 1901C (S 290) empfohlen. Von diesen verfügen besonders die Sorten Farmirage und Farmurphy über eine hohe sortenspezifische Biogasausbeute.

Aufgrund einjährig sehr guter Ertragsleistungen wird auch in dieser Region die Sorten EC Gisella (ca. S 270) für den Probeanbau empfohlen.

Insgesamt fällt bereits seit mehreren Jahren auf, dass nach dem „Biogasboom“ die Züchtung in diesem Reifesegment wieder vermehrt auf Qualität und Kolbenleistung setzt, was aus Sicht der Maisanbauer zu begrüßen ist. Bei der Betrachtung der LSV-Ergebnisse fällt dies im mittelspäten Sortiment besonders an der großen Spreizung der Energiedichte und der Stärkegehalte auf, da hier sowohl ausgeprägte Massetypen als auch ausgeprägte Qualitätstypen aufeinandertreffen.

In den Versuchen zeigt sich sowohl im Feld als auch in den Qualitätsdaten, dass offenbar im Bereich der Kolbenleistung deutliche Entwicklungsschritte in der Züchtung gelungen sind. Die entsprechenden Sorten fallen durch eindeutig dickere Kolben auf, die nicht selten 2 oder mehr zusätzliche Kornreihen ausbilden. Im Ergebnis haben diese Sorten dementsprechend um die 10 % mehr Stärkeertrag als das Mittel des Prüfsortiments. Diese Züchtungsimpulse werden sich hoffentlich auch auf frühreifere Sorten übertragen lassen.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 20.11.2020



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