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Gülledüngung in Spur bringen

Spagat zwischen Nährstoffbedarf, Düngeverordnung und der Notwendigkeit von UFD

Wäre die Unterfußdüngung mit P-haltigen Düngern in Nordwestdeutschland nicht so wichtig, wären die zusätzlichen Maßnahmen und damit verbundenen Düngungsbeschränkungen in den roten und grauen Gebieten für den Maisanbau doch nur halb so schlimm. Doch mit diesen Maßnahmen werden gerade Futterbaubetriebe sowie alle Maisanbauer hart getroffen, denn die innerbetriebliche Verwertung der anfallenden organischen Nährstoffträger wird zur Herausforderung. Doch was tun, den mineralischen NP-Unterfußdünger (UFD) einfach weglassen? Das wäre fast wie ein Haus ohne Feuerversicherung, nur, dass es bei den meisten Betrieben weniger Brände als kalte Frühjahre gibt.

Die Ertragsversicherung mittels p-haltiger UFD bringt im Durchschnitt über die Jahre rund 5 Prozent höhere Erträge als der Verzicht bei gleichem Nährstoffangebot. Für rote Gebiete mit stärker eingeschränktem Nährstoffangebot bedeutet ein Verzicht auf die Unterfußdüngung stärkere Auswirkungen und damit ein Abrutschen in eine niedrigere Ertragsklasse. Dies zieht eine weitere Reduzierung des Düngebedarfs im Rahmen der Düngebedarfsermittlung (DBE) nach sich, so dass die betroffenen Betriebe noch mehr Nährstoffe zu hohen Kosten abgeben müssen. Sinkt das Ertragsniveau und somit auch die Ertragserwartung in der DBE von 45 t auf 40 t Silomais, so bedeutet dies, dass der Stickstoffbedarf sogar um 15 kg/ha sinkt, da je fünf Tonnen geringerer Ertragserwartung 15 kg Stickstoff vom Bedarfswert abgezogen werden müssen. Aus Tabelle 1 (Silomaisdüngung in roten Gebieten 2021) geht jedoch schon bei 45 t hervor, dass die 170 kg/ha N-Grenze aus organischer Herkunft aufgrund der hohen N-Anrechnung nicht mehr voll ausgenutzt werden kann. Also müssen die Betriebe entweder mehr Fläche pachten oder entsprechend viel Gülle abgeben.

Somit ist klar: auf Ertrag kann nicht verzichtet werden!

Die Option den Unterfußdünger durch Mikrogranulatdünger mit zumindest deutlich weniger N und P je Hektar zu ersetzen erscheint auf den ersten Blick verlockend, doch nicht nur der monetäre Aufwand für Mikrogranulatdünger (und auch hinzuzurechnender Nährstoffexportkosten) schrecken hier ab, auch die Versuchsergebnisse der Düngungsversuche der LWK mit diesen Produkten sorgen eher für Ernüchterung. Die Wirkung der Mikrogranulatdünger ist häufig leider eher mäßig, und dass, obwohl in den Produktprüfungen nur gegen eine UFD mit NP 20/20 (1 dt/ha) geprüft wurde und wird.

Auch die Nährstoffbeizen, die mittlerweile von beinahe jedem Maiszüchter angeboten werden, können bei diesem Problem nur wenig ausrichten. Jedoch entfalten zumindest einige dieser Mittel eine positive Wirkung, die dem Mais ein wenig helfen kann - eine so ausgeprägte und sichere Wirkung, wie man sie von einer mineralischen UFD gewohnt ist, sollte man hierbei aber nicht erwarten

Alle anderen getesteten Mittel, die die klassische Unterfußdüngung ersetzen können wollen, werden an dieser Stelle mangels überzeugender Wirkung gar nicht erst erwähnt.

Kein Platz für mineralische UFD

Somit wird für die intensiven Viehhalter und Biogasbetriebe in den roten und grauen Gebieten kaum eine andere Möglichkeit bleiben, als die organische Düngung zu Mais, egal ob Silo- oder Körnernutzung, zu optimieren, denn diese Nährstoffe sind ohnehin im Betrieb vorhanden und müssen daher bestmöglich verwertet werden. Jede Zufuhr von N-haltigen Mineraldüngern zu Mais führt in roten Gebieten zur Verdrängung von Wirtschaftsdünger, welcher dann vom Betrieb abgegeben werden muss.

In „grauen“ Gebieten nur noch eingeschränkte Gülledüngung möglich

Ähnliches gilt für die P-Kulisse (Graue Gebiete) bei hohen P-Gehalten im Boden, darf bereits ab diesem Jahr nicht mehr der Entzug gedüngt werden. Hier regelt die niedersächsische Landesdüngeverordnung, dass bei hohen Phosphatgehalten (>25 mg/kg P2O5) nur noch 75 % des P-Entzugs gedüngt werden darf, ab 2023 weitere Reduzierung auf 50 % des Entzugs. Bei sehr hohen P-Gehalten von > 40 mg/kg P2O5 ist eine Einschränkung von 50 des % des Entzugs vorgeschrieben. Ab 2023 dann ein vollständiges Verbot der P-Düngung.

Diese Maßnahmen bedeuten eine drastische Einschränkung der organischen Düngung bis hin zum Verbot der organischen Düngung ab 2023 bei sehr hoher P-Versorgung innerhalb der Phosphatkulisse, welche nach bisherigem Planungsstand des Landwirtschaftsministeriums noch ausgeweitet werden wird.

Wie die Erträge absichern?

Die Düngeverordnung fordert eine weitere Effizienzsteigerung der eingesetzten Nährstoffe Stickstoff und Phosphor. Erreicht werden kann dieses hohe Ziel am ehesten im Maisanbau, indem die i.d.R. vorhandene Gülle (Gärrest=Gülle) als Unterfußdünger ausgebracht und eingesetzt wird. Wie wichtig eine hohe Nährstoffeffizienz ist, hat der vorangegangene Beitrag klar aufgezeigt.

Bei Mulchsaat gibt es bereits gute Lösungen

Im Bereich der Mulchsaat bietet das Striptillverfahren eine sehr gute und ausgereifte Möglichkeit, die hohe Nährstoffeffizienz, wie sie von der DüV gefordert wird, mittels Gülleinjektion zu erreichen. Langjährige Versuche der LWK Niedersachsen haben dabei klar gezeigt, wie dieses Verfahren gelingt. Das Gülleband muss dabei auf einer Tiefe von ca. 15 cm abgelegt werden, so dass dessen räumliche Ausdehnung bis ca. 10 – 12 cm unter die Bodenoberfläche reicht. Somit ist der gleiche Abstand zwischen Saatkorn und Gülleband wie ansonsten zum mineralischen Unterfußdünger gegeben. Eine tiefere Lockerung des Bodens dankt der Mais grundsätzlich, jedoch darf das Gülleband in der Folge nicht tiefer sacken, da ansonsten kein Unterfußdüngungseffekt eintreten kann. Das Düngungsverfahren Gülle-UFD bringt bei korrekter Anwendung rund 5 % höhere Erträge als eine breitflächig eingearbeitete Gülledüngung mit 1 dt/ha NP 20/20 UFD. Auch die Stickstoffeffizienz steigt durch die Unterfußdüngung mit Gülle eindeutig, was nicht nur an der direkten Einarbeitung liegt, sondern auch an der für den Mais günstigen räumlichen Verfügbarkeit. Versuche zur reduzierten Düngung mit Gülle-UFD-Anwendung brachten gegenüber dem konventionellen Düngungsverfahren keine Mindererträge und zeigen die höhere Nährstoffeffizienz deutlich.

Den Zusatzkosten für die exakte Platzierung der Gülle bei der Ausbringung stehen deutliche Kosteneinsparungen gegenüber: So muss die Gülle, anders als bei der Ausbringung mit Schleppschlauch oder Schleppschuh, nicht mehr in einem weiteren Arbeitsgang eingearbeitet werden. Soll im konventionellen Verfahren ein Unterfußdünger gegeben werden, würde dies zu einer zusätzlichen Gülleabgabe führen, sofern der Betrieb die 170 kg N-Grenze ausschöpft. Dadurch entstehen Kosten, des Weiteren müsste das mitabgegebene Kalium zusätzlich ergänzt werden. Unterm Strich bedeutet daher das Düngungssystem Gülle-UFD für viele Betriebe keine höheren Aufwendungen, kann jedoch bei exakter Anwendung gleichwertige bis höhere Erträge bringen.

Doch nicht alle Flächen werden in Mulchsaat bewirtschaftet. Das Pflügen zu Mais ist nach wie vor weit verbreitet und geht einher mit einer schnelleren Bodenerwärmung. Der Mais dankt dies in der Regel (so lange die Wasserverfügbarkeit nicht leidet) mit einer besseren Jugendentwicklung und höheren Erträgen. Ein Umstellen der Bodenbearbeitung hin zur Mulchsaat ist also nicht immer problemlos möglich.

Problem gepflügte Böden 

Die Gülleunterfußdüngung ist auf gepflügtem Boden jedoch schwieriger, da hierfür der Acker nach dem Pflügen nochmals mit rel. schwerer Technik befahren werden muss. Auch hierfür gibt es Lösungen wie zum Beispiel eine Gülleverschlauchung direkt in die Düngerschare des Maissägeräts (doppelter Satz mit Gülleband beidseitig der Maisreihe); ein Verfahren welches in den Niederlanden bereits seit über 10 Jahren erfolgreich praktiziert wird. Doch in den häufig kleinstrukturierten Futterbauregionen Niedersachsens wird man damit an die Grenzen des Machbaren gelangen. In weiten Teilen Ostfrieslands, und nicht nur dort, liegt die durchschnittliche Flächengröße gerade mal bei 2 ha. Auch absetzige Verfahren, bei denen Düngung und Saat getrennt verrichtet werden, haben auf kleinen Flächen, und davon gibt es viele, ihre Schwierigkeiten. Das Hauptproblem liegt hierbei in der Verdichtung des gepflügten Bodens. Möglichkeiten zur Vermeidung bestehen in Zwillingsbereifungen bei Düngung (und Aussaat), die auf die Reihenabstände abgestimmt sind, wie man es beispielsweise aus den USA kennt. Je nach Spurweite ist in Umdenken hin zu ungeraden Reihenzahlen sinnvoll und notwendig (z.B. Sieben- oder Neunreiher).

Ebenfalls wäre es denkbar, die Reihenabstände bei Düngung und Saat so zu verändern, dass diese im Bereich der Fahrspuren leicht vergrößert, in den übrigen Bereichen jedoch deutlich verkleinert (bis hin zur Engsaat) werden. Fahrzeuge mit Überbreite durch Zwillingsbereifungen könnten so verhindert werden. Eine Anpassung der Saatstärke pro Reihe ist dank elektrischer Säantriebe bereits heute schon möglich und in der Praxis eingeführt. Somit ließen sich mehrere positive Effekte vereinen, denn keine Reihe müsste in einer Fahrspur vor sich hin kümmern, gleichzeitig würden positive Effekte von Gülleunterfußdüngung und Maisengsaat kombiniert. Auch Hacktechnik ließe sich auf solche Systeme einstellen. Der Maisbestand würde von besten Wachstumsbedingungen ohne Schadverdichtungen in der Krume, hoher Nährstoffkonzentration und –Effizienz durch Gülleunterfußdüngung sowie den Vorteilen der optimierten Standraumverteilung profitieren.

Auf diesem Wege kann es möglich sein, auch auf gepflügten Böden Mais ohne mineralischen Unterfußdünger erfolgreich und ohne Ertragseinbußen anzubauen. Gefragt sind Landtechnikfirmen und Lohnunternehmer gleichermaßen, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Ziele wie eine hohe Flächenleistung müssen dabei vor dem Ziel einer verbesserten Nährstoffeffizienz zurücktreten.

Fazit:

Die Düngung in den roten und grauen Gebieten wird mehr und mehr zur Herausforderung für die landwirtschaftlichen Betriebe. Entspannung ist nur zu erwarten, wenn in den kommenden Jahren wieder Flächen aus der Gebietskulisse „rote Gebiete“ herausgenommen werden, nach dem sich die Nitratmesswerte in den Vorfeldmessstellen verbessert haben.

Für den Maisanbau bleibt unter den verordneten Umständen nur eine sinnvolle Option der Düngung mit Gülle: diese muss in der erlaubten Menge als Unterfußgabe vor Saat platziert werden, um einerseits die geforderte Nährstoffeffizienz zu erreichen und damit auch andererseits die Erträge nicht zu gefährden, denn Ertragsverluste könne nicht in Kauf genommen werden.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 12.01.2021