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Anmeldung von Wintergetreide-Saatgut in Deutschland 2019

Vermehrungen von Wintergetreide 2019 erheblich ausgedehnt

Willi Thiel und Eric Preuß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, für die Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für landwirtschaftliches Saat- und Pflanzgut in Deutschland

 

Alljährlich zum 31. März erfolgt die Anmeldung der Wintergetreide-Vermehrungsflächen, so dass nun das Zahlenmaterial für das gesamte Bundesgebiet in zusammengefasster Form vorliegt. Wie immer zum jetzigen Zeitpunkt eines Jahres sind die Zahlen noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet und als vorläufig zu betrachten. Auch deshalb, da in aller Regel bis zum Beginn der Feldbesichtigungen noch mit einem gewissen Anteil an Zurückziehungen zu rechnen ist; andererseits sind Nachmeldungen natürlich ebenfalls noch möglich. Vorläufig liegen die angemeldeten Vermehrungsflächen bei Wintergetreide bei 110.244 ha, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 13.169 ha oder einem Plus von knapp 14% entspricht.

Ein Rückblick auf die zurückliegenden Ernten und die Witterungsverläufe macht die Entwicklung der Vermehrungsflächen teilweise besser verständlich. Die Ernte 2017 erfolgte nässebedingt, außer bei der Wintergerste, meist verzögert und unter erschwerten Bedingungen, was sich zur anstehenden Herbstaussaat noch steigerte, sodass viele für Winterung vorgesehene Flächen unbestellt blieben. Trockenheitsbedingt wurden dann in 2018 nach einem kühlen Frühjahr die Erntearbeiten im wärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen i.d.R. vorzeitig begonnen und beendet, teilweise mit erheblichen Ertragseinbußen insbesondere im Norden und Osten von Deutschland. Gleichzeitig wurden in dem Zeitraum für die Ernten 2015 bis 2018 die Vermehrungsflächen für Wintergetreide teilweise im zweistelligen %-Bereich zurückgefahren. Dies stand wiederum mit Saatgutüberkapazitäten in Zusammenhang, die sich durch überdurchschnittlich hohe Getreideernten in den Jahren 2013 – 2015 aufgebaut hatten. So nennt die Bundesstatistik für 2014 einen Durchschnittsertrag von 86,3 dt/ha, 2018 waren es lediglich 66,8 dt/ha für die Hauptgetreideart Weizen. Ob nun die jetzt vorgenommene Ausdehnung zu hoch gegriffen ist oder ob insgesamt Angebot und Nachfrage in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, wenn die Aussaat für 2020 ansteht, wird ganz entscheidend vom weiteren Witterungsverlauf im Mai abhängen. Momentan sehen die Getreidebestände noch ganz gut aus, wenn auch in der Entwicklung etwas weiter als in Normaljahren, da der Winter sehr mild und das Frühjahr bis Ostern recht warm war. Allerdings herrscht in vielen Regionen weiterhin ein erhebliches Wasserdefizit.

Plus 13,6 %Vermehrungen bei Wintergetreide

In Deutschland wurde die Vermehrung von Wintergetreide in diesem Jahr stark ausgedehnt und zwar um 13.169 ha, so dass die Gesamtvermehrungsfläche für Wintergetreide nun bei vorläufig 110.244 ha liegt.

Dies spiegelt sich teilweise auch in den vorläufigen Anbauzahlen für Wintergetreide wider. Danach wurde die Gesamtanbaufläche von Wintergetreide deutlich (+ 8,8 %) auf 5.425.700 ha ausgeweitet. Die stärkste Ausdehnung war relativ bei Winterroggen mit + 22 % auf 637.000 ha und Wintergerste (+ 12,9 %) auf 1.371.900 ha zu verzeichnen. Dagegen sind bei Wintertriticale jetzt 391.800 ha (+ 9,6 %) und Winterweizen jetzt mit 3.025.000 ha (+ 4,6 %), also nun wieder über der 3 Mio. ha - Marke liegend, in der vorläufigen Statistik verbucht. All dies ging scheinbar überwiegend zu Lasten des Rapsanbaus, der vorläufig mit 917.100 ha beziffert wird, was einem Minus von 25 % entspräche. Außerdem wird aufgrund des letztjährigen Futterdefizits mit einer Ausdehnung des Maisanbaus gerechnet.

Ähnlich ist die Situation in den Vermehrungen. Erhebliche Zunahmen verzeichnet, relativ betrachtet, die Vermehrung von Wintergerste (+ 20,0 %) und Winterroggen (+ 17,0 %). Dann folgt der Weizen mit einer Zunahme um 11,4 % und schließlich Wintertriticale mit 5,9 %. Besonders starke Zunahmen erfolgten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Beide Bundesländer hatten nässebedingt besonders große Schwierigkeiten bei der Aussaat im Herbst 2017.

 

Besonders mehrzeilige Wintergerste stark ausgedehnt

Im dritten Jahr hintereinander wurden die Vermehrungsflächen bei Wintergerste ausgedehnt, besonders stark für 2019 und liegen nun bei 26.886 ha. Besonders in Schleswig-Holstein und Niedersachsen und in allen ostdeutschen Bundesländern wurden mehr Vermehrungen angelegt. Mit 4.000 ha Fläche stehen die meisten Vermehrungen in Sachsen-Anhalt, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit fast 4.000 ha und Niedersachsen mit gut 3.600 ha.

Hauptsorte in der Vermehrung ist wie im Vorjahr die mehrzeilige Sorte KWS Kosmos mit 3.153 ha, gefolgt von der zweizeiligen Sorte California und der mehrzeiligen Sorte Quadriga, die mit über 2.000 ha ähnliche Größenordnungen wie im Vorjahr erreichen. Besonders starke Zunahmen weisen dabei die Sorten KWS Orbit, SU Jule, SY Galileoo und Mirabelle, alle mehrzeilig, auf. Der Anteil an mehrzeiligen Sorten ist mit 72,7 % weiterhin sehr hoch (Vorjahr: 69,8 %). Mit 1.938 ha erreichen die Hybridsorten einen Anteil von 7,2 % (2018: 5,3 %), nach starken Rücknahmen in den vergangenen Jahren also eine Zunahme.

 

 

 

Winterweizen oberhalb von 57.000 ha in der Vermehrung

Während bei Winterweizen die Vermehrung im Vorjahr unfreiwillig am stärksten eingeschränkt worden war, wurde diese nun um 5.849 ha gegenüber der Ernte 2018 (51.319 ha) ausgedehnt. Besonders Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern legten erheblich zu. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland mit mehr als 7.000 ha Vermehrungsfläche sind weiterhin Mecklenburg-Vorpommern (9.374 ha), Niedersachsen (8.264 ha) und Sachsen-Anhalt (7.005 ha).

Mit 9.025 ha hat die A-Sorte RGT Reform um 771 ha zugelegt und kommt erneut auf einen Anteil von etwa 16 %. Mit 2.597 ha bzw. 2.545 ha folgen mit deutlichem Abstand die B-Sorte Informer und die A-Sorte LG Initial und dann der Vorjahreszweite Patras, eine A-Sorte. Weitere Sorten mit ebenfalls mehr als 2.000 ha Vermehrungsfläche sind Asory (A), KWS Talent (B), Ponticus (E) und Elixer (C). Besonders starke Zunahmen verzeichneten im Übrigen neben den bereits genannten Sorten Asory, LG Intial, Informer und KWS Talent die A-Weizensorte Lemmy. Letztere beiden nahmen um mehr als 1.000 ha, die erstgenannten gar um mehr als 2.000 ha in der Vermehrung zu.

Hinsichtlich der Qualitätsgruppen ist der Anteil an A-Sorten mit 57,2 % (Vorjahr: 57,1 %) etwa gleich geblieben und derjenige von B-Sorten hat mit 23,5 % (2018: 20,9 %) erkennbar zugenommen und der Anteil an C-Sorten mit 5,1 % (2018: 7,3 %) etwas abgenommen. E-Sorten liegen nun mit 13,0 % Anteil auf dem Vorjahresniveau (13,1 %).

 

Die Vermehrung von Spelzweizen wurde kräftig um 495 ha auf 2.013 ha erweitert. Hauptvermehrungsregionen sind hier weiterhin vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Hauptsorten in der Vermehrung sind wie bisher auf den ersten beiden Plätzen Zollernspelz und Franckenkorn und an dritter Stelle nun Zollernperle.

 

Die Nischenfruchtart Winterhartweizen wird im Umfang von 646 ha (2018: 723 ha) vermehrt. Schwerpunkte sind hier Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern.

 

Erneute Zunahme bei Winterroggen

Nachdem bereits im vergangenen Jahr nach zwei Jahren mit weniger als 10.000 ha Vermehrungsfläche in Deutschland wieder mehr als 10.000 ha vermehrt wurden liegt diese nun gar bei 12.290 ha. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland mit mehr als 2.000 ha Vermehrungsfläche sind weiterhin Mecklenburg-Vorpommern (2.863 ha), Niedersachsen (2.642 ha) und Sachsen-Anhalt mit (2.289 ha).

Nachdem drei Jahre hintereinander in Deutschland mehr Populationssorten als Hybriden vermehrt wurden, hat sich dieses Verhältnis wieder gedreht. Letztere kommen auf einen Anteil von 53,3 % (Vorjahr: 47,1 %).

Auch im neunten Jahr in Folge wird die Sortenrangliste von der Populationssorte Dukato angeführt mit 1.379 ha (Vorjahr: 1.581 ha). Mit einem gesteigerten Vermehrungsumfang gegenüber dem Vorjahr von 215 ha folgt an zweiter Stelle mit der Grünroggensorte Protector, die speziell für den Winterzwischenfruchtanbau geprüft wurde, eine weitere freiabblühende Sorte, diese erreicht nun 1.346 ha. Schließlich folgt mit der EU-Sorte KWS Tayo die erste Hybride mit einer Fläche von 976 ha und dann vier weitere Hybriden (KWS Eterno, KWS Binntto, SU Performer, KWS Serafino) mit Vermehrungsflächen oberhalb von 900 ha. Besonders stark ausgedehnt in der Vermehrung im Vergleich zum Vorjahr wurden die Sorten KWS Tayo, KWS Eterno, SU Popidol (eine Populationssorte) und KWS Serafino.

 

Wintertriticale leicht ausgeweitet

Auch bei Wintertriticale wurden etwas mehr Vermehrungen angelegt. Die Vermehrungsfläche erreicht insgesamt 11.242 ha, das sind 630 ha mehr als in 2018.

Bei den Sorten hat Lombardo seine dominierende Rolle mit einem Plus von 854 ha auf nun 4.793 ha weiter ausgebaut, gefolgt von Porto, der mit 796 ha an zweiter Stelle rangiert und erheblich zugelegt hat. An dritter Stelle folgt nun der Vorjahreszweite Barolo mit 723 ha und die Sorte Cedrico (693 ha). Besonders starke Ausdehnungen wurden bei den beiden erstgenannten Sorten vorgenommen. Als Randnotiz ist zu vermerken, dass in Deutschland auch 21 ha an Hybridtriticale vermehrt werden.

 

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass aus Platzgründen von den angesprochenen Fruchtarten nicht alle Sorten dargestellt werden können. In der Regel werden Sorten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche in Deutschland nicht aufgeführt, bei Winterweizen ist die Grenze aufgrund des besonders großen Sortenspektrums bereits bei 100 ha gezogen. Alle Sorten und die dazugehörigen Flächen können ab sofort auch unter www.ag-akst.de, der Internetplattform der Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen in Deutschland, abgerufen werden.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
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Stand: 04.06.2019