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Pflanzkartoffel-Vermehrung in Niedersachsen 2019

Pflanzkartoffelanmeldung 2019

In Niedersachsen sind in diesem Jahr insgesamt 7.029 ha Pflanzkartoffeln zur Vermehrung angemeldet. Damit hat die Vermehrungsfläche nochmals deutlich zugenommen, um 596 ha bzw. 9,3% gegenüber dem Vorjahr mit 6.433 ha.

 

 

 

Die Anmeldungen zur Vermehrung von Pflanzkartoffeln mussten bis zum 15. Mai bei der Anerkennungsstelle vorliegen. Bedeutendste Sorte - mittlerweile im 11. Jahr in Folge - ist die frühe Speisesorte Belana mit 435 ha bzw. einem Anteil von 6,2 % an der gesamten Vermehrungsfläche.

 

 

Es folgen die mittelfrühe Chipssorte Verdi mit 327 ha bzw. 4,7 % und die mittelfrühe Verarbeitungssorte Agria mit 300 ha bzw. 4,3 %. Insgesamt vermehrt werden in Niedersachsen 244 Sorten der in Deutschland 548 zugelassenen Sorten, wobei allein auf die 10 größten Sorten 2.269 ha und damit rund ein Drittel (32,3%) der Vermehrungsfläche entfällt. Von den 244 Sorten werden 81 in nur sehr geringem Umfang vermehrt: 49 Sorten mit nur einem einzigen sowie weitere 32 Sorten mit nur 2 Vermehrungsvorhaben. In der Tabelle sind die 120 Sorten mit einer (in 2019 vorläufigen) Vermehrungsfläche von 10 ha oder mehr namentlich genannt; zum Vergleich sind die Flächen dieser Sorten der beiden Vorjahre dargestellt. Auf diese 120 Sorten entfallen 6.617 ha bzw. 94,1 % der Vermehrungsfläche. Alle anderen Sorten sind bei jeder Reife- und Sortengruppe jeweils unter „Andere Sorten“ zusammengefasst. Die Vermehrungen von noch nicht zugelassenen Sorten („Stämme“) in kleinen Einheiten in Gewächshäusern bzw. Tunneln oder in Freilandparzellen kommen noch hinzu. Bei den in Niedersachsen vermehrten 244 Sorten handelt es sich nur noch bei 112 Sorten um national geprüfte Sorten; hier existiert noch die klassische Einteilung in Reife- und Sortengruppen. Die anderen 132 Sorten sind so genannte EU-Sorten, auf die eine immer größer werdende Vermehrungsfläche entfällt, mittlerweile mit 3.059 ha also 43,5 %. EU-Sorten wurden ursprünglich in irgendeinem anderen EU-Mitgliedsstaat zugelassen und dann darauf hin wurden sie ohne weitere Prüfung auch in Deutschland zugelassen.

Betrachtet man die Vermehrungsflächen der einzelnen Sorten, so ist zu beachten, dass Pflanzkartoffeln in verschiedenen Kategorien (Vorstufen-, Basis- und Zertifiziertes Pflanzgut) und Klassen (V/PB und V/PBTC bzw. B/S, B/SE und B/E bzw. Z/A und Z/B) in verschiedenen Anteilen zur Anerkennung angemeldet sind. Der Anteil der Produktion von Basispflanzgut hat in Niedersachsen weiter erheblich zugenommen. Denn von den 3.122 insgesamt angemeldeten Vermehrungsvorhaben (zum Vergleich im Vorjahr: 2.953 Vorhaben) sind zur Produktion von Basispflanzgut 1.344 Schläge entsprechend 2.774 ha bzw. 39,5 % der Gesamtfläche angemeldet (Vorjahr: 1.143 Schläge entsprechend 2.124 ha bzw. 33,0 %). Des Weiteren sind rund 400 Vermehrungsvorhaben vorgesehen zur Erzeugung von Vorstufenpflanzgut (Klassen PBTC und PB). Zertifiziertes Pflanzgut wird auf 1.381 Schlägen entsprechend 4.026 ha bzw. 57,3 % vermehrt (Vorjahr: 1.440 Schläge entsprechend 4.105 ha bzw. 63,8 %). Die Produktion von Zertifiziertem Pflanzgut zu abermals Zertifiziertem Pflanzgut (die ehemalige „Z2-Vermehrung“) ist bei Kartoffeln nur möglich, wenn sie in demselben Betrieb erfolgt, der im Vorjahr das Z-Ausgangsmaterial erzeugt hat; sie ist von Produktion und Ökonomie her aber nur bedingt sinnvoll.

Vermehrung von Pflanzkartoffeln findet in spezialisierten landwirtschaftlichen Betrieben statt. Die Durchschnittsgröße der Schläge im Vergleich zum Vorjahr ist weiter angestiegen; im Bereich der Z-Vermehrung von 2,85 ha auf 2,92 ha und bei der Basis-Pflanzgut-Vermehrung von 1,86 ha auf 2,06 ha. In diesem Jahr vermehren 345 Betriebe Pflanzkartoffeln, damit haben 28 Betriebe die Vermehrung eingestellt, 41 Vermehrer sind dagegen neu hinzugekommen. 332 Betriebe waren es in 2018 und 325 Betriebe in 2017. Dabei nimmt die Spezialisierung seit etlichen Jahren noch weiter zu: erzeugte 2017 bzw. 2018 jeder Vermehrer - über alle Stufen hinweg – 18,90 ha bzw. 19,38 ha Pflanzkartoffeln, sind es 2019 bereits 20,38 ha. Betreut werden die Vermehrer durch die Vertriebsfirmen wie z.B. Genossenschaften oder Landhandelsfirmen; insgesamt handelt es sich um 31 kleine und große Firmen, die Pflanzkartoffeln erzeugen lassen, um sie später zu handeln.

Dieselbe Kartoffelsorte in zwei verschiedenen Kategorien bzw. Klassen kann ein Vermehrer produzieren, wenn er die saubere Trennung der Stufen gewährleisten kann - vom Pflanzen übers Roden und Lagern bis zur Aufbereitung und Verladung. Konsumkartoffeln von derselben Sorte, die auch in einem Betrieb vermehrt wird, existieren in 618 Fällen und damit bei 19,8% der Vermehrungsvorhaben. In der Pflanzkartoffelproduktion dürfen auf dem Vorgewende Kartoffeln nur ausnahmsweise angebaut werden: auf einem Teil der zur Vermehrung angemeldeten Flächen existieren so genannte vorgelagerte Schlagteile, die jeweils Bestandteil des betreffenden Vermehrungsvorhabens sind. Hier ist ein mindestens 3 m breiter, von Streubewuchs freier Trennstreifen unbedingt einzuhalten. Der Feldbesichtiger kontrolliert während der Wachstumsphase der Kartoffeln auch, ob Kartoffeldämme auf Vermehrungsschlägen überfahren worden sind. Wurde ein Damm überfahren, müssen die betroffenen Kartoffeln aus dem Boden entfernt werden. Zur Erleichterung des Einfahrens in die Fahrspuren hat sich die Anlage von „Einfahr-Trichtern“ bewährt: hier werden die Stauden links und rechts neben der Fahrspur auf einigen Metern entfernt.

Im Hinblick auf die einzelnen Anforderungen an den Feldbestand wird auf die aktuell gültigen „Richtlinien für die Feldbesichtigung“ der LWK Niedersachsen verwiesen.

Willi Thiel und Eric Preuß, Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 12.06.2019