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Vermehrung auf dem Niedersächsischen Weg?

Erstmals mit dieser Anmeldung von Vermehrungsvorhaben waren die Antragsteller (Vertriebsfirmen bzw. Züchter) gehalten, anzugeben, ob das Vermehrungsvorhaben unter ökologischen oder konventionellen Wirtschaftsbedingungen durchgeführt wird.

Da die Angabe für das Anerkennungsverfahren nicht gesetzlich verpflichtend ist und die Anerkennungsstellen diese Angabe weder auf Vollständigkeit noch auf sachliche Richtigkeit überprüfen können, ist das Zahlenmaterial mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, dürfte aber dennoch einen guten Überblick vermitteln. Zukünftig wird diese Angabe auch insofern bedeutsam werden, weil alle Öko-Betriebe ab dem 01.01.2021 die neue EU-Ökoverordnung anwenden müssen. Die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten sind nach dieser Verordnung aufgefordert, einen Überblick über die vermehrten Sorten und deren Umfänge zur Verfügung zu stellen. Weiterhin haben sich fast alle Landesregierungen und die Bundesregierung auf die Fahne geschrieben, den ökologischen Landbau auszuweiten. So sieht der gemeinsam von der Landesregierung, dem Landvolk, der Landwirtschaftskammer, den Naturschutzverbänden BUND und NABU avisierte Weg für Niedersachsen eine Ausweitung des Ökoanbaus auf 10% bis 2025 und bis 2030 gar auf 15% vor. Wie die derzeitige Situation im Bereich der Getreidevermehrung aussieht, wird im Folgenden kurz skizziert und analysiert (Tabelle 1 und Tabelle 2). Da bereits über die aktuelle Situation der Getreidevermehrung in Niedersachsen insgesamt berichtet wurde, einschließlich der Einbeziehung von Qualitätseinstufungen, beschränken sich die jetzigen Ausführungen auf solche Sorten, die sowohl unter ökologischen als auch unter konventionellen oder auch nur unter ökologischen Verhältnissen vermehrt werden.

 

Wintergetreide kommt auf 7,1% Öko-Anteil

Wie Tabelle 1 am Ende zeigt, entfallen von den 16.013 ha insgesamt vermehrten Wintergetreidesorten 7,1% auf Öko-Vermehrungen. Erwartungsgemäß überwiegen bei den Winterroggensorten im Öko-Bereich die Populationssorten mit einem Anteil von rund zwei Drittel, da Hybriden von einigen Verbänden abgelehnt werden. Von den gesamten Winterroggenvermehrungen entfallen rund 6% auf Vermehrungen unter ökologischen Bedingungen. Bei Winterweizen werden von den 91 insgesamt vermehrten Sorten 20 in Öko-Betrieben vermehrt und erreichen flächenmäßig einen Anteil von 6,2%. Wintergerste erreicht diesbezüglich 4,1%, wobei etwa die Hälfte der Sorten nur in ökologischen Betrieben in Vermehrung stehen. Ähnlich ist es auch beim Winterweizen. Die Wintertriticale-Vermehrung im ökologischen Bereich ist auf drei Sorten beschränkt, insgesamt werden 20 Sorten vermehrt, kommt aber auf einen Anteil von 9,5%. Niedersachsenweit wird nur eine Winterhafer-Sorte vermehrt und diese steht in einem Öko-Betrieb. Eine dominierende Rolle spielen die Öko-Betriebe bei der Vermehrung von Dinkel. Der Winterspelzweizen steht zu fast 90% in ökologisch wirtschaftenden Vermehrungsbetrieben.

 

Sommergetreide-Vermehrung in Öko-Betrieben erreicht über 26%

Insgesamt erreicht die Vermehrung von Sommergetreide nur einen Anteil von 12,3% an der gesamten Getreidevermehrung. Hier tun sich erhebliche Unterschiede zwischen ökologisch und konventionell auf. Anders als bei Wintergetreide, wo der Öko-Anteil bei (lediglich) 7,1% liegt, erreicht dieser im Sommerungsbereich 26,3%. U.a. ist hier der Aspekt Wechsel Winterung-Sommerung alleine als eine Strategie den Unkrautdruck zu reduzieren von Bedeutung. Anders als im konventionellen Bereich spielt die Vermehrung von Sommergerste in ökologischen Vermehrungsbetrieben nicht die erste Geige, sondern hier es der Sommerhafer, der mit 35% Vermehrungsanteil in Öko-Betrieben sicherlich in der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen hat, dass es insgesamt mit der Vermehrung und dem Anbau von Hafer etwas aufwärtsging. Nur in ökologisch wirtschaftenden Betrieben steht die Vermehrung einer Sommer-Spelzweizensorte. Die Vermehrung von Sommerweizen kommt auf einen Öko-Anteil von nicht ganz 20%, wobei vier Sorten vermehrt werden von insgesamt 19 vermehrten Sorten. Die einzige Sommerroggensorte, die vermehrt wird, steht mit einem hohen Anteil in Öko-Betrieben. Noch ausgeprägter ist es bei Sommertriticale. Bezogen auf die Fläche erreichen hier die Öko-Vermehrungen einen Anteil von 94,4%, bei Rauhafer sind es immerhin 24%.

 

Im Deutschland weiten Vergleich liegt Niedersachsen damit bei Wintergetreide ganz im Trend: in Deutschland werden 7,0% Wintergetreide ökologisch vermehrt; hierbei handelt es sich um 7.198 ha ökologischer Vermehrung von insgesamt 102.821 ha Vermehrung. Bei Sommergetreide dagegen beläuft sich die ökologische Vermehrung – gegenüber 26,3% bei uns - nur auf 18,3% der Fläche: 3.360 ha von insgesamt 18.340 ha werden in Deutschland ökologisch vermehrt.

Fazit

Insgesamt nehmen in Niedersachsen die unter ökologischen Wirtschaftsbedingungen erzeugten Getreidevermehrungen bezogen auf die Fläche, nicht auf die Menge, einen Anteil von 9,3% ein. Aus diesem sehr eingeschränkten Blickwinkel heraus, käme man also heute schon recht nahe an das Teilziel des Niedersächsischen Weges von 10% heran. Dabei ist der Anteil an Sommerungsvermehrungsvermehrungen im Öko-Bereich erheblich höher als in der konventionellen Landwirtschaft. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass in einem weiteren Artikel ("Die Vermehrung von Pflanzkartoffeln in ökologisch wirtschaftenden Betrieben nimmt Fahrt auf!") der Kartoffelbereich bezüglich die Vermehrungssituation ökologisch-konventionell beleuchtet wird.


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Stand: 22.07.2020