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Beginn der Feldbesichtigung bei Winterölfrüchten

Willi Thiel und Eric Preuß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut

Winterraps und Winterrübsen mussten bereits jetzt im Herbst zur Anerkennung für die Ernte 2021 angemeldet werden. Vor Winter müssen alle Feldbestände besichtigt werden und dabei die Anforderungen erfüllen, die sich vor Winter prüfen lassen.

 

Die Feldbesichtigung der Winterölfrüchte beginnt ab 26.10.2020. Bei Populationssorten (Liniensorten) sind mindestens zwei Feldbesichtigungen erforderlich, wovon eine im Herbst stattfindet, die zweite folgt dann zur Blüte im Frühjahr. Nach der Herbst-Besichtigung kommen noch drei weitere Besichtigungen hinzu wenn es sich um Hybriden handelt: nämlich eine zu Beginn der Blüte, eine zur Vollblüte und eine nach der Blüte zur Kontrolle des Schlegeltermines der Vaterlinie.

 

 

Im Herbst Abweicher und Fremdbesatz bereinigen

Sortenabweicher, d.h. Pflanzen der vermehrten Art, die sich jedoch zum Beispiel in Bereifung oder Lappung von der vermehrten Sorte unterscheiden, lassen sich bereits im Herbst hervorragend mit vergleichsweise geringem Aufwand beseitigen. Gleiches gilt auch für bodenbürtige Verunreinigung mit Fremdbesatz wie Ölrettich oder Rübsen in Raps bzw. umgekehrt.

 

 

 

Raps und Rübsen lassen sich aufgrund ihres Habitus gut voneinander unterscheiden; bei feuchter Witterung oder Taubildung zeigen die Rapspflanzen abperlendes Wasser in ausgeprägter Form im Gegensatz zu den Rübsen. Hinsichtlich der Sortenreinheit darf der Feldbesichtiger in seinen Auszählungen im Durchschnitt maximal 5 abweichende Typen bei Vorstufen- bzw. Basis-Vermehrungen und 15 abweichende Typen in Z-Vermehrungen vorfinden, ansonsten gilt der Bestand als ohne Erfolg feldbesichtigt und das Verfahren

kann nur nach erfolgreicher Bereinigung und nachfolgender Nachbesichtigung fortgesetzt werden.

 

 

Gleichzeitig achtet der Feldbesichtiger auf bestimmte Unkräuter oder andere Pflanzen

arten, deren Samen sich vom Raps- bzw. Rübsen-Saatgut nur schwer unterscheiden lassen bzw. auf solche, deren Samen sich schwer herausreinigen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Ölrettich, Schwarzer Senf, Weißer Senf, Sareptasenf und Ackersenf sowie Futterkohl, Stoppelrübe und außerdem Klettenlabkraut und kleinsamige Wickenarten wie viersamige Wicke, rauhaarige Wicke, schmalblättrige Wicke. Auch für diese Arten dürfen festgelegte Grenzwerte in den Auszählungen nicht überschritten werden.

 

 

 

 

 

 

Worauf ist noch zu achten?

Jeder Vermehrungsschlag muss zur eindeutigen Identifizierung beschildert sein; das Schild muss Angaben über Fruchtart, Sorte, Größe und Bezeichnung des Schlages, beantragte Kategorie, Name und Anschrift des Vermehrers aufweisen. Bei Fehlen des Schildes erfolgt eine gebührenpflichtige Nachbesichtigung. Bei Winterraps als überwiegender Fremdbefruchter sind zur Vermeidung von Fremdbefruchtung Mindestabstände zu anderen Rapsschlägen einzuhalten: bei Hybrid-Sorten (männlich-sterile Mutterlinie) 500 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 300 m bei Z- Saatgut; bei Liniensorten 200 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 100 m bei Z-Saatgut. Die Einhaltung dieser Mindestabstände wird vom Feldbesichtiger ebenso überprüft wie die saubere Abtrennung zu sonstigen Mähdruschfrüchten.

 

Hybridvermehrungen sind im Streifen-Anbau angelegt: es wechseln breitere Streifen von Mutterpflanzen mit schmaleren Streifen von Vaterpflanzen; hier muss die Trennreihe zwischen Vater- und Mutterlinie mindestens 80 cm bzw. die doppelte Reihenweite bei Einzelkornsaaten betragen. Gleichermaßen muss dieser Abstand auch zum Vorgewende und ggf. zu einem keilförmig verlaufenden Schlagteil eingehalten sein, u.a. auch damit jegliche Sorten- bzw. Linienvermischungen zur Ernte ausgeschlossen werden können. Sind nur Teilbereiche der Fläche für die Vermehrung geeignet, muss die Abtrennung des Vermehrungsteiles vor der ersten Besichtigung erfolgen. Hier muss die Abtrennung mindestens 40 cm betragen. Zur Risikoverminderung kann aber der gesamte Schlag zur Vermehrung angemeldet werden; die Abtrennung mit „Zurückziehung“ eines Teils der Fläche erfolgt dann im Frühjahr vor der zweiten Besichtigung. Weitere Details zur Anlage der Vermehrungen finden sich in den regelmäßig versendeten Rundschreiben bzw. den Richtlinien zur Feldbesichtigung (siehe auch unter www.LWK-Niedersachsen.de). Erforderliche Nachbesichtigungen sind gebührenpflichtig. Wurde die Herbstbesichtigung erfolgreich abgeschlossen wird i.d.R. mit Beginn der Blüte das Verfahren fortgesetzt. Hier stehen dann erneut die Sortenreinheit und zusätzlich bei Hybridsorten die Überprüfung der Sterilität bzw. Fertilität im Vordergrund.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
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Stand: 20.10.2020