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Die Feldbesichtigung beginnt in Kürze

Im Frühjahr beginnen in Niedersachsen die Feldbesichtigungen der meisten Kulturen. Die Termine erstrecken sich je nach Fruchtart bis in den Juli, in wenigen Fällen bis in den September hinein. Da für die Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln auch weiterhin zwingend gesundes und qualitativ hochwertiges Saat- und Pflanzgut benötigt wird, muss die Feldbestandsprüfung abermals unter den derzeitigen erschwerten Rahmenbedingungen durchgeführt werden. Diese ist unter fachlichen und juristischen Gesichtspunkten Voraussetzung für die Zertifizierung von Saatgut. Selbstverständlich müssen von allen Beteiligten die vorgegebenen Abstands- und anderen Verhaltensregeln zur Minimierung von Infektionsmöglichkeiten für den Menschen eingehalten werden. Im Folgenden werden einige wesentliche Gesichtspunkte erläutert, die der Vermehrer bei der Saatgut- und Pflanzkartoffel-Vermehrung beachten muss. Die Anforderungen, denen Vermehrungsbestände genügen müssen, gehen aus der „Saatgutverordnung“ und der „Pflanzkartoffelverordnung“ hervor.

Bei der Vermehrung von Saatgut oder Pflanzgut reicht es für den Vermehrer und die ihn betreuenden Vertriebsfirmen und Aufbereiter aber aus, ist es wiederum aber auch notwendig, sich hinsichtlich der Feldbestandsprüfung an den „Richtlinien für die Feldbesichtigung“ der Landwirtschaftskammer zu orientieren. Zurückziehungen und Teilzurückziehungen sind im Grundsatz nur durch den Anmelder möglich. Vom Vermehrer beantragte Zurückziehungen werden ebenfalls angenommen, jedoch wird dabei von der Anerkennungsstelle vorausgesetzt, dass dies mit dem Sortenschutzinhaber abgesprochen ist. Jede Vermehrungsfläche ist spätestens bis zum Beginn der Feldbesichtigung durch ein Schild zu kennzeichnen. Auf dem Schild müssen Fruchtart, Sortenname, beantragte Kategorie (bei Pflanzgut auch Klasse), Schlagbezeichnung, Schlaggröße, Name und Wohnort des Vermehrers sowie die Vertriebsfirma angegeben sein. Liegen bei Pflanzkartoffeln ausnahmsweise vorgelagerte Schlagteile vor, sind diese ebenfalls auf dem Schild aufzuführen. Bei fehlendem Schild findet keine Feldbesichtigung statt bzw. nur eine Besichtigung unter Vorbehalt. Bei nicht ordnungsgemäßer Beschilderung wird je Schlag eine Gebühr für die Nachkontrolle erhoben. Anträge auf Nachbesichtigung müssen innerhalb einer Frist von 3 Tagen nach Eingang der Mitteilung über das Ergebnis der jeweiligen Feldbesichtigung gestellt werden.

 

Die Anzahl der durchzuführenden Feldbesichtigungen beträgt bei Hybrid-Winterraps mindestens vier; bei Vorstufen- bzw. Basis-Vermehrungen (V/B) von Hybrid-Winterrroggen und Hybrid-Sommerraps mindestens drei; bei V/B von Getreide, Z-Vermehrungen von Hybridroggen und Hybridgerste, V/B von Gräsern, V/B von Futtererbsen, Ackerbohnen und Wicken, allen Lupinen, Z-Vermehrungen von Winterraps-Populationssorten, Rübsen, Hanf, Rübensamen im Überwinterungsanbau und Pflanzkartoffeln sind es mindestens zwei. Bei allen anderen Fruchtarten und Anbauverfahren findet mindestens eine Feldbesichtigung statt. Die Termine für die Besichtigung der einzelnen Fruchtarten werden jährlich rechtzeitig auch im Internet und in dem Rundschreiben an die Verfahrensbeteiligten bekannt gegeben. Der jeweilige exakte Besichtigungstermin muss letztlich nach dem Entwicklungszustand des jeweiligen Feldbestandes festgesetzt werden.

 

Jeder Vermehrungsbestand muss ordnungsgemäß bearbeitet und behandelt sein. Beispielsweise wäre bei völliger Verunkrautung oder starken Herbizidschäden eine korrekte Feldbesichtigung gar nicht möglich. In derartigen Fällen wäre u. a. die Sortenansprache beeinträchtigt. Die Ansprache der Sorte als solcher ist natürlich ein wichtiger Punkt, auf den der Feldbesichtiger in jeder Vermehrung sein Augenmerk richtet. Über die Sortenechtheit hinaus wird im Feldbestand auch die Sortenreinheit festgestellt: nicht dem Sortenstandard entsprechende Pflanzen, sogenannte abweichende Typen, dürfen nur bis zu bestimmten Grenzwerten vorhanden sein. Beispielsweise beträgt bei Getreide der Kategorie Z1 die höchstens zulässige Anzahl von abweichenden Typen maximal 15 Pflanzen je 150 m². Im Hinblick auf möglichen Fremdbesatz gibt es zu den erforderlichen Vorfrucht-Verhältnissen als Voraussetzung für die Anmeldung von Vermehrungen entsprechende Regelungen. Bei Mähdruschfrüchten gelten für das Fortführen des Anerkennungsverfahrens trotz Überschreitung der zulässigen Werte im Feldbestand (Genehmigung der Aufbereitung nach § 8 Abs. 2) höhere Grenzwerte, die etwa das Doppelte des zulässigen Besatzes betragen.

Das Bereinigen der Felder von Pflanzen fremder Arten sowie abweichender Typen sowie ggf. auch von Unkräutern sollte bis zum Besichtigungstermin durchgeführt sein. Nach der Besichtigung notwendig werdende Bereinigungen haben eine gebührenpflichtige Nachbesichtigung zur Folge. Bei der Vermehrung von fremdbefruchtenden Arten wird auch das Vorkommen von nicht-sortenechten Pflanzen in anderen Feldbeständen innerhalb der Mindestentfernung kontrolliert. Hier gelten insbesondere bei Hybridroggen enge Grenzwerte. Diese Fremdpflanzen müssen bis zur Blüte des Vemehrungsbestandes entfernt sein, um Fremdbefruchtung auszuschließen. Landwirte, deren Feldbestände innerhalb der Mindestentfernung zu Fremdbefruchter-Vermehrungen liegen und in denen entsprechender Fremdbesatz vorhanden ist, werden gebeten, dem ggf. erforderlichen Bereinigen dieser Konsumbestände zuzustimmen. Anträge zur Feldbestandsprüfung von Wintergetreide, welches nach Wintergetreide der gleichen Fruchtart, jedoch anderer Sorten steht, werden nicht angenommen. Beim Auftreten von Flugbrand ist eine Bereinigung wirkungslos, da die Sporen aus Brandähren sofort nach deren Erscheinen verbreitet werden und durch die Blüteninfektion das heranwachsende Saatgut infizieren. Das Bereinigen der Bestände von ausgestäubten Brandähren kann daher die Infektionen nicht verhindern oder ungeschehen machen. Vermehrungsbestände, aus denen Flugbrandpflanzen entfernt wurden, werden in jedem Fall ohne Erfolg feldbesichtigt, unabhängig davon, wie hoch der Ausgangsbefall möglicherweise war. Das Auftreten von Flugbrand wird auch in den Nachbarbeständen im Umkreis von 50 m kontrolliert und bewertet. Zulässig sind maximal 15 Flugbrandpflanzen je 150 m². Im Übrigen gelten hinsichtlich der Bereinigung von Flugbrandpflanzen die gleichen Vorschriften wie für den Vermehrungsbestand. Für andere Brand-Krankheiten (außer Zwergsteinbrand) gilt eine Norm von maximal 3 (bei V/B-Saatgut) bzw. 5 (bei Z-Saatgut) Pflanzen je 150 m². Werden Flughafer und Flughaferbastarde in Hafervermehrungen vorgefunden, wird eine Nachbesichtigung nicht genehmigt. Hafervermehrungen müssen also frei von Flughafer/Flughaferbastarden sein. Dieses gilt für den ganzen Schlag und nicht nur für die Auszählstrecken (Nulltoleranz). Bei der Erzeugung von Vorstufen- oder Basissaatgut darf darüber hinaus in einem Abstand von 100 m vom Vermehrungsbestand kein Flughafer oder Flughaferbastard auftreten. Werden Flughafer oder Flughaferbastarde in Weizen-, Roggen- und Gerstenvermehrungen vorgefunden, kann eine (nochmalige) Bereinigung mit kostenpflichtiger Nachbesichtigung genehmigt werden, wenn ein Erfolg der Arbeit erwartet werden kann (kein Lager, wenig Fremdbesatz). Fremdeinflüsse müssen in Vermehrungen weitgehend unterbunden werden.

Auch deshalb ist bei Mähdruschfrüchten besonderer Wert auf das einwandfreie Herstellen von Trennstreifen zu Nachbarschlägen zu legen. Der Trennstreifen muss für den Feldbesichtiger deutlich erkennbar sein und durch das Vorgewende bis zum Schlagende durchlaufen. Wenn der zur Abgrenzung dienende Trennstreifen bei der Aussaat nicht angelegt wurde, muss er durch Fräsen, chemische Behandlung oder Herausmähen hergestellt werden. Bei allen fremdbefruchtenden Fruchtarten sind Mindestentfernungen zu beachten. Bei Wintergerste gilt dies zu Beständen abweichender Zeiligkeit. In Gerste benachbarten Feldbeständen (z. B. auch Grünbrache) beträgt die höchstens zulässige Anzahl von Gerstenpflanzen anderer Zeiligkeit innerhalb der Mindestentfernung 50 je 150 m² bei Vorstufen- und Basissaatgut bzw. 150 je 150 m² bei Z-Saatgutproduktion. Desgleichen beträgt bei Vermehrungen von Roggen-Populationssorten die höchstens zulässige Anzahl von Roggenpflanzen innerhalb der Mindestentfernung 50 je 150 m² bei Vorstufen- und Basis- bzw. 150 je 150 m² bei Z-Saatgutproduktion. Bei fremd befruchtenden Gräsern (dazu zählen außer Rispenarten alle Gräser) beträgt die höchstens zulässige Anzahl entsprechender Graspflanzen, die zu Fremdbefruchtung führen können, innerhalb der Mindestentfernung 50 je 150 m² bei Vorstufen- und Basis- bzw. 150 je 150 m² bei Z-Saatgutproduktion.

 

Bei Pflanzkartoffeln findet die erste Besichtigung ab dem 07.06.2021 statt. Etwa 2 – 3 Wochen später findet dann die zweite und letzte obligatorische Feldbesichtigung statt. Weitere Besichtigungstermine im Zeitraum Mitte Juli bis Ende August werden am 08.07.2021 bekanntgegeben; hierunter fallen Kontrollen auf Schwarzbeinigkeit bzw. im Rahmen des Testbefreiungsverfahrens. Am 08.07.2021 werden alle Züchter und V-Firmen vorab per E-Mail genau darüber informiert, wie der weitere Ablauf hinsichtlich weiterer möglicher Besichtigungstermine sowie hinsichtlich der Virustestung sein wird; diese Informationen lassen sich dann auch im Internet abrufen. Damit ist eine sehr zeitnahe Information der Vermehrer möglich. Die ordnungsgemäße Bereinigung von viruskranken Stauden ist nach wie vor unerlässlich. Dieses sollte rechtzeitig erfolgen, und nicht erst dann, wenn die Besichtigung durch den Feldbesichtiger ansteht. Die korrekte Abgrenzung von Pflanzkartoffelschlägen mittels durchgehender Trennreihe bzw. doppelt angerissenen Trennreihen von je 10 m Länge an beiden Schlagenden mit Stäben in 50 m Abstand ist zu beachten.

 

 

 

 

Seit 2020 müssen zusätzlich die RNQPs, d. h. „Regulated Non Quarantine Pests“, zu Deutsch: Unionsgeregelte Nicht-Quarantäneschädlinge, berücksichtigt werden. Für viele landwirtschaftliche und gärtnerische Arten wurden durch die EU-Kommission Grenzwerte für RNQPs sowie zu ergreifende Maßnahmen beim Auftreten definiert. Viele dieser Schaderreger wurden in der Vergangenheit bereits im Rahmen des Anerkennungsverfahrens geprüft. Einige Schaderreger sind neu hinzugetreten. Als im Hinblick auf die Feldbestandsprüfung relevante Beispiele für neu hinzugetretene Krankheitserreger seien hier genannt bei Pflanzkartoffeln Ditylenchus destructor, Kartoffel-Spindelknollenviroid (Potato spindle tuber viroid, PSTVd), Zebra-Chip-Krankheit (Candidatus Liberibacter solanacearum), Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) sowie bei Luzerne Bakterienwelke (Clavibacter michiganensis ssp. insidiosus) und Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci). Für einen gesamten Überblick bei Feldbestandsprüfung, Beschaffenheitsprüfung und Zertifizierung der Fruchtarten verweisen wir auf unsere Hinweise unter www.ag-akst.de bzw. www.lwk-niedersachsen.de.

 

Jede einzelne Feldbesichtigung und die Feldbestandsprüfung insgesamt schließen mit einer offiziellen Mitteilung ab, welcher unter Wahrung entsprechender Fristen jeweils widersprochen werden kann. Bei Unklarheiten oder Unstimmigkeiten ist es hier natürlich zunächst sinnvoll, Kontakt mit der Anerkennungsstelle aufzunehmen.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 26.04.2021